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Es ist eines der schönsten Zisterzienserklöster Deutschlands: Das Kloster Bebenhausen bei Tübingen lädt mit seiner Kirche und den Fachwerkgebäuden als Ausflugsziel ein.

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Der gotische Turm der Klosterkirche wird von Stütz- und Strebepfeilern umrahmt wie von einer kleinen Krone. Die zum Kloster gehörenden Fachwerkgebäude geben dem Ort etwas Entrücktes, Unwirkliches. All das lässt einen in die Vergangenheit eintauchen.

Ein Kloster fürs eigene Seelenheil

Die Geschichte des Klosters beginnt Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen. Im Mittelalter war es für einen Adligen immens wichtig ein Kloster zu gründen, erzählt Archäologin Christina Vossler-Wolf. Denn damals glaubte man, dass es einem im Leben nach dem Tod gut gehen wird, wenn man zum Beispiel Mönche hatte, die für das eigene Seelenheil beten.

Machtzentrum der Zisterzienser in Bebenhausen

Zunächst holte Pfalzgraf Rudolf Prämonstratenser-Mönche nach Bebenhausen. Dies war ein Fehlschlag. Denn sie verließen den Ort bereits nach wenigen Jahren wieder. Also fragte der Pfalzgraf beim mächtigen Zisterzienserorden nach. Der schickte Mönche aus dem Kloster Schönau im Odenwald. Unter den Zisterziensern, die von Südfrankreich ausgehend ein riesiges Netzwerk an Klöstern in ganz Europa aufgebaut hatten, wuchs Bebenhausen zu einem Machtzentrum.

SWR4-Reporterin Ulrike Mix auf den Spuren der Zisterzienser

Deckenbemalung im Sommerrefektorium des Klosters Bebenhausen (Foto: SWR, Ulrike Mix)
Deckenbemalung im Sommerrefektorium des Klosters Bebenhausen Ulrike Mix Bild in Detailansicht öffnen
Archäologin Christina Vossler-Wolf im Sommerrefektorium Ulrike Mix Bild in Detailansicht öffnen
Innenhof des ehemaligen Bebenhäuser Pfleghofs in Tübingen Ulrike Mix Bild in Detailansicht öffnen
Der Esslinger Stadtarchivar Joachim Halbekann vor dem ehemaligen Bebenhäuser Pfleghof in Esslingen - heute Stadtbücherei Ulrike Mix Bild in Detailansicht öffnen
Die Esslinger Stadtbücherei - ehemals Bebenhäuser Pfleghof - mit altem Wappen Ulrike Mix Bild in Detailansicht öffnen
Sektkellerei Kessler in Esslingen, ehemals Pfleghof des Domkapitels Speyer Ulrike Mix Bild in Detailansicht öffnen

Ländereien auf der Alb und bis Heilbronn

Die Mönche bewirtschafteten zahlreiche landwirtschaftliche Flächen, zum Beispiel in Tübingen-Waldhausen oder in Walddorfhäslach. Sie hatten eine eigene Ziegelei, Fischteiche und eine Glashütte. Denn sie wollten unabhängig sein. Adlige stifteten dem Kloster so viel Land, dass die Mönche es allein nicht mehr bewirtschaften konnten. Bauern arbeiteten im Auftrag des Klosters und zahlten Abgaben, etwa in Römerstein-Böhringen oder in Gruorn auf der Reutlinger Alb.

Die Besitzungen des Klosters erstreckten sich vom Schwarzwald über die Alb bis in die Gegend von Heilbronn. Die erwirtschafteten Erzeugnisse wurden in zahlreichen sogenannten Pfleghöfen vermarktet, etwa in Esslingen, Tübingen oder Weil der Stadt.

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Reichstes Männerkloster im Herzogtum Württemberg

Zur Blütezeit des Bebenhäuser Klosters Ende des 13. Jahrhunderts lebten dort über 200 Mönche und Laienbrüder. Als Bebenhausen 1535 im Zuge der Reformation von Herzog Ulrich aufgelöst wurde, war es das reichste Männerkloster im Herzogtum Württemberg.

Klostergründung gescheitert

Trotz dieses Reichtums ging von Bebenhausen selbst keine Klostergründung aus. Ein Versuch in Güterstein bei Bad Urach schlug fehl. Grund dafür war laut Maik Hanicz von der Klosterverwaltung, dass sich die Machtverhältnisse änderten. Die Grafen von Urach, die das Kloster in Güterstein finanzieren wollten, zogen sich aus dem Gebiet zurück.

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