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Bernd Spier Über Nacht zum Star

Bernd Spier galt als erfolgreichster Jungstar am deutschen Schlagerhimmel. Sein Hit "Das kannst Du mir nicht verbieten" nahm über ein halbes Jahr einen Spitzenplatz in den Schlagerparaden ein.


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Die besten Cover von Bernd Spier

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Die Plattenpremiere von 1963 verlief nahezu ungehört: Die Titel „Heut‘ bei mir“ und „Eine dufte Party“ konnten sich beim Publikum nicht durchsetzen und gerieten vollkommen in Vergessenheit.

Die Plattenpremiere von 1963 verlief nahezu ungehört: Die Titel „Heut‘ bei mir“ und „Eine dufte Party“ konnten sich beim Publikum nicht durchsetzen und gerieten vollkommen in Vergessenheit.

„Das kannst Du mir nicht verbieten“ (Original: Kenny Lynch „You can never stop me loving you“) machte Bernd Spier über Nacht zum gefragten Star. Michael Holm, damals selbst noch ein Newcomer, wollte mit dem Titel ebenfalls Punkte machen, unterlag jedoch beim Rennen um die Publikumsgunst. Bernd Spier hingegen ging mit seinem Hit auch in Italien an den Start und sang „I miei baci non puoi scordare“. Auf der B-Seite gab es die italienische Fassung seines Hits „Schöne Mädchen muss man lieben“ zu hören. Diese Platte verhalf ihm 1965 zu einer Einladung…

…zum San Remo Festival. Dort trat er mit „Vieni con noi“ neben Topstars wie Bobby Solo oder Milva im Finale auf.

Bernd Spier hatte sich mit gefühlvollen Schlagern einen Namen als Teenageridol gemacht. Ende 1964 überraschte er mit ganz anderen Rhythmen und brachte Chuck Berrys „Memphis Tennessee“ in deutscher Sprache heraus. Der Titel fiel aus einem weiteren Grund aus dem gewohnten Rahmen: das Playback wurde in den USA mit amerikanischen Musikern aufgenommen. Seine Plattenfirma bezeichnete die Single als deren „erste deutsch/amerikanische Co-Produktion“.

Zum Jahreswechsel 1964/65 konnte Bernd Spier seinen zweiten Nummer 1-Hit verbuchen: „Das war mein schönster Tanz“. Für den amerikanischen Markt wurde eine englische Fassung („I only came to dance with you“) produziert, nachdem Verträge für eine internationale TV-Show in den USA vorlagen.

Seine erste Langspielplatte - betitelt mit „Danke schön“ - stand 1964 in den Geschäften. Grund, sich bei seinem Publikum zu bedanken, hatte Bernd Spier allemal, galt er doch in mehreren Befragungen als der „Schlagersänger Nr. 1“. Die LP erschien auch in Amerika. Dort wurde auf das Cover der Zusatz „Germany’s Singing Sensation“ aufgedruckt. Auf dem Album befanden sich neben seinen bereits bekannten Hits auch Titel, die in der Folgezeit auf Single ausgekoppelt wurden, wie z. B. „Und dann..“ und „Einmal geht der Vorhang zu“. Hierbei handelte es sich um die Cover-Version des Andy Williams-Hits „Can’t get used to losing you“. In einem Interview verriet Spier, dass Andy Williams sein Vorbild sei: „Ich habe den mal gehört, habe mir die erste LP gekauft und festgestellt, dass er - für meine Begriffe - der größte Sänger ist.“

Die musikalische Familie Spier brachte einen weiteren Sänger hervor: Bernds Bruder Uwe war Mitte der 1960er-Jahre ebenfalls mit einigen Plattenveröffentlichungen auf dem Markt präsent. 1966 gab es diese beiden Duett-Aufnahmen der Spier-Brüder zu kaufen. Es war die einzige gemeinsame Produktion. Hinter „Mir geht’s wunderbar“ verbarg sich die deutsche Version des Country-Hits „Flowers on the wall“ der Statler Brothers.

Die weiche Welle fand in den Zeiten der Beatmusik immer weniger Zuspruch. Zwar zählte Bernd Spier noch zu den meistgespielten Sängern im Rundfunk, jedoch bevorzugte das jugendliche Publikum mittlerweile andere Rhythmen. Die Folge war - wie für viele seiner Kollegen - ein Karriereknick. Mit „Meine Träume von der Liebe“ gelang ihm für die nächsten Jahre letztmalig eine - wenn auch bescheidene - Hitparadennotierung.

Das Comeback gelang im Sommer 1969 mit der deutschen Version des Chris Andrews-Hits „Pretty Belinda“. Über 200.000 Exemplare der Platte gingen über die Ladentische. Im Jahr darauf trat er im Rahmen des „Deutschen Schlagerwettbewerbs“ in der Mainzer Rheingoldhalle auf. Das ZDF übertrug die Veranstaltung, für die 527 Titel eingereicht wurden. Zwölf davon standen im Finale, darunter auch Bernd Spier. Mit der Feststellung „Ich bin kein Rosenkavalier“ konnte er allerdings nicht überzeugen und landete auf dem letzten Platz.

1970 erschien seine zweite und zugleich letzte Langspielplatte, für die er einige internationale Hits jener Tage in deutscher Sprache aufgenommen hatte. Dazu zählten beispielsweise „Candida“ (Original: Tony Orlando feat. Dawn), „Fremde Augen“ (Original: Christie „Yellow river“) oder „Der Condor zieht“ (Original: Simon & Garfunkel „El Condor Pasa“). Als Bonus für die Fans wurde der Platte ein großes Poster beigelegt. Wenig später neigte sich seine Plattenkarriere dem Ende zu und es erschienen nur noch sporadisch neue Singles. Zwar konnte er noch den einen oder anderen Achtungserfolg verbuchen, die Zeit als Hitparadenstürmer war jedoch vorbei.

Mit „Klopf 3x“ war Bernd Spier im Februar 1971 in der ZDF-Hitparade.

Die Sammlung der „unvergessenen Hits“ erschien nur für Schallplattenclub-Mitglieder.

Das musikalische Talent lag in der Familie, denn sein Vater Robby war angesehener Konzertmeister beim Rundfunk-Tanzorchester des Hessischen Rundfunks. Für Bernd Spier war es daher die natürlichste Sache der Welt, sich schon sehr früh mit der Musik zu beschäftigen. Schon als Teenager gründete er seine erste eigene fünfköpfige Band. Dabei hielt der Vater ein wachsames Auge auf die schulische Karriere seines Sohnes, nur unter dieser Bedingung genehmigte er dessen Aktivitäten abseits der Schulbank. Doch Bernd Spier gelang es stets, das Klassenziel zu erreichen.

Musik ist die beste Medizin

Bernd Spier

Bernd Spier (1965)

„Mit 15 hatten wir schon in Tanzcafés gespielt. Erst war ich Bandleader als Schlagzeuger, dann als Gitarrist,“ erzählte er in einem Interview. Twist und Rock’n’Roll standen auf dem Programm. Bald hatte sich die Band durch Auftritte auf Klassenfesten und großen Partys einen Namen gemacht und Verpflichtungen in amerikanischen Klubs im ganzen Rhein-Main-Gebiet schlossen sich an. „Eigentlich wollte ich Medizin studieren und im Alter von 16 Jahren Pilot werden, aber dann kam der Erfolg“ erinnerte sich Bernd Spier an seine beruflichen Pläne. Die Weichen für eine künstlerische Laufbahn begann er bereits ab 1960 zu stellen, indem er sich bei mehreren Plattenfirmen vorstellte. Die dortigen Entscheidungsträger konnten sich allerdings mit einer Gruppe, die zudem noch englisch sang, nicht anfreunden.

Einsatz beim Hessischen Rundfunk

1963 wurde die deutsche Abteilung der amerikanischen Plattenfirma CBS gegründet. Für den Aufbau des Labels suchten die Verantwortlichen nach neuen Talenten und Gesichtern. Zu dieser Zeit trat Bernd Spier in der Radio-Sendung „Frankfurter Wecker“ des Hessischen Rundfunks auf und bei dieser Gelegenheit wurden die Talentsucher auf den jungen Mann aufmerksam. Er erhielt ein Angebot, welches ihm allerdings Kopfzerbrechen bereitete: er sollte deutsch singen, was dem leidenschaftlichen Rock ’n’ Roller wenig gefiel. Am Ende akzeptierte er die Bedingungen und unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag.

Das kannst Du mir nicht verbieten

Bernd Spier-Cover

Ganze 22 Wochen hielt sich „Das kannst Du mir nicht verbieten“ in den Top Ten.

Seine Plattenpremiere blieb weitgehend unbeachtet, der Nachfolger hingegen wurde ein Volltreffer: „Das kannst Du mir nicht verbieten“ stand Anfang 1964 auf Platz 1 der Hitparaden. Insgesamt 1,4 Millionen Exemplare der Platte fanden neue Besitzer. Nach diesem glänzenden Start brachte das Jahr noch mehr Positives: im März bestand er sein Abitur und im Sommer gelang ihm mit „Schöne Mädchen muss man lieben“ erneut ein Platz in der Spitzengruppe. Die erfolgreiche Saison beendete er mit „Memphis Tennessee“, wobei seine Version die populärste war.


Bernd Spier Steckbrief
Geboren6. April 1944 in Ludwigslust (Mecklenburg)
HitsDrei Platz-1-Hits in der Deutschen Hitparade mit "Das kannst Du mir nicht verbieten", "Memphis, Tennessee" und "Das war mein schönster Tanz".
AuftrittSang 1965 an der Seite von Milva beim San-Remo-Festival und wurde 12.


Vom Krankenbett in die Hitparade

Doch dann folgten magere Jahre, erst 1969 gelang ein Comeback. „Die Ruhepause hat der Sänger gut genutzt und hat sein Gesangsstudium vorangetrieben“ teilte seine Plattenfirma mit. Mit höchster Disziplin übte er wieder seinen Beruf aus, wie eine Geschichte vom Herbst 1969 unterstreicht: „Als er nach einem Gastspiel in Saarbrücken auf der Autobahn verunglückte und sein Auto nur noch Schrottwert hatte, stand die ZDF-Hitparade kurz bevor. Zwei Tage Aufenthalt im Krankenhaus mussten genügen, um die erlittene Gehirnerschütterung notdürftig zu kurieren. Auf keinen Fall sollte der Auftritt im Fernsehen ausfallen. Keiner der Zuschauer hatte bemerkt, dass er unter nur unter Mühen die Show durchstand.“

Eine "Super-Zeit" als Schlagerstar

Bernd Spier

Bernd Spier (2000)

Schon zu Beginn der 1970er Jahre zog sich Bernd Spier immer mehr vom Plattengeschäft zurück, eröffnete einen Waschsalon und danach eine Discothek. Später baute er sich eine Existenz als Immobilienmakler auf. Als er in einem Interview gefragt wurde, wie er rückblickend seine Zeit im Rampenlicht sieht, fasste er es in einem Wort zusammen: „Super!“

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