STAND
AUTOR/IN

Er ist ein Allrounder und schrieb Musikgeschichte - Hans Blum, Musiker, Arrangeur, Komponist, Texter, Sänger und Produzent - unter dem Pseudonym Henry Valentino startete er eine zweite Karriere.

Bilderstrecke Die besten Cover von Hans Blum als Sänger

Plattencover Hans Blum (Foto: SWR)
Wer lernt die Vokabeln nicht, wer spielt Skat beim Englisch-Unterricht? Die Story um den ungelehrigen Schüler „Charly Brown“ gefiel dem Publikum und Hans Blum gelang im Sommer 1959 damit ein Hit. Die Vorlage kam aus den USA - dort hatte das „enfant terrible“ den Coasters bereits am Jahresanfang Hitehren eingebracht. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Jahr später waren nochmals unartige Zeitgenossen Thema. Nicht nur im Märchen waren „Max und Moritz“ zu Streichen aufgelegt - ebenso bei Hans Blum, der die Geschichte um zwei Freunde, die in der Stadt die Namen der Grimm-Strolche erhalten hatten, auf Platte brachte. Bild in Detailansicht öffnen
Freddy Carell (weder verwandt noch verschwägert mit Rudi Carrell - man beachte auch die unterschiedliche Schreibweise) war ein Pseudonym, dessen sich Hans Blum für eine Handvoll Singles bediente. Darunter fand sich die deutsche Fassung des Lloyd Price-Hits „Personality“ - „Mona - wie keine Andere“. Die Identität des Sängers wurde auf der Plattenhülle nicht preisgegeben, denn das Foto zeigt nicht den Interpreten sondern ein unbekanntes Fotomodell. Bild in Detailansicht öffnen
Viele Jahre lang zählte der „Enten-Song“ mit dem eigenwilligen Erpel „Erwin“ zu den Wunschkonzert-Rennern. „Mr. Watschel“ war niemand anderes als Hans Blum, der dem „Enten-Trio“ seine Stimme lieh. Die Idee für diesen musikalischen Spaß kam aus Übersee. Das Original „The Chipmunk Song“ - eigentlich ein Weihnachtslied - mit David Seville & The Chipmunks war 1958 ein Hit. Bild in Detailansicht öffnen
Nochmals Tierisches für den Plattenteller: auf den Bildschirmen der 1960er Jahre war die TV-Serie um den klugen Delfin „Flipper“ ein Renner. Die deutsche Version der Erkennungsmelodie nahm Hans Blum unter dem Pseudonym „Hans Delfin und seine Kinder“ auf. Bild in Detailansicht öffnen
In den 1960er Jahren war Hans Blum fast ausschließlich als Komponist und Texter tätig und dies mit großem Erfolg. Anfang 1971 ergänzte er sein Betätigungsfeld und trat wieder selbst als Sänger in Erscheinung: „Ebbe und Flut“. Columbia (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der Beruf zwingt zahlreiche Eltern, ihre Kinder oft allein zu lassen. Hans Blum konnte auch ein Lied davon singen. 1974 schrieb er für „Schenk’ mir kein Spielzeug“ nicht nur die Musik, sondern auch den Text, der zwar in erster Linie seine persönliche Lage schilderte, trotzdem aber vielen aus der Seele sprach. Als Duettpartnerin hatte seine damals neunjährige Tochter Susi ihr musikalisches Debüt. EMI Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die zweite Karriere von Hans Blum als „Henry Valentino“ begann 1975. Spaßeshalber schrieb er den Titel „Ich hab’ Dein Knie geseh’n“, die Idee dahinter war pfiffig: Die Refrainzeile, die an den Schlager der 1920er Jahre erinnerte, klang wie von einer alten Schallplatte. In den Titel wurde hin und wieder künstlich erzeugter Grammophonklang wie von anno dunnemals eingebaut, dieser Wechsel gab dem Song das gewisse Etwas. Diese akustische Spielerei hielt sich 20 Wochen in der Hitparade. Bild in Detailansicht öffnen
Bei der LP-Produktion „Die zwei besten Seiten des Henry Valentino“ zeigte Hans Blum sein Können als Komponist, Produzent und Interpret. Die Platte wurde im „Tutti Live-Verfahren“ gemacht, das heißt, nach der Aufnahme gab es keine nachträglichen Anpassungen. Blum setzte dabei auf ungewöhnliche Arbeitsmethoden, er schwang sich aufs Rad und wartete auf Ideen. Eine davon war der Titel „Überholen verboten“. Auch eine weitere Story auf dieser LP spielt im Straßenverkehr, nämlich… Bild in Detailansicht öffnen
…“Im Wagen vor mir“. Zusammen mit Duettpartnerin Uschi (Peysang) landete er damit einen Dauerbrenner. Die Idee dafür kam ihm auf der Fahrt von Bremen nach Köln, als tatsächlich eine junge Dame mit ihrer „Ente“ bis Münster vor ihm herfuhr. Acht Monate war der Titel in den Top 50, heute ist er ein „Kult-Hit.“ Im Duett mit Daffi Cramer begab sich Blum danach noch zwei Mal auf die Straße, es entstanden die Songs „Ich steh’ im Halteverbot“ und „Die Frau am Steuer.“ Bild in Detailansicht öffnen
„Eine verrückte Zeit - es gab nur die Musik, und die musste perfekt sein“, so beschreibt Hans Blum die Zeit der 1950er Jahre, die ihn als Musiker prägten. Bereits 1979 blickte er musikalisch auf dieses Jahrzehnt zurück. Crystal (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die jüngere Zeit: „Lieber mal aus Liebe“ sammelte „das Beste von Henry Valentino“ aus den 1980er und 1990er Jahren. Dabei waren Erfolge wie „Himmelblau und rosarot“, „So werd’ ich nie wieder tanzen“ oder „Du bist meine Frau und meine Freundin“. Bild in Detailansicht öffnen

Geschenketausch unterm Weihnachtsbaum

Ein misslungenes Weihnachtsgeschenk war schuld daran, weshalb Hans Blum zur Musik fand: Ein herrliche Spielzeugeisenbahn mit allen Finessen lag für den kleinen Buben unter dem Tannenbaum. Weitaus interessanter war allerdings das Geschenk, das der Gabentisch für seinen Bruder bereit hielt - eine kleine Harmonika. Die beiden tauschten die Geschenke und schnell spielte der kleine Hans fehlerfrei und ohne Noten Weihnachtslieder. Den Eltern entging dieses Talent nicht und so schenkten sie ihrem Sohn von Jahr zu Jahr ein größeres Instrument.

In der Kriegsgefangenschaft schrieb Hans Blum Partituren

Am Ende der Schulzeit waren die Traumberufe wie Lokomotivführer oder Techniker Schnee von gestern, denn er hatte nur den einen Wunsch, Musiker zu werden. Seine musikalische Ausbildung war grundsolide - er besuchte die Musikschule, lernte Kontrabass, Tuba und Klavier spielen, studierte Instrumentation und Harmonielehre. Nach der Abschlussprüfung wurde er zum Militär eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Selbst dort blieb er der Musik treu, stellte einen Lagerchor zusammen und schrieb auf alle möglichen Papierschnipseln ganze Partituren von Chorwerken aus dem Gedächtnis nieder.

Bilderstrecke Die besten Cover des Hit-Komponisten Hans Blum

Plattencover Hans Blum alias Henry Valentino (Foto: SWR, Metronome (Coverscan) -)
Der Komponist Hans Blum hatte 1966 die Deutschen Schlagerfestspiele in Baden-Baden mit dem Titel „Beiß’ nicht gleich in jeden Apfel“ (gesungen von Wencke Myhre) gewonnen. Die Erfolgs-Serie setzte sich fort: 1968 belegte Siw Malmkvist mit „Harlekin“ den Spitzenplatz und auf dem 4. Rang wurde „Alle Blumen wollen blühen“ mit Anna-Lena notiert. Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Einige Graham Bonney-Schlager gehen auf das Konto von Hans Blum: „Siebenmeilenstiefel“, „Das Girl mit dem La-La-La“ oder „Wähle 3-3-3“ seien als Beispiele genannt. EMI (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Beim 4. Internationalen Schlagerfestival in Rio de Janeiro hat Hans Blum die deutschen Farben als Komponist vertreten: „Zucker im Kaffee“ war das „Salz in der Suppe“ und Erik Silvester konnte damit seinen größten Erfolg verbuchen. Die Nummer war sogar in Südamerika (in deutscher Sprache gesungen!) ein Hit. Bild in Detailansicht öffnen
„Das schöne Mädchen von Seite 1“ mit Howard Carpendale war der klare Sieger beim Deutschen Schlagerwettbewerb 1970. Crystal (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die Textzeile „Je später der Abend, je schöner die Gäste“ fiel Hans Blum für den Evergreen „Jetzt geht die Party richtig los“ ein. Die zierliche Französin Séverine nahm das Lied 1973 auf. Bild in Detailansicht öffnen
Hans Blum hat für die unterschiedlichsten Künstlerpersönlichkeiten gearbeitet. Zur LP „Kosaken müssen reiten“ steuerte er ein Lied bei, das für Ivan Rebroff zu einem seiner größten Erfolge wurde: „Eine weiße Birke“. Bild in Detailansicht öffnen
Ella Fitzgerald nannte sie „die größte Sängerin ohne Stimme“: Hildegard Knef und „Der alte Wolf“ aus der Feder von Hans Blum. Philips (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Geschichte über Spaniens legendären Volksheld „El Lute“ war Hans Blum neben Frank Farian als Autor mit von der Partie. Damit verlängerte sich 1979 die Liste der Welthits der Gruppe Boney M. und eine „Goldene Schallplatte“ für den Komponisten rundete den Erfolg ab. Hansa (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Von Spanien nach Sizilien - die TV-Serie „Allein gegen die Mafia“ inspirierte Hans Blum zu der geheimnisvollen Story um die „Engel in Palermo“. Als Henry Valentino nahm er die Geschichte auf, die sehr erfolgreich lief. Für die italienische Fassung konnte Bino als Interpret gewonnen werden. Dieser kam aus Palermo und wurde hierzulande mit dem Titel „Mama Leone“ zu einem Begriff. Galactica (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Mehrfach großes und internationales Publikum hatte Hans Blum beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson: 1965 (Ulla Wiesner „Paradies, wo bist Du“), 1967 (Inge Brück „Anouschka“), 1969 (Siw Malmkvist „Primaballerina“) und 1986 (Ingrid Peters „Über die Brücke geh’n“) vertrat seine Kompositionen Deutschland beim internationalen Song Contest. Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Hans Blum und der Kontrabass

Als Hans Blum heimkehrte, traf er seinen früheren Musiklehrer wieder. Dieser hatte einen Kontrabass über die Kriegstage hinweg gerettet und schenkte dieses Instrument nun seinem ehemaligen Schüler. Ein Glücksfall, denn der Lebensunterhalt musste bestritten werden: "Wir hatten nichts, keine Schuhe, keine Strümpfe, aber viel Hunger" erinnerte er sich später in einem Interview. Bislang hatte sich Hans Blum nur der klassischen Musik gewidmet, doch die Nachkriegszeit verhalf ihm zum Zugang zur leichten Muse. Als Bassist wurde er für eine kleine Kapelle engagiert, die für die amerikanischen Besatzer Swingmusik spielte.

Gesangsversuche im Quintett

Der Sänger Hans Blum trat 1948 erstmals in Erscheinung. Nicht als Solist, sondern als Ensemble-Mitglied des "Geller-Quintetts". Kurz zuvor hatte er ein Damen-Gesangsterzett kennengelernt, das einen Bassisten suchte, der auch singen konnte. Obwohl er bis dahin nur im Schul- bzw. Lagerchor mitgesungen hatte, nahm er das Angebot an. Der spätere "Truck Stop"-Produzent Joe Menke kam hinzu und komplettierte das Ensemble. Drei Jahre später ging die Gruppe durch die Heirat der weiblichen Mitglieder auseinander und Hans Blum gründete das „Hansen-Quartett“.

Mit einem Quartett in rosige Zeiten

Dessen Urbesetzung bestand aus Joe Menke und den Schwestern Ingetraut und Ursula Maschke, die Blum bereits 1950 bei den ersten Fernseh-Versuchssendungen in Hamburg kennengelernt hatte. Zahlreiche Aufnahmen - u. a. auch mit Erwin Lehn und seinem Südfunk-Tanzorchester - entstanden und wurden zu Erfolgsplatten. Das "Hansen-Quartett" sang sich schnell in die Herzen aller Schlagerfreunde und auch "innerbetrieblich" waren Herzensangelegenheiten im Spiel. Ingetraut Maschke und Hans Blum traten 1956 vor den Traualtar und schlossen den Bund fürs Leben. Damit waren für ihn nicht nur im Musikgeschäft rosige Zeiten angebrochen.

Hans Blum - der Steckbrief

Leben23. Mai 1928 in Hannover
FamilieHans Blum und Ehefrau Ingetraud Maschke leben heute in Overath bei Köln.
WettbewerbeBlum nahm vier Mal als Komponist beim Eurovision Song Contest teil, drei Mal konnte er die Deutschen Schlagerfestspiele gewinnen.
KuriosFür den Fußballverein MSV Duisburg schrieb Blum 1964 die Hymne "Zebrastreifen weiß und blau..."

Mehr zu den SWR4 Schlagerlegenden

Raritäten Schlagerlegenden von A-Z

Von Adamo bis Caterina Valente - hier finden Schlagerfans hunderte Geschichten, illustriert mit seltenen Plattencovern aus der Zeit ab den 50er Jahren bis heute.  mehr...

SWR4 Experte Hans-Jürgen Finger

Hans-Jürgen Finger ist SWR4 Experte für seltene Schlager und das Leben der Schlagerlegenden, von Peter Alexander bis Catarina Valente.  mehr...

Musikalische Raritäten im Podcast Selten aber super

Hans-Jürgen Finger ist jede Woche auf der Suche nach Schlager-Juwelen. Hier geht es nicht nur um Evergreens und Ohrwürmer - sondern auch um echte Raritäten.  mehr...