Zwei Berliner sind die größten Sammler von Amiga-Platten (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / Berliner_Zeitung - Fröhling Mike)

Schlagerlegenden Die Schlager auf der anderen Seite der Mauer

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Musik kennt keine Grenzen - sagt man. Als die Berliner Mauer gebaut wurde, galt dies jedoch für den deutsch-deutschen kulturellen Austausch vom einen auf den anderen Tag nicht mehr. Erst Jahre später gab es wieder musikalische Brückenschläge zwischen Ost und West.

Bärbel Wachholz und Fred Frohberg in westdeutschen Plattengeschäften, Heidi Brühl und Peter Beil auf ostdeutschen Plattentellern? Alles kein Problem - zumindest nicht bis zum August 1961. Lizenzverträge zwischen der Hamburger Plattenfirma Philips und der ostdeutschen Monopolgesellschaft Amiga sicherten den Schlagerfreuden den Austausch von Unterhaltung ungeachtet bestehender Grenzen. Diese Zusammenarbeit fand mit dem Mauerbau sein Ende und westdeutsche Interpreten verschwanden quasi über Nacht für etliche Jahre aus dem Katalog der Amiga.

Westdeutsche Hits wurden nachgesungen...

Um das entstandene Defizit auszugleichen ging man in der ehemaligen DDR verstärkt den Weg, westdeutsche Hits mit ostdeutschen Künstlern neu einzuspielen. Um keine Anstände mit besonders hellhörigen Zeitgenossen und der Zensur zu bekommen, wurde streng darauf geachtet, nur solche Titel zu covern, die möglichst unverfänglich waren und nichts mit Freiheit, Fernweh und anderen Sehnsüchten zu tun hatten. Nachdem die Politik im Dezember 1965 einen Rundumschlag machte und alles, was auch nur im weitesten Sinne mit dem Westen im Zusammenhang stehen könnte, auf den Index setzte, erfolgte die Abkehr vom kapitalistischen Ausland. Eigene Kräfte beherrschten die DDR-Schlagerlandschaft, ergänzt durch "Gastarbeiter" aus den sozialistischen Bruderländern.

Die Galerie der DDR-Künstler - vom Krug bis Karat

Schlagerlegenden Die Amiga-Künstler

Plattencover (Foto: SWR, Amiga -)
Schrill und extrovertiert liefert sie bis heute immer wieder mal Gesprächsstoff: Nina Hagen. Nach intensivem Gesangsstudium nahm sie Mitte der 1970er Jahre ihre ersten Schallplatten auf. Zusammen mit der Gruppe „Automobil“ erschien 1974 „He, wir fahren auf’s Land“. Im gleichen Jahr kam auch ihr Kultsong „Du hast den Farbfilm vergessen“ erstmals auf den Plattenteller. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Lange bevor Manfred Krug in "Liebling Kreuzberg" bzw. als Kommissar Stoever im "Tatort" über die hiesigen Bildschirme flimmerte, war er Star der ostdeutschen Musikszene. Der Klassiker "The house of the rising sun" erschien 1965 in der ehemaligen DDR als "Es steht ein Haus in New Orleans". Als Texter wird Clemens Kerber genannt - ein Pseudonym von Manfred Krug. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Sie galt als die Star-Sängerin der DDR: Veronika Fischer. Erste Erfolge feierte sie als Solistin beispielsweise in den Bands "Stern Meissen" oder "Panta Rhei". 1975 erschien das Album "Veronika Fischer & Band". Darunter "Auf der Wiese", "Klavier im Fluß" und "Dass ich eine Schneeflocke wär’". Für den letztgenannten Titel gab es den "Ersten Preis national" beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Ohne Übertreibung kann man Frank Schöbel als den erfolgreichsten Schlagersänger der DDR bezeichnen. Darüber hinaus gehört er zu den wenigen, die es schafften, auch in Westdeutschland Erfolg zu haben. "Wie ein Stern" kam 1971 heraus und erschien in ganz Deutschland. Obwohl man bei einer Spielzeit von über 6 Minuten nicht unbedingt von "radiotauglich" sprechen kann, tat dies dem Erfolg keinen Abbruch. Peter Orloff hat den Titel gecovert, blieb hinter dem Original allerdings zurück. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Ursprünglich war Dagmar Frederic Apothekenhelferin, später studierte sie an der Hochschule für Musik. Die Sängerin, Tänzerin und Moderatorin nahm etliche Schallplatten als Solistin oder im Duett zusammen mit Siegfried Uhlenbrock bzw. Peter Wieland auf. Die Frage "Was halten Sie vom Tango" stellte sie 1977. Ihre Moderatorentätigkeit im DDR-Fernsehen setzte sie nach der Wende in der ARD fort. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Ein echter Kulthit: Vor dreißig Jahren nahm Ute Freudenberg zusammen mit der Gruppe Elefant - bei der sie auch Gründungsmitglied war - jenes Lied auf, das ihre Visitenkarte wurde: "Jugendliebe". Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Jürgen Hart war einer der beliebtesten Kabarettisten der ehemaligen DDR. "Sing’, mei Sachse sing’" wurde 1979 ein echter Gassenhauer. 200.000 Exemplare der Single gingen über die Ladentische. Ein Jahr später zogen die "Jacob-Sisters" nach und verewigten die Arndt Bause-Komposition ebenfalls auf schwarzem Vinyl. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Ihre "Berliner Schnauze" und ihre Sendung "Ein Kessel Buntes" verhalfen ihr zu einer großen Popularität: Helga Hahnemann, "Big Helga" oder "Henne", wie sie genannt wurde. Zur hier gezeigten LP schrieb sie: "Tja, was soll ich Ihnen von mir erzählen? Ich bin - wie alle Berliner - eine ganz normale Verrückte!". ... "Wenn ich durch die Straßen von meinem Berlin oder Leipzig oder Dresden schlendere und mich plötzlich jemand anhält und sagt: Eh Helga, kommste mit auf’n Bier? Dit isset, eh!". Monopol (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Als Kopf der Gruppe "WIR", die er 1972 gründete, feierte Wolfgang Ziegler zahlreiche Erfolge, bevor er ab 1981 zunehmend als Solist hervortrat. "Verdammt" wurde 1987 in Ost und West ein Hit. WEA - (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler waren ein unzertrennliches Paar - allerdings nur beruflich. Sie bildeten "drüben" das erfolgreichste Duo, das Mitte der 1970er Jahre sogar im Westen auftreten durfte. Über zehn Millionen Exemplare ihrer Schallplatten wurden verkauft. Der Erfolg hielt nach der Wende zunächst in ganz Deutschland an, und sie verlegten sich auf die Richtung des volkstümlichen Schlagers. Mit dem Titel "Heimat" konnten "Hauff & Henkler" 1990 nochmals einen Hit verbuchen. Columbia (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Lange bevor sie mit der TV-Show "Bauer sucht Frau" Quotenerfolge erzielte, war Inka Bause bereits auf dem Plattenmarkt präsent. Bekanntlich fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: als Tochter von Arndt Bause, einem der erfolgreichsten Komponisten der DDR, kommt man an der Musik nicht vorbei. Bereits in der Musikschule spielte sie Geige und nahm später Gesangs- und Klavierunterricht. Sie absolvierte ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik in Berlin. Ihre erste Platte erschien 1987. Virgin (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
In kürzester Zeit wurde Olaf Berger zu einem der erfolgreichsten Schlagersänger. Gleich sein erstes Album "Es brennt wie Feuer" von 1987 wurde vergoldet. Zudem schaffte er es, sich auch im Westen zu etablieren. 1990 erschien mit "Nonstop ins Paradies" sein Debüt in den alten Bundesländern. Für seine nächste Veröffentlichung "Feuervogel" zeichnete bereits Jean Frankfurter. Im selben Jahr erhielt er als erster DDR-Künstler die "goldene Stimmgabel". Titan (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Regina Thoss wurde Mitte der 1960er Jahre in der DDR-Sendung "Herzkopfen kostenlos" entdeckt. Funk- und Schallplattenaufnahmen sowie zahlreiche Tourneen sorgten dafür, dass ihr Name bald populär wurde. Nach der Wende setzte die "Milva des Ostens", wie sie auch genannt wird, ihre Aufnahmetätigkeit fort, war in zahlreichen TV-Sendungen zu Gast und tritt häufig bei Gala-Veranstaltungen auf. DA Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ende der 1980er Jahre bekam Ulli Schwinge seinen ersten Plattenvertrag, nachdem er bereits einige Jahre zuvor mit eigenen Liedern in der Chefetage des DDR-Rundfunks positiv aufgefallen war. Die Erfolge setzten sich auch nach der Wende fort. Seine selbst geschriebenen Lieder können sich regelmäßig in den Airplay-Charts platzieren. Papagayo (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der gelernte Zimmermann Gerd Christian startete 1973 seine Sängerkarriere. 1979 ging er mit dem Titel "Sag’ ihr auch" als Sieger aus dem "Schlagerwettbewerb" hervor. Dieses Lied wurde zwischenzeitlich häufig gecovert, so z. B. von den Kastelruther Spatzen oder Bernhard Brink. Zum 20-jährigen Jubiläum des Erfolges nahm Gerd Christian den Titel für das Album "Das eigene Gesicht" neu auf. Pipmatz Verlag (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die Plattenfirma schrieb zur Single "Mann im Mond": "Es ist noch gar nicht so lange her: Erst war Klaus ein Schwein, dann wurde Gabi zum Schwein, dann wollten die fünf Prinzen aus Leipzig unbedingt Millionäre werden und nun geht es weiter..." Bei der Gründung im Jahr 1987 firmierten die Mannen um Sebastian Krumbiegel noch als "Die Herzbuben". 1991 erfolgte die Umbenennung in "Die Prinzen", da die Namensähnlichkeit mit den "Wildecker Herzbuben" zu Verwirrungen führte. Hansa (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Die schönsten Rock-Balladen" auf einer LP versammelt. Die Kult-Bands der DDR präsentierten hier ihre größten Hits: City "Am Fenster", die Puhdys "Alt wie ein Baum" oder Karat "Der blaue Planet". Ebenfalls mit von der Partie auf dieser Produktion waren Berluc, Ute Freudenberg & Elefant, Karussell und Stern Meissen. Pool Musikproduktion (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Dieter Birr, Dieter Hertrampf, Peter Meyer, Harry Jeske und Gunther Wosylus, besser bekannt als "Puhdys" wurden über Nacht zu Stars. "Geh’ zu ihr", "Sturmvogel" und natürlich "Alt wie ein Baum" wurden zu Evergreens. 1976 präsentierten sich die "Puhdys" mal ganz anders: "Rock’n’Roll Music" beinhaltete die guten, alten Rock’n’Roll-Hits der späten 1950er und frühen 1960er Jahre. Mit dabei u. a. "Hound Dog" (Elvis Presley), "Tutti Frutti" (Little Richard) oder "Bye Bye Love" (Everly Brothers). Amiga (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Auf dem Weg zu Euch" - 10 Jahre "Karat". Im November 1984 entstanden in Halle/Saale die Aufnahmen zu dieser Doppel-LP. Ein Hit folgte auf den anderen: "Jede Stunde", "Schwanenkönig", "Albatros", "Der blaue Planet" und natürlich "Über sieben Brücken musst Du geh’n". Für 32,20 Mark waren die Scheiben zu erwerben. CBS - Bild in Detailansicht öffnen
Die Rock-Band Silly (ursprünglich: Familie Silly) wurde 1978 in Ost-Berlin gegründet. „Bataillon d’amour“ stand 1986 in den Geschäften. Die Sängerin der Band war Tamara Danz, die in den 1980er Jahren mehrfach zur besten Rocksängerin des Jahres gewählt wurde. 1996 verstarb sie an einer Krebserkrankung. Erst 2006 trat die Schauspielerin Anna Loos ihre Nachfolge als Frontfrau an. Das 2010 veröffentlichte Album „Alles rot“ wurde mit Gold und Platin ausgezeichnet. Deutsche Schallplatten GmbH (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen


Die Lehrer fragten ihre Schüler, ob denn die Uhr zu Hause im Fernsehen Punkte oder Striche hätte. Kurze Zeit später bekamen die Eltern der Kinder, die von Strichen berichtet hatten, Besuch von der Stasi. Sie wurden beschuldigt und durch die eigenen Kinder überführt, Westfernsehen zu sehen. Das war, zumindest eine Zeit lang, in der DDR verboten. Anders als die ARD-Uhr hatte die Uhr des Ostfernsehens nämlich Punkte...

Frank Schöbel steigt zum Teenager-Star auf

Es sollten noch Jahre ins Land gehen, bevor Frank Schöbel, der bereits 1964 die Bühnen im Ulbricht-Staat betrat und rasch zum Teenager-Star wurde, den musikalischen Austausch zwischen Ost und West wiederbeleben sollte. "Wie ein Stern" eroberte diesseits und jenseits der Grenzen die Hitparade und Frank Schöbel war der erste DDR-Schlagersänger, der im westdeutschen Fernsehen in der Sendung „Musik aus Studio B“ auftreten durfte. Dabei wollte er dieses Lied zunächst gar nicht singen, da es ihm viel zu schnulzig war. Zudem schien er nur „zweite Wahl" zu sein, da zunächst ein Anderer als Interpret dafür vorgesehen war. Auf dem Notenblatt wurde der Name des ursprünglich vorgesehenen Künstlers etwas schlampig ausradiert, so dass immer noch lesbar war, was zuvor dort geschrieben stand.

Bilderstrecke In der DDR gehört - Coverversionen bundesdeutscher Hits

Plattencover (Foto: SWR, Amiga -)
Bei den deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden siegte 1964 Siw Malmkvist mit "Liebeskummer lohnt sich nicht". Für Amiga sang Helga Brauer, die zur ersten Riege der DDR-Schlagerstars zählte. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Im Original war es echter französischer Charme mit Sacha Distel: "Die Frau mit dem einsamen Herzen". Dem gegenüber stand Harald Eichler, der Mann mit der einschmeichelnden Stimme. Diese erklang erstmals 1958 aus den Lautsprechern. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
1963 war "Rosen haben Dornen" ein Erfolg für Carmela Corren. Ein Jahr später kam die DDR-Fassung mit der Schauspielerin und Sängerin Rose-Marie Heimerdinger auf den Markt. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Ein Titel von Michael Holm: "Lauter schöne Worte", hier in der Interpretation von Günter Geißler. Dieser zählte zu den erfolgreichsten Sängern der DDR. Von ihm stammt die Original-Fassung von "Gitarren klingen leise durch die Nacht", das später erfolgreich von Jimmy Makulis gecovert wurde. 1966 schrieb Günter Geißler für seine Frau ein Liebeslied, das nicht nur "drüben" sehr erfolgreich wurde: "Das schönste Mädchen der Welt". Im Westen feierte Peter Orloff damit einen seiner ersten Erfolge. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Peter Hinnen hatte mit seinen Cowboy-Schlagern incl. Jodeleinlage in der ersten Hälfte der 1960er Jahre grandiosen Erfolg. Die "Siebentausend Rinder" von 1963, hier in der Fassung von Susi Schuster, die auch als "Jodel-Susi" bekannt war. Vor ihrer Zeit im Scheinwerferlicht war sie als Lokmelderin in Zwickau beschäftigt. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Volkmar Böhm war in allen namhaften Fernseh- und Radiosendungen präsent und debütierte 1962 auf Schallplatte. Zwei Jahre später coverte er "Shake Hands" von Drafi Deutscher. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Es geht auch andersrum: Im Westen konnte die Engländerin Helen Shapiro mit der selbstbewussten Feststellung „Ich such’ mir meinen Bräutigam alleine aus“ 1966 punkten. Neu war das Thema nicht, denn die Ost-Fassung von Karin Prohaska war bereits ein Jahr zuvor erschienen. Deren Karriere dauerte leider nur wenige Jahre. Zwischen 1965 und 1969 brachte sie es auf gut 30 Titel, die größtenteils zu Hits wurden. Die Liebe zu einem Diplomaten führte sie dann nach Moskau. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
"Sag’ ihr, ich lass’ sie grüßen" von Udo Jürgens sang in der DDR der Tscheche Richard Adam. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Bevor Rosemarie Ambé in der Schlagerbranche tätig wurde, absolvierte sie eine Gesangsausbildung und war für zwei Jahre Mitglied im Chor an der Deutschen Staatsoper. 1965 erschien ihre erste Schallplatte. Im gleichen Jahr gefiel auch die Heinz Gietz-Komposition "Er hat ein Motorboot". Gitte war die Erstinterpretin. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen
Günter Hapke war zwischen 1960 und 1968 sehr erfolgreich für die Schallplatte tätig. Besonders "A-mi-amore" wurde 1961 zum Hit. Zum weiteren Repertoire zählten auch einige Cover-Aufnahmen, wie z. B. "Der Badewannen-Tango" von Peter Alexander oder "Für Gaby tu’ ich alles" von Gerd Böttcher. Amiga - Bild in Detailansicht öffnen

Die Brückenbauer von Karat

Ganz andere Brücken - im wahrsten Sinne des Wortes - schlug die Band "Karat". Deren Schallplattendebüt erfolgte in der DDR 1978 und ein Jahr später nahmen sie das Lied auf, das so etwas wie eine heimliche Hymne wurde: "Über sieben Brücken musst Du geh’n". Vorlage hierfür war die gleichnamige deutsch-polnische Liebesgeschichte des Leipziger Schriftstellers Helmut Richter, die er 1975 geschrieben hatte. In dieser Erzählung ohne Happy End kehrt in den Gedanken des Mädchens immer diese Zeile wieder, die all ihren Kummer, ihre Hoffnung und Zuversicht ausdrückte.

Dauer

Aus der Zeile wird ein Lied

Zu diesem Zeitpunkt war "Über sieben Brücken musst Du geh’n" nicht mehr als eine Verszeile. Erst nachdem das DDR-Fernsehen Interesse an der Liebesstory zeigte und sie verfilmte, wurde während der Filmproduktion die Idee geboren, ein Lied daraus zu machen. Helmut Richter verfasste den Text und für die Filmmusik konnte der damalige Keyboarder und Komponist der Gruppe "Karat" Ulrich "Ed" Swillms gewonnen werden. Dieser erinnerte sich später, dass er „zwei Wochen auf diesen Text gestarrt hätte, bis er sich auf einmal vertonen ließ“. 1979 kam der Song auf der LP "Albatros" - sowohl in Ost als auch West - in die Geschäfte, so dass das Lied auch diesseits der Mauer bald bekannt wurde. Im selben Jahr erfolgte der erste Auftritt von "Karat" in West-Berlin.

Ost und West und die sieben Brücken

Auch Peter Maffay wurde auf dieses Lied aufmerksam. Er besuchte „Karat“ auf einem Konzert und bat um die Erlaubnis, den Titel aufnehmen zu dürfen. Seine Version erreichte 1980 erstmalig die Charts und konnte sich im Folgejahr bis unter die Top Ten vorarbeiten. Kurze Zeit darauf wurde auch das Original von "Karat" in den Hitparaden der alten Bundesländer notiert. Damit waren sie die erste DDR-Band, der dies gelungen war. 1989 brachte die Wiedervereinigung Ost und West auch musikalisch zusammen: der legendäre Erfolgstitel „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ kam erneut heraus. Diesmal mit Peter Maffay und Herbert Dreilich, dem Sänger der Band "Karat", im Duett - ein wahrhafter Song der Einheit…..

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