Schlagerlegende

Bibi Johns

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Sie kam aus Schweden, wollte nach Amerika und fand in Deutschland eine neue Heimat. Bibi Johns gehörte zu den größten Stars der Wirtschaftswunderjahre. Schon früh entstand eine besondere Verbundenheit mit dem Südwestrundfunk, die bis heute anhält.

"Ich lebe" antwortet Bibi Johns auf die vielgestellte Frage, was sie denn heute macht. Sich treiben lassen, keinen Verpflichtungen nachgehen zu müssen und nur das tun, wozu man Lust hat. Dazu zählt auch eine große Feier anlässlich ihres runden Geburtstags. Rund 60 Gäste werden erwartet: "Es ist ziemlich stressig, aber wird sicher sehr schön" erzählte sie uns vor ihrem 90. Geburtstag am Telefon.

Sie lebt im Hier und Jetzt

Seit den frühen 1950er Jahren zählte Bibi Johns jahrzehntelang zu den ganz großen Stars. "Es sind wunderbare Erinnerungen, aber ich blicke eigentlich nicht zurück. Ich versuche, im Hier und Jetzt zu leben. Ich will nicht zurück." Dennoch schaut sie sich gelegentlich gerne einen ihrer alten Filme an, die bis heute immer wieder im Fernsehen gezeigt werden.

Bibi Johns (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/United Archives)
Bibi Johns picture alliance/United Archives

So kam Bibi Johns zum Film

"Wie werde ich Filmstar" lautete der Titel einer ihrer insgesamt zwanzig Musikfilme, die sie gedreht hatte. In einem Zeitungsinterview beantwortete Bibi Johns diese Frage: "Ob man ein Star ist, müssen andere sagen. Aber wie ich zum Film kam, kann ich erzählen. Man braucht genau 240 Dollar, um sich die Welt zu erobern. Ich habe es errechnet und bewiesen. Schneiderlehre, Modezeichnerin, Verkäuferin im Schallplattengeschäft, Geld gespart und mit dem Geld nach Amerika gereist." Doch ganz so einfach war es dann doch nicht…

Die eigene Klarinette

Die Musik hatte es ihr angetan - genauer gesagt: der Jazz. Der Gesang war ihre Leidenschaft und Ella Fitzgerald ein Vorbild. Bibi Johns nahm nebenbei Gesangsunterricht und wünschte sich eine eigene Klarinette, die sie u.a. durch Gärtnerei-Arbeit finanzierte. Trotz der musikalischen Ambitionen dachte sie vorerst nicht daran, ins Showbusiness zu gehen.

Kontakte knüpfen für die Karriere

Als junge Musiker mit einer Revue durch die Lande zogen, saß eine begeisterte Bibi Johns im Publikum. Ihre Freundin knüpfte einen Kontakt zu einem Ensemblemitglied. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf. Bibi wurde unerwartet zu Proben eingeladen und - als eine Sängerin ausfiel - engagiert. Sie hängte die Schule an den Nagel und ging mit auf Tournee. 1949 folgten in Schweden ihre ersten Schallplattenaufnahmen und bald hatte sie sich in ihrer Heimat einen Namen gemacht.

Von Erwin Lehn und dem SDR nach Amerika

Aber auch in Deutschland war man bereits früh auf sie aufmerksam geworden: Sie wurde nach Stuttgart eingeladen und bald als erste Solistin für das soeben von Erwin Lehn neu gegründete Unterhaltungsorchester verpflichtet. Bereits 1951 entstanden erste Aufnahmen.

Trotz beachtlicher Anfangserfolge nahm Bibbi Johnson (wie sie sich damals noch nannte) Abstand von weiteren Verpflichtungen. Grund hierfür waren ihre Pläne, nach Amerika zu gehen. Diesen Plan hegte sie schon seit Kindertagen.

In Übersee fand sie bald in Künstlerkreisen Anschluss und aus Bibbi Johnson wurde "Bibi Johns": Sie trat in Programmen auf, in denen beispielsweise Eartha Kitt und Harry Belafonte mit von der Partie waren. In New York entstand 1953 ihr amerikanisches Schallplattendebüt "The night is filled with echoes". Bei einem Heimaturlaub machte sie einen Besuch bei ihrer Schallplattenfirma in Stockholm. Eben zu diesem Moment lauschte nebenan der Electrola-Produzent Nils Nobach begeistert ihren Platten. Die Einladung zu Aufnahmen nach Köln folgte prompt.

Der Erfolg in Deutschland ließ sie Amerika vergessen

Gitte Haenning und Bibi Johns (Foto: dpa Bildfunk, dpa/Bildfunk -)
Gitte Haenning und Bibi Johns dpa/Bildfunk -

Der Start der deutschen Plattenkarriere verlief glänzend. Es folgte Hit auf Hit, Tournee- sowie Film-Verpflichtungen füllten den Terminkalender zusätzlich. So wurde die geplante Rückreise nach Amerika immer wieder verschoben und am Ende ganz aufgegeben. Stattdessen wurde sie in Deutschland zu einem der größten Stars. Eine besondere Beziehung entwickelte sich zu Erwin Lehn und seinem Südfunk-Tanzorchester, mit dem sie nicht nur häufig auf Tournee ging sondern auch so etwas wie die "Haussängerin" des Orchesters wurde. Sie produzierte zahlreiche Titel in Stuttgart und übernahm später sogar die Patenschaft von Erwin Lehns Tochter Georgia.

Schwedische Volkslieder

Gerne denkt Bibi Johns an die Arbeit beim Südwestrundfunk zurück. Auch in Baden-Baden war sie zu Gast und nahm dort 1972 mit Dieter Reith einige schwedische Volkslieder für den Rundfunk auf, die ihr besonders am Herzen liegen. Zu ihrer großen Freude sind diese vor einigen Jahren auf CD erschienen. Für neue Aufnahmen geht Bibi Johns jedoch nicht mehr ins Studio. Stattdessen widmete sie sich in ihrem Schwedenhaus in der Nähe von München lange Zeit ganz der Malerei und religionsphilosophischen Büchern.

Schwein gehabt

Aktuell gilt ihr Engagement Oscar, einem 400 Kilogramm schweren Borstentier, das auf Gut Aiderbichl im bayerischen Iffeldorf lebt. Die Künstlerin finanziert seinen Lebensunterhalt, schaut aber auch regelmäßig auf dem Gnadenhof vorbei und verteilt Streicheleinheiten. Mit dieser prominenten Patin hat der Eber echt Schwein!

Besondere Plattencover von Bibi Johns

Plattencover Bibi Johns (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
Zur Jahreswende 1957/58 kam die Komödie "Wenn Frauen schwindeln" in die Kinos. Dort sang sie den Schlager "Aber nachts in der Bar", der zu einem ihrer größten Hits wurde. In weiteren Rollen waren beispielsweise Friedel Hensch, Erik Schumann und Gustav Knuth zu sehen. Polydor (Coverscan)
Plattencover von Bibi Johns (Foto: SWR, Polydor (Coverscan) -)
1961 schaffte sie es letztmalig in die deutsche Hitparade: ihre Version des Klassikers "Goodness gracious me" kletterte bis auf Platz 37. Konkurrenz erhielt sie durch Lonny Kellner und Peter Frankenfeld mit "Bum Budi Bum, das kann gefährlich sein". Das Ehepaar Kellner/Frankenfeld hatte beim Publikum die Nase vorn, die Fassung von Bibi Johns, begleitet vom Hazy Osterwald-Sextett, geriet hingegen zur gesuchten Rarität. Polydor (Coverscan) -
Plattencover Bibi Johns (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
"Ich habe nie eine Langspielplatte mit einem musikalischen Konzept gemacht" erklärte Bibi Johns in einem Interview. "Meine Kolleginnen haben nebenbei auch Jazzplatten gemacht oder konnten in andere musikalische Ausdrucksformen gehen. Aber ich durfte das nicht. Es ist nie dazu gekommen." Zumindest eine Art "Best of" findet sich in ihrer Discographie: eine Kopplung ihrer Erfolge aus der "Polydor"-Zeit kam unter dem Titel "Aber nachts in der Bar" 1987 heraus. Polydor (Coverscan)

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