Gartentipp Algenkalk gegen Buchsbaumzünsler? Eher nicht!

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Zwei Plagen suchen den Buchsbaum seit rund zehn Jahren heim: der Buchsbaumzünsler und das Buchsbaumtriebsterben. Ist Algenkalk das neue Wundergegenmittel? Nein, meint der SWR Gartenexperte Volker Kugel. Es sei sogar Vorsicht geboten beim Ausbringen von Algenkalk.

Eine erwachsene Raupe des Buchsbaumzünslers frisst an einem Buchsbaum. (Foto: picture alliance / WILDLIFE -)
Hauptschädling für jeden Buchs: der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis). picture alliance / WILDLIFE -

Der Buchsbaumzünsler - die gefräßige Raupe eines Kleinschmetterlings - setzt den Pflanzen zu. Außerdem breitet sich auch noch das Buchsbaumtriebsterben aus, eine gefährliche Pilzkrankheit. In vielen Veröffentlichungen wurde über zwei Hobbygärtner berichtet, die ein einfaches, aber scheinbar geniales Gegenmittel sowohl gegen den Zünsler als auch das Triebsterben präsentiert haben: Algenkalk soll die Buchspflanzen schützen.

Die beiden haben den Algenkalk auf ihre vom Triebsterben (das durch einen Pilz verursacht wird) und vom Buchsbaumzünsler (also der Raupe) befallenen Buchspflanzen gestreut. Sie sind der Meinung, und können das auch mit Bildern belegen, dass sie mit dem Algenkalk 2016 und 2017 gleich beide Probleme in den Griff bekommen konnten. Die Pilzerkrankung hat sich nach diesen Berichten nicht weiter ausgebreitet und auch der Buchsbaumzünsler hat sich nicht weiter ausgebreitet. Ganz im Gegenteil, sagen die beiden, und auch dazu gibt es Fotos und Videos: Ihre Buchspflanzen hätten wieder neue Blätter und Triebe gebildet und sich erholt.

Herr Kugel, hat sich der Algenkalk als das lang erhoffte Wundermittel herausgestellt oder nicht?

Wunder gibt es auch im Gartenbereich leider nur selten. Fakt ist, dass es - Stand heute - keinerlei stichhaltigen wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit des Algenkalks gegen den Zünsler und das Triebsterben gibt!

Buchsbaumsterben durch den Pilz Cylindrocladium buxicola. (Foto: picture alliance / dpa Themendie -)
Buchsbaumtriebsterben durch den Pilz Cylindrocladium buxicola picture alliance / dpa Themendie -

Sie haben sich auch im Kollegenkreis umgehört: Was sagen andere Gartenbauexperten zu der scheinbar genialen Lösung, Algenkalk zu verwenden?

Der Algenkalk hat seine guten und nützlichen Seiten. Sinnvoll eingesetzt, fördert er das Bodenleben, reguliert den pH-Wert und verbessert die Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Er ist also ein sehr gutes Bodenverbesserungsmittel. Aber ihn gegen den Buchsbaumzünsler einzusetzen, indem man die Pflanzen regelmäßig einstäubt, das kann nur kurzfristig helfen. Pilz und Zünsler können dadurch gebremst werden. Das Einstäuben hat aber auch negative Auswirkungen auf die Buchspflanze:

  • Wenn man regelmäßig nach starkem Wind oder Regen immer wieder einstäubt, dann erlebt die Pflanze eine Situation wie bei einem andauernden Vulkanausbruch: Die Photosyntheseleistung wird stark vermindert, weil durch die Kalkschicht fast keine Sonne mehr an die Zellen kommt. Über Jahre wird eine Pflanze das, meiner Meinung nach, nicht überstehen.
  • Die Spaltöffnungen der Pflanzen werden verstopft. Diese regeln den Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff in der Zelle. CO2 rein und Sauerstoff raus in die Luft. Auch das Verstopfen dieser Spaltöffnungen reduziert auf Dauer die Wuchsleistung.
  • Wenn man ständig Algenkalk ausbringt, erhöht sich der Säurewert des Bodens, der sogenannte pH-Wert. Und zwar so stark, dass möglicherweise keine Nährstoffe mehr aufgenommen werden können, obwohl sie vorhanden sind. Darüber hinaus kann man derzeit noch nicht einschätzen, wie sich das dauernde Bestäuben auf die nützlichen Insekten auf den Buchsbaumpflanzen auswirkt.

Das Einstäuben mit Algenkalk wurde ja im Blühenden Barock ausprobiert. Was ist daraus geworden?

Wir haben unsere Versuche inzwischen abgebrochen, weil wir keinen Sinn mehr darin sehen. Auch optisch sind die eingestaubten Buchspflanzen absolut nicht ansprechend. Übrigens ist Algenkalk nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassen. Beim Umgang ist wegen der genannten möglichen Auswirkungen auf die Pflanzen Vorsicht geboten!

Was könnte helfen gegen die Buchsbaum-Plagen?

Den Buchsbaumzünsler haben wir im Blühenden Barock mit einem biologischen Insektizid ("Dipel ES") auf Basis von Bazillus thuringiensis voll im Griff. Das ist ein zugelassenes Mittel, das für andere Insekten und natürlich auch für den Menschen ungefährlich ist. Je zwei Spritzungen im Frühjahr und Sommer reichen aus.

Das Triebsterben, also der Pilz, kann aktiv nicht bekämpft werden. Die beste Vorsorge besteht darin, die Blätter trocken zu halten. Das heißt: Sie sollten Ihren Buchs niemals von oben gießen! Pflanzen Sie Buchs nicht dort, wo die Rasenberegnung für ständig nasse Blätter sorgt. Diese bieten dem Pilz einen idealen Nährboden.

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