Schlagerlegende Peggy March hat immer noch Träume

Eine amerikanische Geisha aus München - so beschrieb sie eine Plattenfirma sehr treffend. Quasi über Nacht eroberte sie als Teenager-Star das Publikum in nah und fern und entwickelte sich binnen kurzer Zeit zur internationalen Showgröße. Heute feiert die einstige "Litte Peggy March" ihren 70. Geburtstag.

Gesungen hat sie schon von Kindesbeinen an und da ihr Vater keine halben Sachen mochte, sorgte er für Gesangsunterricht. Margret Annemarie Battavio (so ihr bürgerlicher Name) sang auf Wettbewerben, war Mitglied einer Country Band und trat als Dauergast in einer Kindershow im amerikanischen Fernsehen auf. Bei all diesen Aktivitäten war die Zeit gekommen, für die Tochter einen ordentlichen Manager zu engagieren. Dieser tatkräftige Mann organisierte ein Vorsingen in der Chefetage der Plattenfirma RCA.

Bilderstrecke Die besten Cover von Peggy March

Plattencover Peggy March (Foto: RCA/Victor (Coverscan) -)
Die beiden Teenager-Stars Peggy March und Bennie (auch „Benny“) Thomas standen 1965 für die LP „In our fashion - Songs styled for Teens“ in den RCA Victor Studios. Die Idee dazu hatte ihr gemeinsamer Manager Russell Smith. Peggy March machte diese Aufnahmen nur widerwillig und als Smith weitere Duette aufnehmen wollte, lehnte sie ab. 1966 kam noch eine gemeinsame deutschsprachige Single auf den Markt („Die Antwort weiß ganz allein der Wind“ / „Tausend Steine“). RCA/Victor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1975 erschien ein Album, das insgesamt zwölf bedeutenden Männern der Geschichte gewidmet war. Persönlichkeiten wie James Dean, Pele, Al Capone, Gary Cooper oder auch Sigmund Freud wurden für diese Produktion von Ralph Siegel (Musik) und Kurt Hertha (Text) bedacht. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Mit „Fly away pretty flamingo“ gelang ihr 1977 ein großer kommerzieller Erfolg - 400.000 Exemplare der Single gingen über die Ladentische. Drafi Deutscher hatte den Titel unter seinen Pseudonymen Jack Goldbird bzw. Renate Vaplus komponiert, allerdings für seine Jugendliebe Tina Rainford. Diese sang auch das Original, konnte damit aber keine Lorbeeren ernten. Eine gewisse Ähnlichkeit mit deren „Silver Bird“ war nicht zu leugnen. Emi Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Eine neue Mar(s)ch-Richtung: 1979 präsentierte sie gehobenen Disco-Sound und ausschließlich englische Texte. "Electrifying" entstand in München. Für das von Ralph Siegel produzierte Album schrieb sie "I gotta dance". Auf Single ausgekoppelt wurde allerdings "I will follow him", das sie nach 16 Jahren im zeitgemäßen Gewand neu aufgenommen hatte. Emi Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Dreh’ die Uhr zurück zum Anfang“ hatte am 22. Juni 1980 bei der Bekanntgabe der Gewinner der Deutschen Fernsehlotterie in der ARD TV-Premiere. Die Musik zu dem kommerziellen Schlager stammte aus ihrer eigenen Feder. Emi Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Es ist ein wunderschönes Gefühl kreativ zu sein. Zum ersten Mal habe ich Texte für ein ganzes Album geschrieben und hatte eine tolle Zeit dabei." Das bereits 2010 produzierte englischsprachige Album „Always and forever“ erschien 2012 auch hierzulande. Darauf fand sich auch der Hit „When the rain begins to fall“ - hier von der Autorin zusammen mit Andreas Zaron interpretiert. Den Titelsong widmete Peggy March ihrem Ehemann Arnie Harris. DA Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Als der zu diesem Treffen engagierte Pianist durch Abwesenheit glänzte, sang die Kleine einfach a cappella. Die Produzenten schlossen sofort einen Vertrag und gaben ihr den Künstlernamen "Little Peggy March". Wenn "Little Peggy" den Titel "Little me" singen würde, müsse dies beim Publikum ankommen. Diese "gute Idee" war eine glatte Fehleinschätzung - die Plattenpremiere ging gründlich daneben.

Mit 15 Jahren die jüngste Sängerin mit einem Nummer-1-Hit

Peggy March (Foto: dpa/picture alliance -)
Peggy March mit Paul Kuhn dpa/picture alliance -

Das richtige Lied kam kurze Zeit später. Ein erfahrener Textdichter schlug den in Frankreich erfolgreichen Petula Clark-Titel "Chariot" vor, der neu arrangiert und mit einem englischen Text versehen wurde. Noch im Januar 1963 kam "I will follow him" heraus. Kurze Zeit später war der Titel auf Platz 1 der amerikanischen Charts. Damit war sie mit 15 Jahren die jüngste Sängerin der Pop-Geschichte, welche die Spitze der US-Hitparade erreichte. Die freudige Nachricht erfuhr sie aus dem Radio, als sie gerade zuhause mit dem Abwasch beschäftigt war.

Ihre Plattenfirma hatte großes Interesse daran, dass Peggy March auch Aufnahmen in anderen Ländern machte. Dazu zählten z. B. Italien, Japan oder Deutschland. "Die deutsche und die japanische Karriere verliefen parallel" erinnerte sie sich Jahre später im Gespräch. Ihre erste hierzulande verdiente Gage trug sie wie eine Trophäe nach Hause - in einer Plastik-Tüte! Bald darauf kehrte sie zurück, sang "Lady Music" und trat in der Show von Caterina Valente auf. "Mit 17 hat man noch Träume" verhalf ihr 1965 zum Sieg bei den Deutschen Schlager-Festspielen in Baden-Baden.

Zu spät und doch genau richtig...

Die Freude war von kurzer Dauer, denn als sie nach Amerika zurückkehrte, hatte sich ihr Manager mit dem verdienten Geld aus dem Staub gemacht. Mit den restlichen 500 Dollar zog sie nach New York. An ihrem 19. Geburtstag wurde sie von ihrer Schallplattenfirma zu Verhandlungen eingeladen. Bei dieser Gelegenheit sollte sie einen neuen Manager bekommen. Lust darauf hatte sie überhaupt keine und kam deswegen eine Stunde zu spät. Ihr neuer Manager, Arnold "Arnie" Harris, hasste Unpünktlichkeit und war gerade im Begriff zu gehen. Glücklicherweise blieb er…

Peggy March mit Ehemann Arnie und Tochter Sandy zu Hause (Foto: Imago, Imago -)
Peggy March mit Ehemann Arnie und Tochter Sandy zu Hause Imago Imago -

"Das Mädchen sah eigentlich nach nichts aus. Na schön, es ist ihr Geburtstag, aber das ist noch lange kein Grund, sich ein unmögliches Kleid anzuziehen". Die Gedanken von Arnie Harris waren eindeutig. Als sie ins Studio gingen und Peggy March sang, stand sein Entschluss fest: das Mädchen war in Ordnung. "Die paar Kleinigkeiten ließen sich ändern." Die Änderungen waren dann doch so einschneidend, dass die beiden am 19. Mai 1968 sich vor dem Traualtar das "Ja-Wort" gaben.

Der Umzug nach Deutschland

Zwischenzeitlich pfiffen die sprichwörtlichen Spatzen ihre Hits von den Dächern und ihre Schallplatten verkauften sich glänzend. Als die 3-Millionen-Grenze erreicht wurde, gab es die erste "Goldene Schallplatte". Ob dieser Erfolge hatte Harris einen Vorschlag: "Ich denke, wir sollten nach Deutschland ziehen". Die Zeitungen schrieben über die Nachricht von ihrem Umzug, bevor sie sich entscheiden hatte. "Warum nicht", dachte sich Peggy March und München wurde ihr neues Zuhause.

Auch künstlerisch zeichnete sich zu dieser Zeit ein Umbruch ab. Die Masche, deutsche Lieder mit englischem Akzent zu singen, zog nicht mehr. Außerdem wollte sie das Teenager-Image ablegen, das ihr deutscher Produzent am liebsten beibehalten hätte. Sie lernte Ralph Siegel kennen, der das Lied "Einmal verliebt, immer verliebt" für sie geschrieben hatte. Der damalige Newcomer übernahm wenig später die Produzententätigkeit und unter seiner Regie konnte sie ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen: "Es hat mir wirklich wieder richtig Spaß gemacht, etwas zu probieren, was nichts mit Routine zu tun hatte."

Nach zwölf Jahren Wahlheimat Deutschland fasste sie den Entschluss, nach Amerika zurückzukehren. "Ich hatte viel, was ich machen wollte. Die "Neue Deutsche Welle" kam und ich passte nicht rein" erinnerte sie sich im Interview. Der Hauptgrund war jedoch ihre 1974 geborene Tochter Sande Ann: "Ich wollte, dass sie eine amerikanische Schule besucht und dort aufwächst."

Dann kam der Superhit "When the rain begins to fall"

Zurück in den Staaten besuchte sie die Schauspielschule: "Das war eine schöne Zeit. Ich habe wahnsinnig viel gelernt." Außerdem begann sie zu texten und zu komponieren. Sie schrieb für Audrey Landers den Hit "Manuel goodbye" und ein unerwarteter Riesenerfolg wurde ihr Lied "When the rain begins to fall", das von Pia Zadora und Jermaine Jackson gesungen wurde: "Ich hatte eine Band und wir haben dieses Lied Jack White vorgespielt, der den Song produzieren wollte. Dass es so ein Riesenhit werden würde, hätten wir nie gedacht. Es ist immer mein Traum gewesen, einen Hit zu schreiben, der nicht von mir gesungen wird."

Peggy March (Foto: Imago - Imago)
Peggy March bei einem Fernsehauftritt Imago - Imago

Als in den 1990er Jahren der deutsche Schlager boomte, war Peggy March wieder mit dabei. 1993 gelang ihr ein Comeback. Nachdem ihr Hit "I will follow him" durch den Film "Sister Act" in der Interpretation von Whoopi Goldberg wieder höchst populär wurde, bekam auch in den USA ihre Karriere wieder frischen Wind. Heute lebt Peggy March in Florida, kehrt jedoch regelmäßig zu Auftritten nach Deutschland zurück.

Ihren runden Geburtstag verbringt die Jubilarin an Bord eines Kreuzfahrtschiffs und tritt dort für die Gäste auf. Bei der Fahrt zu den Bahamas wird sie von ihrer Tochter begleitet. In einem Interview erzählte sie von ihren Geburtstagswünschen: "Ich würde gerne einmal in einem Zeppelin fliegen und im Weißen Haus singen - wenn auch nicht unbedingt vor seinem derzeitigen Bewohner." Spätestens im Herbst gibt es auch hierzulande ein Wiedersehen mit Peggy March, wenn sie mit Kollegen wie Ireen Sheer, Lena Valaitis oder Michael Holm - bereits zum dritten Mal - auf "Schlager-Legenden"-Tour geht.

Peggy March - der Steckbrief

Geboren8. März 1948 in Lansdale, USA, als Margaret Annemarie Battavio
Grand-PrixZweimal nahm sie an den deutschen Vorentscheidungen zum Grand Prix d'Eurovision teil: 1969 und 1975. Beide Male verpasste sie nur knapp den Einzug ins Finale und wurde jeweils Zweite.
ErfolgJüngste Sängerin, der bis dahin ein Nummer-1-Hit gelang
FamilieHeiratete am 19. Mai 1968 ihren Manager Arnold "Arnie" Harris, der 2013 an Krebs starb. Die beiden haben eine Tochter, Sande Ann, die 1974 geboren wurde.