Dean Martin (Foto: Imago, Imago/ZUMA Press -)

Schlagerlegende Dean Martin war der "King of Coolness"

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Er war die Hauptattraktion auf Las Vegas' Bühnen, Superstar der Schallplatte, der Leinwand und des Fernsehens. Wegen seiner entspannt wirkenden Auftritte wurde Dean Martin "King of coolness" genannt.

Bilderstrecke Die schönsten Cover von Dean Martin

Plattencover Dean Martin (Foto: Capitol (Coverscan) -)
Keiner konnte "italienische" Lieder so vortragen wie Dean Martin. Mit "That’s amore" gelang ihm 1953 der Durchbruch als Sänger. Der Song, der für den Film „Der Tollpatsch“ geschrieben wurde, war die Zugnummer der hier gezeigten EP "Sunny Italy". Dean Martin empfand den Song als Beleidigung und die Zeile "When the moon hits your eyes like a big pizza pie, that’s amore" hasste er. Capitol (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… bei der von seinem Freund Frank Sinatra gegründeten Plattenfirma Reprise. Die ersten beiden 1962 dort produzierten LPs "French Style" (im Bild) und "Dino Latino" hatten einen schweren Stand, denn zeitgleich kamen seine letzten beiden Capitol-Alben heraus. In einem Interview äußerte er: "Schauen Sie, ich singe ein Lied. Wird es ein Hit - schön! Wenn nicht, starten wir einen neuen Versuch. Warum so kompliziert?" Reprise (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… schrieb und produzierte das Video zum Song „Since I met you Baby“. Darüber hinaus führte er Regie. Der Titel stammte aus Dean Martins finalem Album (1983). Zehn Jahre waren seit den letzten Aufnahmen vergangen. Nun drängte sein Produzent Jimmy Bowen auf eine Country-Platte und stieß auf Widerwillen: "Ich habe 50 Millionen Dollar und brauche das nicht zu tun." Doch schließlich überzeugte Bowen ihn und Martin stürzte sich enthusiastisch in die Arbeit zu den "The Nashville Sessions". Warner Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Forever cool" - die Segnungen der Technik machten dieses Album 2007 möglich. Posthum sangen Stars der Gegenwart wie Joss Stone oder Robbie Williams im Duett mit Dean Martin dessen Hits - darunter auch "Everybody loves somebody", hier als Duett mit Charles Aznavour. Abgerundet wird das Album mit einer DVD, welche das "Making of" dieses Projekts zeigt. Darin eingeschlossen sind viele unveröffentlichte Ausschnitte aus privaten Videos sowie Interviews mit den beteiligten Künstlern. Capitol (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Noten lesen konnte Dean Martin nicht

Bevor er ein weltweiter Star wurde, arbeitete Dean Martin u. a. als Boxer, Tankwart, Müller oder Croupier. Seine Cousine erinnerte sich in einem Interview: "Eines Tages kaufte er sich ein altes Grammophon und sammelte Schallplatten. Er spielte sie rauf und runter und sang dazu. Bing Crosby war sein ganz großer Favorit." Dean Martin äußerte später: "Ich habe ihn zu 100 Prozent kopiert. So habe ich singen gelernt. Es stimmt - ich kann keine einzige Note lesen."

"Sex und Slapstick"

Dean Martin und Jerry Lewis (Foto: Imago, Imago / United Artists -)
Dean Martin und Jerry Lewis Imago Imago / United Artists -

Er besann sich auf sein Gesangstalent und trat jahrelang auf zahllosen Bühnen auf. Die Engagements führten in quer durch Amerika, bis ihn 1946 der Zufall im Club 500 in Atlantic City mit dem jungen Komiker Jerry Lewis zusammenbrachte. Das Team, das unterschiedlicher nicht sein konnte, wurde in kurzer Zeit zu einer Hauptattraktion. "Sex und Slapstick" oder "ein gutaussehender Mann und sein Affe" lauteten manche Umschreibungen. Martin sang, Lewis unterbrach ihn pausenlos und begann mit Sellerie zu werfen, die Zuschauer wurden mit Wasser bespritzt, Krawatten abgeschnitten und vieles mehr. Das Publikum tobte vor Begeisterung.

"That's amore" war der erster Millionenseller

1948 folgte der erste Schallplattenvertrag und ein Jahr später standen die beiden erstmals in "My friend Irma" vor der Filmkamera. Mehr als ein Dutzend Filme, in denen das Gespann mehr oder weniger seinen Unfug trieb, schlossen sich bis 1956 an. Dean Martin konnte als Sänger zahllose Gesangsnummern in den Streifen unterbringen und verbuchte so einen zweifachen Erfolg. Sein erster Millionenseller "That's amore" ist ein Beispiel hierfür.

Dean Martin, John Wayne, Ricky Nelson im Film "Rio Bravo" (Foto: Imago, Imago -)
Dean Martin, John Wayne und Ricky Nelson im Film "Rio Bravo" Imago Imago -

Am zehnten Jahrestag ihrer Zusammenarbeit trennten sich Lewis und Martin. "Das Beste, das mir im Leben passierte, war, Jerry Lewis kennenzulernen. Das Beste, was danach kam, war, uns wieder zu trennen" wurde Dean Martin in einem Zeitungsartikel zitiert. 1957 startete er im Film "Ten thousand bedrooms" seine Solo-Karriere als Schauspieler. Häufig spielte er den Alkoholiker, wie auch 1959 in "Rio Bravo": "Ich kämpfte gegen die Flasche und die bösen Jungs. Es war eine sehr gute Rolle, dramatischer als alles, was ich je gemacht habe."

Paraderolle als versoffener Hilfssheriff in "Rio Bravo"

"Ich spielte in Vegas, als ich einen Anruf erhielt, dass mich der Regisseur Howard Hawks für einen Film mit dem Titel "Rio Bravo" haben wollte. Ich fuhr ganz aufgeregt hin und musste nicht einmal vorsprechen. Ich bekam die Rolle und sie sagten, dass ich mich bei der Kleiderausgabe melden solle. Ich erhielt ein verschwitztes Shirt, alte Jeans und Cowboy-Stiefel - das war alles. Ich sagte, dass ich deswegen hätte zuhause bleiben können, diese Sachen habe ich alle in meinem Kleiderschrank."

Peter Lawford, Dean Martin, Sammy Davis, Frank Sinatra (Foto: Imago, Imago/UIG -)
Peter Lawford, Dean Martin, Sammy Davis, Frank Sinatra Imago Imago/UIG -

Nach der Trennung von Jerry Lewis intensivierte Dean Martin seine Kontakte zu Frank Sinatra, den er schon Anfang der 1940er Jahre kennenlernte. Daraus entstand eine tiefe Freundschaft. 1958 kam es zu ersten gemeinsamen Arbeiten, wie beispielsweise dem Film "Some came running". Durch gemeinsame Auftritte in Las Vegas kam Dean Martin auch mit dem Entertainer-Kreis seines Freundes Sinatra in Berührung, zu dessen hartem Kern Sammy Davis jr. zählte. Das sogenannte "Rat Pack" drehte mehrere erfolgreiche Filme (u. a. "Ocean's 11"). Die Bühnenauftritte der drei Giganten im Sands Hotel in Las Vegas waren legendär.

"Wir warfen eine Münze, wer zuerst auf die Bühne ging. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich als Erster an der Reihe war. Ich sang Frank’s Nummern "Come fly with me" und "Chicago" und das Publikum applaudierte. Sinatra war als Letzter dran, ging raus, sang "Come fly with me" - ohne Reaktion der Zuschauer. Dann "Chicago"- ebenso Teilnahmslosigkeit. Er fragte: "Was zum Teufel ist hier los?" Dann klärte der Bandleader ihn auf:" Dean Martin hat Deine Nummern bereits gesungen." "Alright", sagte Sinatra, "dann spiel' 'That’s amore'"! Er kannte nicht ein Wort des Textes…

"Everybody loves somebody"

Plattencover von Dean Martin "Dream with Dino" (Foto: Capitol Records -)
Capitol Records -

1962 wechselte Dean Martin zur Plattenfirma Reprise seines Freundes Frank Sinatra. Dort arbeitete er mit dem jungen Produzenten Jimmy Bowen zusammen, der seine Musik in eine neue Richtung lenken wollte. Bowen legte ein Konzept mit dem Titel "Dream with Dino" vor. Dieses beinhaltete elf Titel, statt eines Orchesters war für diese Platte nur ein kleines Begleitensemble vorgesehen. Zur kompletten Produktion fehlte noch ein Song, das Team einigte sich auf "Everybody loves somebody".

"Everybody loves somebody" hatte Frank Sinatra 1946 schon einmal aufgenommen, allerdings ohne Erfolg.

Es war wiederum Bowen, der Dean Martin dazu drängte, "Everybody loves somebody" ein weiteres Mal - nun mit großem Orchester - aufzunehmen. Martins Frau, die das Lied schon immer mochte, war begeistert, sein Sohn weniger. Der schwärmte für die Beatles, die zu dieser Zeit die Hitparaden aufmischten. Dean Martin konnte diese Rock- und Beat-Musik nicht ausstehen und die Lobeshymnen seines Sohnes nervten ihn: "Pass‘ auf, ich werde Deine kleinen Lieblinge aus den Hitparaden fegen."

Dean Martin fegte "die kleinen Lieblinge" aus der Hitparade

Im August 1964 geschah das fast Unglaubliche: Dean Martin stieß die Beatles vom Hitparaden-Thron. Als er erkannte, was ihm gelungen war, verschickte er einige scherzhafte Telegramme: Elvis Presley erhielt "Wenn Du die Beatles nicht in den Griff bekommst, ich kann!" und an Frank Sinatra schrieb er "Du hast einfach nicht gewusst, wie es geht!". "Everybody loves somebody" wurde seine Erkennungsmelodie.

Dean Martin mit Familie (Foto: Imago, Imago/ZUMA Press -)
Mit seiner Frau Jeanne Biegger and Sohn Dean-Paul Martin Imago Imago/ZUMA Press -

Alles, was er nun anfasste, wurde zu Gold: seine Musik, seine Filme und seine TV-Show. Für diese wurde er 1967 mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Wöchentlich schalteten rund 50 Millionen Zuschauer ein. Bei seinen Auftritten vermittelte er dem Publikum stets einen entspannten Eindruck. Vieles war improvisiert und wenn ihm hier und da Fehler unterliefen, ging er damit souverän und humorvoll um.

Fester Bestandteil seiner Auftritte war der "Drunk Act". Er spielte einen Entertainer, der im angetrunkenen Zustand durch die Show führte. Die Ankündigung "direkt von der Bar auf die Bühne" wurde von einem unsicheren Gang, undeutlicher Aussprache und Textschwierigkeiten untermauert.

Dann kamen die Schicksalsschläge

Ab Mitte der 1970er Jahre reduzierte er seine Live-Auftritte und trat auch als Sänger nur noch selten in Erscheinung. Zunehmend machten sich gesundheitliche Probleme bemerkbar. Der Unfalltod seines Sohnes Dino im Jahr 1987 stürzte ihn in eine tiefe Depression. Frank Sinatra wollte ihn aus der Schwermut befreien und initiierte im Frühjahr 1988 zusammen mit Sammy Davis jr. eine Konzerttournee, bei der Martin allerdings nur widerwillig mitwirkte. Bereits nach einer Woche stieg er aus und musste durch Liza Minelli ersetzt werden.

Las Vegas hielt für zehn Minuten den Atem an

Bei seinem letzten Konzert am 29. Juli 1991 in Las Vegas war ihm sein gesundheitlich angeschlagener Zustand deutlich anzumerken. Am 1. Weihnachtstag starb Dean Martin mit 78 Jahren am Lungenkrebs. Ihm zu Ehren wurden in Las Vegas an seinem Todestag die Gebäude und Straßen für zehn Minuten verdunkelt. Auf seinem Grabstein steht die Titelzeile des Liedes, das ihn jahrzehntelang begleitete: "Everybody loves somebody sometimes."

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