Schlagerlegende Rex Gildo - die leichte Kunst ist die schwerste

Er war ein Symbol für professionelles Entertainment in Deutschland und besaß einen sagenhaften Bekanntheitsgrad von 93 Prozent. „Hossa“ wurde sein Markenzeichen und schrieb damit Schlagergeschichte. Diesen Ruhm bezahlte er mit seiner Persönlichkeit.

Bilderstrecke Die besten Cover von Rex Gildo

Plattencover von Rex Gildo (Foto: SWR, Electrola (Coverscan))
„Va bene“ wird wohl in erster Linie mit Peter Kraus identifiziert. Aber nicht ohne Grund fiel die Wahl seines Produzenten auf diesen Titel: die Plattenfirma wollte Rex Gildo mit Conny Froboess als neues Teenager-Traumpaar vermarkten. Er wollte aber nicht als Peter Kraus-Ersatz gelten, sondern seinen eigenen Weg verfolgen. Seine Cover-Version erreichte im Sommer 1960 immerhin Platz 28 der Hitparade. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Das Ende der Liebe“ brachte ihm zum Jahreswechsel 1960/61 seine erste Notierung in den Top Ten. Die Cover-Version des Ray Peterson-Hits „Tell Laura I love her“ hielt sich dort ganze acht Wochen. Neben seinen Rollen in etlichen Kino-Kassenschlagern kamen nun auch erste Fernsehangebote hinzu. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Speedy Gonzales“ war für ihn der Hit des Jahres 1962. Lediglich das Original von Pat Boone verwehrte ihm den Spitzenplatz. Im Frühjahr 1963 gelang mit „Maddalena“ der Anschluss-Treffer, wiederum ein Titel mit südamerikanischem Einschlag. Das Cover zeigt deutlich seine Vorliebe, sich zu verkleiden und in verschiedene Kostüme zu schlüpfen. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zwei TV-Shows, sechs Single-Schallplatten und der Spielfilm „Jetzt dreht die Welt sich nur um Dich“ - so lautet die Bilanz von Gitte & Rex, dem beliebtesten Schlagerpärchen der 1960er Jahre. Darüber hinaus standen die beiden auch für Musical-Aufnahmen („Kiss me Kate“, „South Pacific“ und „My fair Lady“) im Schallplatten-Studio: „Wir haben damals aber immer Wert darauf gelegt, dass jeder Solist bleibt“ erzählte Rex Gildo. Die Volksplatte (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Konstant gute Umsatzzahlen machten den Künstler für andere Plattenfirmen interessant. Mit einem hoch dotierten Vertrag schaffte es die Ariola, ihn abzuwerben. Dort setzte sich seine Hitserie nahtlos fort: „Augen wie zwei Sterne“, „Sommerblau“, „Dondolo“ (mit dem er in der Auftakt-Sendung der ZDF-Hitparade auftrat) oder „Wer das verbietet“. Dieser Titel erreichte beim Deutschen Schlagerwettbewerb im Jahr 1968 den 5. Platz. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Album „Ich geh‘ mit Dir“ aus dem Jahr 1970 beinhaltete seine Hit-Singles des Jahres: „Love a little bit“ und „Keine Macht auf Erden“. Beide erreichten bei der ZDF-Hitparade die Spitzenposition. Darüber hinaus interpretierte er auf dieser Langspielplatte zwei aktuelle Pop-Hits in deutscher Sprache: „Ma belle amie“ (Original: Tee Set) und „El Condor Pasa“ (Original: Facio Santillan/Simon & Garfunkel). Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Karriere durch Können“ schrieb ein Musik-Kritiker über Rex Gildo. 1971 war er im ZDF in einer Neubearbeitung der Operette „Die Blume von Hawaii“ neben Paola, Gene Reed und Willy Millowitsch zu sehen. Auf seiner neuen LP bot er Melancholisches mit „Memories“ oder Temperamentvolles in Form der Geschichte vom störrischen Esel „Borriquito“. Die deutsche Version des spanischen Sommerhits stellte er in der Peter Alexander-Show einem Millionenpublikum vor. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Laufe der Jahre hatte Rex Gildo immer wieder mit spanisch-mexikanischem Sound große Erfolge. 1972 folgte der Volltreffer schlechthin - „Fiesta Mexicana“ wurde sein Markenzeichen. Kaum bekannt ist, dass der Titel auch international erfolgreich war. In Spanien war er mit der spanischen Version wochenlang in den Hitparaden. Die „Fiesta“ war Vorbote zum Album „Mein Autogramm“, das die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel… Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…begründete. Er schrieb für ihn eine ganze Reihe von Hits: „Hasta la vista“, „Der Sommer ist vorbei“, „Marie, der letzte Tanz ist nur für Dich“ oder „Der letzte Sirtaki“. Ralph Siegel erinnerte sich: „Die Freundschaft mit Rex wurde immer enger und wir trafen uns oft. Er wohnte in einem der schönsten Bauernhäuser, die ich jemals gesehen habe. Alles nach Maß gebaut, mit herrlichen Schnitzereien, gemacht wohl von den besten Holzschnitzern und Schreinern Bayerns.“ Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„So klingt’s mit Rex“ war eine echte Überraschung - Volkstümliche Lieder im Rex Gildo-Sound: „Das ist die Antwort auf unzählige Anfragen, weshalb man diese Musik nicht auf Platte erhält, die nach einer Fernsehsendung eintrafen, in der ich eine Polka gesungen habe.“ „Anneliese“, „Schützenliesel“ oder Slavko Avsenik’s „Hinterm Hühnerstall“ wurden schwungvoll, teils mit südländischem Temperament und mit eigens für Rex Gildo entwickelter Instrumentierung, neu aufgenommen. Ein Unikat! Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Viva la Fiesta“ - die Musikaufnahmen für diese Platte wurden zum großen Teil in Rio de Janeiro gemacht. Zwanzig Musiker aus vier südamerikanischen Ländern waren daran beteiligt. Der Produzent Hans-Georg Moslener kommentierte: „Rex Gildo ist ein außergewöhnlich einfühlsamer Interpret für diese Musik.“ Bei der Sammlung durfte die aktuelle Single „Eviva el Amor“ nicht fehlen. Auszüge daraus stellte er im ZDF in der Peter Frankenfeld-Show „Musik ist Trumpf“ vor. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Gestatten, Rex Gildo“ flimmerte am 15. Oktober 1981 über die Bildschirme. Schon bei der Aufzeichnung gab es Szenenapplaus und das übereinstimmende Urteil der Musiker und Arrangeure lautete: „Hier zeigt Rex Gildo, was er wirklich kann.“ Die Spannweite reichte vom Rock’n’Roll über das bayerische „Vöglfanga-Lied“ bis zum lyrischen Don McLean-Song „And I love you so“. Zu den Highlights gehörte das Duett „Sag‘ nochmal ich liebe Dich“ mit seinem Stargast Lena Valaitis. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Zu seinen späten Hits zählt der im griechischen Kolorit gehaltene Titel „Andrea“, der 1988 zuerst für die Niederlande produziert wurde. Drei Jahre später nahm Rex Gildo eine deutsche Fassung davon auf. Hier im Bild das in holländischer Sprache gesungene Original. AKM (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
In den 1990er Jahren wurden kurzzeitig die in den 1960er Jahren erfolgreichen „Deutschen Schlager-Festspiele“ wiederbelebt. Rex Gildo war dort mehrmals aufgetreten, zuletzt 1998 mit „Die Stimme Deines Herzens“. In seiner Karriere arbeitete er stets mit den Besten der Plattenbranche (Peter Meisel, Ralph Siegel, Hanne Haller) zusammen. Für ihn der Grund für seinen langanhaltenden Erfolg: „Ich hatte immer das Glück, gute Produzenten zu haben und das Publikum stand immer hinter mir.“ Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Film und Theater, Errol Flynn und Tony Curtis, das war die Welt des jungen Ludwig Franz Hirtreiter. Schauspieler wollte er werden, einer der spielen, singen und tanzen kann. Die Managerin Ada Tschechowa wurde auf den jungen Mann aufmerksam, verpasste ihm den Künstlernamen „Alexander Gildo“ und verhalf ihm zu seinem ersten Filmauftritt. Ein Jahr später sah man ihn bereits in seiner ersten Hauptrolle neben Conny Froboess. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner musikalischen Karriere. „Der stille Draufgänger“, wie er bald von der Filmpresse genannt wurde, pflegte während der Dreharbeiten immer vor sich hin zu singen. Dies blieb nicht unbemerkt und er erhielt eine Einladung zum Schlagerpapst Kurt Feltz zum Vorsingen.

"Können Sie nicht stottern?"

Rex Gildo als Cowboy (Foto: Imago, Imago/United Artists -)
Rex Gildo als Cowboy Imago Imago/United Artists -

„Können Sie nicht etwas stottern?“ Dieser Gesangsstil à la Elvis Presley oder Paul Anka war damals groß in Mode. Er konnte und bald stand seine erste Schallplatte „Cafeteria in Santa Lucia“ in den Geschäften - ein Flop. Das Gesangstalent war auch dem Produzenten Nils Nobach aufgefallen. Er suchte für die Plattenfirma Electrola nach einem Sänger für das Teenager-Publikum und nahm ihn unter Vertrag. Damit schlug die Geburtsstunde von „Rex Gildo“. Bereits Anfang 1960 erreichte er mit „Sieben Wochen nach Bombay“ die Hitparaden.

Ein Lob vom gefürchteten Theaterkritiker

Bei einem Casting für die deutsche Erstaufführung des Musicals „My fair lady“ schlug er 1961 über 100 Bewerber aus dem Rennen. Er war stolz darauf, zur Premierenbesetzung zu gehören. 110mal stand er als Freddy im Berliner „Theater des Westens“ auf der Bühne. Der gefürchtete Kritiker Friedrich Luft schrieb: „Rex Gildo ist eine Vitaminspritze für das unterernährte deutsche Musical und Showbusiness.“ Auch die Schallplattenaufnahme wurde der Renner und Rex Gildo erhielt hierfür die seltene Auszeichnung der „Diamantenen Schallplatte“.

Rex Gildo mit Gitte (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Traumpaar - Rex Gildo mit Gitte picture-alliance / dpa -

In den 1960er Jahren lieferte „Sexy Rexy“ Hit auf Hit, darunter auch einige erfolgreiche Duette mit der Dänin Gitte. Sie avancierten zum „Traumpaar des deutschen Schlagers“ und bescherten der Plattenindustrie zwei Jahre lang gewaltige Umsätze und der Regenbogenpresse manche - mitunter frei erfundene - Story. Die Branche schätzte ihn nicht nur als vielseitigen Künstler, sondern auch als harten und disziplinierten Arbeiter, der sich stets an die Devise „Die leichte Kunst ist die schwerste“ hielt.

"Hossa" wird zum Segen und Fluch zugleich

Rex Gildo mit Elke Sommer in "Musik aus Studio B" (Foto: Imago, Imago/United Artists -)
Rex Gildo mit Elke Sommer (1962) Imago Imago/United Artists -

1972 erdachten Ralph Siegel und Michael Holm den Titel „Fiesta Mexicana“, der für Rex Gildo Segen und Fluch zugleich bedeutete: „Ich könnte es niemals weglassen. Egal, ob bei einem Filmball oder im Festzelt - spätestens nach dem fünften oder sechsten Lied wird aus dem Publikum „Hossa“ geschrien. Das gehört einfach dazu.“ Auch in Spanien und Mexico erklomm der Kult-Song die Hitparaden.

"Nicht ein einziges Mal schlecht gelaunt"

1974 wählten ihn Deutschlands Show-Journalisten 1974 zu ihrem Favoriten. Dafür wurde er mit der „Rose“, dem „Sympathiepreis der deutschen Presse“, ausgezeichnet. „Mehr als hundertmal habe ich ihn getroffen, aber ich habe nicht ein einziges Mal erlebt, dass er schlecht gelaunt war. Extrem höflich und freundlich im Umgang - ein Gentleman“ berichtete der Starfotograf Didi Zill.

Rex Gildo mit Ehefrau Marion 1284 (Foto: Imago, Imago -)
Rex Gildo mit Ehefrau Marion (1984) Imago Imago -

Sein adrettes Auftreten und sein jungenhafter Charme machten ihn zum Publikumsliebling bei allen Altersgruppen. Über die Jahre hinweg hielten ihm seine Fans die Treue. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde es ruhiger um ihn und er konnte mit seinen neuen Liedern an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. Er trat weiterhin live auf, mitunter in Möbelhäusern, und blieb nach außen immer der jugendliche Strahlemann. Er wurde im Laufe der Zeit zur Marionette seiner selbst. Die Autorin Ulrike Bremer schreibt zu ihrem Film "Legenden - Rex Gildo" treffend: "Am Ende konnte er nicht mehr anders, als mit Perücke und viel Make-up den ewig jungen Beau zu geben, den Frauenschwarm, den "Sexy Rexy" auch noch mit 63 Jahren."

Was verbarg sich hinter der Fassade?

Rex Gildo in der Garderobe (Foto: Imago, Imago/ZUMA/Keystone -)
Rex Gildo bei der Schuhauswahl Imago Imago/ZUMA/Keystone -

Eine Auseinandersetzung wegen eines nicht eingehaltenen Vertrags und Gerüchte über Alkohol- und Tablettensucht gingen durch die Presse. Die Medien stürzten sich auf vermeintliche Ungereimtheiten in seiner Biographie, manches vom Künstler selbst frei erfunden. Gerüchte und Spekulationen kursierten, die sein integeres Erscheinungsbild ins Wanken brachten. Was war Dichtung, was Wahrheit? Welcher Mensch verbarg sich wirklich hinter der schönen Fassade? Fragen, die für immer unbeantwortet bleiben, denn am 26. Oktober 1999 verstarb er an den Folgen eines Fenstersturzes. Die Staatsanwaltschaft ging von Selbstmord aus.

Steckbrief von Rex Gildo
Geboren2. Juli 1936 in Straubing
Gestorben26. Oktober 1999 in München
Bürgerlicher NameLudwig Franz Hirtreiter
Theaterdebüt1956 in "Peterchens Mondfahrt" an den Münchener Kammerspielen
HitsUnzählige. Am längsten in den Hitparaden notiert waren "Fiesta Mexicana" (29 Wochen), "Speedy Gonzales, "Vom Stadtpark die Laternen" und "Wenn ich je deine Liebe verlier'" (alle je 24 Wochen).