Siw Malmkvist (1964) (Foto: Imago, Imago/United Archives -)

Schlagerlegende Siw Malmkvist - Liebeskummer kann sich lohnen

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Knappes Geld und viel Talent - die junge Siw Malmkvist machte das Beste aus ihrer Lage. Eigentlich wollte sie nur den Volkspark in ihrem Geburtsort Landskrona besuchen, hatte aber kein Geld für den Eintritt. Wäre da nicht ein Gesangswettbewerb gewesen, der ihr Leben verändern sollte.

Bilderstrecke Die Covergalerie von Siw Malmkvist

Plattencover von Siw Malmkvist (Foto: Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR)
Eine wahrhaft internationale Produktion: die Orchesteraufnahmen entstanden in den USA und eine Schwedin sang in deutscher Sprache. Den Titel „Danke für die Blumen“ nutzte der Floristenverband sogar als Werbeslogan. In England stand der Schlager als „Wedding Cake“ in den Plattengeschäften. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen
1971 neigte sich die Zusammenarbeit mit dem deutschen Ableger der schwedischen Plattenfirma Metronome dem Ende zu. Der Titel „Zwei Augen“ war der Schlusspunkt und erschien zweimal nacheinander, allerdings mit unterschiedlichen B-Seiten und Bestell-Nummern. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen
Der größte und heute wohl noch bekannteste Hit aus dieser Zeit war „Der Wein ist gut“ von 1972. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen
Ein Comeback-Versuch in Deutschland Anfang der 1990er-Jahre: Erik Silvester schrieb für sie „Es kann nicht immer Rosen regnen“. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen
„Musik ist wie ein Freund“ hieß die CD-Produktion von Siw Malmkvist, die 1998 in die Geschäfte kam. Daraus auf Single ausgekoppelt wurde der Ratschlag „Geh’ nicht in den Rosengarten“. Dahinter verbarg sich eine Cover-Version des spanischen Hits „No me hables“, den Juan Pardo 1980 geschrieben und im Original auch interpretiert hatte. Es war übrigens nicht die einzige deutsche Version, die es gab. Bereits 1983 sang Roy Black auf die Melodie den Text „Du gehörst an meine Seite“. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen
Hinter dem Pseudonym „Die Jolly Sisters“ verbarg sich Siw Malmkvist, die mit sich selbst im Duett sang. Insgesamt zwei Singles erschienen unter diesem Namen: „So-soviel Liebe/Wenn die Rosen blüh’n in Portugal“ und „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Die Rückseite zum letztgenannten Titel „Denk’ an mich“ wurde allerdings nicht von Siw Malmkvist gesungen, sondern von Nana Gualdi, Gina Dobra und Trixie Kühn, die sich für eine Plattenseite lang desselben Pseudonyms bedienten. Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der Evergreen „Küsse nie nach Mitternacht“ hieß in Dänemark „Vogt dig når du kysser ham“. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen
Noch zwei weitere, gute Bekannte, die sich auch im hohen Norden auf den Plattentellern drehten: „Lyckans Ost“ (=Hello Mary-Lou) und „Prima Ballerina“. Ein schwedischer Fan äußerte in einem Interview: „Wer Siw nur auf Schallplatten hört, kann sich gar nicht vorstellen, was für eine geballte Ladung Temperament auf der Bühne explodiert. Einmal im Jahr muss man sie erlebt haben“. Hans-Jürgen Finger - Scan: SWR Bild in Detailansicht öffnen

Angefangen hatte alles im Jahr 1955, als der Teenager Siw Malmkvist unbedingt den Volkspark in Landskrona besuchen wollte. Leider hatte sie kein Geld für den Eintritt. Allerdings wurde zu jener Zeit von einer schwedischen Wochenzeitschrift dort ein Je-Ka-Mi-Abend (Jeder kann mitmachen…) durchgeführt und alle Teilnehmer bekamen kostenlosen Eintritt. Diese Gelegenheit nutzte sie und schlug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: sie kam kostenlos in den Volkspark und ging als Siegerin aus der Veranstaltung hervor. Als Preis winkte ein Schallplattenvertrag und ihre erste Aufnahme war "Tweedle Dee", der Teresa Brewer-Hit in schwedischer Sprache.

Stenotypistin aus Liebe

Der Einstand war geglückt und Siw ging auf bejubelte Tourneen durch Schweden. Hierbei lernte sie einen jungen Mann kennen, in den sie sich verliebte. Für ihn hängte sie ihre gerade begonnene Karriere im Alter von 19 Jahren wieder an den Nagel. Fortan arbeitete sie als Stenotypistin bei der Firma Volvo. Junge Liebe hält oft nicht ewig und es lag vermutlich an der Gunst der Stunde, dass der Liebeskummer bald getröstet war. Ihre alte Plattenfirma suchte nämlich dringend Ersatz, weil das "Zugpferd" Alice Babs zu einem anderen Label gewechselt war.

Comeback für einen Pudel

Doch nur unter Anwendung von Überredungskünsten aller Art gelang es, Siw wieder ins Künstlerleben zurückzuholen. Darunter auch das Versprechen, ihr beim Erreichen von 10.000 verkauften Exemplaren ihres Schallplatten-Comebacks einen kleinen Pudel zu schenken. Man ahnt es - bald zog der Vierbeiner bei Siw ein.

Der Anfang in einer fremden Sprache

"Augustin" war ihre deutsche Premiere - der Titel war in ganz Skandinavien bereits ein Hit. Rückblickend erzählte sie: "Als ich 1959 zu den ersten deutschen Plattenaufnahmen nach Berlin kam, verstand ich noch kein Wort deutsch. Mein Produzent hat mir den Inhalt der Lieder erklärt und ich habe den Text nach Lautschrift gesungen. Anfangs ergab sich so manch lustiges Missverständnis, da viele deutsche Wörter im Schwedischen eine völlig andere Bedeutung haben".

Mademoiselle 100.000 Volt

Innerhalb kürzester Zeit zählte sie zu den höchstbezahlten internationalen Schlagersängerinnen, machte Aufnahmen in acht Sprachen und trat in zahlreichen Ländern auf. Beispielsweise spielte sie in Finnland die Hauptrolle im Musical "Irma la Douce" und trat im Pariser "Olympia" zusammen mit Josephine Baker oder Henri Salvador auf. Übrigens wurde in Frankreich ihr Name in das leichter sprechbare "Siv" geändert. In Anlehnung an Gilbert Bécaud wurde sie wegen ihres überschäumenden Temperaments "Siv - Mademoiselle 100.000 Volt" genannt.

1964 der Durchbruch in Baden-Baden

In Deutschland hingegen war die Strategie, einfach ihre schwedischen Hits ins Deutsche zu übertragen, wenig erfolgreich. Erst als eigens für sie geschriebene Titel aufgenommen wurden und die eingedeutschen Schweden-Erfolge auf der B-Seite landeten, änderte sich dies. Bei uns kam der erste große Hit 1962: Siw Malmkvist trat erstmals bei den "Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden" auf und ihr Lied "Die Wege der Liebe" landete auf dem 2. Platz. Zwei Jahre später gelang ihr in eben jener Veranstaltung der Durchbruch: am 13. Juni 1964 stand sie mit "Liebeskummer lohnt sich nicht" auf dem Siegertreppchen und wurde zum neuen deutschen Idol.

Die Schweden waren verstimmt

Wie weit Siw Malmkvist auf dem deutschen Gesangsangebot herausragte, zeigte sich 1968 beim Schlagerwettbewerb in Berlin. Obwohl ein simples Lied ("Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben" - Dorthe) als Favorit gefeiert wurde und Siws Schlager als zu anspruchsvoll für den Durchschnittsgeschmack schien, brachte die Schwedin das Kunststück fertig, die Hans Blum-Komposition "Harlekin" vor Millionen von Fernsehzuschauern innerhalb von drei Minuten überzeugend zu singen und den Wettbewerb für sich zu entscheiden.

1969 schrieb Hans Blum den Hit "Primaballerina", der eigentlich für Alexandra vorgesehen war, welche aber aus nervlichen Gründen darauf verzichtete. So vertrat Siw Malmkvist mit diesem Titel Deutschland beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson in Madrid und errang den neunten Platz. Offenbar waren ihre Landsleute über diese Wettbewerbsteilnahme für Deutschland etwas verstimmt, denn die Schweden bedachten den Beitrag mit keinem einzigen Punkt.

In den Folgejahren nahm sie noch zahlreiche Titel auf, darunter "Liebe wie im Rosengarten" oder "Zigeunerhochzeit". Jedoch erreichten diese nicht mehr die Top Ten der Hitparaden. Ihre Aufnahmetätigkeit setzte sie sporadisch bis in die jüngere Vergangenheit fort. "Wo sind die Fans von Adamo" oder "Geh’ nicht in den Rosengarten" - um nur zwei Beispiele zu nennen - wurden gern gespielte Rundfunktitel.

Pippi Langstrumpf bestimmt ihr Leben...

Siw Malmkvist verlegte sich mehr auf die Schauspielerei. Ihren größten Erfolg feierte sie 1980 in Stockholm mit dem Musical "Pippi", das auf den Büchern von Astrid Lindgren basierte und in dem sie die Hauptrolle spielte. Daneben beeinflusste "Pippi Langstrumpf" seit 1972 ihr privates Leben auf ganz andere Weise: In jenem Jahr heiratete sie den Schauspieler Frederik Ohlsson, der bei uns als "Herr Settergren", der Vater von Tommy und Annika aus den "Pippi Langstrumpf-Filmen", bekannt wurde.

Erfolgreiches Comeback im Trio

Sängerinnen Siw Malmkvist, Gitte Haenning, Wencke Myhre (Foto: Imago, Imago/Scherf -)
Dreifaches Hoch aus dem Norden... Imago Imago/Scherf -

In Deutschland sah man Siw Malmkvist zuletzt in der erfolgreichen Show "Gitte Wencke Siw" auf der Bühne. Mit ihren Kolleginnen Gitte Haenning und Wencke Myhre ging sie damit von 2004 bis 2007 auf Tournee. Lohn hierfür war die Auszeichnung mit dem Platin-Sonderpreis der "Goldenen Stimmgabel". Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der „Deutschen Krebshilfe“ trat sie 2014 nochmals bei uns im Fernsehen auf und sang ihren Erfolgstitel „Liebeskummer lohnt sich nicht“.

Der runde Geburtstag lässt die Entertainerin noch lange nicht an Ruhestand denken. Bis zum heutigen Tage ist sie in ihrer Heimat sehr aktiv. So spielte sie viel Theater, darunter im Musical „Flashdance“ und 2016 wurde sie in die schwedische „Music Hall of Fame“ aufgenommen. Aktuell stehen in ihrem Terminkalender unter dem Motto „183 Jahre zusammen auf der Bühne“ eine Reihe von Konzerte an, die sie zusammen mit ihren Kolleginnen Lil Babs und Ann-Louise Hanson ab Februar 2017 in Schweden geben wird. Das Publikum erwartet ein Abend mit vielen unvergessenen Hits, viel Humor und Anekdoten aus der langen Showtätigkeit dieser drei schwedischen Musikurgesteine.

Steckbrief von Siw Malmkvist
Geboren31.12.1936 in Landskrona (Schweden)
FamilieSeit 1971 mit dem Schauspieler Fredrik Ohlsson zusammen, zwei Kinder.
Größter HitLiebeskummer lohnt sich nicht (Platz 1, sechs Monate in der Hitparade)
SprachtalentSpricht sechs Sprachen (Englisch, Deutsch, Norwegisch, Dänisch und Italienisch)
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