Schlagerlegende Margot Eskens - Lady der Meere

Sie ist die „Lady der Meere“, vertrat Deutschland beim Grand Prix d’Eurovision und gehörte in den 1950er und 60er Jahren mit Hits wie „Tiritomba“ zu den erfolgreichen Stars. Nun feiert Margot Eskens ihren 80. Geburtstag.

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Plattencover Margot Eskens (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
Mit "Tiritomba" gelang Margot Eskens 1956 erstmals der Sprung auf Platz 1 der Hitlisten. Ein Jahr später war es "Cindy, oh Cindy", mit dem sie den Hitparaden-Thron einnahm. Dieses Lied hatte sie auch im Gepäck, als eine Sängerin-Kollegin vor einer Fernsehsendung erkrankte und sie einsprang. Das Besondere daran: es handelte sich hierbei um einen Job in England bei der BBC in der dort sehr beliebten Sendung "Off the record". Häufig bleibt unerwähnt, dass… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…sie bei "Cindy, oh Cindy" von dem Iren Johnny Dane stimmliche Unterstützung erhielt. Er verstärkte mit seiner markanten Stimme das seinerzeit sehr populäre "Comedien-Quartett", das als Background-Chor mitwirkte. Hier zeigen wir eines der sehr raren Bilder des Sängers, der hierzulande ebenfalls eine Handvoll Schallplatten veröffentlichte. Zusammen mit Margot Eskens teilte er sich die Spielzeit dieser EP aus dem Jahr 1958. Im selben Jahr... Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
... legte sie die Single "Auf meiner kleinen Hazienda" vor. Hier waren es "Die sieben Raben", die mit ihren Stimmen den Background gestalteten. Der Gedanke ihres Plattenproduzenten Kurt Feltz, ihre Stimme durch männlichen Beistand noch wirkungsvoller präsentieren zu können, erwies sich als erfolgsversprechend. Es entstanden eine ganze Reihe von Duetten mit namhaften Sänger-Kollegen, darunter Peter Alexander, René Carol und vor allem... Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
… Caterina Valente’s Bruder Silvio Francesco. Der "Calypso Italiano", die "Mondschein-Partie" und "Himmelblaue Serenade" waren Dauerbrenner in den Jahren 1957/58. Die Stimmen von Margot und Silvio harmonierten perfekt. Als ein Jahr später vertragliche Gründe eine weitere Zusammenarbeit ausschlossen, rückten Udo Jürgens oder - wie hier im Bild - Will Brandes als Partner nach. Allerdings konnten damit die Erfolge des Duos Eskens & Francesco nicht wiederholt werden. Neben all… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
… den Duettaufnahmen gab es jedoch auch weiterhin die Solistin Margot Eskens. Im Frühsommer 1960 war sie mit "So wunderbar, so fabelhaft" im Mittelfeld der Hitparaden gelistet. Parallel hierzu begann sie, ihr Tätigkeitsfeld auf andere Genres auszuweiten. Als die schönsten Melodien aus der Operette "Die Blume von Hawaii" von Paul Abraham auf Platte gebracht wurden, war sie neben Herta Talmar, Willy Schneider, Peter Alexander und Bill Ramsey mit dabei. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Am 17. Februar 1962 trat sie bei den "Deutschen Schlagerfestspielen" im Kurhaus in Baden-Baden mit "Ein Herz, das kann man nicht kaufen" an und belegte den 3. Platz. Als charmante Verkäuferin "in einer kleinen Plattenbar in Wien" betrieb sie in dieser romantischen Geschichte diskret Reklame für die Plattenbranche und sorgte somit für entsprechende Umsätze. Bear Family Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Bis zum Sommer 1961 blieb ihr Mit-Entdecker Kurt Feltz Produzent all ihrer Schallplatten - danach übernahm diese Funktion Hans Bertram, zu dessen Künstlergarde später auch Roy Black und Chris Roberts zählen sollten. Damit änderte sich auch das Team im Hintergrund. Zunehmend sang Margot Eskens nun Texte von Bertram‘s Ehefrau Elisabeth, die unter dem Pseudonym "Lilibert" für zahlreiche erfolgreiche Verse verantwortlich zeichnete. Aus ihrer Feder stammte auch "Von Tahiti nach Shanghai". Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Marcel" war der deutsche Beitrag zum Grand Prix d’Eurovision im Jahr 1963. Für Deutschland war die Sängerin Heidi Brühl nominiert, die den von Charly Niessen geschriebenen flotten Titel am 23. März im BBC Television Center in London vortrug. Im Finale erreichte sie damit Rang 9. Rund einen Monat bevor Heidi Brühl den Titel auf Schallplatte aufnahm, hatte ihn Margot Eskens bereits im Kasten. Eine vorsorgliche Maßnahme, da die Teilnahme von Heidi Brühl am Song Contest zeitweise unsicher war. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Serenade der Liebe" war eine der wenigen LP-Produktionen von Margot Eskens. Die Platte erschien 1964 und war gleichzeitig das Debüt für ihren Ehemann Karl-Heinz Münchow als Produzent. Den Text zum Titelschlager schrieb er unter dem Pseudonym "Bodo Baum" selbst. Das Album enthielt auch die Hit-Single "Mama", womit ihr erstmals seit fünf Jahren wieder der Einzug in die Top Ten gelang. Der italienische Star-Tenor Benjamino Gigli hatte das Lied bereits in den 1940er Jahren zum Erfolg geführt. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Hans Blum alias Henry Valentino war der Komponist beider Titel, die sie 1967 aufnahm: "Die Jugend hört nicht mit 18 auf" und "Sommerwind sang sein Lied". Lale Andersen war es, die den "Sommerwind" bereits ein Jahr zuvor veröffentlichte und darüber hinaus auch den Text - unter dem Pseudonym Nicola Wilke - schrieb. Abseits des Schlagers wirkte Margot Eskens zu dieser Zeit bei der Musical-Schallplattenproduktion von "Annie get your gun" mit. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Neue Rhythmen beherrschten die Hitparaden und etablierte Schlagerstars hatten Mühe, gegen die vornehmlich internationale Konkurrenz zu bestehen. Nach dem Auslaufen ihres langjährigen Vertrages bei der Polydor wechselte Margot Eskens mehrfach die Plattenfirma. 1971 ging sie mit "Zwei Herzen und eine Gitarre" an den Start. Hans Bertram, der bereits Anfang der 1960er-Jahre mit ihr zusammenarbeitete, war wieder als Produzent mit dabei. Obwohl Titel als auch Team stimmig waren, gelang kein Hit. Mondial (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zum Jahreswechsel 1976/77 konnte sie sich letztmalig in den offiziellen Verkaufscharts platzieren. Für die Dauer von zwei Wochen wurde dort ihre Single "Denk nicht an morgen, wenn Du bei mir bist" notiert. Columbia (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Nostalgie-Welle in den 1980er-Jahren machte Margot Eskens wieder zur gefragten Größe. 1986 meldete sie sich auch auf Schallplatte zurück: "Wenn Dich keiner mehr will" aus der Feder von Christian Bruhn war zu dieser Zeit häufig im Radio zu hören. Von nun an… Papagayo (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
… gab es regelmäßig neue Veröffentlichungen. Neben Liedern wie "Wir zwei sind wie Vögel im Wind" nahm sie einige ihrer großen Erfolge im zeitgemäßen Gewand für ihr Album "Die großen 12" neu auf. Darunter befand sich neben "Mutti, Du darfst doch nicht weinen" oder "Wenn Du heimkommst" auch ihr Grand Prix-Beitrag "Die Zeiger der Uhr". Mondial (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Am 18. März 1993 fand in Bremerhaven die Austragung des ARD-Wettbewerbs "Lieder so schön wie der Norden" statt und die Fernsehzuschauer konnten via TED ihre Wertung abgeben. 15 Lieder standen im Finale und Margot Eskens erreichte mit ihrem Beitrag "Auch Matrosen haben Heimweh" den 1. Platz. Maritimes wie "Jonny, komm‘ wieder nach Helgoland" oder "Kleiner Kapitän" bestimmte ihr Repertoire und sie veröffentlichte ganze Alben mit Seemannsliedern. Dies brachte ihr den Beinamen "Lady der Meere" ein. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Anfang 2011 kam ihr letztes Album "Achterbahn der Liebe" in die Geschäfte. Inhaltlich war es nahezu identisch mit der bereits 2009 veröffentlichten Produktion "Ich für Dich". Walter Reischl, der Leiter der österreichischen Schlager- und Tanzband "White Stars" war der Autor fast aller hier enthaltenen Lieder. MCP Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Es ist wie eine Geschichte aus einem Märchenbuch: Ein junges Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen träumt davon, ein Plattenstar zu werden. Erste „Showerfahrungen“ sammelte Margot Eskens bei abendlichen Auftritten in kleinen Lokalen und auf Familienfeiern. Als eine große Plattenfirma einen Nachwuchswettbewerb startete,  war die junge Zahnarzthelferin aus dem rheinländischen Düren dabei.

Rund 12.000 junge Talente aus dem ganzen Land stellten sich in Köln einer Fachjury. Von dieser Flut waren im Januar 1954 vierzig Kandidaten übrig, die auf ihre große Chance warteten - darunter Margot Eskens. Sie sang das berühmte französische Lied „Moulin Rouge“, überzeugte und fuhr mit einem zweijährigen Ausbildungsvertrag in der Tasche nach Hause.

Margot Eskens und Friedel Hensch (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Siegfried Pilz)
Margot Eskens und Friedel Hensch singen zusammen ... Picture Alliance/Siegfried Pilz

Mit monatlich DM 250,-- wurde die Ausbildung an der Musikhochschule Hamburg vergütet. Dazu erhielt sie Schauspielunterricht bei dem renommierten Schauspieler Joseph Offenbach. Über diese Zeit erzählte sie später selbstironisch, dass sie wegen ihres rheinischen Tonfalls zuerst einen Intensivkurs in Aussprache absolvieren musste.

Zu dieser Zeit durfte sie hin und wieder im Chor bei Schallplattenproduktionen mitsingen. 1955 bekam sie die erste Gelegenheit, als Solistin aufzutreten. „Mutti, Du darfst doch nicht weinen“ war der Titel, der sie zum Star machte. Die anrührende Geschichte von der Tochter, die vor den Traualtar tritt und ihre Mutter tröstet, rührte viele zu Tränen. Zu den Fans der ersten Stunde zählte auch Peter Frankenfeld, der sie vor die Fernsehkameras holte.

Margot Eskens mit Kochmütze und Messern in der Hand (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Siegfried Pilz)
Margot Eskens versucht sich in einer Großküche... Picture Alliance/Siegfried Pilz

Das brave Gegenstück zur Rock'n'Roll-Bewegung

Die brave Tochter und das junge Mädchen, das nur singen und damit Freude verbreiten will - ihre Plattenfirma legte sie auf diese etwas biedere Anmutung fest. Sie war das perfekte Gegenstück zur dominierenden Rock’n’Roll-Welle und Interpretin erster Wahl für alle Tagesschlager, egal ob Italo-Hit oder Seemannsschnulze. Lieder wie „Tiritomba“ oder „Cindy, oh, Cindy“ belegen dies eindrucksvoll - sie bedeuteten für die Sängerin Nummer 1-Platzierungen in den Hitparaden.

In einer Promotion-Veröffentlichung förderte ihre Plattenfirma dieses Image: „Als ich neulich dummerweise meine Handtasche in irgendeiner Taxe vergessen hatte, da brachte sie mir der nette Fahrer eigenhändig zurück. Und nicht einmal eine Belohnung wollte er haben.“  Ihre Beliebtheit veranlasste eine Spielkartenfabrik dazu, sie neben Stars wie Caterina Valente in ein Schlager-Kartenspiel aufzunehmen.

Auch das Filmgeschäft klopfte an. In der Spionagefilm-Persiflage „Auf Wiederseh’n - Drei gegen Amerika“ war sie 1961 neben Gert Fröbe und Joachim Fuchsberger zu sehen. Hier spielte sie eine amerikanische Sängerin und trat zusammen mit Louis Armstrong und seinem Orchester auf.