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Seit über acht Jahrzehnten ist sie im Showgeschäft tätig und hat weltweit über 70 Millionen Tonträger verkauft. Mit "Downtown" schaffte Petula Clark 1964 ihren großen internationalen Durchbruch. Zu diesem Zeitpunkt stand sie bereits 22 Jahre lang auf der Bühne, die sie schon als Kinderstar eroberte.

Plattencover Petula Clark (Foto: SWR, Axcrobat Music (Coverscan) -)
Raritäten aus den Jahren 1949 bis 1957 - diese Sammlung reicht von einseitig bespielten Promo-Pressungen über ihre ersten Hitparaden-Notierungen wie „The little shoemaker“ bis hin zu ihren ersten Aufnahmen in Frankreich. Dort stand übrigens auch die Wiege des Liedes vom kleinen Schuhmacher, das Francis Lemarque 1954 im Original textete und interpretierte („Le petit cordonnier“). Manches aus dieser Zeit kam noch auf zerbrechlichen Schellack-Platten auf den Markt. Axcrobat Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ihr erstes Studioalbum stand 1957 in den Geschäften. "You are my lucky star" bestand aus insgesamt zwölf Titeln, die ausnahmslos aus Hollywood-Filmen stammten. Zum Aufnahmezeitpunkt war Petula Clark gerade mal 14 Jahre alt und sie interpretierte diese Film-Evergreens - wie beispielsweise "Sonny Boy" oder "As time goes by" - auf eine atemberaubende Weise. Sequel Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1958 besang sie ihre erste französisch-sprachige Platte ("Allo mon coeur"), welche auch auf ihrem kurze Zeit später dort erschienenen ersten Album Eingang fand. Gelegenheit zur Vorstellung der Platte hatte sie 1959 auf einer Tournee durch ganz Frankreich. Bei dem Titelsong "Prends mon coeur" handelte es sich übrigens um eine Cover-Version des Elvis Presley-Hits "A fool such as I". Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1961 gelang der Sprung auf den Spitzenplatz der Hitparaden mit "Sailor", der englischen Version des Lolita-Hits "Seemann, Deine Heimat ist das Meer". Im gleichen Jahr coverte sie sowohl für den englisch- als auch den französisch-sprachigen Plattenmarkt die Robert Stolz-Komposition "Salome". "Roméo", wie der Titel bei ihr lautete, bescherte ihr die erste goldene Schallplatte. All diese Erfolge erschienen auf dieser Doppel-CD. Musictales (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Gleich ihre erste deutschsprachige Platte "Monsieur" wurde vergoldet und als die bis dato meist verkaufte Single eines ausländischen Interpreten gewürdigt. Karl Götz (Musik) und Kurt Hertha (Text) erdachten eine verspielte, unbeschwerte Nummer, die den Ton für die weiteren deutschen Veröffentlichungen vorgab. 1962 war die Single 21 Wochen lang in den Top Ten notiert. Die beiden Autoren schrieben auch die Nachfolge-Platte "Casanova baciami", die Platz 2 der Hitparade erreichte. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1964 veröffentlichte sie ihre erste Langspielplatte in Kanada. Neben französischen Versionen von Hits wie "Anyone who had a heart" (Original: Dionne Warwick) oder "Please, please me" (Original: The Beatles) sang sie Eigenkompositionen wie "Dans le train de nuit" oder "Prends garde á toi" aus dem Film "A couteaux tirés", in dem sie nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch die Musik dazu schrieb. Auf der Rückseite stand zu lesen: "Petula Clark - das ist so viel Talent." Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Downtown" wurde Ende 1964 veröffentlicht und erreichte in vielen Ländern die Spitze der Hitparaden. In Amerika erhielt sie hierfür einen Grammy. 2003 wurde das Lied in die "Grammy Hall of Fame" aufgenommen. Petula Clark sang "Downtown" in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache. Viele namhafte Interpreten übernahmen den Hit, darunter Siw Malmkivst, die den Evergreen in schwedischer Sprache sang, Ray Conniff oder Frank Sinatra. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die nächste Nummer 1 folgte: "My love" stand 1966 in Großbritannien und Amerika in den Bestseller-Listen ganz oben. In Deutschland erreichte sie damit den 13. Platz und ihre deutsche Version "Verzeih' die dummen Tränen" erreichte immerhin Rang 21. Zunächst stand sie dem Titel etwas skeptisch gegenüber und war der Ansicht, dass er "etwas flach" geraten war. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Diesmal nehme ich gleich ein ganzes Dutzend Weltnummern auf" meldete sich Petula Clark bei ihrem englischen Produzenten. Sie kam ins Studio und sang u. a. "Monday Monday" von "The Mama's and The Papa's" oder "Strangers in the night" von Bert Kämpfert. Nach Abschluss der Aufnahmen soll sie gesagt haben: "Naja, hätte alles noch viel besser sein können. Aber ich möchte die Techniker im Studio nicht überanstrengen. Die Jungens sehen ja beängstigend blass aus!" Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Charlie Chaplin schrieb für seinen letzten Film "A countess from Hong Kong" das sentimentale Lied "This is my song". Im Januar 1967 nahm sie den Titel mehrsprachig auf. Zuletzt folgte noch eine englische Fassung, obwohl sie den altmodischen Text nicht mochte und die Single-Veröffentlichung verhindern wollte - vergeblich. Glücklicherweise, denn "This is my song" - oder hier in der französischen Version "C’est ma chanson" - wurde zu einem ihrer größten internationalen Erfolge. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Neben all diesen musikalischen Aktivitäten setzte sie auch ihre Filmkarriere fort und stand u. a. 1968 neben Fred Astaire vor der Kamera. Einundzwanzig Jahre nach der Broadway-Premiere des Musicals "Finian’s Rainbow" ("Der goldene Regenbogen") wurde das Werk unter der Regie von Francis Ford Coppola verfilmt. Erfolg auch in diesem Genre: Petula Clark wurde in der Kategorie "Beste Filmschauspielerin Musical/Comedy" für einen Golden Globe nominiert. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Diese Langspielplatte stand 1968 in den Geschäften. Sie fasste mehrere EP- und Single-Veröffentlichungen zusammen und bot eine ganze Reihe von Hits, die zu Evergreens wurden. Darunter "The other man’s grass", "Kiss me goodbye" oder ihre Version des Engelbert-Hits "The last waltz". Sie ging - neben Mireille Mathieu - mit der französischen Version "La dernière valse" an den Start. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Das neue Jahrzehnt startete im Dreivierteltakt: "C’est le refrain de ma vie" drehte sich auf den Plattentellern und es gelang ein erneuter internationaler Erfolg. Mit der deutschen Version "Das ist mein Leben, Chérie" beendete sie ihre deutschsprachige Schallplattenkarriere. Ab 1972 verlegte sie ihren Schwerpunkt zunehmend auf Shows in Las Vegas, gab zahlreiche Konzerte in Frankreich und Kanada und war in unzähligen Fernsehshows zu sehen. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Mit einem Remix von "Downtown" im Disco-Stil startete sie 1987 ihr Schallplatten-Comeback. Ein Jahr später folgte das Album "My greatest", auf dem viele ihrer Hits in Neuaufnahmen zu hören waren. Die Aufnahmen hierzu fanden in den Niederlanden statt. Begleitet wurde diese Zusammenstellung von der neuen Single "If you ever go away". Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ende der 1980er Jahre erschienen hierzulande zwei Singles, die von Ralph Siegel komponiert und produziert wurden: "Too many lonely hearts" und "Help a friend" - eine Benefiz-Platte, bei der Petula Clark zusammen mit Stars wie u. a. Natalie Cole, Tony Christie, David Hasselhoff, Mireille Mathieu, Nicki und Nicole unter dem Namen "Helping Hands" für einen guten Zweck sang. Von jeder verkauften Platte ging eine Spende an AIDS-erkrankte Kinder. Jupiter (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"From now on" - ihre CD von 2016 wurde gut aufgenommen. Wenn man auf das Cover blickt, ist es kaum zu glauben, dass die Künstlerin 84 Jahre alt sein soll. Ihre Stimme klingt nach wie vor kraftvoll, ihre Lieder sind auf der Höhe der Zeit. Einflüsse aus Rock, Country, Musical und sogar Elektro sind vertreten. Bei diesem Album schrieb sie eine ganze Reihe der Lieder selbst, sang die Backgroundchöre und spielte Klavier - wie bei "Sacrifice my heart", das als Vorab-Single erschien. Vogue (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Am 17. Oktober 1942 - es herrschte Krieg - sang die kleine Petula für ihren im Irak stationierten Onkel in einer Sendung der BBC ein Lied. Prompt wollten die Zuhörer mehr hören von diesem kleinen Mädchen mit der kristallklaren Stimme - eine Karriere als Kinder-Star begann.  

In den 1940er und 1950er Jahren war sie regelmäßiger Gast in Radiosendungen und wurde so etwas wie ein Fernsehpionier in England, zuerst im Versuchs-Fernsehen und später als Moderatorin eigener Serien - "Pet's Parlour" lief am längsten und war äußerst populär.

Schon im Alter von zwölf Jahren konnte sie auf gut 500 Galavorstellungen zurückblicken. Sie erhielt einen Vertrag für Filme und stand 1944 erstmals vor der Kamera, drehte u. a. mit Peter Ustinov und Alec Guinness. Aber trotz der Filmkarriere - ihr Idol war übrigens Ingrid Bergman - vergaß sie nie den Gesang. 1949 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag.

Mit "The little shoemaker" gelang ihr 1954 die erste Chart-Notierung in England. 1957 erhielt sie eine Einladung ins Pariser "Olympia", welcher sie nur widerwillig folgte. Sie war stark erkältet, an jenem Abend nicht in Form und sang grottenschlecht. Sie hatte nur den Wunsch, schnell in die Heimat zurückzukehren. Doch die Rechnung hatte sie ohne das Publikum gemacht - es raste vor Begeisterung.

Der Chef hat eine Idee und das Licht geht aus

Drei Personen, davon ein Hochzeitspaar (Foto: Imago, Imago -)
Heirat mit Claude Wolff, rechts Sänger Dickie Valentine Imago Imago -

Darauf forderte ihr Chef: "Sie müssen Schallplatten in französischer Sprache machen!" Dies war überhaupt nicht in ihrem Sinne, doch er ließ nicht locker. Plötzlich erlosch das Licht über seinem Schreibtisch und der Boss rief einen Mitarbeiter herein, der die Glühbirne wechselte. Petula Clark fragte, wer das gewesen sei. "Claude Wolff, unser PR-Mann" antwortete der Plattenchef. Er sei es auch, der ihre Platten in Frankreich vermarkten würde.

Anscheinend war es "Liebe auf den ersten Blick", denn Petula Clark änderte ihre ablehnende Haltung. Sie nahm eine französische Platte auf und Wolff stellte Petula Clark bei den wichtigen Rundfunk- und Presseleuten vor. Dabei war die Kommunikation nicht einfach, denn sie sprach kaum französisch. Was die Künstlerin ihrem Publikum bei Auftritten sagte, hatte sie zuvor phonetisch auf ihren Handflächen notiert.

Petula Clark (Foto: Imago, Imago/United Archives International -)
Petula Clark bei einem Auftritt Imago Imago/United Archives International -

Aus der Geschäftsbeziehung entwickelte sich mehr. Die beiden heirateten 1961 und Petula verlegte ihren Wohnsitz nach Frankreich. Dort hatte sie nun größeren Erfolg als in ihrer Heimat. Das Musikgeschäft boomte und die Plattenfirma wollte sie auch in anderen Ländern bekannt machen - darunter Deutschland. "Einige der deutschen Aufnahmesitzungen waren besonders anstrengend, obwohl mir gesagt wurde, mein Deutsch klinge sehr gut" erzählte sie in einem Interview. In Wirklichkeit konnte sie kein Wort und lernte den Liedtext in Lautschrift.

Seit Anfang der 1960er Jahre begann Petula Clark selbst zu komponieren. Mitunter benutzte sie hierfür das Pseudonym "Al Grant".

Ein inspiriernder Spaziergang "Downtown"

Ein wichtiger Mann in ihrer musikalischen Laufbahn war der Songwriter und Produzent Tony Hatch, mit dem sie lange Zeit eng zusammenarbeitete. 1964 flog er nach New York, um nach neuem Songmaterial Ausschau zu halten. Bei einem Spaziergang zum Broadway und zum Times Square inspirierte ihn diese Atmosphäre zu einer Melodie. Nur ein Text fiel ihm nicht dazu ein. Er wusste nur, dass "Downtown" darin vorkommen müsse. Er legte die Idee auf Eis…

Wenig später traf er Petula Clark und spielte ihr einige der Melodien vor, die er aus Amerika mitgebracht hatte. Sie war wenig begeistert und fragte ihn, ob er denn nicht auch etwas Eigenes parat hätte. Da die Zeit drängte, spielte er ihr die noch unfertige Melodie vor. Petula Clark sah darin ein unglaubliches Potential: "Mach' das fertig, schreib' einen guten Text und lass' Dir ein tolles Arrangement einfallen". "Downtown" wurde ein Welthit und Petula Clark schaffte damit in Amerika ihren großen Durchbruch.

Frau mit Baby auf dem Arm (Foto: Imago, Imago/Zuma Press -)
Petula Clark mit Tochter Catherine Imago Imago/Zuma Press -

Für Petula Clark waren die 1960er Jahre eine äußerst anstrengende Zeit. Der Terminkalender war zum Bersten voll: "Manchmal kam ich mir ein wenig wie eine Hitfabrik vor." Außerdem wurde sie Mutter. 1961 erblickte Tochter Barbara das Licht der Welt, zwei Jahre später Catherine und 1972 folgte schließlich Sohn Patrick.

Eine andere Mutterrolle brachte sie zum Musical: 1981 spielte sie im Londoner Westend die Maria von Trapp in "The sound of music". Es folgte "Candide" von George Bernard Shaw, später die Hauptrolle in ihrem selbst geschriebenen Musical "Someone like you". 1993 feierte sie ihre Broadway-Premiere in "Blood Brothers" und kehrte zwei Jahre später in die britische Hauptstadt zurück, um eine Rolle in Andrew Lloyd Webbers "Sunset Boulevard" zu übernehmen.

1998 wurde sie von der englischen Königin Elisabeth II. zum "Commander of the British Empire" ernannt und 2012 zeichnete sie der französische Kulturminister mit dem "Commander of the Ordre des Arts et des Lettres" aus. "Das ist ja nett, so etwas zu haben. Aber es ist nicht wichtig für mich" sagte sie dazu in einem Interview.

Auch im fortgeschrittenen Alter denkt sie nicht an den Ruhestand und ist nach wie vor in vielfältiger Weise im Showgeschäft aktiv. Auf ihrer Homepage verrät sie, dass es ihr in dieser schwierigen Corona-Zeit gut geht und sie sich derzeit in ihrem Wohnort in der Schweiz aufhält.

Steckbrief von Petula Clark
Geborenam 15. November 1932 in Epsom (Großbritannien)
Heirat1961 mit dem französischen Journalisten Claude Wolff, mit dem sie drei Kinder hat
WelthitDowntown (1964)
Weltpremiere1968 hielt sie Harry Belafonte bei einem Auftritt am Arm - die erste Berührung einer Weißen und eines Schwarzen im amerikanischen Fernsehen
Das wichtige DetailAls Petula Clark in Montreal zufällig John Lennon und Yoko Ono besuchte, sang sie dort mit vielen anderen bei einem Lied mit. Das kam dann als "Give peace a chance" auf den Markt.

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