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Salate aus der Anzuchtstation Gärtnern wie im Weltraum

Gleich zu Beginn des Jahres blicken wir mit Volker Kugel in die Zukunft des Gärtnerns. Im Trend sind grade kleine Anzuchtstationen für daheim – High-Tech-Gewächshäuser im Miniformat sozusagen. Kräuter und kleine Salate selbst anbauen, unabhängig von der Jahreszeit und sogar unabhängig von den Lichtverhältnissen, das klingt verlockend! Unser SWR4-Gartenexperte hat getestet.

Nach knapp vier Wochen sind die Chinasalate fast erntereif

Nach knapp vier Wochen sind die Chinasalate fast erntereif.

High-Tech für die Pflanzen

Die Anzuchtstation besteht aus zwei Hauptelementen. Der obere Teil spendet mit Hilfe von LED-Lampen künstliches Licht – und zwar solange man möchte. Man kann die Station also unabhängig von den äußeren Lichtverhältnissen aufstellen. Der untere Teil besteht aus einem Behälter für Wasser und Nährstoffe sowie Vertiefungen für die Kapseln mit dem Saatgut. Die bekommt man zunächst mitgeliefert und kann sich dann aussuchen, welche Kräuter oder Salate man anbauen will.

Wer kommt denn auf sowas?
Die Idee stammt ursprünglich von Ingenieuren aus den Bereichen Polarforschung und Raumfahrt. In der Antarktis-Station "Neumayer III" ist das Vorbild die "Eden ISS", ein vollkommen autarkes System, das auch bei Dunkelheit und Temperaturen von minus 50 Grad für frisches Gemüse und Kräuter sorgt.

Volker Kugels Erfahrungen

Mein getestetes "Mini-Gewächshaus" ist ein runder Behälter mit einem Durchmesser von etwa 30 cm. Die Form erinnert wahlweise an einen großen Eierkocher oder ein Mini-UFO. Anzuchtstationen anderer Hersteller sind länglich wie ein kleiner Blumenkasten.

Ich habe am Sonntag, den 9. Dezember 2018 - also vor viereinhalb Wochen - diese Anzuchtstation in Betrieb genommen. In meinem Modell ist Platz für sechs Samenkapseln. Angefangen habe ich mit vier Kapseln von Chinasalaten und je einer Kapsel Salbei und Basilikum. In den ersten 5 Tagen passierte noch nichts. Aber dann begann das Grün zu sprießen und das ohne Pause. Die Chinasalate sind jetzt – Mitte Januar – 15 Zentimeter hoch und erntereif! Bei Salbei und Basilikum dauert es noch etwa drei Wochen.

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SWR4 Gartentipp

Schritt für Schritt zur Pflanze aus dem Ufo

Bedienung ist kinderleicht

Es handelt sich nicht um ein Gewächshaus im eigentlichen Sinn, weil die Station ja offen im Raum steht. Das wirkt sich positiv auf die Qualität der Pflanzen aus. Die Blätter wachsen fest und stabil wie im Freiland und werden nicht weich und relativ empfindlich wie in abgeschlossener Gewächshausluft. Den Pflanzen fehlt es an nichts. Für Licht von oben sorgt automatische Beleuchtung mit speziellen LED-Leuchten. Der Stromverbrauch ist dadurch relativ gering.

Die Samenkapseln sind mit Steinwolle gefüllt, da ist also keine Erde im Spiel und es kann nichts faulen. Besonders benutzerfreundlich fand ich die automatische Bewässerung und Düngung mit Hilfe einer Dosierpumpe. Wenn alles gestartet ist, muss man sich um nicht viel kümmern. Ein Wasservorrat von drei Litern mit Dünger reicht mindestens drei Wochen. Die Technik selbst ist ganz einfach zu verstehen: In 15-20 Minuten war das "UFO", wie wir es daheim nennen, einsatzbereit.

Der Minigarten stand bei mir abseits des Fensters bei gleichmäßig 20° C und etwa 30 % Luftfeuchtigkeit, also in ganz normalem Klima eines durchschnittlichen Wohnraumes.

Nach knapp zwei Wochen brechen die ersten Keimlinge bei Salbei und Basilikum durch

Nach knapp zwei Wochen brechen die ersten Keimlinge auch bei Salbei und Basilikum durch.

Preis ist ganz schön happig

So eine Anzuchtstation ist High Tech und damit nicht grade billig. Einfache Versionen gibt’s ab 70 Euro; die etwas aufwändigeren Modelle schlagen mit 150 bis 250 Euro zu Buche. Das ist eine Menge Geld! Ich nehme an, dass – wenn sich die Idee durchsetzt – auf mittlere Sicht auch preisgünstigere Modelle entwickelt werden. Man kann also getrost noch ein bisschen abwarten und die Entwicklungen verfolgen. Wer sich dafür jetzt direkt interessiert. Gute Gartencenter und gehobene Abteilungen von Haushaltswaren führen die Geräte bereits im Sortiment, dort kann man sie auch anschauen und in die Hand nehmen.

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