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„Hoppla, jetzt komm’ ich“ - so lautete seine Devise. Er war ein Teufelskerl, ein Tausendsassa und spielte in gut 200 Filmen mit. Das Publikum hatte Hans Albers, den „blonden Hans“, ins Herz geschlossen. Er war ein Volksschauspieler der allerbesten Sorte. Parallel hierzu wurde er noch zum Schallplattenstar.

Plattencover Hans Albers (Foto: SWR, Extra (Coverscan))
Die gesammelten Werke des Volksschauspielers Hans Albers in Originalaufnahmen aus den Jahren 1930 bis 1947. Eine LP mit Moderation - Die verbindenden Worte sprach der Regisseur Heinz Dunkhase, Dunkhase's größter Erfolg war die Aufzeichnung des Silvester-Sketches "Dinner for one", den er 1963 in Hamburg mit dem englischen Schauspieler Freddie Frinton drehte. Extra (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Tod des großen Volksschauspielers erschien diese Hommage, die 12 Titel und ein Potpourri umfasste. Die LP wurde fast dreißig Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen zusammen mit Bonus-Tracks auf CD wiederveröffentlicht. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Diese LP enthält zwischen den Titeln Einblendungen aus einem Interview, das Hans Albers der Reporterin Ria Hans im September 1957 gab. "Hans Albers erzählt und singt aus seinem Leben...". 1998 schaffte die LP den Sprung ins CD-Zeitalter. Decca (Covcerscan) Bild in Detailansicht öffnen
Auf dieser Zusammenstellung sind Aufnahmen aus den 1950er Jahren zu hören. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Dieses Doppel-Album brachte ein Wiederhören mit den frühen Hans Albers-Aufnahmen aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Emi (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Der goldene Trichter" war eine beliebte Veröffentlichungsreihe mit historischen Aufnahmen. Auf dieser Zusammenstellung findet sich ein Potpourri von knapp sieben Minuten Dauer mit den beliebtesten Albers-Film- und Bühnenschlagern, das er 1933 aufgenommen hatte. EMI (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1964 erschien die LP "Der Wind und das Meer", die 1998 als CD wieder aufgelegt wurde. Plattenfirma (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Grafen und Clowns hat er gespielt, Jazzmusiker und Detektive, aber so richtig zu Hause war er eigentlich immer nur "in Hamburg an der Elbe". Wo die "Große Freiheit" auf die "Reeperbahn" stößt, sah man ihn stehen: Rollkragenpullover und breite Hosen, den Blick immer hinauf in die Wolken oder über ein unsichtbares Meer gerichtet. (Auszug aus dem Begleittext auf der Cover-Rückseite dieser EP) Odeon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Vier Filmschlager auf einen Streich: "La Paloma" und "Beim ersten Mal" aus "Große Freiheit Nr. 7". "Good bye, Jonny" stammt aus dem 1939 gedrehten Film "Wasser für Canitoga". Auf dieser EP fand die Einspielung von 1947 Eingang. "Und über uns der Himmel" ist der Titelschlager des gleichnamigen Films, der 1947 entstand. Odeon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ein Beispiel aus der Electrola-Serie "Das Neueste von gestern"... Odeon (Plattenfirma) - Bild in Detailansicht öffnen
....und gleich noch ein weiteres dazu. Natürlich mit den Original-Aufnahmen! Odeon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Rahmen von Oldie-Serien wurden die Hans Albers-Evergreens wieder in die Läden gebracht. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Gleiches Repertoire, neues Motto: "Unvergänglich - unvergessen". Man beachte den Zusatz "Technisch verbessert im Mai 1957"... Odeon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Der Mensch muss eine Heimat haben" und "Trippel, Trippel, Trapp" entstammen aus dem musikalischen Bühnenstück "Katharina Knie", in dem Hans Albers seine letzte Bühnenrolle spielte. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Abgesehen von "Einmal noch nach Bombay" dürften die restlichen Titel kaum noch jemandem bekannt sein. Das Lied "Es ist egal" aus dem Film "Dreizehn alte Esel" war seine letzte Schallplattenaufnahme. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Weine nicht" aus dem 1957 gedrehten Film "Das Herz von St. Pauli". Michael Jary hatte die Musik dazu geschrieben. In weiteren Hauptrollen waren Hansjörg Felmy und Gert Fröbe zu sehen. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Hans Albers mal ganz anders: vier Operetten-Chansons von Paul Burkhard (der auch "O mein Papa" geschrieben hatte), die zusammen mit dem Radioorchester Beromünster unter der Leitung des Komponisten aufgenommen wurden. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Das Seemannslied war seine Domäne - hier waren beispielsweise "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise" und "Rolling Home" vertreten. Mercator (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der Reinerlös vom Verkauf dieser Maxi-CD, die 1992 erschien, diente zur Erhaltung von Hans Albers' Grabstätte Historika (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Evelyn Künneke mit ihrer Hommage an Hans Albers, die 1978 auf schwarzes Vinyl gebannt wurde. Telefunken (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Es war ein mühseliger, gleichsam aber auch märchenhafter Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Nach der Realschule absolvierte er eine Kaufmannslehre bei einer Farb- und Chemikalienhandlung. Ohne das Wissen des Vaters und mit finanzieller Unterstützung der Mutter nahm er privaten Schauspielunterricht.

Als Theaterschauspieler zunächst erfolglos

Seine ersten Versuche, beim Theater Fuß zu fassen, scheiterten. So fand er sich hinter dem Ladentisch in der Seidenbranche wieder. Dort begegnete er einem Theaterdirektor, der Albers’ Talent erkannte und förderte. Es folgte eine lange Zeit des Tingelns. Der erste Weltkrieg kam und forderte seinen Tribut.

Ein Sprung vom Kronleuchter

Nach Kriegsende fing Hans Albers nochmals von vorne an, spielte an verschiedenen Berliner Theaterbühnen, war Revuestar und drehte eine stattliche Anzahl von Stummfilmen. Aufsehen erregte er aber erst, als er in der Revue „1000 nackte Beinchen“ als draufgängerischer Herr im Frack allabendlich vom einem Kronleuchter herab in ein Wasserbassin zu den Badenixen springen musste.

Der Theaterregisseur und Intendant Max Reinhardt wurde auf ihn aufmerksam und engagierte Albers für seine Inszenierung von Ferdinand Bruckners „Verbrecher“. Nach der Premiere im „Deutschen Theater“ hatte Hans Albers den absoluten Durchbruch geschafft. Ohne falsche Bescheidenheit nannte er die Dinge beim Namen: "Von nun an war ich einer der Großen".

Tonfilmstar der ersten Stunde

Als 1929 der deutsche Tonfilm „Die Nacht gehört uns“ in die Kinos kam, war er mit von der Partie. Mühelos hatte er den Sprung vom Stummfilm zur sprechenden Flimmerwand geschafft, an dem viele andere gescheitert waren. Die Filme schrieb man ihm auf den Leib, ebenso die Schlager, die er in diesen Streifen sang. Es folgten „Bomben auf Monte Carlo“, „Der Draufgänger“, „Der Sieger“ und „F.P. 1 antwortet nicht“ - allesamt Kassenfüller der Jahre 1931 und 1932.

Hans Albers (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/KPA)
Hans Albers als "Lügenbaron" Münchhausen dpa/KPA

Seine Lieder wurden zu Evergreens

Auf zerbrechlichen Schellack-Platten erschienen Evergreens wie „Flieger, grüß’ mir die Sonne“, „Kind, Du brauchst nicht weinen“, „Ich bin der Hans im Glück“ oder „Komm’ auf die Schaukel, Luise“ aus dem Theaterstück „Liliom“, seiner Paraderolle, die er fast 2.000 mal auf der Bühne spielte. Er sang Titel wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ und im Duett mit Heinz Rühmann „Jawohl, meine Herrn“, die alle Kultstatus erlangten.

Hans Albers’ allererste Schallplatte erschien 1929 und war übrigens ebenfalls ein Duett. In der Rudolf Nelson-Revue „Tombola“ sang er mit der ungarischen Sängerin und Schauspielerin Irene Ambrus: "Ich will Sie küssen, wenn Sie es verlangen."

1933 - Sein Abschied vom Theater

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zog sich Albers von der Bühne zurück. Er hatte ein sehr distanziertes Verhältnis zu den Machthabern und wollte sich deren Einfluss entziehen. So konzentrierte er sich auf das Filmgeschäft. Es entstanden Klassiker wie „Der Mann, der Sherlock Holmes war“, „Wasser für Canitoga“ und 1943 „Münchhausen“. Dies war einer der ersten deutschen Farbfilme und brachte ihm einen grandiosen Publikumserfolg ein.

Die „Große Freiheit Nr. 7“ kam erst 1945 nach Deutschland

Im selben Jahr spielte er neben Ilse Werner den singenden Seemann Hannes Kröger in dem Farbfilm „Große Freiheit Nr. 7“. Auf Grund der Kriegsgeschehnisse wurden die Dreharbeiten von Hamburg nach Prag verlegt und konnten erst 1944 zu Ende gebracht werden. Dieser Streifen brachte Hans Albers’ klingende Visitenkarte hervor: „La Paloma“. Die Zensur verhinderte eine zeitnahe deutsche Uraufführung, so dass diese erst nach Ende des zweiten Weltkriegs im September 1945 stattfand.

Hans Albers und Heinz Rühmann in einer Kino-Szene (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/KPA)
Hans Albers und Heinz Rühmann in "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" picture-alliance/KPA

Nach dem 2. Weltkrieg gingen die Dreharbeiten weiter

Nach der „Stunde Null“ ging es mit der Karriere nahezu nahtlos weiter und bereits 1947 stand Albers wieder vor der Filmkamera. Hinzu kamen zahlreiche Schallplattenaufnahmen. „Wenn er, der waschechte 'Hamborger Jong', das Schifferklavier zur Brust nahm, kam Hafen-Atmosphäre auf. Wenn er vom Fern- und vom großen Heimweh sang, von der Liebe der Matrosen und den Abenteuern der sieben Weltmeere, dann wurden seine Wasserkanten-Weisen zu richtigen kleinen H²O-Opern.“

„Das ist das Ende“

Zu seinen letzten Filmwerken zählen „Das Herz von St. Pauli“, der Kriminalfilm „Der Greifer“ und „Dreizehn alte Esel“, zu dem Martin Böttcher die Musik schrieb. Das Finale bildete 1960 der Film „Kein Engel ist so rein“, der mit dem von Hans Albers gesprochenen Satz „Das ist das Ende“ schließt.

Als Zirkusdirektor schwer verletzt

Auf der Bühne trat der weltbekannte Mime letztmalig am 27. Februar 1960 auf. Er spielte in der Musical-Version des Seiltänzerstücks „Katharina Knie“ von Carl Zuckmayr den alten Zirkusdirektor Karl Knie. Bei einem Sturz während der Vorstellung zog er sich gefährliche Verletzungen zu, von denen er sich nicht mehr erholte.

Erschütterung bei seinem Tod

Einen Monat vor seinem Tod erhielt Hans Albers vom Bundespräsidenten Lübke das große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Als am 24. Juli 1960 die Nachricht, dass Hans Albers für immer die Augen geschlossen hatte, im Rundfunk ausgestrahlt wurde, waren viele erschüttert. Unter großer öffentlicher Anteilnahme wurde er in Hamburg beigesetzt. Zum Geleit spielte man sein Chanson „Ich hab’ eine kleine Philosophie“.

Als „Phänomen Albers“ bleibt er in den Köpfen

Der Kritiker Friedrich Luft fand einmal die passenden Worte zum „Phänomen Albers“: „Er gehört zu denen, deren Rollen man eigentlich gar nicht sehen will. Man geht hin,  i h n  zu sehen, sich an seinem unbeschnipselten Selbstbewusstsein selbst zu stärken. Denn Schwierigkeiten mit sich selbst scheint Albers nicht zu kennen, er ist immer mit Hans Albers gründlich zufrieden. Er strahlt, er gefällt sich erst einmal selber, darum gefällt er auch den Leuten so gut. Kerle wie er sind ein Gottesgeschenk, weil sich an sie ein Wunschbild populär und innig heften kann. Er hat uns immer wieder vorgespielt, was man selbst so gern wäre…“.

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