STAND
AUTOR/IN

Je nach Witterung sieht man die ersten blühenden Schneeglöckchen schon Ende Januar oder Anfang Februar. Volker Kugel stellt uns bewährte und neue Sorten der eleganten Frühlingsboten vor.

Ist die frühe Blühzeit ein Problem für die zarten Blüten?

 

Nein. Die Blüten und die Blätter sind so kältefest, dass die Pflanzen auch jäh einsetzenden Frost überstehen. Und selbst wenn jetzt noch zentimeterdick Schnee fallen würde, kämen sie damit zurecht. Schneeglöckchen schaffen das mit einem besonderen Trick: Falls sie von Schnee bedeckt werden, können sie sich auf 8 bis 10 Grad erwärmen und dadurch eine eventuelle Schneedecke rund um Stängel und Blätter einfach abtauen! Das entstandene Schmelzwasser nutzen sie dann sogar für die eigene Bewässerung.

Schneeglöckchen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Schneeglöckchen Picture Alliance

Lohnt es sich jetzt, vorgezogene Schneeglöckchen zu pflanzen?

Das ist sogar eine gute Idee! Die Zwiebelchen werden ja üblicherweise von September bis Oktober eingepflanzt, aber weil sie so klein sind, vertrocknen sie leicht. Dann wird es nichts mit den hübschen Frühblühern. Wer jetzt welche im Garten haben will – oder große Ausfälle im bisherigen Bestand hat -, kann die hübschen Frühlingsboten im Topf kaufen. Sie werden normalerweise im Februar/März angeboten, aber es gibt auch jetzt schon welche.  

Tipp: Am besten kaufen, solange die Schneeglöckchen noch blühen oder zumindest noch das grüne Laub haben. Der 8 cm große Pflanztopf ist dann gut durchwurzelt, so dass Sie die Pflänzchen problemlos in die Erde bringen können. Sie wachsen dann willig weiter.

Wo im Garten pflanzt man Schneeglöckchen?

Am wohlsten fühlen sich Schneeglöckchen unter Laubgehölzen. Noch bis April haben sie dort genug Licht - und im Sommer genießen sie den Schatten, der den Boden gleichmäßig feucht hält. Auf eine Düngung können Sie verzichten, sonst schießen die Pflanzen zu sehr ins Kraut und bilden zwar viele Blätter, aber nur wenige Blüten.

Schneeglöckchen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Mit Hilfe von Ameisen bilden Schneeglöckchen manchmal regelrechte Blütenteppiche. Picture Alliance

Gut zu wissen:

Schneeglöckchen sind keine "Schnellstarter". Sie brauchen oft ein oder zwei Jahre, bis sie sich eingewöhnt haben. Sie brauchen also gegebenenfalls etwas Geduld! 

Bewährte und neue Sorten

  • "Sam Arnott" ist eine erprobte Sorte mit großen Blüten. Sie wird etwa 20 Zentimeter hoch und hat auf den schneeweißen Blütenblättern einen kleinen grünen Fleck. Außerdem bezaubert sie mit einem tollen Honigduft
  • Ebenfalls sehr bewährt ist "Flore Pleno" – Das ist meiner Meinung nach die beste gefüllte Sorte mit weißer Blüte.
  • Eine ganz neue Sorte aus England ist "Nothing Special" – auf deutsch heißt das zwar "Nichts Besonderes". Aber das ist typisch britische Untertreibung: Diese Sorte mag auf den ersten Blick zwar "nicht besonders" aussehen – aber sie hat alles, was ein Schneeglöckchen braucht:  einen schönen ausgewogenen Wuchs und reiche Blütenfülle. Außerdem ist sie besonders robust und langlebig.   

Soll man die Pflanzen nach dem Verblühen abschneiden?

Besser nicht. Lassen Sie die Pflanzen in Ruhe einziehen. Die Blätter werden ab April gelb und ziehen sich zurück. Danach dürfen Sie an diesen Stellen nicht tiefgründig hacken! Stehen die Schneeglöckchen im Rasen, darf erst ab Anfang Mai gemäht werden, wenn die Blätter ganz gelb geworden sind.

Der besondere Tipp:

Wenn es ihnen an ihrem Standort im Garten gefällt, bilden Schneeglöckchen mit der Zeit richtige Blütenteppiche. Die Vermehrung erfolgt in der Natur über die Samen, die von Ameisen verbreitet werden. Das kann allerdings oft vier bis fünf Jahre dauern. Wenn Sie nicht so viel Geduld haben und die Vermehrung selbst in die Hand nehmen wollen, dann sollten Sie im Frühjahr größere Horste vorsichtig ausgraben, in etwa faustgroße Stücke teilen und diese an einer anderen Stelle wieder einpflanzen.