Streifzug in Egesheim Heidentor aus Stein und flüssige Marienwunder

Berge, Buchenwälder und die Bära: so liegt Egesheim. Das Dorf gehört zum Kreis Tuttlingen, doch die Zollernalb ist ganz nah. Sehenswert an einem steilen Felsen steht das Heidentor. Ein Spaziergang dorthin ist anstrengend, lohnt sich aber. Doch zurzeit sind die Egesheimer mit dem Eierschupfen an Ostern beschäftigt.

Das Heidentor von Egesheim (Foto: SWR, SWR - Andrea Schuster)
Das Heidentor von Egesheim SWR - Andrea Schuster

Das Eierschupfen ist ein alter Osterbrauch am Ostermontagmorgen. Ausgerichtet wird er von allen im Dorf, die im jeweiligen Jahr 20 Jahre alt werden. Auch der Bürgermeister macht mit, er muss die 45 Eier mit einem Korb fangen. Zuschauer? Das ganze Dorf! Und immer viele Neugierige von auswärts.

Besondere Regeln

Wie genau der Wettstreit abläuft, ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Das geben die Zwanziger lachend zu. Aber Hauptsache sie wissen, wie's geht. Logisch, dass der Sieger danach in der Festhalle gefeiert wird.

Reges Vereinsleben

Denn träge sind die Egesheimer nicht. Die 650 Einwohner betreiben ganze sieben Vereine, sogar ein Skiclub mit eigenem Lift ist dabei und ein Obst- und Gartenbauverein, der eine große Baumwiese pflegt.

Über den Kreuzweg zum Heidentor

Kreuzweg (Foto: SWR, SWR - Andrea Schuster)
Der Kreuzweg führt steil den Berg über dem Anhauser Bach hoch. Denn nicht nur die untere Bära fließt durch Egesheim, sondern in einem zweiten Flusstal auch dieser Bach. Die Stationen des Kreuzwegs waren früher aus Sandstein, doch Alter und Witterung haben den Steinen zugesetzt. Sie wurden durch Holz ersetzt. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Oben angekommen, erreicht man das rote Kreuz. Es heißt ganz einfach so, weil es rot angemalt war. An einem anderen Aussichtspunkt steht noch ein weißes Kreuz, das nachts angestrahlt ist. Man hat von beiden Orten eine schöne Aussicht in die beiden Täler. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Der Blick vom weißen Kreuz. Egesheim liegt auf dem großen Heuberg im Südwesten der Schwäbischen Alb in einer Höhe von 700 bis 930 Metern. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Fast der gesamte Egesheimer Gemeinderat mit Bürgermeister Hans Marquart (im weißen Hemd) wanderte mit SWR-Reporterin Andrea Schuster zum Heidentor. Alle kennen sich gut und haben es genossen, mal in lockerer Runde ohne Sitzungsvorlagen zusammen zu sein. Nach der Wanderung gab's in der Skihütte ein Vesper. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
An den Bergen zum Anhauser Bach wachsen vor allem Buchen. Zwei Drittel der Gemeindefläche ist von Wald bedeckt. Weil die Hänge steil sind, kann man sie nicht überall bewirtschaften. Deshalb sehen sie auch mal sehr naturbelassen aus. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Der Weg zum Heidentor. Am Wegesrand gibt es immer wieder kleine Steintürmchen, wohl aufgeschichtet von Spaziergängern. Helle Kalksteine liegen viele herum. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Das Heidentor von Egesheim. Es liegt auf dem Bergrücken Oberburg und ist nur zu Fuß erreichbar. Seine Maße sind beachtlich: etwa sechs Meter hoch und vier Meter breit. Der Platz war eine frühkeltische Kultstätte, die in den 1990er Jahren durch Raubgrabungen bekannt und in anschließenden archäologischen Grabungen nachgewiesen wurde. SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Die kleine Mariengrotte am Fuß der Oberburg. Zwei Bänke stehen dort, man kann rasten. Bei der Wanderung erlebten der Gemeinderat und die SWR4-Reporterin sogar ein Wunder, ein Marienwunder! In einer Stofftasche warteten eine Flasche Sekt und Gläser auf die Pilger. Die fanden übrigens schon am Heidentor bei spontanen Probegrabungen eine Flasche Schnaps - Keltenschnaps natürlich. Ein Prosit auf Egesheim! SWR - Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen

Schon die Kelten waren da

Der Stolz des Dorfes befindet sich aber oben auf dem Berg: das Heidentor, ein mächtiger Felsenbogen. Das Naturdenkmal hat schon die Kelten begeistert. Man geht davon aus, dass der Ort ein keltischer Opferplatz war. Man fand dort Schmuck und Keramik. Heute kann man dort innehalten und die Schönheit der Natur genießen.

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