Karel Gott (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - Wolfgang Weihs)

Schlagerlegende Karel Gott - das doppelte Doppelleben

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"Das ist kein Sänger, das ist ein Naturereignis!" schrieben die Kritiker enthusiastisch, als sich Karel Gott bei einem Festival in Cannes 1967 erstmals einem westlichen Publikum vorstellte. Am 1.10.19 ist er mit 80 Jahren gestorben.

Zum Tod von Karel Gott "Die goldene Stimme aus Prag"

Karel Gott (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Karel Gott, die "goldene Stimme aus Prag", ist am 1. Oktober 2019 im Alter von 80 Jahren gestorben. Am 14. Juli 2019 feierte er noch seinen 80. Geburtstag. Wir blicken zurück auf seine außergewöhnliche Karriere. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Eigentlich wollte er Maler werden. Doch er machte erstmal eine Elektrikerlehre. Sein großes Hobby: die Musik. Und 1959 fiel er bei einem Musik-Nachwuchswettbewerb dem tschechoslowakischen Bandleader Karel Krautgartner auf. picture-alliance / Reportdienste - Max Schweigmann Bild in Detailansicht öffnen
Daraufhin studierte er drei Jahre Gesang am Prager Konservatorium. 1963 erschien seine erste Single. Er trat in Cannes oder Las Vegas auf und nahm 1968 für Österreich am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil, wo er Platz 13 belegte. picture-alliance / Reportdienste - Charles Carsten Bild in Detailansicht öffnen
In Prag war er bald ein gefeierter und begehrter Star. Als er 1967 aus Las Vegas zurückkehrte, wurde er von seinen Fans euphorisch empfangen. picture alliance / CTK - Jovan Dezort Bild in Detailansicht öffnen
Auch in Deutschland wurde er sehr erfolgreich und spätestens mit dem Titelsong zur Zeichentrickserie Biene Maja hatte sich Karel Gott in die Herzen der Deutschen gesungen. picture-alliance / Reportdienste - Bernd Wästneck Bild in Detailansicht öffnen
Aus den Fernsehsendungen in Ost- wie in Westdeutschland war er bald nicht mehr wegzudenken. Hier sieht man ihn bei der Aufzeichnung der ZDF Silvester Show 1971. picture-alliance / Reportdienste - Chris Hoffmann Bild in Detailansicht öffnen
Er zeigte sich hinterm Zapfhahn bei einem Gastauftritt in Hamburg (1968) ... picture-alliance / Reportdienste - Johannes Gewiess Bild in Detailansicht öffnen
... und zusammen mit den Fussballspielern des Bundesligisten Rot-Weiß Essen (1970). picture-alliance / Reportdienste - Wilhelm Bertram Bild in Detailansicht öffnen
Mehr als 50 Jahre stand Karel Gott auf der Bühne. Er liebte die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie zum Beispiel 1975 mit Joy Fleming… Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
… oder an der Seite von Mary Roos bei einer Unterhaltungsshow 1979. picture-alliance / Reportdienste - Alexander Wittmann Bild in Detailansicht öffnen
Er war auf Augenhöhe mit Udo Jürgens … picture-alliance / Reportdienste - apa Bild in Detailansicht öffnen
… und sorgte für Gänsehautmomente im Duett mit Semino Rossi. picture-alliance / Reportdienste - Andreas Lander Bild in Detailansicht öffnen
Zur Aftershowparty der Fernsehshow "Das Frühlingsfest der 100.000 Blüten" 2013 lässt sich auch Helene Fischer gern an seiner Seite ablichten. picture alliance / Geisler-Fotopress - Sebastian Gabsch Bild in Detailansicht öffnen
Seine Musik vereint Generationen. Während die Älteren den Refrain von "Babicka" wohl nimmermehr aus dem Ohr bekommen, kennen ihn die Jüngeren aus dem Duett "Für immer jung" mit Rapper Bushido. picture-alliance / Reportdienste - Jazz Archiv/Geisler Bild in Detailansicht öffnen
Sein letztes Meisterstück war ein Duett mit seiner Tochter Charlotte Ella. In dem Lied "Srdce nehasnou" sangen die beiden über die Abenteuer des Lebens und darüber, dass sich Herzen auch über den Tod hinaus niemals verlieren. "Auch wenn der Stern erlischt", heißt es da, "der Schein wird Dich lange, lange begleiten." picture alliance/dpa - Ondrej Deml Bild in Detailansicht öffnen
Karel Gott hat weltweit viele Millionen Tonträger verkauft. Er wurde mit mehr als 50 Diamant-, Platin-, Goldenen und Silbernen Platten ausgezeichnet. Allein in Deutschland hat er mehr als 900 Lieder veröffentlicht. Wie viele Preise der Sänger im Lauf seiner Karriere erhalten hat, ist kaum zählbar. picture-alliance / Reportdienste - Angelika Warmuth Bild in Detailansicht öffnen
Neben seiner Musikkarriere hat er auch in einigen Filmen mitgespielt. Wie zum Beispiel 1969 an der Seite der deutschen Schauspielerin Gila von Weitershausen im Kinofilm "Charleys Onkel". picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Nur mit dem Singen kann er seinen schöpferischen Hunger nicht stillen, erzählte Karel Gott in einem Interview. So ist er auch seinem großen Hobby der Malerei bis heute treu geblieben. picture-alliance / Reportdienste - Jörg Schmit Bild in Detailansicht öffnen
"Von Frauen bewundert zu werden, das war, das ist das Motiv bis heute für mich. Das was ich mache, egal ob ich singe auf der Bühne oder male, ich möchte erfolgreich bei Frauen sein." Wie viele Frauen er hatte, darüber schwieg der Künstler. Eine Bilanz ist allerdings Fakt: Er hat vier Kinder mit drei Müttern. Hier sieht man ihn mit seiner letzten Ehefrau Ivana im Prag im November 2017 bei der Preisverleihung zur "Goldenen Nachtigall". picture-alliance / Reportdienste - Zezulka Tomas Bild in Detailansicht öffnen
Eine seiner längeren Beziehungen hatte er mit Marika Sörös, mit der er noch seinen 60. Geburtstag feierte. In der Reihe hinter den beiden sitzen seine beiden Töchter Lucie (links) und Dominika. picture-alliance / Reportdienste - CTK Peska Bild in Detailansicht öffnen
Doch 2008 war er sich sicher, die Eine gefunden zu haben. Mit Ehefrau Ivana (geb. Macháčková) hat er zwei Töchter: Charlotte Ella kam 2006 zur Welt und Nelly Sofie 2008. Mit seiner Familie an seiner Seite hat er 2016 auch seine schwere Krebserkrankung überwunden. picture-alliance / Reportdienste - DB Bison & Rose Bild in Detailansicht öffnen
Nun hat Karel Gott den Kampf gegen den Krebs doch noch verloren. Seine Frau schrieb auf seiner Webseite: "Mit tiefster Trauer im Herzen gebe ich bekannt, dass mein geliebter Ehemann Karel Gott uns gestern, kurz vor Mitternacht, nach schwerer und langer Krankheit verlassen hat. Er ist zu Hause von uns gegangen, in ruhigem Schlaf, im Kreis seiner Familie." Imago imago images / CTK Photo Bild in Detailansicht öffnen

Jazz und Swing waren seine große Leidenschaft. Schon als Schüler jazzte er mit seinen Kameraden um die Wette und nach dem Abitur lebte er seine Passion in verschiedenen Tanzcafés und Jazzkellern aus. Das war der Ausgleich für das ansonsten recht harte Leben. Tagsüber arbeitete er in einer Elektrofabrik, als Vorstufe für ein geplantes Studium an der Technischen Hochschule. So hatte es der Vater bestimmt. Das bedeutete ein straffes Tagespensum: von morgens 6 Uhr bis 14 Uhr mittags Fabrik und ab spätnachmittags bis um Mitternacht Gesang.

Bilderstrecke Karel Gott - die Cover seines Lebens

Plattencover Karel Gott (Foto: Coverscan (Polydor) -)
1967 Premiere in Deutschland mit der Titelmusik zum Film „Doktor Schiwago“: „Weißt Du wohin“ brachte erst im zweiten Anlauf den Durchbruch. Ein Jahr nach der Erstveröffentlichung wurde Karel Gott zu einer Vertriebstagung der Deutschen Grammophon-Gesellschaft eingeladen, um sein neues Repertoire vorzustellen. Die Zuhörer waren von seinem "Weißt Du wohin" begeistert und im Herbst 1968 wurde die Single erneut veröffentlicht. Diesmal gelang der Einstieg in die Top Ten. Coverscan (Polydor) - Bild in Detailansicht öffnen
Für die B-Seite seiner zweiten deutschen Single bekam er hochkarätige Unterstützung von James Last, der "Irgendwo in fremden Straßen" schrieb und mit seinem Orchester begleitete. In seiner Autobiographie erzählt Karel Gott von einer Einladung zu einem James Last-Konzert. Allerdings musste er am selben Abend noch in die Tschechoslowakei zurück, so dass er in der Pause die Veranstaltung verließ. In der zweiten Hälfte des Programms sagte James Last, dass er sich sehr darüber freue, Karel Gott im Publikum zu sehen. Die Scheinwerfer suchten im ganzen Saal vergebens nach dem Sänger... Coverscan (Polydor) - Bild in Detailansicht öffnen
Bei uns hingegen feierte er Triumph um Triumph: nach seiner ersten Deutschland-Tournee Anfang 1969 verlangte das Publikum nach mehr, so dass im November des Jahres eine zweite folgte. Überall bot sich das gleiche Bild: die Hallen waren überfüllt. Seine zweite LP „In mir klingt ein Lied“ wurde veröffentlicht, zu Weihnachten das Album „Weihnachten in der Goldenen Stadt“ und in den Hitparaden standen seine Singles „Was damals war“ und „Lady Carneval“ in den Top Ten. Coverscan (Polydor) - Bild in Detailansicht öffnen
1985 gelang Karel Gott mit dem tschechischen Kinderstar Darina Rolincová der Hit "Zvonky štěstí", der bei uns als "Fang‘ das Licht" die Hitparaden stürmte. Das Lied wurde später mehrmals neu aufgenommen: statt der kleinen "Darinka" sangen die Geschwister Hofmann mit Karel Gott, kurz darauf erlebte der Titel eine Renaissance im Duett mit DJ Ötzi. Der zweite Versuch, zusammen mit Darinka nochmals einen Hit zu landen, schlug fehl: "Gib mir ein Zeichen" blieb unbeachtet. Aus Kindern werden Leute: Darinka tritt nach wie vor in der Tschechoslowakei unter dem Namen "Dara Rolins" auf. Coverscan (Polydor) - Bild in Detailansicht öffnen
Nana Mouskouri, Wencke Myhre, Daliah Lavi, Semino Rossi, Hartmut Engler, Xavier Naidoo oder Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen waren einige Stars, die zusammen mit Karel Gott im Duett sangen. All diese ungewöhnlichen Aufnahmen entstanden 2009 für das Album "Leben", einer Hommage an den Künstler anlässlich seines 70. Geburtstags. Alle beteiligten Künstler waren von der Idee zu dieser besonderen Würdigung begeistert und haben gerne ihre Mitwirkung bei diesem einmaligen Projekt zugesagt, das sämtliche Genregrenzen unbeachtet ließ. Coverscan (Polydor) - Bild in Detailansicht öffnen

Singen als Berufswunsch - kein Gedanke

Dabei strebte er keine Sängerlaufbahn an. Vielmehr war er seit Kindertagen fest entschlossen, Maler zu werden. Eine Leidenschaft, die er bis zu seinem Tod pflegte und die für ihn mehr als "nur ein Hobby" bedeutete, wie er gegenüber SWR4 erzählte. Die Einser im Zeichnen ermutigten ihn damals auch dazu. Während die Dreier in Musik klar aussagten, dass in der Welt der Töne seine Zukunft nicht lag. Das Blatt wendete sich, als Arbeitskollegen in der Elektrofabrik ihn überredeten, an einem Nachwuchswettbewerb teilzunehmen. Hier fiel er dem Bandleader Karel Krautgartner auf, der ihm eine Gesangsausbildung empfahl.

"Das Konservatorium war richtig konservativ"

Karel Gott folgte dem Rat und nahm ein Musikstudium auf, doch seine Interessen lagen beim Jazz und Swing, am Konservatorium hingegen stand klassische Musik auf dem Lehrplan. Schon bei der Aufnahmeprüfung sorgte er für Aufsehen, indem er mit der Tradition des ehrwürdigen Gebäudes brach und sich nicht davon abbringen ließ, sich als heißer Jazz- und Swing-Interpret zu präsentieren und moderne Rhythmen vorzutragen. Dennoch erklärte sich ein Professor bereit, ihn unter seine Fittiche zu nehmen.

Karel Gott: "Das war das Schwierigste, denn bei uns ist das Konservatorium richtig konservativ. Da darf kein Musiker Nebengeschäfte machen, und besonders nicht ein Sänger, der Oper studiert. Wenn er sich dann noch mit Jazz und Rock’n’Roll abgibt, ist das die absolute Frechheit."

Bilderstrecke Karel Gott - rare Platten aus dem "Osten"

Plattencover Karel Gott (Foto: SWR, Supraphon (Coverscan) -)
Mit dem preisgekrönten Film-Evergreen „Moon River“ debütierte Karel Gott 1963 auf dem tschechischen Plattenmarkt. Diese Komposition eröffnete auch das 1967 in erschienene Album "The golden voice of Prague" (in englischer Sprache). Neben Melodien aus der „West Side Story“ waren ebenso Jazz-Standards wie „My funny Valentine“ vertreten. Und der Klassiker „Be-Bop-A-Lula“ gab Karel Gott Gelegenheit zu zeigen, dass er auch "Rock'n'Roll" kann. Absolut hörenswert! Supraphon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Lady Carneval“, „Was damals war“ oder auch „Einmal um die ganze Welt“ - all diese Evergreens stammen ursprünglich aus der Tschechoslowakei. Bevor sie sich hierzulande in der deutschen Version erstmals auf dem Plattenteller drehten, waren sie dort bereits zu Hits geworden. „My Czech Favourites“ aus dem Jahr 1972 enthielt die Originalaufnahmen in seiner Muttersprache. Supraphon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
In der ehemaligen DDR war Karel Gott ein gern gesehener Gast. Auf dieser Amiga-Produktion von 1973 verdient ein Titel besondere Aufmerksamkeit: es handelt sich um das Lied, das im Original „Kávu si osladim“ hieß und bei uns als „Es wird schon weitergeh’n“ 1972 populär wurde. Wenigen dürfte wohl bekannt sein, dass von dem Song zwei deutschen Fassungen existierten - eine west- und eine ostdeutsche Version. Die ostdeutsche Aufnahme „Ein Stückchen Zucker mehr“ ist auf dieser LP vertreten. Amiga (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Zwischen Moldau, Don und Donau“ hieß eine LP, die Karel Gott 1972 in Deutschland aufnahm und osteuropäische Folklore zum Inhalt hatte. Ein Jahr später wurde das Album unter dem Titel „Mezi Vlatvou, Donem a Dunajem“ für den tschechischen Plattenmarkt übernommen. Supraphon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nochmals Aufnahmen in englischer Sprache: als Vorlage dienten Erfolge aus seiner Heimat. Folgerichtig trug die LP den Titel „From my Czech Song-Book“. Darunter zwei Titel, die man auch hierzulande gut kannte: „If I were Mister Paganini“ („Er war ein zweiter Paganini“) und das bereits vorhin schon erwähnte „Es wird schon weitergeh’n“, hier in der englischen Fassung „I’ll sugar coffee more“. Supraphon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Gerhard Winkler’s „Glaube mir“, Charlie Chaplin’s „Smile“ oder „Can’t help falling in love“, von Elvis Presley im Film „Blue Hawaii“ weltberühmt gemacht - alles Melodien, die nicht altern. So lautete auch das Motto dieser Schallplatte, die Karel Gott in tschechischer Sprache 1975 zusammen mit dem Orchester Karel Vlach aufnahm. Supraphon (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Karel Gott goes Country - 1982 erschien dieses Album, auf dem er Standards wie "Cryin’" (Original: Roy Orbison), “"Take me home, country roads" (Original: John Denver) oder "City of New Orleans" (Original: Steve Goodman) in englischer Sprache interpretierte. Supraphon - Bild in Detailansicht öffnen
Nach seiner Krebserkrankung stellte er 2016 in Prag ein neues Album vor, das neben zwei neuen Liedern 40 Jahre musikalisches Schaffen noch einmal Revue passieren ließ. Im Interview mit dem MDR sagte er: "Es ist die Bilanz einer wirklich nicht alltäglichen Karriere in dieser wackeligen Pop-Branche. Wenn etwas Unsicherheit ins Leben bringt, dann ist das eine Arbeit im populären Schlager und in der Popmusik. Ich bin meinen Freunden, Autoren, und Kollegen gegenüber so dankbar. Ich habe immer die Besten um mich gehabt!" Supraphon - Bild in Detailansicht öffnen

"Bach oder Beat"

Ein neues Doppelleben begann, denn tagsüber sang er Lieder und Arien, abends sorgte er verbotenerweise in Cafés als Jazzsänger für Stimmung. Der begeisterte Applaus des Publikums befeuerte seinen Ehrgeiz und er verfolgte sein Studium weiterhin ernsthaft und konsequent. Drei Jahre lang glückte das Spiel mit dem Feuer, bis ihn eines Abends der Professor erwischte und ihm ein Ultimatum stellte: "Bach oder Beat." Als Karel Gott sich sicher war, dass er im Showgeschäft reelle Chancen hat, kehrte er dem Konservatorium den Rücken. Seine Entscheidung wurde durch ein Engagement am Prager Semafor-Theater noch bekräftigt.

"Das Engagement bedeutete maximale Popularität im ganzen Land. Das Fernsehen übertrug einmal monatlich das Programm und Karten musste man einen Monat im Voraus bestellen."

Sinatra des Ostens

Nach seinem Debüt rissen sich Rundfunk und Fernsehen in der CSSR um ihn. Bereits seine ersten Schallplatten verzeichneten Rekordumsätze. Sein Ruhm durchlöcherte den "Eisernen Vorhang" und bald trat er erstmals im Westen auf. 1967 gab er seine Premiere auf dem deutschen Plattenmarkt mit "Weißt Du wohin". Er absolvierte ein sechsmonatiges Gastspiel in Las Vegas, wo er glänzende Erfolge feierte und Stars wie Dean Martin, Sammy Davis jr. oder Frank Sinatra kennenlernte. Er wurde sogar als legitimer Nachfolger des Letztgenannten gehandelt, womit sich sein Beiname "Sinatra des Ostens" erklärt. Der internationale Durchbruch war geschafft.

Cliff Richard (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
Cliff Richard dpa Bildfunk -

"Was für ein Glück, dass Karel Gott dort geboren wurde, wo er geboren wurde. Hätte er bei uns gelebt und seine Muttersprache wäre Englisch gewesen, wären viele von uns ohne Arbeit." (Sir Cliff Richard)

40-facher Publikumspreisträger

Mehr als 50 Jahre zählte er in Ost und West zu den erfolgreichsten Interpreten. Seine Discographie umfasst die stattliche Anzahl von rund 120 Alben und seine viele Millionen mal verkauften Tonträger wurden mit Edelmetall aller Arten ausgezeichnet. Wie sehr das Publikum ihn schätzt, belegt eindrucksvoll die Auszeichnung mit der "Goldenen Nachtigall", dem Publikumspreis der Tschechoslowakei - mehr als 40 Mal erhielt er diese Würdigung. In Deutschland konnte er 2017 für sein Lebenswerk die "Goldene Henne" im Empfang nehmen.

DJ Ötzi (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
DJ Ötzi dpa Bildfunk -

"Karel Gott ist zuerst der Gentleman und dann erst Herr Gott. Ich habe Hochachtung vor seiner einzigartigen Karriere - ich bin sein Fan und ich bin stolz darauf, ihn kennen zu dürfen." (DJ Ötzi)

Auftritt als Schauspieler

Nach einer überstandenen Krebserkrankung präsentierte Karel Gott 2018 in seiner Heimat ein neues Album, das begeistert aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat er sein berufliches Spektrum erweitert und spielte neben seinen beiden jüngsten Töchtern und seinem Enkelsohn im tschechischen Märchenfilm "Das Geheimnis des zweiköpfigen Drachens" die Hauptrolle. Hierbei war es ihm wichtig, nicht als Sänger Karel Gott aufzutreten - obwohl er auch ein Lied im Film singt -, sondern in eine andere Rolle zu schlüpfen. So verkörpert er den Großvater, der als Schmied tätig ist.

Kampf gegen Leukämie verloren

Kurz vor seinem 80. Geburtstag veröffentlichte er ein Duett mit seiner 13-jährigen Tochter Charlotte, das übersetzt so viel wie "Herzen erlöschen nicht" bedeutet. Als weiser Vater gibt er seinem heranwachsenden Kind Ratschläge für das Leben. Denn, so heißt es im Lied, er fühlt, wie die Zeit sprintet.

Karel Gott (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Karel Gott Picture Alliance

Trotz anhaltender gesundheitlicher Probleme wollte er nicht ans Aufhören denken. Doch am Ende hat er den Kampf gegen die neu aufgetretene Leukämie verloren. Er sei am Dienstag, 1.10.19, kurz vor Mitternacht gestorben, so seine Frau Ivana Gottova am Mittwoch auf seiner Website.

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