Straße mit einem Wasserturm am Horizont (Foto: Colourbox.de -)

Mehr laufen, weniger sitzen Wandern macht gesund und glücklich

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„Wandern geht immer“, sagt Dr. Thomas Bösch. Der Chefarzt der Rehaklinik Überruh (Isny im Allgäu) findet, dass sich keine andere Sportart so bedingungslos für jede Alter und jedes Geschlecht eignet. In seiner Einrichtung gehört Wandern sogar zum festen Therapieangebot.

Herr Dr. Bösch, bei welchen Krankheiten kommt Wandern in Frage?

Als therapeutische Maßnahme bewährt sich das Wandern bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel Durchblutungsstörungen oder Herzschwäche, aber auch bei Erkrankungen der Atemwege, etwa einer chronischen Bronchitis oder Asthma. Auch für Patienten mit chronisch orthopädischen Problemen im Bereich der Knie und der Hüfte ist Wandern eine sehr gute Therapie. Zudem hat es positive Auswirkungen auf die Psyche, es werden Stresshormone abgebaut, das Glückshormon Serotonin und der Glücksbotenstoff Dopamin aber vermehrt ausgeschüttet. Man kann also durchaus sagen, dass es kaum eine gesündere Sportart für jedes Alter und jedes Geschlecht gibt.

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Warum ist Wandern so gesund, was geht dabei im Körper vor sich?

Wandern trainiert Muskeln und Gelenke, Herzleistung und Atmung. Das heißt, der gesamte Bewegungsapparat wird gestärkt, die Lunge gekräftigt, Blutdruck und Blutwerte normalisieren sich. Da sich der Energieumsatz erhöht, kann man mit Wandern auch durchaus Pfunde verlieren. Und nicht zuletzt: Wer wandert entschleunigt, entspannt, bekommt den Kopf frei, man kann damit also auch prima Stress abbauen.

Wie oft muss man wandern, damit man davon so profitiert? Genügt dafür der jährliche Wanderurlaub?

Wir Mediziner rechnen das Wandern zu den Ausdauersportarten, gleichgesetzt etwa Schwimmen, Joggen, Radfahren. Daher gilt die Empfehlung, dass man drei- bis viermal pro Woche zwischen 30 und 45 Minuten wandert. Mit der richtigen Bekleidung ist das auch bei schlechtem Wetter gar kein Problem. Wandern im Urlaub ist natürlich eine hervorragende sportliche Betätigung und jedes Wandererlebnis ist ein Profit für Körper und Geist. Aus gesundheitlichen Aspekten reicht ein Wanderurlaub aber nicht aus.

Wandern (Foto: Colourbox.de -)
Wandern macht den Kopf frei Colourbox.de -

Ordentlich aus der Puste kommen, schwitzen, mit rotem Kopf sich den Berg hochquälen, wandert man so unter dem gesundheitlichen Aspekt?

Dieser beschriebene Mythos stimmt nicht! Wenn man seine körperlichen Grenzen so überschreitet, ist das nicht nur ungesund, sondern sogar gesundheitsschädlich. Sie wandern richtig, wenn Sie sich nebenher problemlos unterhalten können und Ihr Puls 180 minus Lebensalter entspricht. Andere Körperwerte müssen Sie als Freizeitwanderer nicht erfassen. Ich möchte Ihnen aber keine Kilometerzahl oder ein bestimmtes Stundenpensum vorgeben, eben, damit Sie sich nicht überfordern. Versuchen Sie 10 000 Schritte zu schaffen – und das möglichst täglich, also auch dann, wenn kein „Wandertag“ auf dem Programm steht.

Gibt es richtiges und falsches Wandern, das heißt, muss man es lernen oder kann man es quasi direkt von der Haustür weg?

Wandern (Foto: SWR, SWR - Werner Volmari)
Wandern geht auch in der Stadt SWR - Werner Volmari

Falsches Wandern im Sinne einer Freizeitaktivität gibt es nicht. Wandern entspricht unserer ältesten Fortbewegungsart, ist unkompliziert, man kann alleine losziehen oder in der Gruppe – Wandern ist die ideale Bewegungsart schlechthin, man muss sich nur dazu aufraffen! Beim Wandern im Sinne einer therapeutischen Sportart ist es allerdings schon wichtig, dies von einem Mediziner oder Sporttherapeuten zu lernen.

Gibt es auch Personen, die mit dem Wandern vorsichtig sein sollten, denen Sie vielleicht ganz abraten?

Grundsätzlich rate ich niemanden vom Wandern ab. Wer aber zum Beispiel an einer Herzschwäche leidet, dem empfehle ich vorsichtiges Wandern unter therapeutischer Anleitung. Doch auch diesen Patienten steht diese Freizeitaktivität offen! Sie sollten dabei nur quasi in sich hineinhören und den Grad der Aktivität mit dem Hausarzt besprechen.

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