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Die Platten zu Weihnachten sind selten

Plattencover von weihnachtlichen Schlagern (Foto: SWR, Philips (Coverscan))
Das Lied „Winter Wonderland“ oder hierzulande „Weißer Winterwald“ ist ein beständiger musikalischer Begleiter seit vielen Jahren. Die deutsche Original-Aufnahme des Weihnachtshits sang Gerhard Wendland und kam1954 - noch als zerbrechliche Schellack-Platte - in die Geschäfte. Neun Jahre später (hier im Bild) nahm Gerhard Wendland den Titel erneut auf. Philips (Coverscan)
Gleich nochmal „Winter Wonderland“, dieses Mal mit Ray Conniff und seinen Singers. Der Sound des amerikanischen Bandleaders ging um die Welt und seine Platten fanden millionenfachen Absatz. Insgesamt drei Weihnachtsalben veröffentlichte er im Laufe der Jahre und „Christmas with Conniff“ machte 1959 den Anfang. Columbia (Coverscan)
Als „fesche Lola“ machte Marlene Dietrich im Film „Der Blaue Engel“ bereits 1930 steile Karriere. 1965 schlug sie ganz andere Töne an: In Paris nahm sie mit dem Orchester Jacques Debout zwei Weihnachtslieder auf. Aus der Feder des Orchesterleiters stammte das Lied „Cette nuit là“, welches bei uns unter dem Titel „Still war die Nacht“ erschien. Auf der B-Seite war die Lotar Olias-Komposition „Glocken läuten“ zu hören, welche sie für den internationalen Markt als „Candles glowing“ heraus brachte. Philips (Coverscan)
Rex Gildo kam mit Weihnachtlichem erstmals 1965 in die heimischen Stuben. „Silberglocken läuten“ wurde von Botho Lucas komponiert, der Text stammte von Camillo Felgen, den er unter seinem Pseudonym Jean Nicolas verfasste. Auf der B-Seite war die deutsche Fassung des Mel Tormé-Weihnachtsklassikers „The Christmas Song“ zu hören: „Viele bunte Päckchen“. Electrola (Coverscan)
1963 hatte Bert Kämpfert mit seinem Orchester diese Weihnachts-LP aufgenommen. Sie wurde seit ihrem Erscheinen immer wieder neu, teils unter anderen Titeln und in abgeänderter Zusammenstellung, veröffentlicht. Im typischen Kämpfert-Sound erklingen neben Klassikern wie „The little drummer boy“ oder „Santa Claus is comin’ to town“ auch zahlreiche Eigenkompositionen. Eine durch und durch zeitlose Langspielplatte, der weltweiter Erfolg beschieden war. Polydor (Coverscan)
In vielen Familien gehörten die Weihnachtsplatten von Peter Alexander zum festen Bestandteil der Feierlichkeiten. Seine Versionen von „Jingle Bells“ und „Heidschi-Bum-Beidschi“ hatten 1965 Premiere unterm Tannenbaum. Polydor (Coverscan)
Die israelische Sängerin Elisa Gabbai hatte 1966 mit dem von Christian Bruhn komponierten Titel „Winter in Kanada“ einen Riesenhit, der auch heute noch häufig gespielt wird. Dieses Lied wurde sogar in Spanien als „Invierno en Canadá“ veröffentlicht. Bis in die frühen 1970er Jahre nahm sie weitere Schallplatten auf, ohne jedoch einen nachhaltigen Hit zu landen. Sie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und bald wurde es still um Elisa Gabbai. 2010 verstarb sie in Los Angeles. Belter (Coverscan)
„Verliebt in Österreich“ hieß ein Dokumentarfilm von Wolfgang Müller-Sehn, der 1967 erschien. Das Werk befasste sich mit Österreichs Landschaft und seinen Menschen und Kulturschätzen. Der Kommentar wurde von Dietmar Schönherr gesprochen und die Musik kam von der österreichischen Kammersängerin Hilde Güden, dem Komponisten und Zithervirtuosen Anton Karas und Udo Jürgens. Seine „Schneerose“ erfreute sich leider keiner üppigen Blüte. Ariola(Coverscan)
Ein Newcomer stürmte im Dezember 1963 die Hitparaden und verkaufte im Handumdrehen von seiner Platte sagenhafte 1,4 Millionen Exemplare. Die Rede ist von Bernd Spier und „Das kannst Du mir nicht verbieten“. Mitte der 1960er Jahre zählte er zu den meist gespielten Interpreten bei den deutschen Rundfunkanstalten. 1965 erschien seine Weihnachtssingle „Glocken klingen leis’, ganz leise/Leise fällt der Schnee ins Land“ - ein Unikat. CBS (Coverscan)
„Weihnachten in der goldenen Stadt“ - eine Vision, der man nachträumen möchte. So stand es 1969 auf der Innenseite der gleichnamigen Langspielplatte im Begleittext zu lesen. Zusammen mit der Prager Madrigalisten und den Prager Symphonikern interpretierte Karel Gott neben traditionellen Weihnachtsliedern auch klassische Werke wie z. B. das „Ave verum corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart oder das „Agnus Dei“ von Georges Bizet. Polydor (Coverscan)
1971 eroberte die kleine Norwegerin Anita Hegerland im Duett mit Roy Black und dem Lied „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ die Publikumsherzen im Sturm. Ein Jahr später wünschte sie uns eine „Fröhliche Weihnachtszeit“. Dazu schrieb sie: „Das hier ist meine erste große Schallplatte mit vielen schönen, fröhlichen Weihnachts- und Aventsliedern. Ich hoffe, sie gefallen Euch. Ihr könnt sie alle mitsingen und mit fröhlich sein.“ Polydor (Coverscan)
Der „Tiger Rag“, der schon von Größen wie Louis Armstrong gesungen wurde, verschaffte den beiden jungen Dänen Jan & Kjeld 1959 die erste Hitparaden-Notierung in Deutschland. Im Folgejahr kam ihr späteres Markenzeichen „Banjo Boy“ in die Läden. Über eine Million Singles wurden davon verkauft. Am 25. August 1960 nahmen die beiden Brüder den Weihnachtstitel „Blacky und Johnny“ auf, der leider vollkommen in Vergessenheit geriet. Ariola (Coverscan)
Die kleine Cornelia packte bei sommerlicher Witterung nicht nur die Badehose ein, sondern bediente auch die Weihnachtszeit mit entsprechendem Liedgut. 1951 erschienen die Titel „Hei, hei, hei so eine Schneeballschlacht“ und „An der Ecke steht ein Schneemann“. 1954 kam eine weitere Weihnachtsplatte auf den Markt: „Schneeflöckchen fall‘ ganz sacht/Die sieben Zwerge“. Damit neigte sich die Episode „Kinderstar“ dem Ende zu. 1958 kehrte sie als „Conny“ mit „Diana“ zurück und wurde zum Teenageridol. Musictales (Coverscan)
Bill Ramsey war ein Unterhaltungskünstler für alle Generationen. Bei Kindern kam der nette Amerikaner mit dem lustigen Augenzwinkern ebenso gut an. Bereits 1965 nahm er seine erste LP mit Kinderliedern auf. Dieses Projekt, das als „Sing‘ ein Lied mit Onkel Bill“ auch ins Fernsehen kam, fand mehrere Fortsetzungen - wie hier 1967 zusammen mit Wencke Myhre, Willy Hagara, Peter Renée Körner und den Westfälischen Nachtigallen im „Winterwunderland“. Polydor (Coverscan)
Erik Silvester und seine 1972 erschienene Weihnachtssingle „Es schneit, es schneit, es schneit/Meine Weihnachtsfee“. Es war nicht sein einziger Ausflug in die Weihnachts-wunderwelt. Bereits ein Jahr später erschien „Weihnacht wird’s bald überall/Wenn Glocken erklingen“. Auf LPs findet man auch hier und da von ihm gesungene traditionelle Weihnachtslieder wie z. B. „Lasst uns froh und munter sein“. Columbia (Coverscan)
„Mama Loo“, “Kansas City” und „We are goin’ down Jordan“ - diese Millionenseller der “Les Humphries Singers” sind vielen noch im Ohr. Der unbeschwerte Sound der internationalen Truppe war prägend für die frühen 1970er Jahre und ein Hit reihte sich an den nächsten. Aber wer kennt noch deren Weihnachtsalbum aus dem Jahr 1972? „Silent Night“ war hier alles andere als still und beschaulich. Hier kommt eine weitere skurrile, aber deutlich leisere... Decca (Coverscan)
...Weihnachtsplatte: „Harry, hol’ schon mal den Wagen“ - diese Worte von Oberinspektor Stephan Derrick alias Horst Tappert sind Kult. „Derrick“ war mit 281 Episoden die erfolgreichste Krimiserie im deutschsprachigen Fernsehen und wurde in über 100 Ländern weltweit ausgestrahlt. Abseits vom Krimigeschäft nahm Horst Tappert 1979 seine erste und (mangels Nachfrage) einzige Weihnachtssingle auf. Vielleicht war der durch Mark und Bein gehende Kinderchor auf der A-Seite der Schuldige an diesem Flop. Polydor (Coverscan)
Mit „Noah“ gelang Bruce Low 1971 ein Riesencomeback. Fortan waren es vermehrt Schallplatten mit biblischen Themen, die ihm Hitparaden-Platzierungen einbrachten. „Das Kartenspiel“, „Sodom und Gomorrha“ oder auch „die Legende von Babylon“ waren seine späteren Hits. 1980 nahm er zusammen mit den Rosy-Singers „Die Weihnachtsgeschichte“ aus dem Lukas-Evangelium auf. Ariola (Coverscan)
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