STAND
AUTOR/IN

"Blue Bayou" geriet zu ihrer musikalischen Visitenkarte. Bekannt wurde sie außerdem durch die Fernsehsendung "Verstehen Sie Spaß?", die sie mit ihrem Mann Kurt Felix moderierte.

Paola Del Medico, so ihr bürgerlicher Mädchenname, kam als Tochter eines italienischen Schneidermeisters im schweizerischen St. Gallen zur Welt. Der Beruf des Vaters weckte schon früh ihr Interesse für dieses Handwerk und auch die Großeltern sowie mehrere Tanten in Italien waren Besitzer eigener Modeateliers: "Die Verwandtenbesuche in den Ferien waren für mich ein großes Vergnügen und ich war voller Begeisterung, wenn aus einem Stück Stoff so ein schönes Kleid entstand", erzählte sie uns vor einiger Zeit im SWR4 Interview. Daher erstaunt es nicht, dass sie nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung im Textilfach einschlug.

Bilderstrecke Die besten Cover von Paola

Plattencover von Paola (Foto: SWR, Decca (Coverscan) -)
Biographisch betrachtet stand Paola bereits seit 1964 auf der Bühne. Ihr Schallplattendebüt fand allerdings erst 1968 mit dem von Charly Niessen komponierten und getexteten Titel "Er kam mit einem Rosenstrauß" statt. "Für alle Zeiten", die B-Seite der Schallplatte, sang sie auf dem Schlagerfestival der Intervision im tschechischen Karlsbad und belegte damit den vierten Platz. Zu ihren Konkurrenten zählten Alexandra und Karel Gott. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Premiere beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson: In Madrid sang sie 1969 für die Schweiz in deutscher Sprache "Bonjour, Bonjour" und erreichte den fünften Platz. Sie nahm mehrere Versionen davon auf, darunter eine französische und eine portugiesische. Weitere Teilnahmen an Wettbewerben folgten: 1970 beim Internationalen Songfestival in Rio de Janeiro, 1971 beim Internationalen Festival in Mexico-City und 1972 beim "Onda Nueva Festival" in Caracas. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Im selben Jahr war sie unter den Finalisten beim Deutschen Schlagerwettbewerb in Wiesbaden: Mit "Stille Wasser, die sind tief" belegte sie hinter Roberto Blanco ("Heute so, morgen so") den zweiten Platz. Auf einer Deutschlandtournee, bei der neben ihm auch Lonny Kellner, Peter Frankenfeld und Max Greger auftraten, war sie mit von der Partie. Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Während sie 1970 in Zürich im Musical "Eusi chlii Stadt" auf der Bühne stand, war sie in Deutschland in mehreren TV-Sendungen zu sehen, darunter die "ZDF-Hitparade". Der Komponist Henry Mayer schrieb in dieser Zeit zahlreiche ihrer Titel, z. B. "So ist das Leben" und "Auf dem Vierwaldstätter See". Dieser war auch Thema bei… Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…Paolas einziger in Schweizer Mundart gesungenen Schallplatte: "Es wysses Schiff" und "I ha hüt z'Nacht mys Herz verschenkt". "Anlässlich einer Sendung zum 100-jährigen Jubiläum der Schifffahrt auf dem Vierwaldstätter See wurde ein Musikwettbewerb ausgeschrieben und daraus ist diese Platte entstanden", erinnerte sich Paola im Gespräch mit SWR4. "Es war mehr Zufall als gewollt und ein schöner, kleiner Ausflug in die Mundart." Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Wechsel zur neuen Plattenfirma CBS im Jahr 1974. Ihr Einstand war die Portrait-LP "Paola", die neben neuen Titeln auch Cover-Versionen von Evergreens beinhaltete. "Addio mein Napoli"und die "Capri-Fischer" wurden aus dem Album auf Single ausgekoppelt. Bei einem Auftritt im ZDF-Fernsehwunschkonzert "Musik ist Trumpf" sang sie "Weiße Rosen aus Athen", was ebenfalls auf der LP zu finden war. Nach der Sendung veröffentlichte ihre Firma das Lied auf Single, da die Nachfrage riesig war. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ab 1977 arbeitete sie für einige Jahre erfolgreich mit Roland Heck zusammen. "Morgen bekommst Du mehr von mir" (Original: Billy Swan "Lover please") war das erste gemeinsame Werk, dem "Lonely Blue Boy" folgte. Bemerkenswert ist die B-Seite "Zwischen Dir und mir": Hier feierte Paola ihre Premiere als Textdichterin. Die Plattenfirma schrieb: "Paola heute - das ist eine junge Frau, die singt, was sie denkt. Den Text des vorliegenden B-Seiten-Songs hat sie darum selbst geschrieben." CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Mit "Blue Bayou" gelang ihr 1978 der ganz große Durchbruch - der 1963er-Hit von Roy Orbison verhalf ihr zu ihrem größten kommerziellen Erfolg. Insgesamt sieben Mal war sie damit in der ZDF-Hitparade platziert - Rekord! Kurze Zeit später veröffentlichte sie das gleichnamige Album. Motor für die deutsche Version war übrigens ein Remake des Titels von Linda Ronstadt, die 1977 damit einen Hit landen konnte. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der Grand Prix d’Eurovision de la Chanson spielte in ihrer Karriere mehrfach eine Rolle. 1979 nahm sie an der Deutschen Vorentscheidung mit dem Titel "Vogel der Nacht" teil und landete in der Wertung auf dem dritten Platz. Ein Jahr später stand sie in Den Haag für ihr Heimatland im Finale und erzählte von der magischen Welt ... CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… des Kinos im französisch gesungenen Titel "Cinéma", der den vierten Platz erreichte. Der Grand Prix-Beitrag diente als Opener für ihre LP "Lieder, die ich liebe". Darüber hinaus waren auf dem Album die aktuellen Erfolgssingles "Wie Du" (Original: Art Garfunkel "Bright eyes") und "Mit Dir leben" (Original: Elvis Presley "Love me tender") vertreten. 1980 erfuhr auch ihr Privatleben einen Höhepunkt: Paola heiratete den Schweizer Fernsehautor und Moderator Kurt Felix. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Der Teufel und der junge Mann" eroberte zum Jahreswechsel 1980/81 die Bestsellerlisten. Hier im Bild die holländische Fassung des Titels, von der nur 10.000 Exemplare aufgelegt wurden. 1981 erhielt sie erstmals die "Goldene Stimmgabel". Diese Auszeichnung durfte sie 1982, 1983 und 1986 erneut in Empfang nehmen. Der SWR (damals: Südwestfunk) produzierte mit ihr ein TV-Special, in dem sie alle Register ihres Könnens ziehen konnte - tanzen, singen und parodieren. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Wie jedes Jahr wurden Lieder gesucht, die Deutschland beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson vertreten könnten. 1982 waren es insgesamt 807 Titel, die eingereicht wurden. Darunter war auch die Geschichte von "Peter Pan", die sich Ralph Siegel und Bernd Meinunger ausgedacht hatten. Siegel hatte hierfür Paola als Interpretin ausgewählt, die er sehr schätzte. Die TV-Zuschauer stimmten ab und Paola landete auf dem zweiten Platz. Im selben Jahr... CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
... stand sie mit ihrem Ehemann Kurt Felix für das ZDF als Moderatorin vor der Kamera. Die beiden präsentierten die große Show „Lieder gehen um die Welt“, in der u. a. Lena Valaitis, Roland Kaiser oder Udo Jürgens zu sehen waren. Für die gleichnamige LP spielte der Gitarrist Ricky King die schönsten Melodien aus dieser Sendung ein. Epic (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Das Jahr 1983 bot Grund zum Feiern: Paola beging ihr 15-jähriges Bühnenjubiläum. Dies wurde begleitet von der Single "Träume mal schön von Hawaii", die bei Joachim Fuchsberger im Juni des Jahres in "Auf los geht’s los" TV-Premiere hatte. "Rosafarben" folgte im Herbst und war Vorbote für ein gleichnamiges Album. Das Jahr brachte noch eine Novität: Am 19. November moderierte sie erstmals zusammen mit Kurt Felix die Samstagabend-Show "Verstehen Sie Spaß?". CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Mode" lag Paola schon immer im Blut. An ihrem 50. Geburtstag erhielt sie eine Anfrage eines großen Versandhauses, ob sie sich vorstellen könnte, Mode für die Frau "ab Ende 49" zu präsentieren. Ihre Reaktion: "Ich fand das absolut glaubwürdig, wenn ich das mache." Seit dieser Zeit steht sie als Model vor der Kamera, bald entwarf sie auch eigene Kollektionen. Der passende Song zu dieser zweiten Karriere entstand schon viel früher und hatte am 25. Mai 1985 in "Verstehen Sie Spaß?" TV-Premiere. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Abseits ihrer Schlagerproduktionen entstand 1988 diese Konzept-LP mit den 25 schönsten deutschen Kinderliedern. Die "Kinderlieder-Hitparade" nahm sie zusammen mit den "Sonnenschein-Kindern" auf. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Gegen Ende der 1980er Jahre machte sich Paola auf dem Schlagermarkt rarer. "Rose der Nacht" war ihre letzte Single, die sie als Paola veröffentlichte. Parallel hierzu erschien das Album "Meine Lieder", das eine Zusammenfassung ihrer großen Erfolge bot. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ihre letzte Schallplattenaufnahme machte Paola anlässlich eines Streiches mit der versteckten Kamera. Sie schmuggelte sich als Nachwuchssängerin "Raffaella" in Michael Schanze‘s Sendung "Flitterabend" und sang den Baccara-Hit "Yes Sir, I can Boogie". Als Lockvogel fungierte Jack White. Zu sehen war diese Verlade in der Dezember-Ausgabe der Sendung "Verstehen Sie Spaß?", der letzten, welche Paola und Kurt Felix gemeinsam moderierten. Danach zog sie sich aus dem Showgeschäft zurück. White-Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Zwei Jahre Flöte, fünf Jahre Klavier

Was sich als Karriere in der Modebranche andeutete, führte allerdings in eine ganz andere Richtung. Paola war musikalisch talentiert und absolvierte eine fundierte Ausbildung: zwei Jahre Flöte und fünf Jahre Klavier. Das Spielen auf der Gitarre erlernte sie autodidaktisch. In Zürich nahm sie Gesangs- und Schauspiel-, Jahre später Ballettunterricht. Bei einem Amateurfestival in St. Gallen hatte sie 1964 ihren ersten öffentlichen Auftritt, bei dem sie auf Anhieb den vierten Platz belegte. In den Folgejahren nahm sie an weiteren Talentwettbewerben teil, aus denen sie nahezu immer als strahlende Gewinnerin hervorging.

Der Durchbruch mit einem Roy-Orbison-Hit

1967 sah man sie erstmals im Schweizer Fernsehen und die Mitwirkung bei dem Radiowettbewerb "Die erste Chance", den sie gewann, führte zu ihrer ersten professionellen Aufnahme: In Begleitung des Radioorchesters Basels sang sie den "Flamenco Rock". "Das war für mich ganz toll, das erste Mal mit so einem großen Orchester singen zu dürfen", erinnerte sich Paola im SWR4 Interview. "Es gab davon keine Platte, aber dennoch war dies eine Sprosse auf der Erfolgsleiter nach oben." 1968 folgte mit "Er kam mit einem roten Rosenstrauß" ihr Debüt auf schwarzem Vinyl und bereits ein Jahr später vertrat sie die Schweiz beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson in Madrid mit "Bonjour, Bonjour". Der ganz große Wurf kam 1978 mit "Blue Bayou", ein Lied, mit dem Paola fortan stets identifiziert wurde.

Audio herunterladen (3,7 MB | MP3)

Da sind wir immer daheim gewesen

Ab den 1980er Jahren kam die Moderation von TV-Sendungen hinzu. Zusammen mit ihrem Ehemann Kurt Felix präsentierte sie 1982 im ZDF die große Show "Lieder gehen um die Welt". Ein Jahr später waren es sechs Folgen der Vorabendserie "Die Freitagsparty", produziert vom SWR (damals: Südwestfunk), und am 19. November 1983 hatte sie Premiere als Co-Moderation bei der Sendung "Verstehen Sie Spaß", die ihr Mann zur großen Samstagabendshow umgearbeitet hatte. Bis 1990 führten die beiden mit überaus großem Erfolg durch das Programm. Paola denkt gern an diese Zeit in Stuttgart und Böblingen zurück: "Der SWR (damals: Süddeutscher Rundfunk) war unsere Fernsehheimat, da fühlten wir uns wirklich gut aufgehoben. Der Slogan 'SWR4 - da sind wir daheim' ist perfekt. Er hat immer auf uns zugetroffen."

"Frau del Medico, das bin ich..."

Paola und Helene Fischer (Foto: Imago, Imago -)
Paola tauscht Küßchen mit Helene Fischer Imago Imago -

Ihre Wege führten sie bereits 1970 nach Stuttgart. Ein Zeitungsartikel aus diesen Tagen berichtete über eine heitere Begebenheit am Stuttgarter Flughafen. Die Reporter, die über die Ankunft der Sängerin berichten sollten, hatten nur einen Zettel in die Hand bekommen, dass die Opernsängerin Frau Del Medico aus Zürich eintreffen werde. Wer sich hinter diesem Namen verbarg, war nicht näher bekannt und auch eine Nachfrage bei der Staatsoper konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Nach einer Opern-Diva Ausschau haltend hielt man die Karte mit ihrem Namen in die Höhe. Die Überraschung war perfekt, als sich Paola einfand und sagte: "Frau Del Medico, das bin ich."

Der wohlüberlegte Rückzug kam früh

Bereits 1990 zog sich Paola "nach einem erfüllten Berufsleben" gänzlich aus dem Showbusiness zurück. Diese Entscheidung, die sie zusammen mit Kurt Felix traf, war wohl überlegt: "Ein Vierteljahrhundert war ich mit Leib und Seele dabei. Es war mir ganz wichtig dann von der Bühne abzutreten, wenn ich in positiver Erinnerung an meine Karriere zurückdenken kann", begründete sie den Schritt gegenüber SWR4. Bis heute kommen immer wieder Anfragen und verlockende Angebote, ins Rampenlicht zurückzukehren, was sie sehr freut. Aber: "Es wird kein Comeback geben."

Leidenschaft Mode

Langeweile kommt bei ihr keine auf. Zwar genießt sie es, über mehr freie Zeit verfügen zu können - trotzdem legt sie viel Wert darauf, einen strukturierten Tagesablauf zu haben. Sie kehrte zu ihren Wurzeln zurück und ist seit Jahren in Sachen "Mode" sehr rührig. Einerseits steht sie als Model vor der Kamera, andererseits entwirft sie als Designerin ihre eigenen Kollektionen.

Paola - der Steckbrief
Geboren5. Oktober 1950 in St. Gallen
Verheiratet mitKurt Felix, Showmaster (2012 gestorben).
Die FamiliePaola ist Tochter des aus Italien stammenden Schneidermeisters Vittorio Del Medico und der Schweizerin Anna Sennhauser
Größten ErfolgeDazu gehören "Blue Bayou" (Platz 13 in D) und "Der Teufel und der junge Mann" (Platz 5 in D).

Mehr Schlagerlegenden

Raritäten Schlagerlegenden von A-Z

Von Adamo bis Caterina Valente - hier finden Schlagerfans hunderte Geschichten, illustriert mit seltenen Plattencovern aus der Zeit ab den 50er Jahren bis heute.  mehr...

SWR4 Experte Hans-Jürgen Finger

Hans-Jürgen Finger ist SWR4 Experte für seltene Schlager und das Leben der Schlagerlegenden, von Peter Alexander bis Catarina Valente.  mehr...

Musikalische Raritäten im Podcast Selten aber super

Hans-Jürgen Finger ist jede Woche auf der Suche nach Schlager-Juwelen. Hier geht es nicht nur um Evergreens und Ohrwürmer - sondern auch um echte Raritäten.  mehr...