Schlagerlegende Ingrid Peters

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Sängerin oder Lehrerin wollte sie werden. Beides ist ihr geglückt, denn seit Mitte der 1970er Jahre ist die diplomierte Sportlehrerin Ingrid Peters auch eine beständige Größe im Musikgeschäft. Nun feierte die Künstlerin, die mit „Über die Brücke geh’n“ Deutschland beim Eurovision Song Contest vertrat, ihren 65. Geburtstag.

In "Peterchens Mondfahrt" stand sie bereits als Schülerin auf der Bühne. Später sang sie mit verschiedenen Bands in Kneipen und Discotheken. Doch an eine professionelle Gesangskarriere dachte sie damals nicht, so landeten erste Angebote von Plattenfirmen konsequent im Papierkorb. Nach dem Abitur stand das Studium der Sportpädagogik und Arbeitslehre an erster Stelle.

Bildergalerie Die besten Cover von Ingrid Peters

Plattencover Ingrid Peters (Foto: SWR, CBS (Coverscan) -)
„Ein starker Typ“ urteilten die Fach-Juroren: Ihre erste Langspielplatte war kaum auf dem Markt, da wurde Ingrid Peters im Mai 1976 schon mit der „Goldenen Europa“ des Saarländischen Rundfunks ausgezeichnet. Die Fotos zur Platte schoss übrigens der Starfotograf Jim Rakete. Mit „Komm‘ doch mal rüber“ hatte sie am 8. Mai 1976 ihren ersten Auftritt in der ZDF-Hitparade. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer kurzen Showpause zugunsten ihres Sportpädagogik-Studiums kehrte sie 1978 ins Rampenlicht zurück: der freche Song „Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest“, dessen Melodie aus der Hitfabrik des Jean Frankfurter stammte, stand 1978 in den Plattengeschäften. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ende der 1970er Jahre übernahm Werner Schüler die Produzententätigkeit. Obwohl zu dieser Zeit der Schlager nicht mehr so hoch in der Publikumsgunst stand, gelangen ihr mit anspruchsvollen Produktionen dennoch Charterfolge - beispielsweise 1980 mit „Weißt Du, wo Du hingehst“, der Cover-Version des Charlie Dore-Hits „Pilot of the airwaves“. Ingrid Peters erreichte damit Platz 23 der Verkaufshitparaden. Damit war sie hierzulande erfolgreicher als das Original. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ein Blick hinter die Kulissen: unter dem Motto „Nobody is perfect“ musste ihre Plattenfirma eine Panne eingestehen. Bei der Single „Ich halte zu Dir“ (Original: Air Supply „All out of love“) schlich sich ein technischer Defekt ein und Zisch- und Zerrgeräusche trübten den Hörgenuss. So mussten die Rundfunkhäuser ein zweites Mal mit der Platte bemustert werden. Das tat dem Erfolg der Single keinen Abbruch: Anfang 1981 war sie für zwölf Wochen in den Airplay-Listen Dauergast. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Mit einer weiteren Cover-Version endete 1982 ihr Plattenvertrag bei der CBS: „Einmal bleibst Du hier“ (Original: Ph.D. „I won’t let you down“). Eine bewegte Zeit, über die sie auf ihrer Homepage berichtet: „Von einem Auftritt zum anderen, schnell mal eben Lothar Stein heiraten, einen Sohn bekommen, Platten produzieren, zahllose Fernseh- und Rundfunkauftritte….“. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Am 19. März 1983 fand in München die deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest statt. Zusammen mit July Paul sang sie „Viva la mamma“ und erreichte den zweiten Platz. Passenderweise war dieser Titel auch der Einstieg bei ihrer neuen Plattenfirma „Jupiter Records“ unter dem Dach von „Mr. Grand Prix“ Ralph Siegel. Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Kritiker sprechen bereits von einer Tango-Renaissance und einem sich ausbreitenden Tango-Fieber“ schrieb die Presseabteilung ihrer Plattenfirma anlässlich der Veröffentlichung ihrer Single „Tango“. Diese war Vorbote für …. Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…ihr zweites Album „Schwarz und weiss“, das ihren Hit „Afrika“ enthielt, mit dem sie 1983 in der ZDF-Hitparade den 1. Platz erreichte. Zehn Wochen lang war die Single in den Bestsellerlisten notiert. Renommierte Komponisten und Texter wie Rainer Pietsch, Martin Mann, Sylvester Levay oder Stefan Waggershausen schrieben Songs für diese Produktion, die, passend zum Titel, auf weißem Vinyl erschien. Im selben Jahr… Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… feierte sie beim internationalen Song-Festival in Seoul einen großen Erfolg. Dort erreichte sie mit der englischen Version ihres Liedes „Was ich nicht weiß“ den 3. Platz. Zwei Jahre später gab es für sie erneut Bronze - dieses Mal beim Festival „European Top Stars“ im belgischen Knokke. Zu dieser Zeit drehte sich hierzulande ihre Interpretation des Phil Collins Superhits „One more night“ auf den Plattentellern. Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem sie 1983 nur knapp den Eurovision Song Contest verfehlt hatte, klappte es drei Jahre später. Am 3. Mai 1986 stand sie im norwegischen Bergen auf der Bühne und sang im silberweißen Kleid den hymnenhaften Hans Blum-Titel „Über die Brücke geh’n“. Der Song erreichte in der Endwertung den 8. Platz. Nach dem enttäuschenden Ausgang des Wettbewerbs nahm sich Ingrid Peters eine Auszeit. Die vielen Verpflichtungen hatten überhandgenommen und alles wurde ihr zu viel. Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Rainhard Fendrich war derjenige, der ihr erzählte, wie beglückend es ist, eigene Texte zu singen. Hinzu kam eine Begegnung mit Pe Werner, die ihr eine Kontaktaufnahme zum Musiker und Produzenten Dieter Falk empfahl. Mit ihm zusammen produzierte Ingrid Peters 1994 ihr Comeback. Die meisten Texte des Albums „Aufgewacht“ stammten aus ihrer Feder: „Geschichten meines Lebens sind zu Papier gebracht und in Töne eingebettet.“ Monopol (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Komm‘ und halt‘ mich fest“ - mit diesem Titel nahm sie 1997 am „Deutschen Schlagerfestival“ teil. Damit begann eine enge Zusammenarbeit mit Willy Klüter, der sich fortan die passenden Melodien für die Künstlerin einfallen ließ. Das Album „Musik ist Gefühl“ fasste einige der jüngsten Erfolge zusammen, neben dem eingangs erwähnten Titel auch die Dauerbrenner „Wenn die Nacht vorbei ist“ und „Er ist perfekt“. Palm Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Saarbrigge“ - diese Hommage an ihre Heimat nahm sie 2005 auf. „Wenn ich von Dir rede, haben meine Augen Glanz“ bekannte sie in dem selbst verfassten Text und bringt dadurch die enge Verbundenheit mit ihrem Saarland zum Ausdruck. Seit vielen Jahren ist sie als Botschafterin und Sympathieträgerin des Landes unterwegs. 2007 erhielt sie aus der Hand des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller den Saarländischen Verdienstorden. Palm Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Manchmal da denkst Du, da kann einfach nichts kommen. Der Kopf ist leer, die Ideen wollen sich einfach nicht einstellen und der Plattenchef sagt: „Wann schreibst Du denn mal wieder ein paar Texte, ich brauche ein neues Album“ erklärte sie im Begleittext zu „Es trommelt“. Für neue Produktionen hat Ingrid Peters sich immer Zeit gelassen. Das Lied „Schwester“ hat sie ihrer eigenen Schwester gewidmet, die unter dem Pseudonym Linda Bergen in den 1970er Jahren im Schlagerfach war. Palm Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
2012 nahm sie beim TV-Sender VOX an der Show „Cover my song“ teil und traf auf den Rapper „Dr. Knarf“. Der Rapper sollte einen Schlager - in diesem Fall „Komm‘ doch mal rüber“ - als Rap umarbeiten und der Schlager- Künstler aus einem Rap einen Schlager basteln. Im Gegenzug sang sie sein „Acht Takte“, das auf ihrer CD „Lass‘ es rocken“ Eingang fand. Hierauf dokumentierte sie darüber hinaus ihre künstlerische Bandbreite mit Musical-Hits wie „Send in the clowns“ oder „Ol‘ Man River“. Palm Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Heimlicher Konzertmitschnitt

1975 kam es zur folgenreichen Begegnung mit ihrem späteren Produzenten Eddy Bachinger. Bachinger, Produktionsassistent bei einer großen Plattenfirma, sollte eigentlich bei einer saarländischen Band mögliches Potential für eine Produktion ausloten, erkannte dann aber nur in der Frontfrau förderungswürdiges Talent. Er überredete den Drummer zu einem heimlichen Konzertmitschnitt und spielte diesen in seiner Firma vor. Als Ingrid Peters davon erfuhr, war sie überhaupt nicht begeistert, ganz im Gegensatz zu den Plattenbossen, die sie zu Probeaufnahmen einluden.

Start mit einer LP

Wenig später gewann sie einen Talentwettbewerb im Frankfurter Palmengarten, doch auch dieser Sieg konnte ihr Interesse an Plattenproduktionen keineswegs steigern. Erst durch die Überredungskünste von Eddy Bachinger unterschrieb sie einen Vertrag, im Herbst 1975 war ihre erste Single "Hände weg von Harry Schmidt" zwar produziert, kam aber nicht in den Handel. Die Verantwortlichen in der Chefetage wollten, dass die neue Künstlerin gleich mit einer eigenen LP startet. Begleitet von einem gewaltigen Medienrummel kam im Frühjahr 1976 "Komm‘ doch mal rüber" auf den Markt.

Der Rummel beginnt

Als "Pop Girl ‘76" war Ingrid Peters die Sensation im deutschen Schlagergeschäft. Kurz nach dem Plattendebüt wurde sie als "beste Nachwuchssängerin" mit der "Goldenen Europa" der Europawelle Saar ausgezeichnet. Dank Funk und Fernsehen stieg ihr Bekanntheitsgrad rasant. Sogar in die USA wurde sie eingeladen, wo sie Kollegen begegnete, deren Lieder sie in deutscher Sprache sang.

Höhen und Tiefen

Die steile Karriere erfuhr doch bald eine erste Zäsur. Produzent Dieter Zimmermann, unter dessen Regie ihr Plattendebüt entstand, starb im Alter von nur 34 Jahren an Leukämie. Außerdem wollte sie ihr Studium beenden. Eddy Bachinger ist es es zu verdanken, dass sie nach kurzer Showpause mühelos den Anschluss in der Musikbranche wieder schaffte. Bis Mitte der 1980er-Jahre hatte sie ihre erfolgreichste Zeit mit zahlreichen Hits und vielen Fernsehauftritten. Hinzu kamen Verpflichtungen für Gala-Shows, denn der Arbeit mit Live-Band vor Publikum galt schon seit jeher ihre besondere Passion.

Auftritt beim ESC

Gefragt nach den Höhepunkten ihrer nun über vierzig Jahre dauernden Karriere nennt Ingrid Peters gegenüber SWR4 Baden-Württemberg unter anderem ein Festival in Korea und den Sieg in der ZDF-Hitparade. Unvergessen ist für sie auch der Eurovision Song Contest. 1986 erreichte sie bei diesem Wettbewerb für Deutschland den achten Platz, der Titel „Über die Brücke geh’n“ ist noch heute einer ihrer persönlichen Favoriten, "da der Text zeitlos ist und immer noch gilt."

Zwischen 1987 und 1994 pausierte sie mit dem Singen und zeigte, dass sie auch das Talent zum Moderieren hat. Für den damaligen Südwestfunk führte sie durch den TV-Dauerbrenner "Die sechs Siebeng’scheiten.“ Dazu kamen Moderationen im Radio, bis heute sitzt sie regelmäßig beim Saarländischen Rundfunk am Mikrofon.

Eigene Texte

Der Mangel an geeigneten Texten brachte sie dazu, ihre Songideen selbst in Worte zu fassen. Als Ingrid Peters Mitte der 1990er-Jahre mit der CD "Aufgewacht" ihr Platten-Comeback startete, stammten fast alle Texte aus ihrer Feder. Wie sehr sie mit ihren Gedanken das Publikum ansprach, belegen ihre zahlreichen Hits, die bis heute viel gespielt werden.

Kreative Hobbys

Auch abseits der Bühne ist Ingrid Peters sehr kreativ, sie strickt und malt. Den Umgang mit Pinsel und Farbe hat sie auf einer Kreuzfahrt, auf der sie als Stargast engagiert war, entdeckt. Die Begeisterung für dieses Hobby wuchs, so dass sie ihr Talent bei einem befreundeten Maler perfektionierte. Heute kann sie stolz sein auf mehrere Ausstellungen, auch auf ihrer Homepage sind einige Werke zu sehen. Und im Zusammenhang mit dem Stricken besitzt sie inzwischen rund zehn Strickmaschinen mit den unterschiedlichsten Funktionalitäten, darunter schwere gusseiserne Apparate und sogar eine große Industrie-Strickmaschine.

Theater und James Bond

Für den intimeren Rahmen arbeitete Ingrid Peters eine Kleinkunstserie unter dem Motto "Zurück nach vorne" aus. Premiere war 2014 beim Saarländischen Rundfunk, bis heute gastiert sie damit in loser Folge in Theatern und auf Kleinkunstbühnen. Begleitet wird sie dabei von Laurent Kremer, einem - wie sie es ausdrückt - "Erz-Musiker und Gitarristen vom Feinsten" aus Frankreich. Mit dem SWR-Rundfunkorchester hat sie unter der Leitung von Dieter Reith Melodien aus James Bond-Filmen aufgenommen.

Tourneen sind passé

Doch bereits vor einigen Jahren hat Ingrid Peters beschlossen, musikalisch kürzer zu treten. "Ich singe, aber nur noch unter bestimmten Bedingungen", erklärte sie im Gespräch mit SWR4 Baden-Württemberg. Mit fremden Bands arbeiten, lange aus beruflichen Gründen von Zuhause weg sein, das ist Vergangenheit. "Ich bin in einem Alter, wo ich die Familie voll genießen will." Das wird sie auch an ihrem Geburtstag tun, dann bei einem zwanglosen, gemütlichen Nachmittagskaffee.

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