Volker Lechtenbrink (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/United Archives/Impress)

Schlagerlegende Volker Lechtenbrink - Leben so wie er es mag

"Lieber Kampf als Krämpfe" lautet das Motto des Mannes, der als junger Schauspieler ebenso Erfolge feierte wie als anspruchsvoller Liedermacher. Mit acht Jahren begann die Karriere des Volker Lechtenbrink beim Kinderfunk.

Geboren in Ostpreußen, aufgewachsen in Bremen und 1951 nach Hamburg übergesiedelt - das waren die ersten Stationen des kleinen Volker, der sich bereits von Anfang an vorgenommen hatte, Schauspieler zu werden. Seine Eltern hingegen hätten lieber einen Arzt in der Familie gehabt, was für ihn zum Schreckgespenst geworden wäre, zumal er kein Blut sehen kann.

Bilderstrecke Die schönsten Cover von Volker Lechtenbrink

Plattencover von Volker Lechtenbrink (Foto: SWR, Polydor (Coverscan) -)
Zeit zum Zuhören: das Debüt auf Vinyl gab Volker Lechtenbrink bereits Anfang der 1960er Jahre. Beim Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ der Gebrüder Grimm oder… Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…bei der Abenteuergeschichte „Käpt’n Konny in der Klemme“ von Rolf Ulrici wirkte er als Sprecher mit. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Der Macher", Lechtenbrinks erste LP, wurde sofort ein Erfolg, der Titel-Song schaffte es auf Anhieb in die Hitparaden. Die Plattenfirma schrieb: "Lechtenbrink schuf sich als Schauspieler seine eigenen Interpretationen, was auch für [...] seine Versionen der Songs Kristoffersons gilt. Der Troubadour des Country-Songs und der jugendliche Bühnenheld, der exzentrische Texaner und der selbstbewusste Norddeutsche, eine Kombination, die vor allem aus Gegensätzlichem Spannung erhält." Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Schon im Herbst 1976 kam das zweite Album, schlicht „Nummer 2“ betitelt. Darauf fast ausschließlich Werke des eingespielten Teams John O’Brien-Docker (Komponist/Arrangeur), Knut Kiesewetter (Musik/Text/Produzent) und Volker Lechtenbrink (Text). Bereits 1977 gab der Barde in Hamburg sein erstes Konzert, darüber war zu lesen: „Seine Lieder kommen an, ebenso seine Shakespeare-Rezitationen, besonders seine Show-Einlagen, wenn er Gunter Gabriel, Udo Jürgens oder Udo Lindenberg imitiert“. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die dritte Produktion erhielt den Titel „Alltagsgeschichten“, mit Liedern, von denen Lechtenbrink auf der Rückseite des Covers scheibt, dass sie ihm besonders am Herzen liegen. „Weil ich singen konnte, was mich bewegt.“ Mit „Erst drüben die Dame“ schaffte eine der vertonten Alltagsgeschichten aus dieser CD sogar den Sprung in die Hitparaden. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die Story über das „Hitch-Hike-Baby“ war im Frühsommer 1978 erstmals zu hören. Vorgesehen war die Geschichte über die „kleine Rasthaus-Lady“ als „Ear-Catcher“ für das Doppel-Album „Stargala“, das gleichzeitig erschien, darauf eine „Best of“-Auswahl aus den bislang erschienenen LPs. Lechtenbrink ließ dazu wissen, er betrachte seine Gesangskarriere auf keinen Fall als Schritt nach unten. „Im Gegenteil, sie gibt mir viel eher die Möglichkeit, zusammen mit dem Publikum Spaß zu haben“. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1978 standen wiederum Songs von namhaften Interpreten aus dem Country-Bereich für ein neues Album Pate. Autoren wie z. B. Dickey Lee, Waylon Jennings, Hoyt Axton oder erneut Kris Kristofferson lieferten die Vorlagen für „Meine Tür steht immer offen“. Die Cover-Version von Kenny Rogers‘ „The Gambler“ als „Der Spieler“ erschien als Single. In dieses Jahr fiel auch die Begegnung mit Peter Maffay, die zu einer Zusammenarbeit bei dessen LP „Steppenwolf“ führte und zugleich Wegbereiter war für… Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…die 1980 erschienene LP „Leben - so wie ich es mag“. Ganze 18 Monate Arbeit investierte Volker Lechtenbrink in die Texte. Hierzu steuerte Peter Maffay fast ausschließlich die Musik bei und trat zugleich als Produzent auf. Bei der Aufnahme der Songs waren die Musiker der Peter Maffay-Band beteiligt. Der Titelsong (Original: „Tulsa Time“) stammte im Original von Don Williams. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Eine Aufzählung meiner ganz persönlichen Lebensqualitäten“ so Lechtenbrink über sein Lied „Ich mag.“ Die Auskopplung aus dem Album „Schon möglich“ wurde zu einem seiner ganz großen Erfolge. Kritiker und Schauspieler-Kollegen versuchten immer wieder, seine musikalischen Werke in eine bestimmte Kategorie zu packen. Lechtenbrink selbst sah sich „so zwischen einem Liedermacher und singenden Schauspieler.“ Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Autobiographisches für seine LP „Wer spielt mit mir“: das Lied „Ich glaube Oma, Du sitzt auf 'ner Wolke“ hat er seiner Großmutter gewidmet, zu der er ein ganz besonderes Verhältnis hatte. Sein Text spiegelte die Wirklichkeit wieder. Im Gespräch mit SWR4 schilderte er sie als eine Frau, die sehr gerne gekocht und ebenso gerne gegessen hat. Daher sei sie eine stattliche Erscheinung gewesen, was - um bei der Titelzeile zu bleiben - eine ziemlich dicke und stabile Wolke voraussetzt. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Zu seinem 40. Geburtstag erschien die LP „Zurückgelehnt“. Zusammen mit Michael Reinecke hatte er an einer „ruhigen, gelassenen und musikalisch äußerst variantenreichen Platte“ gearbeitet, wie er es in einem Begleittext selbst ausdrückte. Und sie sollte wiederum stark autobiographische Züge enthalten: „Wir haben viele Tage und Nächte Schweiß, Optimismus und Ideale in die Arbeit investiert und - ich bin ganz ehrlich - wir sind mächtig stolz auf das Ergebnis.“ Coverscan - Bild in Detailansicht öffnen
In den 1980er Jahren lief im ZDF erfolgreich die Serie „Ein Colt für alle Fälle“. Die Titelmelodie „Unknown stuntman“ wurde für Lee Majors zum Hit. Die deutsche Version kam von Volker Lechtenbrink, die textlich nahe am Original blieb. Bellaphon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Es muss nicht immer der Gärtner sein, wenn im Fernsehen gemordet wird. Mitunter macht das auch ein Showstar. „Irgendwann“ hieß die Folge der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“ und auch ein Song des Krimis mit Lechtenbrink in der Hauptrolle. In dieser gab er einen Schlagersänger, der seine Frau mit der Gartenschere erstochen hatte. „Irgendwann“ erschien als Single, blieb für 15 Wochen in den Hitparaden und wurde auch auf der LP „Ich kann gewinnen“ veröffentlicht. Coverscan - Bild in Detailansicht öffnen
Das Album „Herzschlag“ machte Lechtenbrink zusammen mit den Produzenten Helmut Frey und Mats Björklund, beide bis dahin mit Nicki, Juliane Werding oder der Münchener Freiheit erfolgreich. Mit dem neuen Team änderte sich die Arbeitsweise, bislang waren zuerst die Texte entstanden, nun textete Lechtenbrink zu den fertigen Kompositionen. Diese Platte von 1989 war zugleich seine letzte. Als Grund dafür nannte er gegenüber SWR4 unter anderem die wieder zunehmenden Theater-Engagements. Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Ermutigung von Gustaf Gründgens

Als Dreikäsehoch stellte er sich beim Norddeutschen Rundfunk vor und wurde im Alter von 8 Jahren für den Kinderfunk engagiert. Ein Jahr später sprach er im Schulfunk und mit zehn stand er in einem Weihnachtsmärchen erstmals auf der Bühne. Kinderrollen im Thalia-Theater und im Hamburger Schauspielhaus folgten, wo ihn sogar der große Mime Gustaf Gründgens begutachtete: „Junger Mann, das sollten Sie unbedingt verfolgen!“ lautete sein Ratschlag.

Der Durchbruch kam mit der "Brücke"

Die entscheidende Stunde schlug 1959. Bernhard Wicki suchte für seinen Film „Die Brücke“ jugendliche Schauspieler mit Erfahrung. Der junge Mann hatte das Glück, unter zahlreichen Anwärtern ausgewählt zu werden. Der packende Film über die Sinnlosigkeit des Krieges wurde ein großer Erfolg und bewirkte, dass aus dem anfänglichen Wunsch nun der feste Entschluss entstand, Schauspieler zu werden.

Volker Lechtenbrink im Kriegsfilm "Die Brücke" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Volker Lechtenbrink (Klaus Hager), Frank Glaubrecht (Borchert) im Kriegsfilm: "Die Brücke", 1959. Picture Alliance

Wechsel wegen unerlaubter Nebentätigkeit

Nach der mittleren Reife besuchte Lechtenbrink die Hamburger Hochschule für Musik und Bildende Kunst, von der er sich allerdings bald wieder verabschieden musste: den Schülern war es nicht erlaubt, nebenbei Theater zu spielen. Genau dies hatte er aber getan, um sich ein Taschengeld zu verdienen. Er wechselte auf eine Privatschule, setzte seine Ausbildung fort und legte vor der Bühnengenossenschaft die Abschlussprüfung ab.

Alte Verbundenheit zu Baden-Württemberg

Dazu war Volker Lechtenbrink nun auch auf dem Bildschirm zu sehen. Schon zu Beginn der 1960er Jahre verpflichtete ihn der Süddeutsche Rundfunk für zwei Fernsehspiele und der Südwestfunk drehte die beliebte TV-Serie „Alle meine Tiere“. 1979-80 moderierte er im SWF-Fernsehen die Sendungen „Pop ‘79“ und „Lieder und Leute“. Die Verbindung zu Baden-Württemberg blieb bestehen und im Interview mit SWR4 bekannte er: „Zwar habe ich immer nur die Funkhäuser gesehen, aber ich liebe die schwäbische Küche“ und ergänzte, dass er zu den treuen Besuchern des Weindorfes zählt, sobald dies in seiner Heimatstadt Hamburg gastiert.

Volker Lechtenbrink im Derrick "Einen schönen Tag noch, Mörder" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/KPA Copyright)
Volker Lechtenbrink im Derrick "Einen schönen Tag noch, Mörder" Picture Alliance/KPA Copyright

Eine Laune führt zur Musik

Mehr aus einer Laune heraus kam Volker Lechtenbrink mit der Musik in Berührung. Die Idee hatte sein Freund Knut Kiesewetter und geht auf eine Begebenheit im Jahr 1972 zurück. Die beiden hatten damals auf einer Veranstaltung zur Bundestagswahl einen Auftritt als Hintergrundsänger. Zu fortgeschrittener Stunde und in entsprechend fröhlicher Stimmung gab man den Song „Save the last dance for me“ zum Besten.

Der "Macher" betritt die Bühne

Später machte Volker Lechtenbrink den Vorschlag, Lieder des von ihm bewunderten Sängers Kris Kristofferson ins Deutsche zu übertragen. Da kein passender Sänger für dieses Projekt gefunden wurde, kam jener Spaß-Auftritt wieder in Erinnerung: Volker Lechtenbrink musste selbst ins Plattenstudio. "Der Macher" hieß das Resultat, platzierte sich 1976 sofort in den Hitparaden und wurde sogar für den Deutschen Schallplattenpreis nominiert. Allerdings verpasste er um Haaresbreite die Auszeichnung als bester Newcomer, da man sich plötzlich an eine Handvoll musikalischer Jugendsünden aus den Mittsechzigern erinnerte und er somit die Kriterien nicht mehr erfüllte…

Leben - so wie er es mag

Elf Langspielplatten und rund zwanzig Singles erschienen bis 1989. Besonders am Herzen von all seinen Liedern liegt ihm „Leben - so wie ich es mag“, erzählte er uns im Interview. Bis heute steht er voll und ganz hinter dem Text, es sei sein wichtigster Titel gewesen. Zu seinem 70. Geburtstag wurde dieser Song Namensgeber für ein 2-Personen-Stück, zu welchem seine älteste Tochter Saskia das Buch geschrieben hat. Die Premiere war am 30. Oktober 2014 im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater. Dieser Rückblick auf sein Leben brachte Volker Lechtenbrink nach vielen Jahren als Sänger auf die Bühne zurück. Presse und Publikum waren begeistert und feierten ihn wenig später ebenso überschwänglich für sein autobiographisches Solo-Programm „Kommen Sie ruhig rein -Lieder und Geschichten.“

Lechtenbrink, der in fünfter Ehe mit einer Heilpraktikerin verheiratet ist, spielt weiterhin viel Theater und schließt auch ein Fernsehcomeback keinesfalls aus. Nachdem er dort überwiegend als Fiesling zu sehen war, würde er filmisch gerne die Seiten wechseln. „Ein friesischer Kriminalkommissar mit vielen Macken“ wäre seine Traumrolle. Die Fans würde es freuen, wenn ein Drehbuchautor das auch so sieht.

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