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Alexandra war eine Künstlerin der besonderen Art. Ihre Musik hatte einen eigenen unverwechselbaren Ton, der dem Chanson näherstand als dem Schlager. Wir blicken zurück auf ihre Karriere und auf ihren frühen Unfalltod, der immer noch zu Spekulationen einlädt.

Mit vier Jahren bereits war sie bühnenreif. Während fast allen Darstellern im Märchenspiel "Schneewittchen" vor Lampenfieber und Unsicherheit die Knie schlotterten, klaute Alexandra - engagiert als kleinster der sieben Zwerge - den anderen vor den Augen des Publikums unbekümmert die Kekse vom Teller.

Viele Jobs für wenig Geld

Sieben Jahre später ersang sie sich ihre erste Gage: 60 Pfennig erhielt sie als Kirchenchormitglied fürs Jubilieren auf Hochzeiten. Als sie siebzehn war und die Meisterschule für Mode in Hamburg besuchte, kaufte sie sich von dem Geld, das sie sich als Zimmermädchen verdiente, eine Gitarre. Sie arbeitete bei einer Autoverleihfirma, um ihr Schauspiel-Studium zu finanzieren.

Hübsch zur Gitarre singen

Als Alexandra Theater in Neumünster spielte, erfuhr sie in einem Anruf, dass der bekannte Schallplattenproduzent Fred Weyrich händeringend nach Talenten suche. "Sie könne doch so hübsch zur Gitarre singen und ob sie nicht Lust hätte, dem Herrn vorzusingen." Weyrich war sofort begeistert von ihrem Talent, ihrer Ausstrahlung und ihrem außergewöhnlichen Repertoire. Er organisierte umgehend einen Studiotermin und machte mit ihr Probeaufnahmen.

Alexandra (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Wolfgang Weihs)
Alexandra bei einem Auftritt in der TV-Musiksendung "Musik aus Studio B". Picture Alliance/Wolfgang Weihs

Die Direktoren schäumten vor Wut

Mit diesen im Gepäck ging er zu einer namhaften Plattenfirma, wo er abgewiesen wurde: "Diese Lieder sind zu traurig und nicht kommerziell genug." Mit einem Trick gelang es Weyrich jedoch, die Zweifler zu überzeugen. Bei einer Firmen-Tagung kündigte er kurzerhand seine Neuentdeckung an, die er hinter der Bühne versteckt hielt. Die Direktoren schäumten vor Wut, waren aber sehr bald von Alexandra überzeugt. Eine großartige aber viel zu kurze Karriere nahm ihren Anfang.

Das geglückte Debüt überzeugte alle

Entdecker Fred Weyrich war es, der den Künstlernamen "Alexandra" in Anlehnung an den Namen ihres Sohnes Alexander erdachte. Darüber hinaus ging er mit ihr den ungewöhnlichen Weg, zur Premiere gleich mit einer ganzen Langspielplatte zu starten. Ihr Debüt glückte, überzeugte Kritiker und Publikum gleichermaßen und mit ihrem Lied "Zigeunerjunge" wurde sie über Nacht zum umjubelten Star.

Auf Tournee mit Hazy Osterwald

Fortan verlangte das Showgeschäft von ihr alles ab und hetzte sie von einer Verpflichtung zur nächsten. Gleich nach der Veröffentlichung ihrer ersten Platte ging sie mit Hazy Osterwald auf große Russland-Tournee und nahm an Festivals rund um den Globus teil. In zahlreichen Fernseh-Shows stand sie zusammen mit Größen wie Gilbert Bécaud, Chris Howland, Vico Torriani oder Peter Frankenfeld im Scheinwerferlicht. In einer der ersten Ausgaben der legendären ZDF-Hitparade war sie mit ihrem Lied "Schwarze Balalaika" vertreten, fiel beim Schlagerpublikum jedoch damit durch.

Mit ihrem Repertoire gegen den Strom zu schwimmen, erforderte viel Kraft. Ihren größten Erfolg "Sehnsucht - das Lied der Taiga" hat sie überhaupt nicht gemocht - sie wollte mehr als folkloristische Schlager singen und fürchtete, damit bald in einer Schublade zu landen. Anspruchsvolle Lieder und französische oder russische Chansons zu interpretieren, war ihr eigentlicher Traum. Sie komponierte, schrieb eigene Texte und fühlte sich mehr der Chanson-Szene zugehörig, was die Zusammenarbeit mit Udo Jürgens und Adamounterstrich. Mit letztgenanntem unternahm Alexandra ihre erste Deutschland-Tournee.

Alexandra (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Roland Witschel)
Die Preisträger der Goldenen Europa 1969: (l-r) Alexandra, Roy Black, Vicky Leandros und Rex Gildo. Picture Alliance/Roland Witschel

Auch in Frankreich gelang ihr der Durchbruch, wo sie mit "La taiga" und "Tzigane" in den Hitlisten stand. Frankreichs berühmter Show-Regisseur Jean-Christophe Averty verpflichtete sie für eine französische TV-Show und der deutsche Filmemacher Truck Branss drehte mit ihr ein ganzes Fernsehportrait. Ihre Lieder erklangen nun europaweit - es war ein einziger Höhenflug.

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