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SENDETERMIN So, 18.8.2019 | 8:53 Uhr | SWR4

Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche Sonntag- Es wird heller

Wenn es den Sonntag nicht gäbe, man müsste ihn erfinden. Es ist einfach gut, dass sich das Leben nicht immer im selben Tempo dreht. Stellen Sie sich das mal vor. Heute wäre nur ein Tag wie jeder andere. Und das sogar das ganze Jahr über: 365 Tage, alle Tage gleich, immer im selben Tempo. Immer Alltag, ohne Unterbrechung immer dieselbe Zeit-Leier. Wenn es den Sonntag nicht gäbe, man müsste ihn erfinden. Gott sei Dank ist heute Sonntag.

Und nicht nur zum körperlichen Erholen und Aufatmen. Er ist ja auch gut für den Kopf und für die Seele. Dafür sind Sonntage ja fast noch wichtiger: als Sonnen-Tage im übertragenen Sinn. Damit es auch innerlich heller wird. Mir jedenfalls legt sich unsere Weltlage oft schwer und dunkel auf die Seele. Schlechte Nachrichten können sich auftürmen wie Unwetterwolken. Sind wir Menschen denn von allen guten Geistern verlassen? Überfällt es mich manchmal.

Bloß, vom Sorgen machen gehen schlechte Nachrichten nicht weg. Wenn ich mir Sorge über Unwetter mache, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass der Himmel über den Wolken immer noch wunderbar blau ist. Sorgen können auch das Glauben schwermachen. Sie können sich wie dunkle Wolken zwischen uns und Gott schieben. Gut, wenn man dann was zu hören bekommt, was die Sorgen aufbricht und mir die Sonne zeigt. Und Mut macht und wieder Vertrauen aufbaut. Gut dass es dafür den Sonntag gibt.

In den evangelischen Kirchen kann man z.B. heute Worte von Paulus, dem Apostel, hören, aus einem seiner Briefe aus der Bibel: „Ich strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt,“ hat er geschrieben. Und weiter: „ich laufe voller Vertrauen auf das Ziel zu, die Teilhabe an der himmlischen Welt, zu der Gott uns berufen hat.“

Paulus schaut intensiv nach vorne. Und er sieht Licht am Horizont: ‚Ich lebe auf den Himmel zu, mein Leben bewegt sich auf Gott zu.‘ Darauf hat er sich verlassen, weil er geglaubt hat, dass Jesus auferstanden ist. Dabei hatte Paulus große Sorgen, als er diese hellen Worte geschrieben hat. Es hat nicht so gut ausgesehen für ihn. Er war eingesperrt in Rom. Wie es mit ihm weitergehen würde, hat er nicht gewusst. Er hat im Gefängnis auf seinen Prozess gewartet und ob der gut ausgehen würde. Das hat er nicht wissen können. Der Glaube an Gott hat ihn aber trotzdem weiter schauen lassen. Über seine dunklen Sorgen hinaus ins Helle. Weil Gott ist hell. Davon ist er ausgegangen. Wenn ich sowas höre und mir das zu Herzen gehen lasse, das baut auf und macht den Tag heller. Sonn-täglich halt.

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Gut, dass heute Sonntag ist. Immer nur Alltag, ne, das wäre nicht gut. Und gut ist, dass der Sonntag die Seele hell machen kann, wenn man in Sorgen steckt. Es kann einen doch aufbauen, wenn man hört, dass Gott alles mit uns teilt. 

Das nenne ich einen „Durchblick“ kriegen. Hinter allem noch Gott sehen. Und in allem. Trotz allem. Darauf vertrauen, Gott ist auch im Dunkeln und kann es auch wieder aufbrechen. Im Dunkel nicht verzweifeln, sondern an Gott festhalten und standhalten.

Diese Lebenseinstellung hatte auch Dietrich Bonhoeffer. Komisch. Der war auch im Gefängnis. Die Nazis hatten ihn dort eingesperrt. Er erzählt aus eigener Erfahrung, wie man da Mensch bleiben kann, wie man sich als Mensch wehren kann, wenn es einem dunkel wird in der Seele. Er hat das in einem Gedicht für uns festgehalten. Die 1. Strophe die geht so:

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Ziemlich überraschend finde ich dann aber wie es bei Bonhoeffer in der 2. Strophe weitergeht. Da sagt er, Gott leidet auch am Zustand der Welt und wenn es Menschen schlecht geht. Und er meint: Wenn Gott leidet, kann ich als Christ doch nicht tatenlos danebenstehen. Bonhoeffer schreibt:

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Beistehen. Menschen beistehen. Ich glaube, wer zu jemand hält, dem es schlecht geht, der steht Gott bei. Weil Gott ja mit seinen Geschöpfen mitleidet. Jemand beistehen: Schon das hilft und macht hell. Wie es mir ein Freund vor kurzem geschrieben hat, der schwer krank ist: „Es ist gut, zu wissen, dass mich gute Gedanken und Gebete begleiten. Grade wo ich selbst nicht beten kann.“ Hat er geschrieben. Das ist gut. So etwas Einfaches wie „beistehen“ kann so viel bewirken. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Ich glaube, Gott leidet auch mit seiner Schöpfung. Und wartet wahrscheinlich darauf, dass wir ihm da beistehen. Vielleicht hoffen ja auch Pflanzen und Tiere darauf, dass für sie Sonntag wird. Und dass sie eine helle Zukunft haben. Jetzt fragen Sie vielleicht, was ist das für ein Gott, dem Menschen beistehen müssen. Kann der uns da noch helfen? Ja, glaubt Dietrich Bonhoeffer. Weil er an die Auferstehung glaubt genau wie Paulus. Und darauf hofft. So kann man durch die Sorgen hindurchblicken und denen beistehen, die es brauchen. Und so kann das Leben wieder besser werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen hellen Sonntag. Und dass sie in der nächsten Woche viel Beistand erleben. 

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