Frank Sinatra (Foto: Imago, Imago -)

Schlagerlegende Frank Sinatra - Sänger, Ladykiller und Geschäftsmann

AUTOR/IN

Vom Zeitungsjungen zur amerikanischen Institution - eine Geschichte, die fantastisch klingt und sogar wahr ist. Mit Liedern wie "Strangers in the night" oder "My way" wurde er berühmt und als "The Voice" oder "Ol‘ Blue Eyes" ging er in die Musikgeschichte ein.

Von Bing Crosby war er sehr beeindruckt und Frank Sinatra entschloss sich früh, ein ebenso erfolgreicher Sänger zu werden wie er. Der Einstieg gelang mit den "Hoboken Four", dann verpflichtete ihn der renommierte Bandleader Harry James. Doch schon bald wechselte Sinatra zu Tommy Dorsey, weil der ihn besser bezahlte. Bis Ende 1942 trat er höchst erfolgreich zusammen mit dem Orchester auf, dann wurde der Vertrag gelöst. Zwischenzeitlich galt Sinatra als eine eigenständige Größe im Showbiz. Mehr noch: er war zum Superstar geworden, zum ersten Teenager-Idol.

Bilderstrecke Die besten Cover von Frank Sinatra

Plattencover von Frank Sinatra (Foto: Electrola (Coverscan) -)
Das Comeback gelang ihm 1953 mit „Verdammt in alle Ewigkeit“. Von Anfang an wollte er unbedingt in diesem Streifen mitspielen. Allerdings entsprach er nicht den Vorstellungen des Regisseurs Fred Zinnemann. Dank der Absage eines Schauspielers übernahm er doch noch die Rolle des „Angelo Maggio“ und wurde als „bester Nebendarsteller“ mit einem „Oscar“ bedacht. Das Titellied „From here to eternity“ sang er auf Schallplatte und das Trompetensignal aus dem Film wurde weltberühmt. Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„In the wee small hours“ von 1955 war eines der ersten Konzept-Alben überhaupt und nutzte den technischen Fortschritt: Statt 25 cm konnte man auf 30 cm Durchmesser eine längere Spieldauer speichern. Es war das erste Sinatra-Album mit 16 Titeln. Alle Songs befassten sich mit Themen wie Einsamkeit oder gescheiterte Partnerschaften und vermittelten eine wehmütige Melancholie. Es schien, als ob die unglückliche Beziehung zur Schauspielerin Ava Gardner die Produktion überschattete. Capitol (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nach acht guten Jahren verließ er 1961 „Capitol Records“ und gründete seine eigene Plattenfirma „Reprise Records“. Er nahm Bing Crosby, Dean Martin und Sammy Davis jr. unter Vertrag und sein persönlicher Einstand war das Album „Ring-A-Ding-Ding“. Ein weiteres Mal handelte es sich um ein Konzept-Album, diesmal mit der Vorgabe „ohne Balladen“ und beinhaltete ausnahmslos flotte Swing-Nummern. Der Titelsong wurde speziell für diese Produktion von Jimmy van Heusen und Sammy Cahn geschrieben. Reprise (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…in der Öffentlichkeit betonte er immer wieder, dass er den Song nur widerwillig aufgenommen hat. Er wollte nicht wahrhaben, dass ausgerechnet ein Deutscher für diesen überwältigenden Erfolg verantwortlich war. Es blieb nicht bei dieser Komposition von Bert Kaempfert, die Sinatra Erfolg bescherte: wenig später folgte „The world we knew“. Sein Produzent Jimmy Bowen nahm den Song als Aufhänger für eine komplette LP, die auch das Vater/Tochter-Duett „Somethin‘ stupid“ beinhaltete. Plattenfirma (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer sechsjährigen Plattenpause brachte er 1980 „Trilogy“ auf den Markt. Die Produktion bestand aus drei LP's, thematisch gegliedert in „Past - Present - Future“. Für jede war ein anderer seiner drei Arrangeure tätig: Billy May (Vergangenheit), Don Costa (Gegenwart) und Gordon Jenkins (Zukunft). Sinatra präsentierte hier Songs vom Swing bis zum Rock. Das Thema zum Film „New York, New York“, ursprünglich von Liza Minelli gesungen, erschien als Single-Auskopplung. Reprise (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Zwanzig Jahre gingen ins Land, bis Frank Sinatra wieder mit Quincy Jones zusammenarbeitete: „L. A. is my lady“ war auch gleichzeitig sein letztes Studio-Album als Solist. Die Aufnahmesitzungen wurden gefilmt und als „Portrait of an album“ veröffentlicht. Die Dokumentation zeigte u. a. das erste Zusammentreffen zwischen Frank Sinatra und Michael Jackson. Im Video zum Titelsong, das im noch jungen MTV-Netzwerk ausgestrahlt wurde, waren Donna Summer und David Lee Roth in Kurzauftritten zu sehen. Universal (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die Idee zu dem Projekt „Duets“ entstand 1992, eine Liste mit potentiellen Duett-Partnern umfasste Namen wie z. B. Barbra Streisand oder Charles Aznavour. Die Aufnahmen waren schwierig: an einem Tag wollte er nicht alleine singen, am nächsten Tag war seine Stimme nicht in Form. Außerdem hatte er festgelegt, dass die Duett-Partner nicht mit ihm gemeinsam im Studio sein müssen. Obwohl als das „Schallplatten-Ereignis des Jahrzehnts“ gepriesen, enttäuschte der sterile Aufzeichnungsprozess. Capitol (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

"Ich hatte noch nie eine solche Aufregung erlebt"

Der US-Entertainer Jack Benny schilderte einen Auftritt von Frank Sinatra im "Paramount Theatre" in New York: "Ich dachte, das gottverdammte Gebäude würde einstürzen. Ich hatte noch nie solch eine Aufregung erlebt. Und das alles wegen einem Typen, von dem ich noch nie gehört hatte." Als Sinatra im Oktober 1944 erneut dort auftrat, verursachten 35.000 Fans außerhalb des Veranstaltungsortes einen Aufruhr, weil sie nicht mehr eingelassen werden konnten. Zu dieser Zeit zählten die Vereinigten Staaten 2000 Sinatra-Fan-Clubs mit rund 40 Millionen Mitgliedern.

1939 nahm er seine erste Schallplatte auf: "From the bottom of my heart". Ab 1942 eigene Radio-Shows wie "Your Hitparade" oder "Songs by Sinatra". 1943 drehte er seinen ersten Film: "Higher and higher".

Der "Ladykiller" stürzt ab

Anfang der 1950er Jahre fand die Glückssträhne ihr Ende. Sinatras Lebenswandel blieb seinen Fans nicht verborgen. Sein Ruf als Ladykiller, die Trennung von seiner ersten Frau Nancy Barbato, die Ehe mit der Schauspielerin Ava Gardner und lebensfrohe Nächte sorgten für Schlagzeilen und bei Frank Sinatra für gesundheitliche Probleme. Nervenzusammenbrüche und das Versagen der Stimme waren die Quittung. Hinzu kam, dass sich der Publikumsgeschmack gewandelt hatte und seine Platten wie Blei in den Regalen lagen.

Mitch Miller, der Hausproduzent von Sinatras Plattenfirma Columbia, experimentierte mit dem gebeutelten Star. Er ließ ihn Rock’n’Roll singen oder zu seinem relaxten Crooner-Stil ein Waschbrett schrammeln. Der Höhepunkt des Tiefpunkts war das Duett "Mama will bark", das er zusammen mit einer vollbusigen Dame sang, angereichert mit dem Jaulen eines Hundes. Sinatra hat Miller dies niemals verziehen und behauptete später, dass er gezwungen wurde, miserable Schlager zu singen.

Ein Film bringt Sinatra wieder nach vorn

Frank Sinatra (Foto: Imago, Imago -)
Frank Sinatra mit seiner Frau, der Schauspielerin Mia Farrow. Imago Imago -

Der Film "Verdammt in alle Ewigkeit" verhalf ihm 1953 zu einem fulminanten Comeback und auch die Schallplattenerfolge kamen zurück. Capitol Records nahm ihn unter Vertrag und schon die erste Platte "Young at heart" wurde ein Bombenerfolg. Sein unerschöpfliches Repertoire an Talenten war wieder gefragt. In diesem Zusammenhang überraschte manche, dass er erstaunliche Kenntnisse im Bereich der klassischen Musik vorweisen konnte. Peter Tschaikowsky zählte zu seinen Lieblingskomponisten.

Frank Sinatra brachte seiner italienischen Kollegin Sophia Loren während der Dreharbeiten zum Film "Stolz und Leidenschaft" die englische Sprache bei. An Stelle der üblichen Begrüßungsworte lernte Sophia unbewusst einige derbe Worte und unfeine Flüche. Damit begrüßte sie eines Tages ihren Regisseur. Der wich entsetzt zurück. Sophia rächte sich an Frank, kaufte einen dürren Esel und taufte ihn "Sinatra".

Frank Sinatra war ein cleverer Geschäftsmann

Frank Sinatra mit Ronald und Nancy Reagan (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)
Frank Sinatra mit Ronald und Nancy Reagan Imago Imago/Fotograf XY -

In den 1960er Jahren wurde Frank Sinatra zum Entertainer schlechthin: er war in zahlreichen TV-Specials zu sehen, absolvierte Tourneen rund um die Welt und spielte in unzähligen Filmen mit, die er zum Teil selbst produzierte bzw. Regie führte. Als Showman trat er bereits seit den frühen 1950er Jahren in Las Vegas auf und die Vorstellungen zusammen mit Dean Martin und Sammy Davis jr. als "Rat Pack" wurde legendär. Er war ein cleverer Musikaktivist, der Unsummen verdiente und in Hotels, Spielkasinos und Rennbahnen investierte. Aber er wusste auch zu geben: von Anfang an unterstützte er wohltätige Zwecke und zeigte ein hohes soziales Engagement, wofür er eine Vielzahl von Auszeichnungen erhielt.

Am 26. November 1965, der zum "nationalen Sinatra-Tag" erklärt worden war, strahlten über 2000 amerikanische Sender ein ausgedehntes Sinatra-Programm aus. Anlass war der 50. Geburtstag des Stars.

Edition Frank Sinatra (Foto: SWR, SWR - Foto: Werner Volmari)
Echt-Leder-Köfferchen mit Frank Sinatra-Werken SWR - Foto: Werner Volmari

Anlässlich seines 80. Geburtstags stand Frank Sinatra letztmalig auf der Bühne. "The final curtain" fiel für ihn am 14. Mai 1998 im Alter von 83 Jahren. Er, der niemals Gesangsunterricht genommen hatte und auch Noten nur in Ansätzen lesen konnte, hat die Geschichte der Popmusik nachhaltig geprägt - he did it his way…

AUTOR/IN
STAND