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Gus Backus und seine Frau Heidelore beim Oktoberfest (2009)

Schlagerlegende Gus Backus ist der "Häuptling der Indianer"

Er zählte in den 1960er Jahren zu den großen Schlager-Idolen und seine Lieder wie "Da sprach der alte Häuptling der Indianer" wurden zu Evergreens. Doch nicht nur hierzulande, auch in Amerika schrieb Gus Backus Musikgeschichte. Dort wurde er in die "Doo Wop Hall of Fame" aufgenommen. Nun ist er im Alter von 81 Jahren verstorben.

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Mitte der 1950er Jahre existierte eine nahezu unüberschaubare Flut an Gesangsgruppen. Die "Del Vikings" stachen aus der Masse heraus, denn die Mitglieder schrieben ihre Songs häufig selbst und das Ensemble bestand aus weißen und farbigen Musikern. Hier im Bild ihre 1957er LP "They sing…they swing". Für Gus Backus blieb es ein kurzes Gastspiel, denn die Armee, der er zu dieser Zeit diente, versetzte ihn nach Deutschland.

Mitte der 1950er Jahre existierte eine nahezu unüberschaubare Flut an Gesangsgruppen. Die "Del Vikings" stachen aus der Masse heraus, denn die Mitglieder schrieben ihre Songs häufig selbst und das Ensemble bestand aus weißen und farbigen Musikern. Hier im Bild ihre 1957er LP "They sing…they swing". Für Gus Backus blieb es ein kurzes Gastspiel, denn die Armee, der er zu dieser Zeit diente, versetzte ihn nach Deutschland.

Während eines Heimaturlaubs im Sommer 1958 nahm er in Chicago zwei eigene Titel auf ("My chick is fine"/"You can’t go it alone"). Der Rock’n’Roll-Single wurde allerdings kaum Aufmerksamkeit zuteil und sie geriet bald in Vergessenheit. Erschwerend kam hinzu, dass Backus seine Heimat bald wieder Richtung Germany verließ, so dass kaum Möglichkeit bestand, die Platte ausreichend zu bewerben.

Mit "Brauner Bär und weiße Taube" startete 1960 eine ganze Hitserie, die Gus Backus zu einem vielbeschäftigten Unterhaltungskünstler machte. Das Sujet wiederholte sich bei "Da sprach der alte Häuptling der Indianer" - ein Lied, das zum Kulthit geriet. Dabei war der Song nur als B-Seite gedacht, überholte jedoch bald die eigentliche A-Seite "Wooden Heart". "Die Platte verkaufte sich besser als die von Elvis - aber wegen dem Indianer" erzählte Gus Backus in seinen Memoiren.

Es ging hoch hinaus: "Der Mann im Mond" bescherte ihm 1961 einen weiteren Bestseller. Es folgte die "Sauerkraut-Polka". Er sang sie im Film "Unsere tollen Tanten", "vor dem Wörthersee auf einer Art Tanzboden, der übersät war mit Weißkohlköpfen. Ich raspelte auf einer großen Reibe Weißkraut in ein Holzfass...“, erinnerte er sich in seiner Autobiographie. Das Erfolgsrezept schien gefunden zu sein, denn das Lied….

… legte ihn für die nächste Zeit auf die Abteilung "Frohsinn, Stimmungs- und Trinklieder" fest. Seine erste LP trug den Titel "Ich hab‘ mein Herz in Germany verloren" und enthielt Evergreens wie "Du kannst nicht treu sein" oder "In München steht ein Hofbräuhaus". Die "Bravo" schwamm auf dieser Welle mit und brachte ihn als Starschnitt in Lebensgröße und im dazu passenden Outfit - rot-weiß kariertes Hemd, eine Art Pepita-Tirolerhut und senfbraune Stoffhose - heraus.

Der "dufte Junge aus den USA" sorgte musikalisch weiterhin für Jux und Gaudi und sang "Das Lied vom Angeln". Das Lied, welches Walter Kollo komponiert hatte, feierte bereits 1926 seine Premiere in der Revue "An und aus". 1962 interpretierte es Gus Backus für den Film "Mit Dir möcht‘ ich am Sonntag angeln geh’n" neu und konnte sich damit erneut in den Top Ten platzieren. Mit alledem steuerte er auf den Höhepunkt seiner Karriere zu. Die Kinoleinwand brachte ihm "das Glück, …

… mit allen Schauspielern und Sängern aufzutreten und zu arbeiten, die Rang und Namen hatten" schrieb er in seiner Autobiographie. 1962 spielte er in "Das haben die Mädchen gern" neben Mina, Lill Babs, Paul Hörbiger und Peter Kraus, mit dem er auch zwei Duette aufnahm. Die hier gezeigte rare LP beinhaltete auch jene Parodie, bei der die beiden sich im Film gegenseitig nachahmten: Peter Kraus sang vom "Mann im Mond" und Gus Backus "Schwarze Rose Rosemarie".

Neben den unbeschwerten, fröhlichen Liedern sang Gus Backus immer wieder erfolgreich deutsche Westernsongs, denn als "Amerikaner in Germany" konnte er die Wildwest-Geschichten glaubwürdig vermitteln. Die rührselige Geschichte "Mein Schimmel wartet im Himmel" zählte beispielsweise dazu, mit der er sich im Sommer 1963 in den Hitparaden platzieren konnte. Bei der Suche nach weiteren zugkräftigen Produktionen machte Gus Backus einen Vorschlag…

… "Wie wär’s, wenn ich eine Hillbilly-LP aufnehmen würde, ein paar Lieder dazu habe ich bereits geschrieben." Es wurden sogar zwei Langspielplatten, nämlich eine in deutscher ("Hillbilly Gasthaus") und eine in englischer ("Hillbilly Inn") Sprache. Für die Aufnahmen flog man nach Nashville, um mit den "The Jordanaires" und den "Anita Kerr-Singers" sowie mit Solisten wie Chet Atkins (Gitarre) oder Floyd Cramer (Piano) aufzunehmen. "Es war ein Heidenspaß", erinnerte sich Gus Backus.

Das Covern von Hits war schon immer ein beliebtes Geschäft. Gus Backus war kein Freund von dieser Masche, allerdings hatte seine Plattenfirma eine andere Meinung. 1963 er musste den Cliff Richard-Hit "Rote Lippen soll man küssen" aufnehmen. Entgegen der Erwartungen geriet diese Fassung zum Flop und brachte ihm sogar böse Briefe von dessen Fans ein. "Ich glaube, diese Coverei hat mir mehr geschadet als meine anderen Schlagersongs" resümierte er. Doch bald…

… tauchte der Name Gus Backus wieder in den Hitparaden auf. Anfang 1964 brachte ihn der Stoßseufzer "Wenn doch jede Woche mal der Erste wär‘" wieder auf Erfolgskurs. Doch diese Hochphase hielt nicht lange an, seine Platten wurden mehr und mehr zu Ladenhütern. Zwar kamen weiterhin regelmäßig neue Produktionen in die Geschäfte, doch erst Anfang 1966…

…gelang ihm wieder einen Verkaufserfolg mit dem Blödel-Song "Bohnen in die Ohren". Erneut war es eine B-Seite, die ihm Glück brachte. Die künstlerisch weitaus interessantere A-Seite der Platte „Hallo, Pussy Cat“ verschwand in der Versenkung. Dies mag erstaunen, denn im Original ("What’s new, Pussy cat") konnte Tom Jones mit dieser Burt Bacharach-Komposition einen Hit verbuchen.

Musical-Time mit Gus Backus: bei den Lotar Olias-Musicals "Prärie Saloon" und "Charley’s neue Tante" wirkte er 1966 bei der Schallplattenproduktion mit. Die Aufnahmen wurden mit Hanne Wieder, Nana Gualdi, Bruce Low und Heinz Erhardt hochkarätig besetzt. Hans (James) Last begleitete mit seinem Orchester. Mittlerweile ist diese Langspielplatte eine gesuchte Rarität und einige dieser hier enthaltenen Lieder warten bis heute vergebens auf eine Wiederveröffentlichung.

Es klingt fast wie eine musikalische Bilanz: "Ein Koffer voller Souvenirs aus Germany" bescherte Gus Backus 1967 eine letzte Notierung in den Bestseller-Listen. Die Komposition stammte aus der Feder von Henry Mayer, der im selben Jahr für Peggy March "Memories of Heidelberg" schrieb. Auch dieses Lied hat er - erfolglos - gecovert und nahm davon sogar eine englische Fassung auf, die seinerzeit jedoch unveröffentlicht im Archiv verschwand. Erst 1995 kam sie auf einer CD ans Tageslicht.

Ob die Teilnahme beim „Deutschen Schlager-Wettbewerb 1968“ oder die Zusammenarbeit mit bekannten Komponisten - nichts war von Erfolg gekrönt. Auch mit Produktionen nah am Zeitgeschmack - wie mit Bubblegum-Hits ("Simon says") oder dem The Sweet-Klassiker "Little Willy" - waren Fehlschläge. "Candy Girl" und "Mona, Mona" von 1971 gehören ebenfalls in die Reihe der Nevergreens. Anfang 1973 kehrte er dem Musikgeschäft den Rücken und ging nach Amerika zurück.

1986 meldete sich Gus Backus zurück. Bei der Aufnahme von "Lonely Lady", die in Wien entstand, wirkten Musiker aus der Band von Falco mit. Die Platte lief in Österreich ganz passabel und sogar ein Comeback in Deutschland rückte in greifbare Nähe: er bekam eine Einladung in die Thomas Gottschalk-Show "Na sowas!", um dort seine neue Platte vorzustellen. Doch der Wunsch, damit an die alten Erfolge anknüpfen zu können, fand keine Erfüllung.

Der frühe Erfolg mit den Del Vikings

"Nach dem Highschool-Abschluss meldete ich mich freiwillig für vier Jahre zur Air Force" schrieb Gus Backus in seiner Autobiographie. Dort lernte der musikbegeisterte junge Mann die Gesangsgruppe "Del Vikings" kennen, die aus Armee-Kameraden bestand und sich mehr aus Freizeitlaune zusammengefunden hatte. Als ein Mitglied ausschied, übernahm er dessen Part. Ihr Lied "Come go with me" zündete und blieb 1957 über ein halbes Jahr in den Charts notiert, war die Nummer 1 in Südafrika, Japan und Australien.

Die Del-Vikings bestanden aus drei schwarzen und zwei weißen Sängern. Eine Gruppe mit verschiedenen Hautfarben war ungewöhnlich und nicht überall akzeptiert. "Wir waren nicht die erste gemischtrassige Gruppe in den USA, aber wir waren die erste erfolgreiche."

Die Del-Vikings traten in den legendären Shows von Perry Como oder Ed Sullivan auf, wurden mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet und standen im Film "The big beat" vor der Kamera. "Ich war ein Teenager und dachte: Unglaublich, es war alles so surreal." Dann versetzte die Armee Gus Backus nach Deutschland und die Karriere hatte sich mit einem Schlag erledigt.

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Der gute Tipp vom neuen Schwager

Gus Backus in "Musik aus Studio B"

Gus Backus in den 60er Jahren

Bald nach seiner Ankunft in Wiesbaden lernte er seine erste Frau Karin kennen. im Sommer 1958 wurde geheiratet. Als Gus Backus im neuen Familienkreis von seinen Erfolgen in Amerika erzählte, schlug ihm sein Schwager vor, sich bei der Polydor bewerben. Bereits zwei Wochen später kam die Einladung nach Wien zu Probeaufnahmen und Produzent Gerhard Mendelson unterzeichnete 1959 mit Gus Backus einen Plattenvertrag.

Am 19. Juni 1959 nahm er seine ersten beiden deutschsprachigen Titel auf: "Ich bin traurig, wenn Du gehst" und "Ab und zu". Deutsch zu singen war für ihn "unaussprechbar" sagte er im SWR4-Interview.

Der B-Seiten-Indianer

1960 gelang mit "Brauner Bär und weißer Taube" die erste Hitparaden-Notierung. "Es wurden immerhin um die 100.000 Scheiben verkauft." Der nächste Coup stand kurz bevor; Mendelson hatte gehört, dass Elvis Presley "Wooden Heart" aufnimmt und wollte - da beide zur gleichen Zeit in Deutschland stationiert waren - mit Gus Backus eine Coverversion produzieren. Allerdings hatte der Produzent den Erfolg mit dem "Braunen Bären" noch im Blick und vertrat die Ansicht, dass nochmals etwas Gleichartiges kommen müsse. Die Wahl fiel auf "Da sprach der alte Häuptling" und landete auf der B-Seite der Platte.

Gus Backus bekam beim Militärstützpunkt einen Anruf: "Kannst Du schon deutsch sprechen? Ich will am Wochenende ein Auto mieten und es auf der Autobahn ausprobieren." Am anderen Ende der Leitung war Elvis Presley. Sie verabredeten sich, wickelten die Formalitäten ab und fuhren anschließend zusammen in rasantem Tempo über die Autobahn. "Wie eine gesengte Sau" beschrieb er Elvis' Fahrstil. "Er war total nett und überhaupt nicht so, wie ich es von einem Superstar wie ihm erwartet hätte." Leider blieb es bei dieser einzigen Begegnung.

Der Junge aus Amerika mit dem verschmitzten Lächeln schaffte mit dem "Häuptling" den Sprung in die Top Ten und Radio Luxemburg zeichnete ihn mit dem "Goldenen Löwen" aus. Seine Karriere lief auf Hochtouren; er war Liebling der Regenbogenpresse, strahlte von der Titelseite der "Bravo" und wenn er nicht auf Tournee war, stand er im Plattenstudio oder vor der Filmkamera. In zehn Jahren kamen rund dreißig Filme zusammen.

Mit "Sauerkraut" den Verstand verloren...

Gus Backus in der Fernsehsendung "Musik aus Studio B"

Smarter Bursche: Gus Backus

Allerdings war Gus Backus mit seinem Repertoire nicht immer glücklich. In der Komödie "Unsere tollen Tanten" (u. a. mit Udo Jürgens und Bill Ramsey) musste er die "Sauerkraut-Polka" singen: "Das kannst Du nie Deiner Mutter zeigen. Ich war doch Rhythm & Blues Sänger. Sie würde denken, ich hätte den Verstand verloren" schreibt er in seinem Buch. Doch dem Publikum gefiel's. Nachdem der Film angelaufen war, erhielt er sogar aus der damaligen Sowjetunion Fanpost und Päckchen, gefüllt mit Sauerkraut in allen möglichen Varianten.

"Weißt Du, warum wir immer nur diese komischen Lieder singen müssen? Weil unser Deutsch so beschissen ist!" (Bill Ramsey zu Gus Backus)

Doch der Ruhm hatte Schattenseiten. Um den Dauerstress durchhalten zu können, griff er zum Alkohol und zu Aufputschmitteln. Mitte der 1960er Jahre folgte der Karriereknick und die englische Sprache dominierte das Musikgeschäft. "Niemand wollte diesen musikalischen Schwenk mit mir machen." Seine erste Ehe scheiterte und das neue Glück mit seiner zweiten Frau Heidelore war nur von kurzer Dauer. Mit der Tatsache, fast ohne Beschäftigung zu sein, kam er nicht klar. 1973 flüchtete er Hals über Kopf nach Amerika.

"Freunde boten mir an, dass ich bei ihnen arbeiten könnte. Teppiche beim Kunden abholen, reinigen, shampoonieren und wieder zurückbringen." Die Klatschpresse brachte prompt ein Foto: es zeigte ihn mit längeren Haaren, Vollbart, einen zusammengerollten Teppich über der Schulter tragend.

Das andere Leben auf den Ölfeldern von Texas

Gus Backus und Ehefrau Heidelore 1972

Mit Heidelore in den 70ern

Nach einer Entziehungskur in den USA bekam er seine Alkoholprobleme in den Griff. Er begann ein neues Leben als Arbeiter auf den Ölfeldern von Texas, lebte in einem Wohnwagen. Bei seinen deutschen Fans galt Gus Backus als verschollen, wurde sogar totgesagt. Anfang der 1980er Jahre kehrte er nach Deutschland zurück, doch ein Comeback gelang nicht. Ein weiteres Mal packte er die Koffer und kehrte in die USA zurück.

Nach dem Tod seiner dritten Frau Byra luden ihn seine Kinder aus seinen ersten beiden Ehen nach Bayern ein. Er traf seine Ex-Frau Heidelore wieder und 2002 traten die beiden nochmals vor den Traualtar. "Sie ist mir eine große Stütze", hat im Gespräch mit SWR4 Baden-Württemberg gesagt. Er freute sich an der Erinnerung an alte Zeiten, wenn das Fernsehen hier und da mal einen Film von ihm zeigte.

Seine Musikalität findet in der nachfolgenden Generation seine Fortsetzung: Sohn Jeffrey macht Country-Musik. Mit ihm entstanden zwei Duettaufnahmen.

Nach gesundheitlichen Rückschlägen hatte er sich vom Musikgeschäft zurückgezogen. Bis zu seinem Tod lebte er in der Nähe von München. Dort fühlte er sich wohl: "Deutschland ist klasse", hatte er uns erklärt.


Steckbrief von Gus Backus
Geboren12.09.1937 in Southhampton, New York
Charterfolge"Der Mann im Mond" erreichte 1961 Platz 1 und hielt sich 24 Wochen in den deutschen Charts
Autobiografie"Ich esse gar kein Sauerkraut" (hansanord Verlag, 2011)
Zitat"Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf"

Aktuell in SWR4