Kinder mit Schultüten - Erster Schultag im Jahr 1930 (Foto: Imago, Imago -)

Die Schule im Film und Schlager "In der Schule lernt man eh bloß Quark"

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Vorbei ist die schöne Ferienzeit. "Wenn man in der Schule sitzt, über seinen Büchern schwitzt und es lacht der Sonnenschein, dann möcht‘ man draußen sein" - etliche Künstler beschäftigen sich mit diesem Thema und hielten damit zwar nicht Einzug in den Schulbüchern, dafür aber in den Bestsellerlisten.

Die Covergalerie Die besten Plattencover mit Schlagern zur Schule

Plattencover von Schlagern mit dem Thema "Schule" (Foto: SWR, Polydor (Coverscan) -)
"Kann denn die Kinder keiner lehren, wie man spricht?" stöhnte schon Professor Higgins in "My fair lady". Peter Alexander eröffnet mit diesem Musical-Evergreen unsere bunte Parade rund ums Thema "Schule" passend zum... Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…Schulanfang! Machen wir uns also auf den Weg, auf dem es einiges zu beachten gilt! Rolf Zuckowski gab mit seinen Freunden passende Verhaltensregeln im Straßenverkehr und hilfreiche Tipps für einen sicheren Weg zur Schule. Seine „Schulweg-Hitparade“ von 1979 fand 1992 eine Fortsetzung. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Manuela mit Feder, Tintenfass, Kreide und Schiefertafel: ihr Hit „Ich geh’ noch zur Schule“ galt auch für die Künstlerin. Zu Beginn ihrer Karriere nahm sie Unterricht an der Berliner Oper in „modernem Tanz“, besuchte die Schauspielschule, nahm Gesangsunterricht, lernte Sprachen und perfektionierte ihr Gitarrenspiel. Die hier gezeigte EP mit vier Titeln brachte auch nochmals ihren ersten großen Hit auf den Plattenteller: „Schuld war nur der Bossa Nova“. Hans-Jürgen Finger - Bild in Detailansicht öffnen
…“Du kannst in der Schule viel lernen“ teilte auch der Nachwuchssänger Jörg Thomas, der 1966 damit Primus in den Hitparaden werden wollte. Trotz Unterstützung von Werner Last alias Kai Warner (dem Bruder von James Last) als musikalischem Mentor verfehlte der junge Mann eine Belobigung für Glanzleistungen. Polydor(Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ - diesem alten Sprichwort konnte sich der Liedermacher Stefan Sulke nicht anschließen. Er vertrat 1982 die Meinung „In der Schule lernt man eh bloß Quark“! Was im Leben später wirklich zählt… Intercord (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
….steht in keinem Schulbuch. Suzanne Doucet zitierte 1965 einen klugen Studienrat, der auf die Fragestellung „Wie man sich verliebt“ seinen Schützlingen mit auf den Weg gab: "Das lernt man ganz alleine, zu zweit im Mondenscheine. Drum steht in keinem Schulbuch, wie lernt man richtig küssen, das muss man selber wissen, das steht in keinem Schulbuch." Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Graue Theorie in puncto „erste Liebe“ kann durchaus auch auf einem Schulgelände in die Praxis umgesetzt werden. Christian Anders konnte 1978 davon ein Lied singen: „Verliebt in den Lehrer“. Dies geschah auch mit der kessen Petra, die unbedingt den Flugschein machen wollte und sich dabei in ihren sympathischen Fluglehrer verguckte. So der kurze Umriss der Handlung… Chranders (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…des Films „Unsere Pauker gehen in die Luft“ aus dem Jahr 1970. Wencke Myhre spielte die weibliche Hauptrolle und sang den Titelsong. Der Filmtitel bezog sich auf eine Flugschule; der Ausspruch kann seinen Ursprung auch bei besonders „gelehrigen“ Schülern haben, die ihre Lehrkraft buchstäblich vor Zorn "in die Luft" gehen lassen. Ein Exemplar solch eines "enfant terrible" war… Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…die Quittung folgt am "Zeugnistag". Reinhard Mey erzählte auf seiner LP "Keine ruhige Minute" die Geschichte eines Missetäters, der das verhagelte Zeugnis auch noch mit den gefälschten Unterschriften der Eltern versah und somit in arge Bedrängnis geriet. Doch die Loyalität von Mutter und Vater zum Kind machten aus dem Fehltritt eine wertvolle Erfahrung fürs Leben. Intercord (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Trägt mangelnde Zuwendung die Schuld? Udo Jürgens quälten Zweifel in seiner Geschichte „Eine Fünf minus“: „Es hat nicht geklappt, ich bin sitzengeblieben, ich hau‘ ab, ihr hört bald von mir“ hinterließ die Tochter auf einem handschriftlichen Zettel. Nun gab sich der Vater selbst diese Zensur in Gleichgültigkeit. Denkanstöße in Musik aus seiner LP "Lieder, die auf Reisen gehen" von 1977, die bis heute aktuell sind. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ob man nun gute oder eher schlechte Erinnerungen an die Schulzeit hat, jeder kann wohl noch nach vielen Jahren die Namen einiger seiner Lehrer aufzählen und ihre Eigenheiten zum Besten geben. Camillo Felgen, der selbst vor seiner Karriere als Lehrer unterrichtete, sang 1970 ein Loblied auf einen scheidenden Lehrer, der mit Kreide „seinen Namen tief in die Herzen geschrieben hat.“ Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Eines Tages endet die Schulzeit und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Nun übernimmt die „Schule des Lebens“ die weitere - mitunter wenig angenehme - Ausbildung mit unangekündigten Prüfungen und mancher prägenden Lektion. Bianca hat sich in einem Lied darüber Gedanken gemacht. Koch (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Auch im weiteren Leben wird hin und wieder die Schulbank gedrückt, ob beruflich bedingt, nur „just for fun“ oder um sich selbst zu verwirklichen: „Da hab‘ ich was Eigenes, da hab‘ ich mein Jodeldiplom!“. In diesem Sinne auf, auf in Loriot’s „Jodelschule“ - „Holleri du dödel di diri diri dudel dö“. Deutsche Grammophon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

„Watt is en Dampfmaschin‘? Da stelle mer uns e mal janz dumm.“ Unvergessen der Physikunterricht von Professor Bömmel im Film „Die Feuerzangenbowle“. Der Film nach dem Roman von Heinrich Spoerl mit Heinz Rühmann als Oberprimaner Hans Pfeiffer (mit drei „f“) in der Hauptrolle entstand in den Kriegswirren des Jahres 1943. Nach der Fertigstellung verweigerte das Erziehungsministerium des braunen Machtregimes die Freigabe: in Anbetracht des herrschenden Lehrermangels gefährde dieser Film die Autorität der Lehrer und der Schule.

Szene aus dem Film "Die Feuerzangenbowle" (1944) (Foto: Imago, Imago -)
Antreten beim Direktor - Heinz Rühmann und Hans Leibelt in "Die Feuerzangenbowle" Imago Imago -

Eine willkommene Ablenkung vom Krieg

Heinz Rühmann, gleichzeitig Produzent des Films, ließ seine Beziehungen spielen und fuhr mit einer Filmkopie direkt zur Wolfsschanze, dem Führerhauptquartier. Er übergab dem Adjutanten von Reichsmarschall Hermann Göring die Filmrollen, bezog im Gästehaus Quartier und wartete. Zwei Tage später die ersehnte Nachricht: Göring und sein Stab hatten sich den Film angesehen und dabei köstlich amüsiert. Dies berichteten sie Adolf Hitler, der anordnete, dass der Film „unverzüglich für das deutsche Volk“ freizugeben sei. Die Premiere der „Feuerzangenbowle“ fand am 28. Januar 1944 in Berlin statt und war ein rauschender Erfolg.

Das fliegende Klassenzimmer

Szene aus "Das fliegende Klassenzimmer" (1973) (Foto: Imago, Imago/United Archives -)
Szene aus "Das fliegende Klassenzimmer" (1973) Imago Imago/United Archives -

Genau zehn Jahre später feierte „Das fliegende Klassenzimmer“ seine Premiere. Erich Kästner hatte das Kinderbuch 1933 geschrieben, das 1954 erstmals verfilmt wurde: der Schriftsteller persönlich übernahm die Rolle des Erzählers und Peter Kraus feierte hier sein Leinwanddebüt. Die Internats- und Realschüler einer benachbarten Schule dachten sich die verrücktesten Streiche aus, um sich gegenseitig eins auszuwischen. Diese mündeten jedoch in handfeste Streitereien, die der Klassenlehrer Dr. Johannes Bökh, genannt Justus, zu schlichten vermochte. Noch populärer als das Original wurde die Zweitverfilmung im Jahr 1973 mit Joachim Fuchsberger in der Hauptrolle.

Lehrer an den Rand des Wahnsinns treiben

Szene aus dem Film "Die Lümmel von der ersten Bank" (Foto: Imago, Imago/United Archives -)
Theo Lingen und Uschi Glas in "Die Lümmel von der ersten Bank" Imago Imago/United Archives -

„Man fasst es nicht“ - die Streiche des Pepe Nietnagel alias Hansi Kraus füllten eine 7-teilige Filmreihe. Zwischen 1967 und 1971 sorgte er zusammen mit seinen Klassenkameraden für allerlei Schabernack, der die Lehrerschaft - oft als debile Charaktere dargestellt - an den Rand des Wahnsinns trieb. Zahlreiche namhafte Schauspieler wirkten mit und die Liste reichte von Uschi Glas, Hannelore Elsner und Willy Millowitsch über Harald Juhnke und Gustav Knuth bis hin zu Peter Alexander und Heintje. Die beiden Letztgenannten spielten 1969 in der Folge „Hurra, die Schule brennt“ die Hauptrollen.

Die Hymne aller Schüler von Extrabreit

Plattencover von Schlagern mit dem Thema "Schule" (Foto: Metronome (Coverscan) -)
Metronome (Coverscan) -

„Hurra, hurra die Schule brennt“ der NDW-Band „Extrabreit“ geht übrigens auf diesen Filmtitel zurück. 1982 platzierte sich der Song, in dem Jugendliche das Abbrennen ihrer Schule feiern, in den Hitparaden. Die Band aus Nordrhein-Westfalen hatte es mit ihrer Musik schwer. Zwar liebten Teenager die fünf Jungs heiß, die Musikkritiker jedoch verschmähten sie als „NDW-Spaßkapelle“ und mit manchem Werk landeten sie auf dem Index der Radiostationen. Die Frankfurter Rundschau schrieb: „Mit dem fröhlich anarchistischen Schullied massierte die Gruppe wirkungsvoll den Nerv verbreiteter Schulverdrossenheit.“

"In Musik hab' ich 'ne Eins"

Conny Froboess (Foto: Imago, Imago -)
Conny Froboess bei bei Fotoaufnahmen für die Single "Mit dir möcht ich noch mal zur Schule geh'n" Imago Imago -

Im Laufe der Jahre wurde viel über die Schule gesungen. Mary Roos , die im Kindesalter noch als „Rosemarie“ firmierte, berichtete voller Stolz „In Musik hab‘ ich ’ne Eins“ und Conny Froboess bekannte „Mit Dir möcht' ich noch mal zur Schule geh'n“. Auch in so mancher Künstlerbiographie stößt man auf Ungeahntes: Ingrid Peters beispielsweise ist Diplom-Sportlehrerin, Bata Illic arbeitete vor seiner Schlagerkarriere im Lehrerberuf und Christian Anders war Besitzer einer Karateschule in München, in der er Kampfsport unterrichtete.

Vom Schlager in den Staatsdienst

Plattencover von Schlagern mit dem Thema "Schule" (Foto: SWR, Bellaphon (Coverscan) -)
Bellaphon (Coverscan) -

Von den Musik- zu den Schulnoten: In Freudental im Kreis Ludwigsburg war Rudi Edelmann viele Jahre als Grundschullehrer tätig. Bevor er 1975 in den Staatsdienst eintrat, bereicherte er ab 1971 unter dem Pseudonym Manfred Morgan den deutschen Musikmarkt. Sein von ihm geschriebener Schlager „Zuerst kam die Sonne“ platzierte sich auf Anhieb dreimal in Folge in der ZDF-Hitparade und wurde zum Evergreen. Zwanzig Jahre später nahm sein Namensvetter Michael Morgan eine Neufassung davon auf, die bis heute häufig im Rundfunk zu hören ist.

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