Sängerin Ireen Sheer posiert in grauer Lederjacke (Foto: Management Ireen Sheer -)

Schlagerlegende Ireen Sheer - ihr Weg zum Schlager

"Now or never" - mit diesem Elvis-Titel siegte Ireen Sheer im Alter von 12 Jahren bei einem englischen Gesangswettbewerb. "Jetzt oder nie" - mit dieser von ihr gelebten Devise zählt sie mittlerweile zu den großen Schlager-Ikonen Deutschlands.

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"Die Kleine macht den Mund auf, holt tief Luft, singt und gewinnt"

"Diese Erfahrung auf der Bühne war für mich die Initialzündung zu meiner Gesangskarriere", erinnert sich Ireen Sheer. Zugetragen hat sich dies, wie ihre Plattenfirma vor vielen Jahren schrieb, in einem Ferienhotel an der englischen Kanalküste: "Einer der üblichen Talentwettbewerbe zur Unterhaltung der Sommergäste. Auf der Bühne steht Irene Margaret Wooldridge, ein kleines, schüchternes Mädchen mit großen brauen Augen mit dunklen, samtenen Wimpern und einem langen, zotteligen Pferdeschwanz. Die Kleine macht den Mund auf, holt tief Luft, singt und gewinnt".

Banknoten statt Geldnoten

Ihr Wunsch, eine Showkarriere zu machen, stand früh fest und so nahm sie schon in jungen Jahren in ihrer Heimatstadt Romford in der Grafschaft Essex Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht. Doch ihre deutsch-englischen Eltern waren von diesen Plänen nicht sonderlich begeistert. Nachdem ein "ordentlicher" Beruf niemandem schadet, absolvierte sie zunächst eine Banklehre, wofür die Begeisterung sich in Grenzen hielt. Tagsüber beschäftigte sie sich mit Geldnoten, abends gehörte ihre Aufmerksamkeit den Musiknoten. An sechs Abenden in der Woche stand sie mit den "Incas" auf der Bühne. "Es gab etwa 35 Mark pro Woche für jedes Bandmitglied, zuzüglich Spesen und Garderobe", erinnert sich Ireen Sheer.

Ein richtiger Name musste her

Sängerin Ireen Sheer singt in ein Mikrofon (Foto: WAHAPRESS -)
Ireen Sheer in der ZDF-Hitparade (1995) WAHAPRESS -

Wer im Showgeschäft populär werden will, braucht einen griffigen Künstlernamen. Der Familienname Wooldridge erschien zu umständlich und wenig einprägsam. Ireen Sheer erzählte SWR4 in einem Interview, dass die Inspiration hierfür die damals in Düsseldorf lebende Großmutter mütterlicherseits Gretel Schier lieferte. Die zündende Idee hatte Ireens Mutter, die ihren Mädchennamen einfach ins Englische übersetzte. Aus "Schier" wurde "Sheer" und aus dem Taufnamen der Tochter Irene machte sie "Ireen".

Mit Albert Hammond in einer Band

Mitte der 1960er-Jahre erhielt Ireen Sheer eine Einladung, mit der Gruppe "Gulliver’s People" aufzutreten. Diese Verlockung war so groß, dass sie den bürgerlichen Beruf an den Nagel hängte und dem Ruf ins "Tiffany" im "Swinging London" folgte. Bald fand ihr TV-Debüt in der Billy Cotton-Band-Show statt. Auftritte in weiteren populären englischen Shows schlossen sich an. 1969 wurde Steve Rowland, Produzent von etlichen "Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich"-Hits, auf sie aufmerksam. Er holte sie als Solistin in seine Band "Family Dogg", in der bereits so populäre Musiker wie Mike Hazlewood und Albert Hammond dabei waren. Titel wie "Sympathie" oder "Arizona", erreichten nicht nur bei uns Spitzenplätze in den Hitparaden, sondern auch in Holland und Skandinavien.

Ab 1970 als Solistin in Deutschland erfolgreich

Ireen Sheer und der Hase Cäsar (1980) (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)
Ireen Sheer mit Hase Cäsar in einer ARD-Kinderserie (1980) Imago Imago/Fotograf XY -

Obwohl sie bislang ausschließlich im Team arbeitete, verlor sie ihre Idee vom künstlerischen Alleingang nie aus dem Sinn. 1970 trennte sie sich von "Family Dogg" und verfolgte ihre Karriere als Solistin. Mit ihrer Premiere "Big Yellow Taxi" gelang ihr sofort ein respektabler Einstiegshit und verhalf ihr zu Popularität über Englands Grenzen hinaus. Besonders in Deutschland kam der Titel beim Publikum gut an. Die Nachfolge "Hey Pleasure Man" lief ebenso vielversprechend, so dass die Plattenfirma sich bald auf deutschsprachige Titel verlegte - kein Problem für die zweisprachige Ireen Sheer. Mit Ralph Siegel als Produzent an ihrer Seite waren Hits sozusagen vorprogrammiert und bereits mit ihrer zweite deutschen Single "Keine liebt Dich so wie ich" vertrat sie Deutschland beim 12. Internationalen Songfestival von Sopot und landete auf dem 3. Platz.

NNN

Viele Gründe für eine Feier

Den großen Durchbruch auf dem deutschen Schlagermarkt schaffte sie dann 1973 mit der ZDF-Hitparade. Ihr neues Lied "Goodbye Mama" erreichte den ersten Platz, eine Position, die sie in den folgenden Jahren noch öfter erreichen sollte. Dieses hat sie kürzlich aus aktuellem Anlass auch wieder neu aufgenommen, denn neben ihrem Geburtstag gibt es das 50-jährige Bühnenjubiläum zu feiern. So lautet der Titel der neuen Produktion sehr treffend "Ich muss mir nichts mehr beweisen".

Es ist "ein kleines Paket inklusive DVD und einem schönen Booklet mit vielen Fotos geworden" erzählte sie uns vor wenigen Tagen bei ihrem Besuch im Studio. Hierfür hat sie einige - wie sie es nennt - Eckpfeiler ihrer Karriere einer Verjüngungskur unterzogen und Hits wie "Xanadu", "Feuer" oder ihr berühmtes "Amazing Grace" erklingen im neuen Gewand: "Man muss mit der Zeit gehen".

"Du bist wie ein Wirbelwind" - der Titel ihrer neuesten Single trifft auch auf die Jubilarin zu. Wie ihre Hits ist auch die Künstlerin fit geblieben, wozu ihre Frohnatur und ihre positive Lebenseinstellung gewiss beigetragen haben. "Man muss früh damit anfangen, Sport zu machen und auf die Ernährung achten" lauten ihre Tipps. Wobei sich zu kasteien, nicht ihr Ding ist. Bei Pommes und Eiskrem wird sie schon mal schwach, verriet sie uns im Gespräch. Und last but not least: "Eine gute Kosmetikerin hilft auch!"

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