Schlagerlegende

Die vielen Karrierestarts von G.G. Anderson

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Hans-Jürgen Finger

Aus der Universitätsstadt Göttingen stammen nicht nur kluge Köpfe. Dort bildete sich eine der ersten deutschen Beatgruppen, ihr Name: "Blue Moons". Mit dabei neben anderen bekannten Namen aus der Schlagerbranche auch Gerd Grabowski alias G. G. Anderson. Seine Geschichte von Beat zu Sweet  war recht wechselvoll, wie die raren Singleveröffentlichungen der 1960er und 1970er Jahre zeigen.

Mitte der 1960er Jahre begann die musikalische Laufbahn von G. G. Anderson. Schlagzeug und Beatmusik waren die Passion des gelernten Elektrikers, der seine Freizeit in der Band "The Rackets" verbrachte. Gegen Ende der 1960er Jahre stieß er zu den "Blue Moons", deren Gründung bereits 1962 erfolgt war. Die Besetzungsliste dieser Band offenbart als Mitglieder beispielsweise Wolff-Ekkehardt Stein, Bernd Dietrich oder Wolfgang Jass, die alle zu festen Größen in der Schlagerbranche wurden.

Deutsche Texte, englischer Beat mit den "Blue Moons"

Die Musiker spielten sich aus dem Amateurlager nach und nach ins Rampenlicht empor. Die "Blue Moons" nahmen an zahlreichen Band-Wettbewerben teil und so lernten sie im Rahmen des Baden-Badener "Talentschuppens" den Berliner Produzenten Thomas Meisel kennen. Seinen Rat, einen echten Gassenhauer zu produzieren, ließen sich die fünf Jungs nicht zweimal sagen. Deutscher Text gepaart mit englisch instrumentiertem Beat - dieses Rezept war die Überzeugung der Band und diese Mischung füllte gewissermaßen auch eine Marktlücke. "Mary-Maria" und "Molly und Jojo" waren die Resultate.

G.G. Anderson (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/Schultes)
G.G. Anderson (1990) picture-alliance/Schultes

Den ersten Plattenvertrag gab es Ende 1969 - der Wechsel ins Profilager war damit vollzogen. Konzerte in der ganzen Bundesrepublik und Tourneen mit Größen wie "The Hollies" folgten. Die Musik der "Blue Moons" mit Gerd Grabowski in der Band gab es auf insgesamt vier Single-Veröffentlichungen zu hören, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Im europäischen Ausland  waren die Platten ebenso zu bekommen,  sogar in Amerika wurden die Aufnahmen veröffentlicht.

Hoch geflogen und doch abgestürzt

Diese Erfolge ließen auf das große internationale Popgeschäft hoffen. Im Hinblick auf diese Entwicklung wurde aus den "Blue Moons" die Band "Love And Tears". Zunächst handelte es sich um eine runde Sache, es glückte sogar ein weltexklusiver Plattenvertrag mit der CBS in London. Was anfangs nach Weltruhm aussah, entpuppte sich leider alsbald als Schall und Rauch. Der erhoffte Welthit blieb aus, es gab Differenzen zwischen der englischen Plattenfirma und den deutschen Produzenten und die Band fand ein jähes Ende. Die Auflösung erfolgte 1975.

Neuanfang unter dem Namen Alexander Marco

Für Gerd Grabowski hatte der Neuanfang bereits 1973 in Form von Soloplatten begonnen. Der Produzent Dieter Behlinda, der zusammen mit Michael Holm die Aufnahmen von "Love and Tears" produzierte, wurde auf Gerd Grabowski aufmerksam und machte aus ihm "Alexander Marco". Der Begleittext der Plattenfirma lautete: "Alexander Marco, 24 Jahre jung, Schlagzeuger par excellence, Texter, Komponist und jetzt auch Sänger, hat seine erste Single veröffentlicht. Zwei romantische Lieder, die er mit viel Ausdruckskraft in der Stimme darbietet". Unter diesem Pseudonym veröffentlichte er bis 1976 drei Single-Schallplatten. 

G.G. Anderson (Foto: IMAGO, imago)
G.G. Anderson (1998) imago

Das Debüt war "Kleines Lied vom Sonnenschein", welches als "Rock and Roll Lullaby" ein Jahr später von der Band "Love and Tears" mit dem Lead-Gesang von Gerd Grabowski nochmals herausgebracht wurde. Nomen est omen oder bereits ein Blick in die Zukunft?  "Weine nicht beim Abschied - es gibt ein Wiederseh'n" ist die vorletzte Alexander Marco-Single, die in die Geschäfte kommt. Sein Vinyl-Finale "Nur einen Sommer" lässt Rückschlüsse auf eine musikalische Eintagsfliege zu.

Aus Gerd Grabowski wird Tony Bell

Das Versprechen auf ein Wiederhören ließ nicht lange auf sich warten. 1977 startet Gerd Grabowski unter dem Pseudonym "Tony Bell" einen weiteren Versuch, die Hitparaden zu stürmen. Bis 1979 erschienen vier Singles, drei davon in englischer Sprache gesungen. Die Feststellung "Nichts ist schlimmer als ein Leben ohne Frau'n" beendete die Episode "Tony Bell" ohne nennenswerte Auswirkungen in der Schlagerhistorie hinterlassen zu haben.

G.G. Anderson (Foto: IMAGO, imago/viadata)
G.G. Anderson (2014) imago/viadata

Ab 1980 dann endlich unter dem Namen G.G. Anderson

Der letzte Relaunch, der dann zum endgültigen Durchbruch führen sollte, erfolgte 1980. Im April des Jahres steht zum ersten Mal der Name "G. G. Anderson" auf einer Schallplatte. "Always and ever" war der Titel, der allerdings eher in der deutschen Fassung von Bernhard Brink "Wenn and’re schlafen" in Erinnerung geblieben ist. Im Oktober kam das rhythmische und absolut ohrwurmtaugliche "African Baby" heraus und im Monat April des Jahres 1981 folgte schließlich der Titel, der ihn nachhaltig in die Hitparaden katapultierten sollte: "Mama Lorraine". 

Die ersten drei Schaffensjahre als "G. G. Anderson" brachten ausschließlich in englischer Sprache gesungene Platten hervor. Erst 1983 erschien seine erste deutschsprachige Single "San Fernando", welche er bereits zuvor - englisch gesungen - als "Memories of Lucia" veröffentlichte. Ab diesem Zeitpunkt hatte er sich als deutscher Schlagersänger endgültig etabliert und die Erfolgsgeschichte nahm ihren bekannten Lauf.

G.G. Anderson (Foto: IMAGO, Star-Media)
G.G. Anderson mit seiner Ehefrau Monika Star-Media

"Ich bin so treu wie Gold" - diesem Erfolgstitel von G. G. Anderson kann uneingeschränkt zugestimmt werden. Denn ein bisschen von den "Blue Moons" steckt auch heute noch in vielen Produktionen drin. Zusammen mit Bernd Dietrich, dem ehemaligen Lead-Sänger der Band und Wolff-Ekkehardt Stein, dem Gründer der "Blue Moons" entstanden viele der ganz großen Hits des G. G. Anderson - das gilt bis in die Gegenwart.

Besondere Plattencover von G. G. Anderson

Plattencover von G.G. Anderson (Foto: SWR, Coverscan (Telefunken))
Die letzte Single, die unter diesem Pseudonym erschien, sang er in deutscher Sprache: "Nichts ist schlimmer als ein Leben ohne Frau’n" - eine Erkenntnis des Jahres 1979. Coverscan (Telefunken)
Plattencover von G.G. Anderson (Foto: SWR, Coverscan (Hansa Records))
Andrea Jürgens hatte mit der deutschen Fassung einen frühen Hit und GG Anderson sang die englisch-sprachige Original-Version: „Mama Lorraine“. Coverscan (Hansa Records)
Plattencover von G.G. Anderson (Foto: SWR, Coverscan (Hansa Records))
Der Startschuss der Karriere als GG Anderson: „Always and ever“. Während das Original kaum mehr gespielt wird, ist die deutsche Cover-Version von Bernhard Brink „Wenn and’re schlafen“ immer wieder mal zu hören. Coverscan (Hansa Records)

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Hans-Jürgen Finger

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