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Ein SWR4 Hörer aus Aalen fand beim Umtopfen seiner Pflanzenkübel viele weißliche Larven, die ein bisschen an Engerlinge erinnern. SWR4 Gartenexperte Volker Kugel kennt das gefräßige Insekt.

Wenn im Frühjahr in den Pflanztöpfen und Kübeln zahlreiche weißliche  „Räupchen“ auftauchen, die auf einer Seite einen dunkelbraunen Punkt haben, dann sind das die Larven des Dickmaulrüsslers.

Was ist der Dickmaulrüssler?

Dickmaulrüssler (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / blickwinkel/F. Hecker)
Der Gefurchte Dickmaulrüssler mag Rhododendren ebenso wie Palmen im Kübel... picture alliance / blickwinkel/F. Hecker

Der Dickmaulrüssler ist ein etwa 1,5 cm großer Käfer. Er ist dunkelbraun bis schwarz, hat einen gefurchten Rücken, einen markanten Rüssel und ist nachtaktiv. Er erscheint etwa Anfang Juli und hat sofort großen Appetit: Er frisst nachts an den Blättern z.B. von Rhododendron, Kirschlorbeer und Efeu. Einen Befall erkennt man an den buchtenförmigen Fraßspuren.

Dickmaulrüssler (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / blickwinkel/F. Hecker)
So sieht der Fraßschaden eines Dickmaulrüsslers an einem Kirschlorbeer aus... picture alliance / blickwinkel/F. Hecker

Das größere Problem für Pflanzen sind aber die Larven. Man entdeckt sie oft beim Umtopfen im Frühjahr. Diese Käferlarven sind etwa eineinhalb Zentimeter groß, elfenbeinfarben und haben an einem Ende einen dunkelbraunen Punkt. Diese Larven im Boden sind ungeheuer gefräßig und machen sich über die Wurzeln von Freilandpflanzen her, speziell von Rhododendron, Lorbeer und Kirschlorbeer. Aber sie nisten sich leider auch in die Pflanzenkübel ein, z.B. bei Engelstrompeten, Zitrusgewächsen, Palmen oder echtem Lorbeer.

Manchmal kann man bis zu 50 dieser Larven in einem Kübel finden. Die Fraßschäden, die sie anrichten, können so schlimm sein, dass die Pflanzen völlig absterben.

Rhododendron (Foto: SWR, SWR - Foto: Katja Hemmer)
Rhododendron SWR - Foto: Katja Hemmer

Wie kann man den Dickmaulrüssler in Schach halten?  

Es gibt ein bewährtes Verfahren mit sogenannten Nematoden. Das sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die den Larven schaden – also eine biologische Bekämpfung, ohne chemische Hilfsmittel. Jetzt im Mai ist genau die richtige Zeit, um diese Nematoden mit dem Gießwasser auszubringen. Das Ganze wird dann Anfang September nochmals wiederholt. Solche Nematoden kann man an der Pflanzenschutztheke beim Gärtner oder im Gartencenter bestellen und sie werden wenige Tage danach geliefert.

Fadenwurm, dieser hier nennt sich "Caenorhabditis elegans"  (Foto: Imago, Imago/David Spears)
Beispielbild für einen Fadenwurm, dieser hier nennt sich "Caenorhabditis elegans" (in 1750-facher Vergrößerung). Die Nematoden, die gegen die Larven der Dickmaulrüssler vorgehen, gehören zur Gattung Heterorhabditis. Imago Imago/David Spears

Ganz wichtig ist, die Anleitung sehr aufmerksam zu lesen! Das gilt übrigens für jeden Einsatz von biologischen Pflanzenschutzmitteln.

Was sollte man bei der Anwendung beachten?

Die Nematoden sollten am besten auf gut durchfeuchteten Boden gegossen werden - idealerweise frühmorgens oder abends in der Dämmerung, weil sie sehr lichtempfindlich sind. Die kleinen „Würmchen“ sind in einem feinen Tonmehl gebunden und werden ins Gießwasser eingerührt. Und diese Brühe muss dann direkt ausgebracht werden, weil die Nematoden nicht lange im Wasser überleben können.

Woher kommt der Dickmaulrüssler?

Das hängt im wesentlichen mit dem weltweiten Pflanzenhandel zusammen. Pflanzen werden in großen Containern transportiert - durch Europa, aber auch rund um die Welt. Und in diesen Containern „reisen“ dann oft die Eier des Dickmaulrüssler mit oder sogar schon die kleinen Larven. Qualitativ minderwertige Blumenerde und leider manchmal auch der eigene Kompost sind weitere mögliche Quellen.

Dickmaulrüssler (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / imageBROKER)
Der Gefurchte Dickmaulrüssler picture alliance / imageBROKER

Der besondere Tipp:

Manchmal wird geraten, die Dickmaulrüssler im Juli  nachts mit Hilfe einer Taschenlampe aufzuspüren und dann abzusammeln. - Dieser Tipp ist nicht grundsätzlich falsch, aber erstens gibt es zu dieser Jahreszeit im Garten oder auf dem Balkon bessere Beschäftigungen und zweitens wird es nie gelingen, das Problem auf diese Weise wirklich in den Griff zu bekommen. Einfach, weil man bei weitem nicht alle Käfer fangen kann und weil ein Käferweibchen alleine bis zu 250 Eier legt.

Ich empfehle also, den gefräßigen Larven mit kleinen Fadenwürmern beizukommen - sogenannten Nematoden - die es im Gartencenter zu kaufen gibt. Das ist ebenfalls eine biologische Weise der Bekämpfung, die den Pflanzen (und uns Menschen) nicht schadet.

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SWR4 Experte Volker Kugel

SWR4 Gartenexperte Volker Kugel ist im Hauptberuf Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg und damit Chef einer der schönsten Gärten Deutschlands.  mehr...