Bitte warten...
Chris Roberts Schlagerstar

Schlagerlegenden Frauenschwarm Chris Roberts wäre 75

Mit Liedern wie "Ich bin verliebt in die Liebe" oder "Du kannst nicht immer siebzehn sein" schrieb er deutsche Schlagergeschichte. Über 11 Millionen Schallplatten verkaufte Chris Roberts im Laufe seiner Karriere. Nun wäre der Sänger und Schauspieler 75 Jahre alt geworden.

1/1

Bilderstrecke

Die Karriere von Chris Roberts in einer Covergalerie

In Detailansicht öffnen

Sein erster Top Ten-Hit war gleichzeitig titelgebend für seine erste Langspielplatte. „Chris besitzt, was man nicht erlernen kann: Personality, Charme und Jugend, dazu eine Stimme, die ankommt - spätestens seit „Die Maschen der Mädchen“, wo seine Fanpost die Tausendergrenze pro Woche überschritten hat“ berichtete 1970 der Begleittext auf der Rückseite des Plattencovers.

Sein erster Top Ten-Hit war gleichzeitig titelgebend für seine erste Langspielplatte. „Chris besitzt, was man nicht erlernen kann: Personality, Charme und Jugend, dazu eine Stimme, die ankommt - spätestens seit „Die Maschen der Mädchen“, wo seine Fanpost die Tausendergrenze pro Woche überschritten hat“ berichtete 1970 der Begleittext auf der Rückseite des Plattencovers.

"Unsere Pauker gehen in die Luft" mit Wencke Myhre war einer der letzten in Deutschland gedrehten Schlagerfilme. Die Presse schrieb: "Deutschland hat ein neues attraktives Filmliebespaar." Wenig später entstand diese LP, die eine Auswahl der populärsten Lieder der beiden beinhaltete. Die Machart war pfiffig: die Hits ergaben in ihrer Abfolge einen Dialog über das Thema "Boy meets Girl". Natürlich mit Roberts' Hit "Ich bin verliebt in die Liebe", den er im eingangs erwähnten Film sang.

Innerhalb kurzer Zeit wurde Chris Roberts zum Gipfelstürmer - in den Hitparaden, auf der Kinoleinwand, bei den Plattenumsätzen. Für Heerscharen von vornehmlich weiblichen Fans war ein Idol, das in Form von Starschnitten in Lebensgröße in manchem Zimmer an der Wand hing. 1971 wählten ihn die Leser der größten deutschen Jugendzeitschrift mit mehr als 150.000 Stimmen zum Sänger Nummer 1 und auf den Plattentellern drehten sich Hits wie „Mein Name ist Hase“…

… oder "Hab‘ ich Dir heute schon gesagt, dass ich Dich liebe", der in den Hitparaden bis auf Platz 3 kletterte. Das Erfolgsteam, das Chris Roberts zu dieser Zeit um sich hatte, bestand aus seinem Entdecker und Produzenten Hans Bertram sowie dessen Ehefrau Elisabeth, die unter dem Pseudonym "Lilibert" die passenden Texte zur Musik von Werner Twardy schrieb.

Mit der LP "Love me" erfüllte sich Chris Roberts einen ganz persönlichen Wunsch, verriet er im auf der Plattenrückseite abgedruckten Interview. Er sang Lieder, "die mir schon lange am Herzen lagen. Es sind große, international bekannte Titel, die mich voll fordern."  Die Palette reichte von "Raindrops keep fallin‘ on my head" über "Rock and Roll Music" bis hin zu "Blowin‘ in the wind".

"Mein Schatz, Du bist ’ne Wucht", "Eine Freude vertreibt hundert Sorgen" oder "Marlena" liefen in den Jahren 1973/74 zwar gut, aber ein Top Ten-Hit fand sich darunter nicht. Der nachlassende Erfolg führte zu Wechsel des Produzenten und so war "Ein paar schöne Stunden" die letzte LP mit Hans Bertram. Über einen eventuell neuen musikalischen Weg des Schlagersängers wurde damals öffentlich diskutiert und die "Bravo" fragte ihre Leser "Was soll Chris in Zukunft singen?". 93 Prozent waren der Meinung: "Chris soll so bleiben, wie er ist!"

Während von hohen Garantiesummen die Rede war, die mit dem Plattenfirmenwechsel einhergingen, tüftelten Chris Roberts und sein neuer Produzent Ralph Siegel am ersten gemeinsamen Produkt. Ein Einstand, wie er besser nicht sein konnte: "Du kannst nicht immer siebzehn sein" ging durch die Decke und wurde das Lied seines Lebens. Die Nummer stand Anfang 1974 zwölf Wochen in den Top Ten der Charts. Auch die gleichnamige LP wurde zum Verkaufsrenner. Im Herbst…

… des gleichen Jahres folgte der nächste Hit: "Ich mach‘ ein glückliches Mädchen aus Dir". Die LP gleichen Titels beinhaltete ein großes Farbposter und zeigte den Sänger am Seerosenteich. Betrachtet sich Chris Roberts selbst als Glückspilz? Der Text zur Platte verrät seine Antwort: "Man muss für sein Glück auch selbst etwas tun und Voraussetzungen schaffen. So wie ein Bauer, der säen muss, um ernten zu können. Wie die Ernte ausfällt - das ist das Glück." Die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel war recht befruchtend, denn…

… die Hits kamen en suite. Ebenso regelmäßig war er mit seinen Liedern in der ZDF-Hitparade vertreten, wo er zum Dauergast wurde. Unvergessen sein Auftritt mit "Do you speak English", bei welchem Dieter Thomas Heck höchstpersönlich die weibliche Stimme übernahm: "Honey, I do"! Auf Grund der Änderung…

…des Reglements konnte Chris Roberts 1977 mit seinem Hit "Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara" dort - statt wie bisher üblich dreimal - sogar fünfmal auftreten. Für seine Fans in den Niederlanden nahm er den Song und die B-Seite "Carol" in holländischer Sprache auf.

In den 1970er war Kevin Keegan einer der erfolgreichsten und beliebtesten Spieler im englischen Fußball. Später wechselte er in die erste Bundesliga zum HSV und genau zu dieser Zeit versuchte er sich auch als Sänger: „Head over heels in love“ hieß die von Chris Norman komponierte Nummer, die sich 1979 sogar in den Top Ten platzierte. Chris Roberts coverte den Song und Bernd Meinunger schrieb den deutschen Text „Hals über Kopf verliebt“.

Anfang der 1980er Jahre hegte Chris Roberts internationale Ambitionen. Die Single "Easy hours" und die gleichzeitig veröffentlichte LP "Chris & Friends" fielen jedoch beim Publikum durch, so dass es bei diesem einmaligen Projekt, bei dem er selbst als Produzent verantwortlich zeichnete, blieb.

Die "Neue Deutsche Welle" dominierte die Hitparaden und Künstler wie Chris Roberts taten sich schwer, dagegen zu halten. Stattdessen drehte er 1983 nach Jahren einen neuen Film: "Sunshine Reggae und Ibiza" hieß der Streifen, zusammen mit Karl Dall. Ein Jahr später erschien die Produktion "Hautnah", welche für lange Zeit die letzte LP bleiben sollte. Sie enthielt die jüngsten Single-Veröffentlichungen wie "Fantasia" und - hier im Bild - "Bella Bella Bianca". Mit Gala-Konzerten baute er sich erfolgreich ein neues Betätigungsfeld auf. 

Im Mai 1989 trat er vor den Traualtar und heiratete Claudia Österling. Nicht nur privat sondern auch künstlerisch gingen sie gemeinsame Wege. "Ich vermiss‘ Dich" war der Titel der 1990 erschienenen Single, die Chris Roberts produzierte und zu der Ehefrau Claudia den Text schrieb. Hierbei handelte es sich um die Cover-Version des Milli Vanilli-Hits "Girls I’m gonna miss you" aus der Feder von Frank Farian.

Zugunsten der Unicef-Aktion "Kinder in Not" entstand 1994 „Traumluftballon“ - eine CD mit Kinderliedern. Claudia Roberts hatte sämtliche Titel für dieses Album geschrieben. Im Begleittext schrieben sie: "Einerseits soll der Erlös dieser CD Kindern helfen, die unter menschlicher Gewalt leiden müssen, die von Anfang an in einer feindlichen Umgebung aufwachsen. Andererseits möchten wir den Gedanken, dass man die Basis für ein friedliches Miteinanderleben in jedem Kind selber säen kann, in diesen Liedern zum Ausdruck bringen."

Mit dem Produzenten David Brandes entstand 2002 "Momente". "Wenn Du fühlst, was ich fühl‘" und "Mein Freund" waren späte Radio-Erfolge aus diesem - seinem letzten - Album.

Damit er nicht ständig AFN hörte, schenkten ihm die Eltern während seiner Ausbildung zum Elektromechaniker ein Schlagzeug. Als die Beatwelle anrollte, gründete Chris Roberts zusammen mit Freunden 1962 die Band "The Blue Rockets", in der er Schlagzeuger und Sänger war. Die Gruppe gewann mehrere Beat-Wettbewerbe und wurde in München zu einer regionalen Größe. Seine Stimme fiel auf und über Kontakte kam er zum Produzenten und Komponisten Hans Bertram.

Voting

Welcher Hit von Chris Roberts gefällt Ihnen am besten?

Das Ergebnis dieser Abstimmung ist nicht repräsentativ.

Der Erfolg kam mit dem Wechsel von Beat zu Sweet

Im November 1966 debütierte er mit der englisch gesungenen Single "Baby’s gone": "Da hab‘ ich 200 Mark pro Seite dafür bekommen." Chris Roberts blieb jedoch Student, eine Exmatrikulation war für ihn kein Thema, zumal sich seine ersten beiden beat-orientierten Platten als Fehlzündung entpuppten. Als er jedoch 1968 mit "Wenn Du mal einsam bist" erstmals in den Hitparaden auftauchte, sah er ein, "dass man auf die Dauer nicht zweigleisig fahren kann."

Auf den ersten drei Singles nannte er sich noch "Chris Robert". Seinen Künstlernamen erdachte sich der Beatles-Fan nach deren Song "Doctor Robert".

Der musikalische Kurswechsel von "Beat" zu "Sweet" erwies sich als richtige Entscheidung. Mit "Der große Hit" landete er 1969 auf Anhieb dreimal in Folge in der ZDF-Hitparade. In der Sendung von Dieter Thomas Heck wurde er zum Dauergast. Insgesamt kamen im Laufe der Jahre 65 Auftritte zusammen. Parallel nahm er Gesangs- und Schauspielunterricht, denn auch die Filmbranche fand Gefallen an dem smarten Sänger.

"Wenn die tollen Tanten kommen" - die Filmerfolge

Beim Film mit Uschi Glas (rechts)

"Mensch, ärgere dich nicht" - mit Chris Roberts und Uschi Glas (r.)

1970 hatte er in "Wenn die tollen Tanten kommen" Premiere auf der Kinoleinwand. Über eine Million Zuschauer sahen die Komödie. Zwar sang er im Film "Du bist nicht mit Gold zu bezahlen", was aber im Bezug auf den Streifen nicht ganz stimmig war: Für sein Erstlingswerk wurde er mit der "Goldenen Leinwand" ausgezeichnet. Bis 1973 stand er in insgesamt zehn Spielfilmen vor der Kamera, mit Stars wie Wencke Myhre, Ireen Sheer oder Rudi Carrell.

In den 1970er Jahren folgten die Hits in Serie. Chris Roberts war zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten Schlagersänger geworden. Vor allem das weibliche Publikum war ganz vernarrt in ihr Idol: "In dieser Zeit konnte ich nur losrennen, wenn ich Schritte hinter mir hörte" wird er auf seiner Homepage zitiert.

"Populär sein bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen" - Größe bewies er im Zusammenhang mit der Veranstaltung "Super-Disco", die 1973 von der "Bravo" initiiert wurde. Für ein kleines Eintrittsgeld konnten die Fans in München ihre Stars - neben Chris Roberts auch Peter Maffay oder Sweet - live erleben. Am Ende der Show brach eine Massenpanik aus, bei der eine fünfzehnjährige Schülerin den Tod fand. Roberts handelte spontan und wusste, was zu tun war: "Diesem Mädchen eine Platte zu widmen, die allen Betroffenen zu Gute kommt." Die erwirtschafteten Gewinne der Single "Warum" wurden an die Angehörigen überwiesen.

Riesenerfolge mit einem neuen Komponisten

Chris Roberts Schlagerstar

Chris Roberts bei einem Auftritt...

Ab 1974 arbeitete er mit Ralph Siegel zusammen. Gleich die erste gemeinsame Produktion war ein Volltreffer und geriet zum Markenzeichen: "Du kannst nicht immer siebzehn sein" wurde Roberts‘ größter Wurf. Die Hitfabrik Siegel sorgte in den kommenden Jahren dafür, dass Chris Roberts beständiger Gast in Funk und Fernsehen sowie den Bestseller-Listen blieb: "Ich mach‘ ein glückliches Mädchen aus Dir", "Do you speak English" oder "Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara" sind nur einige Beispiele aus dieser Zeit.

1979 spielte er in Bad Godesberg eine der Hauptrollen im Musical "Sweet Charity" vor ausverkauftem Haus. Ein Herzenswunsch von ihm ging damit in Erfüllung.

Neben alledem begann Chris Roberts, Liedtexte zu schreiben und Platten zu produzieren. Darüber hinaus gründete er das Projekt "Chris & Friends", das auf den internationalen Musikmarkt zielte. 1985 nahm er für Luxemburg innerhalb einer aus mehreren Nationen zusammengewürfelten Sängergruppe am Grand Prix d’Eurovision de la Chanson teil. Doch all diese Aktivitäten reichten nicht an seine früheren Erfolge heran, ab Mitte der 1980er Jahre verlegte der Sänger sich auf Gala-Shows.

Chris Roberts Schlagerstar

Chris Roberts mit seiner Frau Claudia

"Ich habe irgendwann mal das Gefühl dafür verloren, immer nochmal eine Platte zu promoten und habe den Sinn des Lebens gesucht. Glücklicherweise habe ich in dieser Zeit meine Frau Claudia kennengelernt und wir haben eine Familie gegründet. Da habe ich eigentlich erst festgestellt, wo der wahre Sinn des Lebens liegt" äußerte er in einem Interview. Doch die Ehe mit der 21 Jahre jüngeren Sängerin und Schauspielerin, mit der zusammen er auch Anfang der 1990er Jahre ein kleines Comeback feiern konnte, endete in einem Rosenkrieg. In die Schlagzeilen war er auch immer wieder wegen Steuerschulden geraten.

"Einmal da wirst Du siebzig sein, dann bin ich noch bei Dir" - es waren nur noch wenige Lebensjahre, die ihm darüber hinaus vergönnt waren. Schon seit längerem hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Am 2. Juni 2017 verstarb der Schlagersänger im Alter von 73 Jahren in einem Berliner Klinikum an Lungenkrebs.


Steckbrief Chris Roberts
Leben13.3.1944 in München als Christian Klusáček, gestorben am 2.7.2017 in Berlin
FamilieVerheiratet mit Claudia Roberts, mit der er zwei Kinder hatte. Seine Frau hatte noch einen Sohn aus erster Ehe. Die Ehe wurde geschieden.
KuriosDeutsche Staatsbürgerschaft erst kurz vor seinem Tod erlangt - davor staatenlos, da seine Eltern (die Mutter war Deutsche, der Vater kam aus dem damaligen Jugoslawien) in der Nazi-Zeit nicht heiraten durften. In seiner Geburtsurkunde stand "ungeklärte Staatsangehörigkeit".
EhrungBekam zweimal hintereinander den "Bravo-Otto" und ließ damit Kollegen wie Peter Alexander und Roy Black hinter sich.

Aktuell in SWR4