Gruppenfoto der schwedischen Popgruppe Abba: Bjorn Ulvaeus, Agnetha Faltskog, Anni-Frid Lyngstad, Benny Andersson (Foto: IMAGO,  Everett Collection)

Von "Waterloo" bis "Voyage" - die komplette Erfolgsgeschichte von ABBA

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Ausgefallene Kostüme, eine perfekte Bühnenshow und Welthits wie "Waterloo" oder "Mamma Mia" in Serie - das steht für die Popgruppe ABBA aus Schweden. Das Quartett aus den vier Musikern Björn, Benny, Agnetha und Frida ist heute eine Legende - die mit einem denkwürdigen Grand Prix-Auftritt ihren Anfang nahm.

Mit "Waterloo" zum Grand Prix-Sieg

Man schrieb den 6. April 1974. An diesem Abend wurde im englischen Seebad Brighton der Grand Prix d’Eurovision de la Chanson ausgetragen. Mit der Startnummer 8 betrat ein Quartett die Bühne, welches bislang nur in seiner Heimat Schweden bekannt war. ABBA sang "Waterloo" - und das bedeutete für die Gruppe keinesfalls ein Scheitern. Ihr Sieg beim Grand Prix war der Anfang einer Weltkarriere.

ABBA bei ihrem Sieg in Brighton 1974 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / UPI/UPI/dpa)
Große Freude bei ABBA nach dem Grand Prix-Sieg in Brighton 1974. picture alliance / UPI/UPI/dpa

Wie aus Björn & Benny, Anna & Frida ABBA wurde

Die musikalischen Anfänge des Quartetts reichen jedoch weiter zurück. Bevor sie gemeinsame Sache machten, waren alle vier Mitglieder schon in den 1960er Jahren im Musikgeschäft tätig. "Björn & Benny, Anna & Frida", wie sie sich zuerst nannten, brachten 1972 ihre erste Platte auf den Markt, nachdem sie am 29.03. zum ersten Mal überhaupt im Studio standen: "People need love". Ein Jahr später folgte das Album "Ring Ring" und sowohl Single als auch Langspielplatte führten die schwedischen Charts an. Damit traten sie auch bei der Vorentscheidung zum Eurovisions-Wettbewerb an - und landeten auf einem enttäuschenden dritten Platz.

Das fünfte Mitglied von ABBA

Von Anbeginn agierte im Hintergrund Stig Andersson - ihn konnte man als fünftes "ABBA"-Mitglied bezeichnen. Der clevere Geschäftsmann war für seine Autorität und Dominanz bekannt. Er sorgte als Manager dafür, dass alles in Richtung Erfolg lief. Nachdem das Quartett bislang quasi namenlos war, tüftelte er den passenden Namen aus, indem er mit den Initialen der Bandmitglieder spielte. "ABBA" war zwar auch der Name eines schwedischen Fischkonservenunternehmens, aber er war griffig und kommerziell. Nachdem die Firma ihr Einverständnis gegeben hatte, war der neue Name gesetzt.

Zudem war Stig Andersson bei einigen Liedern als Texter tätig, wie bei "Waterloo". Die Schweden waren vom höchsten Ehrgeiz angetrieben, beim Grand Prix anzutreten und zu siegen. Was das Publikum am Abend der Austragung zu sehen bekam, war etwas völlig Neues. Mit Pep, schrillem Outfit und einem als Napoleon verkleideten Orchesterdirigenten eroberten sie die Herzen der Jury und der Fernsehzuschauer.

Die schwedische Popgruppe ABBA bei ihrem Grand Prix-Auftritt 1974 im englischen Brighton (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / EPA Pressensbild/dpa)
ABBA beim Grand Prix in Brighton 1974 picture alliance / EPA Pressensbild/dpa

ABBA nur ein "One-Hit-Wonder"?

Im Siegestaumel erreichte die Band eine Flut an Glückwünschen, Anfragen und Angeboten. Sie war auf der internationalen Musikbühne angekommen. Von nun an hetzten die Vier um die Welt, traten in unzähligen Fernsehsendungen auf, gaben Interviews, absolvierten Fotoshootings und mussten neue Songs schreiben und proben. Die Messlatte lag sehr hoch und über allem lastete der immense Druck, an den Erfolg nicht anknüpfen zu können. Danach sah es zunächst aus, denn die nachfolgenden Singles, wie z. B. "Honey, Honey", schlugen nicht so ein wie erwartet. Der Ticket-Vorverkauf ihrer ersten Europa-Tournee lief teils schleppend und manche Hallen blieben zur Hälfte leer. In Großbritannien sprachen böse Zungen sogar von einem "One-Hit-Wonder".

Mit "S.O.S." und "Mamma Mia" zum Erfolg

Mit dem Song "S.O.S." begann sich das Blatt zu wenden. Die Nummer startete in England, dem für die Popmusik so bedeutenden Land, hervorragend und erreichte Ende 1975 die Top Ten. Kurze Zeit später folgte "Mamma Mia" - und von diesem Augenblick an gab es kein Halten mehr. Die Musik von "ABBA" begeisterte die Nationen. Ein kluger Schachzug war, sich mit dem Regisseur Lasse Hallström zusammen zu tun. Im Umfeld der Veröffentlichung neuer Titel drehte er dazu kleine Werbefilme, später "Videoclips" genannt. Diese wurden an alle möglichen Fernsehsender geschickt und so erreichte die Musik der Schweden auch die entlegensten Ecken der Welt.

Die schwedische Popgruppe Abba bei einem UNICEF-Konzert in New York (Foto: picture-alliance / Reportdienste, AP Photo | Ron Frehm)
ABBA bei einem Auftritt in New York 1979. AP Photo | Ron Frehm

Aus einem Missgeschick wird ABBAs Markenzeichen

Im deutschen Fernsehen wurde - völlig unbeabsichtigt - ABBAs Markenzeichen aus der Taufe gehoben. 1976 gastierte die Band mit "Mamma Mia" in Ilja Richter’s "Disco". Bei dieser Gelegenheit fand ein Fotoshooting für die Jugendzeitschrift "Bravo" statt. Der Fotograf lichtete die vier Mitglieder mit ihren Anfangsbuchstaben ab, die eigens hierfür in Silberfolie in übermannshoher Größe hergestellt wurden. Erst bei der späteren Bildkontrolle bemerkte er, dass das "B" von Benny spiegelverkehrt stand. Das Missgeschick hatte Folgen - es wurde das offizielle "ABBA"-Logo und war erstmals auf dem Plattencover von "Dancing Queen" zu sehen.

Die größten Fans gab es in Australien

"Dancing Queen" bedeutete für die Band den ersten und einzigen Nummer-eins-Hit in Amerika. Die größten Fans hatte ABBA in Australien. Die Ballade "Fernando" blieb dort 14 Wochen lang auf Platz 1 und ein TV-Special über die Popgruppe hatte mehr Zuschauer als 1969 die Mondlandung. Als sie im strömenden Regen vor 25.000 Zuschauern in Sydney ein Konzert unter freiem Himmel gaben, feierte sie das Publikum frenetisch.

1977 meldete die Presse, dass "ABBA" bislang weltweit rund 50 Millionen Schallplatten verkauft hatte. Das Album "Arrival" hatte sie endgültig zu Ikonen des Pop werden lassen.

ABBA (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa)
Die britische Prinzessin Margaret (Mitte) trifft 1978 die Mitglieder der schwedischen Popgruppe ABBA - Anni-Frid Lyngstad, Benny Andersson, Björn Ulvaeus and Agnetha Fältskog (v.l.n.r.). picture-alliance/ dpa

Aus der Band wird ein Imperium

Die explosionsartigen Plattenverkäufe machten sie zu Großverdienern. Hinzu kamen Tantiemen in bedeutender Höhe. So war ABBA nicht nur musikalisch zum Giganten geworden, auch wirtschaftlich. Neben dem Bau eines eigenen, teuren und auf das Beste ausgerüsteten Tonstudios gründeten sie geschäftstüchtig ein ganzes Imperium. Sie tätigten die unterschiedlichsten Investitionen, die von Kunstwerken, Firmen bis hin zum Ölgeschäft reichten. Gerade dort bewies ihr Manager Stig Andersson kein glückliches Händchen und herbe finanzielle Verluste waren die Folge.

Erfolg in der Musik, Spannungen im Privatleben

Der Ruhm hatte jedoch noch einen anderen hohen Preis. Unter all den Verpflichtungen litt das Privatleben der Musiker erheblich. Ihr Zuhause sahen sie kaum und die lange Trennung von ihren Kindern während ihrer Gastspielreisen lastete auf allen schwer. All dies führte am Ende zu Spannungen untereinander und als letzte Konsequenz gingen die privaten Beziehungen in die Brüche. Dennoch waren sie professionell genug, ihre Probleme nicht nach außen zu tragen.

ABBA (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
Agnetha Fältskog von ABBA präsentiert stolz ihren neugeborenen Sohn Christian. Vater des kleinen Erdenbürgers ist ABBA-Mitglied Björn Ulvaeus (1977). picture alliance / dpa

1980er Jahre: ABBA wird müde

Anfang der 1980er Jahre waren die Stars müde geworden. Im Song "Super Trouper" brachten sie dies offen zum Ausdruck. Sie hatten genug davon, nur noch zu essen, zu schlafen und zu singen - so heißt es im Text. Trotzdem wurde das Album wieder eine Produktion reich an Superlativen und ein weltweiter Erfolg. Selbst harte Kritiker zollten Respekt vor der perfekten Arbeit, welche das Quartett auf den Markt gebracht hatte. In Großbritannien brachen allein die Vorbestellungen schon alle Rekorde, die auf eine Million beziffert worden waren.

Doch der Rückenwind, mit dem ABBA in das neue Jahrzehnt gestartet war, reichte nicht weit. Nach ihrem achten und letzten Studioalbum "The Visitors" starteten die Schweden im Frühjahr 1982 mit der Arbeit an einem neuen Album. Das Projekt blieb unvollendet. Lediglich zwei Singles wurden veröffentlicht, die jedoch nicht mehr den starken Zuspruch beim Publikum fanden, wie es das Quartett gewohnt war. Sie hatten nun auch musikalisch ihren Zenit überschritten.

Neuer ABBA-Hype mit dem Musical "Mamma Mia"

Alle vier Bandmitglieder beschritten früher oder später Solo-Pfade, Björn und Benny wechselten zum Musiktheater. Dennoch blieb beim Publikum das Interesse an der Musik von ABBA ungebrochen. Sehr eindrucksvoll belegt dies das Musical "Mamma Mia", das später verfilmt wurde. Anfang der 1990er Jahre löste dies einen wahren Hype aus. So lernte auch die junge Generation die Hits der schwedischen Band kennen und lieben.

ABBA (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/AP Photo / Foto: Joel C. Ryan)
Benny Andersson, links, und Björn Ulvaeus bei der Weltpremiere des Films "Mamma Mia! Here We Go Again" in London (2018) picture alliance/AP Photo / Foto: Joel C. Ryan

"Wir versuchten, mit jedem Lied etwas Besonderes zu erreichen. Das klappte zwar nicht immer, aber es war unser Ziel."

Sensationelles Comeback der Band nach 40 Jahren Pause

Eine offizielle Trennung der Gruppe wurde nie ausgesprochen, lediglich von einer "Pause" war die Rede. So hofften viele Jahre lang die Fans auf eine Wiedervereinigung und neue Lieder, auch wenn die Erfüllung dieses Wunsches als sehr unwahrscheinlich galt. Doch Anfang September 2021 wurde es tatsächlich Wirklichkeit, dass sich ABBA zurückmeldete. Innerhalb weniger Wochen kamen gleich drei neue Singles auf den Markt.

ABBA sind zurück mit einem neuen Album und einer neuen Tour. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/PA Media | Industrial Light And)
Die Vier von ABBA zeigen sich bei ihrem Comeback in futuristisch anmutenden Kostümen. picture alliance/dpa/PA Media | Industrial Light And

Wird das neue Album "Voyage" das letzte sein?

Nach 40 Jahren war die ABBA-Pause vorbei und das Quartett veröffentlichte am 5. November 2021 sein neues Album "Voyage". Die rund vier Jahrzehnte dauernde Pause schien spurlos an dem Quartett vorüber gegangen zu sein, denn "ABBA" klingen heute fast noch genauso wie zu ihren besten Zeiten. Agnetha, Frida, Benny und Björn haben die Differenzen von damals ad acta gelegt und sich wie gute, alte Freunde im Studio wieder getroffen, um gemeinsam zu musizieren und ihren Anhängern neue Musik zu schenken.

"Es gibt ein altes Sprichwort in der Musikindustrie: Du solltest nicht mehr als 40 Jahre zwischen zwei Alben vergehen lassen."

Im Rahmen der Bewerbung des Albums ließ die Band wissen, dass darüber hinaus keine neuen Veröffentlichungen mehr geplant sind. Ob es dann tatsächlich so sein wird, bleibt abzuwarten. Inzwischen erfreuen wir uns an der Gegenwart und sagen "Thank you for the 'new' music".

Besondere Plattencover von ABBA

Plattencover ABBA (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
Die Arbeit am dritten Album lief auf Hochtouren, doch ein passender Titel fehlte. Stig Anderson, Manager der Truppe, hatte die rettende Idee, als ihm der italienische Ausruf "Mamma Mia" in den Sinn kam. Zusammen mit Björn und Benny schrieb er diesen würdigen "Waterloo"-Nachfolger, der 1975 in die Geschäfte kam und zu einem der größten Hits der ganzen Abba-Story werden sollte. Polydor (Coverscan)
Plattencover ABBA (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
Ein grandioses Hit-Album, mehrere hochplatzierte Hitparaden-Singles und in Europa und auf ihrer Welttournee restlos ausverkaufte Häuser, darunter sechs Nächte in Folge in Londons Wembley Arena - das war die ABBA-Bilanz des Jahres 1979. An der Schwelle zum neuen Jahrzehnt erschien passend zur Vorweihnachtszeit unter Mitwirkung eines Kinderchores "I have a dream". Auf der B-Seite der Single fand sich eine Live-Aufnahme von "Take a chance on me", die im bereits erwähnten Wembley-Stadion entstand. Polydor (Coverscan)
Plattencover ABBA (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
Weniger als einen Monat vor dem gesetzten Veröffentlichungsdatum im November 1980 entstand erst der Titelsong zum Album "Super Trouper", dessen Cover ein Foto von ABBA umgeben von Zirkusartisten zeigt. Zuerst hätte das Fotoshooting in London auf dem Piccadilly Circus stattfinden sollen, doch die dortigen Behörden befürchteten einen Verkehrskollaps. So wurde das Spektakel in das Europa Filmstudio in Stockholm verlegt. Das Album war erneut mit akustischen Superlativen gespickt. Polydor (Coverscan)

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