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"Wundererde aus dem Amazonasgebiet", "Schwarzes Gold der Indios"  oder Terra Preta – unter solchen Überschriften wird seit einigen Jahren eine Erde verkauft, die für gutes Pflanzenwachstum und reiche Ernten sorgen soll.

Doch ist das so? Was sind die Vor- und was die Nachteile der "Schwarzen Erde"? SWR4 Gartenexperte Volker Kugel klärt auf.

Was ist "Terra Preta"?

Die "Terra Preta" ist eine dunkle Erde, die tatsächlich aus dem Amazonasgebiet stammt. Die dortigen Ureinwohner haben traditionell alle organischen Abfälle – Holzkohlereste vom Herdfeuer, Pflanzenabfälle, aber auch menschliche und tierische Exkremente – in Erdgruben gesammelt. Diese Gruben wurden zugeschüttet und damit von der Luft abgeschlossen.

So entstanden dort über die Jahrhunderte ein bis zwei Meter dicke Schichten der "Schwarzen Erde", deren Hauptstruktur aus Holzkohle besteht. Die original Terra Preta ist also jahrhundertealt, sehr fruchtbar und man bringt sie auf den Feldern aus.

Was bringt die "Schwarze Erde" – und wo liegen die Nachteile?

Hauptbestandteil der ursprünglichen Terra Preta ist Holzkohle. Die gibt eine luftige Stabilität, kann Nährstoffe und Wasser speichern und sogar umweltschädliche Kohlenstoffe binden. Das bringt natürlich Vorteile für den Einsatz im Garten.

Übrigens: Natürlich werden wir hier nicht die originale "Schwarze Erde" aus dem Amazonas einsetzen. Die original Terra Preta ist oft über 1000 Jahre alt und sollte dort bleiben, wo sie ist. Die modernen und bei uns unter verschiedenen Namen angebotenen Produkte haben mit dem Original in der Regel nur die Holzkohle gemeinsam.

Es handelt sich also im Prinzip um (angereicherte) Pflanzenkohlen. Die Vorteile bei umsichtiger Anwendung der belebten Pflanzenkohle, d.h. Mischung mit dem vorhandenen Boden (maximal im Verhältnis 1:2 oder sogar 1:5):

  • Nährstoffe und Wasser können besser gespeichert werden
  • Das Bodenleben und damit die Pflanzengesundheit wird verbessert
  • Der Boden wird insgesamt besser durchlüftet

Wie so oft bei hoch gepriesenen "Super-Erden" können schnell falsche Erwartungen entstehen. Wunder sind von der "Schwarzen Erde" nicht zu erwarten und erst recht nicht im ersten Jahr! Der positive Effekt für den Boden ist eher mittel- bis langfristig zu sehen.

Für welche Pflanzen ist sie geeignet?

Moderne Terra Preta-Produkte können zur Bodenverbesserung z.B. im Staudenbeet eingesetzt werden. Bei den Nutzpflanzen muss man aufpassen, das haben Probeanbauten gezeigt: Tomaten und Zucchini können vom Einsatz der Schwarzen Erde profitieren. Erbsen, Erdbeeren, Kräuter und Aussaaten kommen mit solchen holzkohlehaltigen Erden nicht gut zurecht.

SWR4 Gartentipp Welche Pflanzen profitieren von Terra Preta?

Ein Tomatenstrauch (Foto: Imago, Chromorange)
Tomaten profitieren vom Terra Preta Einsatz. Imago Chromorange Bild in Detailansicht öffnen
Erbsen kommen nicht gut mit Terra Preta zurecht. Bild in Detailansicht öffnen
Erdbeerpflanzen mögen die Terra Preta nicht. Hinrich Bäsemann Bild in Detailansicht öffnen
Zucchini profitieren vom Terra Preta Einsatz. Stefan Sauer Bild in Detailansicht öffnen

Funktioniert das auch mit Holzkohle oder verbrannten Pflanzenreste?

Pflanzenkohle muss vor ihrem Einsatz im Garten mit Nährstoffen und Mikroorganismen sozusagen "aufgeladen" werden. Passiert das nicht, dann wird diese Pflanzenkohle alle gelösten Nährstoffe an sich ziehen und sie binden. Damit hätte man das Gegenteil dessen erreicht, was man eigentlich wollte. Statt Bodenverbesserung wären große Schäden an den Pflanzen bzw. Ernteausfälle die Folge!

Also ganz wichtig: Reine Pflanzenkohle sollte nicht im Garten ausgebracht werden, denn schon geringere Mengen können schädlich wirken.

So stellen Sie Ihre eigene "Schwarze Erde" her

Dazu empfehle ich folgende Rezeptur: 
 

  • 10 l reine Pflanzenkohle (keine Grillkohle oder Aschereste!)
  • 3-4 l bzw. kg Mist, Gülle oder Pflanzenjauche
  • 0,5 l Lösung mit effektiven Mikroorganismen
  • 1 kg Urgesteinsmehl

Das Ganze wird in einem Gefäß gemischt und einige Tage stehen gelassen. Dann wird die "Schwarze Erde" im Verhältnis 2:1  (also 2 Teile Gartenerde mit 1 Teil Schwarze Erde) gemischt. Dieses Gemisch können Sie auf Ihrem Gemüsebeet ausbringen – etwa 1 cm dick. Dort hinein werden dann die Gemüsepflanzen gesetzt. Die Zutaten gibt es im Gartencenter oder sind auch im Internet bestellbar.

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SWR4 Experte Volker Kugel

SWR4 Gartenexperte Volker Kugel ist im Hauptberuf Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg und damit Chef einer der schönsten Gärten Deutschlands.  mehr...

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