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Über die Hälfte der Haustiere hat Probleme mit Zähnen oder Zahnfleisch. Das belastet die Tiere und kann weitreichende Folgen für die Gesundheit haben. Wie Sie Zahnprobleme bei Ihrem Haustier frühzeitig erkennen, weiß unsere Tierärztin Dr. Nina Müller.

Dr. Nina Müller weiß aus ihrer Praxiserfahrung, dass Tierbesitzer sich oft die Wesensänderung ihres Tieres nicht recht erklären können. Nach der Zahnsanierung erleben sie, wie fröhlich und erleichtert ihre Katze oder ihr Hund endlich wieder wirkt. Umso wichtiger ist die Früherkennung von Zahnschmerzen. Das können Anzeichen sein:

  • Die Katze oder der Hund kaut mit schiefgelegtem Kopf, damit die schmerzhafte Seite entlastet wird
  • Möglicherweise kaut das Tier auch gar nicht und schlingt stattdessen das Futter (sowohl Nass- als auch Trockenfutter)
  • Oder es frisst langsamer als sonst
  • Langsamer Verlust von Körpergewicht
  • Ihr Haustier wirkt lustlos, zieht sich mehr zurück als gewöhnlich und spielt weniger

Die Zahnresorption

Die häufigste Zahnerkrankung bei Katzen ist die Zahnresorption (resorptive Läsion, früher FORL). Das sind Umbauprozesse im Zahnhalteapparat, die man von außen nicht erkennen kann, die aber große Schmerzen verursachen. Die Entstehung von FORL ist nicht ganz geklärt. Grob gesagt kommt es zur Aktivierung körpereigener Zellen, die eigentlich bei jungen Tieren die Milchzahnwurzeln abbauen. Diese fangen aber an, auch die bleibenden Zähne anzugreifen. Die Folge:

  • Die Zahnwurzeln werden morsch, so dass der Zahnnerv frei liegt. Diese Zähne müssen dringend und vollständig gezogen werden.
  • Oder die Wurzeln werden zu Knochen umgebaut und nur die Krone ist defekt. Die betroffenen Kronen werden „amputiert“ und der schmerzhafte Umbau der Wurzeln wird mit Medikamenten begleitet, die die Schmerzen lindern und die Entzündung hemmen.

An dieser Zahnerkrankung ist weder industrielles Futter noch Überzüchtung schuld, denn auch freilebende Wildkatzen und Großkatzen wie Löwen oder Tiger können daran erkranken.

Der Zahnbelag

Bei Hunden und Katzen ist der Zahnbelag (vor allem von Futterresten) ein großes Problem. Der Belag wird später durch die Einlagerung von Mineralstoffen zu hartem Zahnstein und ist eine perfekte Brutstätte für Bakterien. Durch die Bakterien entsteht eine chronische Entzündung des Zahnbetts; es bilden sich Zahnfleischtaschen. Die können weder durch die körpereigene Spülung mit Speichel noch durch Zähneputzen erreicht werden. In der Folge bildet sich das Zahnfleisch zurück. Im schlimmsten Fall baut sich an den betroffenen Stellen der Knochen ab. Unbehandelt kann es zu bakterienbedingten Herzklappen- oder Nierenerkrankungen sowie Entzündungen von Leber und Bauchspeicheldrüse kommen

So erkennen Sie die ersten Anzeichen des problematischen Zahnbelags rechtzeitig

  • Achten Sie darauf, ob Ihr Tier Mundgeruch hat. Sie können die Bakterien in der Mundhöhle nämlich zunächst riechen – und zwar deutlich!
  • Schauen Sie sich immer wieder die Zähne Ihres Lieblings an: Heben oder schieben Sie die Lefze hoch, um die Eckzähne zu sehen, bzw. ziehen Sie die Lefzen nach hinten/oben in Richtung Ohransatz, um die großen Backenzähne (Reißzähne) zu sehen. Diese Stellen sind die Hauptproblemzonen. Gesunde Zähne sind elfenbeinfarben-weiß, das Zahnfleisch ist rosa, und es besteht kein Mundgeruch.

Fördert das Futter die Zahnsteinbildung?

Die Neigung zu Zahnstein ist zum Teil eine Veranlagung bzw. erblich bedingt. Zum Teil hat es aber auch mit der Mechanik des Fressens zu tun hat: Nassfutter hat keinen mechanischen Reibeeffekt, reinigt also nicht. Kauen ist die Voraussetzung für den Abrieb zwischen Ober- und Unterkieferzähnen.

Das hilft gegen Zahnbelag beim Haustier

Die Neubildung von Zahnbelag bei Haustieren wird verhindert

  • über spezielles Trockenfutter, das nicht zerbricht, sondern die Zähne schonend reinigt (sog. Zahnsteindiät)
  • über Kauartikel wie z.B. getrocknete Tierhaut (- bei Freigängerkatzen sind übrigens Mäuse die beste Zahnreinigung)
  • über das Abreiben mit Microfaser-Fingerlingen (bei Fortgeschrittenen mit Zahnbürsten)
  • chemisch über verschiedene Zahnpflegeartikel, wie Trinkwasserzusätze; Kaudrops und Zahnfleischgel gegen Entzündung; Zahnpaste, die den Zahnstein auflockert und gut schmeckt.
  • Es gibt sogar inzwischen eine elektrische Tierzahnbürste.
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