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Nicole und Andy Borg waren Debütanten, Nena und Peter Schilling millionenschwere Musikexporte, Vicky Leandros und Peter Maffay sangen für die Umwelt. In den 1980er Jahren gab es heftige Umbrüche in der Musik. Die Spanne reichte vom Schlager über die Neue Deutsche Welle bis hin zum anspruchsvollen Popsong. Wir lassen die kreative Zeit Revue passieren.

Die Schallplatte war plötzlich out, jetzt legte man eine Compact Disc ein und mit dem Walkman war die Lieblingsmusik sogar überall zu hören. Die ersten Computerspiele kamen auf den Markt und beim Zauberwürfel suchten alle mehr oder weniger verzweifelt den richtigen Dreh. Monchichi-Affen gehörten in jedes Kinderzimmer, in den Wohnstuben hielt der Videorekorder Einzug. Er war das Mittel der Wahl, um dem reichen Angebot im Fernsehen folgen zu können.

Die 80er Jahre (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa / Foto: Bernd Thissen)
Der magische Zauberwürfel - das knarzende Geräusch beim Drehen des Würfels wird keiner je vergessen, der in den 1980ern versucht hat, den Würfel zu bezwingen. picture alliance / dpa / Foto: Bernd Thissen

Nena, Andy Borg und Lambada - die besten Cover

Bildergalerie Die besten Cover der 80er Jahre

Plattencover der 80er Jahre (Foto: SWR, Hansa (Coverscan))
Im November 1980 stand „Santa Maria“ mit Roland Kaiser auf Platz 1 der Verkaufhitparade. Die ursprünglich aus Italien stammende Nummer bedeutete für den Sänger den endgültigen Durchbruch. Kurios: Entgegen den sonstigen Üblichkeiten rühmte die Plattenfirma im Begleittext zur Single mit keinem Wort den Künstler - stattdessen erfuhr man Geographisches und Geschichtliches über die 1427 entdeckte Azoren-Insel Santa Maria. Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Ebenfalls damals noch relativ neu im Geschäft: „Dschinghis Khan“. Nachdem die von Ralph Siegel zusammengestellte Truppe 1979 beim in Jerusalem ausgetragenen Grand Prix d’Eurovision den 4. Platz errungen hatte, gehörte das Quartett fortan zum festen Bestandteil des deutschen Schlagergeschäfts. Auch international überzeugte die Gruppe und verbuchte im Ausland große Erfolge. Die Heinrich Heine-Dichtung von der „Loreley“ verhalf den Fünfen im Sommer 1981 zu einem Top Ten-Hit. Im selben Jahr… Jupiter Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
… debütierte eine junge Saarländerin auf dem Plattenmarkt mit „Flieg‘ nicht so hoch, mein kleiner Freund“. Ihr Name: Nicole. Ein Jahr später flog sie selbst ganz hoch und gewann erstmals für den Deutschland den „Grand Prix d’Eurovision de la Chanson“. Ihr Lied „Ein bisschen Frieden“ sprach vielen Menschen aus der Seele und unterstrich die Friedensbewegung gegen die Nato-Nachrüstung. Jupiter Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Altmeister Kurt Feltz war es, der 1981 bei einem ORF-Talentwettbewerb einen jungen Automechaniker entdeckte. Er nahm ihn unter Vertrag und aus Adolf Andreas Meyer wurde Andy Borg. Gleich seine erste Single „Adios Amor“ katapultierte ihn im Spätsommer 1982 auf Platz 1 der Hitparaden. Eine bemerkenswerte Leistung, denn zu dieser Zeit war der deutsche Schlager absolut „out“ und die „Neue Deutsche Welle“… Papagayo (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…“in“. Bereits im Februar 1982 stand die Spider Murphy Gang an der Hitparadenspitze und der „Skandal im Sperrbezirk“ dröhnte aus allen Lautsprechern. Die Telefon-Nummer von „Rosie“ war wohl die bekannteste in der ganzen Bundesrepublik. Die ganze Nation konnte die „Zwounddreißig sechzehn acht“ mühelos aus dem Stegreif mitsingen. Schrill, grell und bunt präsentierten sich die neuen Klänge und die neuen Namen, die … Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…für die nächste Zeit die Musiklandschaft beherrschen sollten. „Völlig losgelöst von der Erde, schwebt das Raumschiff schwerelos“ war zur Jahreswende 1982/83 überall zu hören. Der Stuttgarter Peter Schilling, bekennender Verehrer von David Bowie, erzählte in „Major Tom“ den Bowie-Klassiker „Space Oddity“ aus dem Jahr 1969 nach. Schilling gelang damit diesseits und jenseits des großen Teichs ein Riesenhit. Gleiches galt für… Coverscan (WEA) Bild in Detailansicht öffnen
… Gabriela Susanne Kerner, die als Frontfrau der Band „Nena“ 1982 mit „Nur geträumt“ debütierte. Die Nachfolgesingle „99 Luftballons“ stürmte im März 1983 die Hitparaden - weltweit. Hier im Bild das „International Album“, das sowohl das deutsche Original als auch die englische Version („Ninety-nine red balloons“) enthielt. Darüber hinaus… Coverscan (CBS) Bild in Detailansicht öffnen
… spielte sie die weibliche Hauptrolle in dem Film „Gib Gas - Ich will Spaß“. Ihr Filmpartner war Markus Mörl, der als „Markus“ ebenfalls bis heute im Musikgeschäft tätig ist. „Ich will Spaß“ war einer der erfolgreichsten Hits der „Neuen Deutschen Welle“ und belegte im Sommer 1982 zwei Wochen lang den Hitparaden-Thron. Coverscan (CBS) Bild in Detailansicht öffnen
„Wenn selbst ein Kind nicht mehr lacht wie ein Kind, dann sind wir jenseits von Eden.“ Hierzu schrieb die Plattenfirma: „Zeilen wie diese spiegeln Gefühle, Ängste und Hoffnungen unserer Zeit wieder.“ Die Nummer stammte aus der Feder von Drafi Deutscher und Nino de Angelo landete damit einen seiner größten Hits. Sieben Wochen lang stand die Platte Anfang 1984 auf Platz 1 in den Hitlisten. Coverscan (Polydor) Bild in Detailansicht öffnen
1982 kündigte Howard Carpendale eine schöpferische Pause an und zog sich vom Showgeschäft zurück. Die Fachleute waren sich einig, dass solch eine Entscheidung in dieser durch raschen Wandel gekennzeichneten Branche das Ende der Karriere bedeutet. Das war ein Irrtum, denn die Rückkehr mit „Hello again“ war 1984 triumphal. Das gleichnamige Album folgte und die dazugehörige Tournee mit 40 geplanten Konzerten wurde ein ebenso durchschlagender Erfolg und auf 76 Auftritte ausgedehnt. Coverscan (EMI) Bild in Detailansicht öffnen
Wolfgang Amadeus Mozart als Rockidol - 1985 räumte Falco mit „Rock me Amadeus“ weltweit ab. Nach dem durchschlagenden Erfolg hierzulande kam die Platte weltweit in den Handel. Es ist das erste und bislang einzige deutschsprachige Lied, das sowohl in den amerikanischen als auch in den britischen Charts die Spitzenplatzierung erreichen konnte. Ein weiterer österreichischer Musikimport gehört… Coverscan (Gig Records) Bild in Detailansicht öffnen
…untrennbar zum Erscheinungsbild der 1980er Jahre dazu: Rock-Comedy, Musiktheater oder Kabarett - die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ konnte in keine Schublade eingeordnet werden und stand mit ihrer Kunst ziemlich konkurrenzlos auf weiter Flur. „Ba-Ba-Banküberfall“, „Märchenprinz“, „Heiße Nächte in Palermo“ oder „Küss‘ die Hand, schöne Frau“ - es reihte sich Hit an Hit. „Satire, wie sie sein soll: bitter, hart, böse und schön“ urteilte damals die Presse. Coverscan (Columbia) Bild in Detailansicht öffnen
Im Oktober 1980 gründeten die Musiker Stefan Zauner und Aron Strobel die Band „Münchener Freiheit“, die nach dem gleichnamigen Café in der bayerischen Landeshauptstadt benannt wurde. Der große Durchbruch gelang Anfang 1986 mit „Ohne Dich schlaf‘ ich heut‘ Nacht nicht ein“. Die Platte erreichte in Deutschland den zweiten Platz und in Österreich sowie in der Schweiz sogar die Spitzenposition der Bestsellerlisten. Coverscan (CBS) Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem Sprechgesang „Ich liebe Dich“ gelang „Clowns & Helden“ Anfang 1987 ein großer Hit. Drei Mal hintereinander stand der Song auf Platz 1 der ZDF-Hitparade. Die Platte entstand bereits ein Jahr zuvor und im Text hieß es zuerst „Wir haben ’86…“. Nachdem die Nummer aber erst im Folgejahr richtig durchstartete, erfolgte eine Neuaufnahme mit den Worten „Wir haben ’87…“. Ein echtes One Hit Wonder, denn die Band aus Hamburg-Harburg löste sich kurze Zeit später auf. Ebenfalls ein mehrfacher Sieg… Coverscan (Teldec) Bild in Detailansicht öffnen
…in der ZDF-Hitparade gelang Rainhard Fendrich 1988 mit „Macho Macho“. Bis heute ist dieser Song einer seiner bekanntesten Stücke und wird vom Publikum in den Konzerten textsicher mitgesungen. Fendrich gelang damit der kommerzielle Durchbruch. Das Lied, das übrigens keinem Album entnommen wurde sondern seinerzeit nur als Single erschien, erreichte in Deutschland Platz 3 der Charts. Auf der B-Seite der Platte sang er die Nummer in spanischer Sprache. Coverscan (Polydor) Bild in Detailansicht öffnen
In den 1980er Jahren startete auch die Karriere von Claudia Jung. 1986 debütierte sie mit „Immer wieder eine Handvoll Zärtlichkeit“ und binnen kurzer Zeit zählte sie zu den erfolgreichsten Schlagersängerinnen in Deutschland. „Stumme Signale“ war einer ihrer Hits von 1989. Das Lied läuft bis heute regelmäßig im Radio. Die Single erschien übrigens auf grünem Vinyl - ebenfalls eine Modeerscheinung dieser Zeit. Coverscan (Intercord) Bild in Detailansicht öffnen
Kein klassischer Schlagerhit, aber ein Hit „Made in Germany“ allemal. Mit „You’re my heart, you’re my soul“ begann 1984 die beispiellose Erfolgsgeschichte des Duos „Modern Talking“. Dieter Bohlen und Thomas Anders standen für eingängige Melodien, die sich wie warme Semmeln verkauften - weltweit rund 120 Millionen Mal. Die Kritiker schmähten die Musik, aber dem Publikum gefiels. Die Umsätze und zahlreiche Auszeichnungen belegen dies eindeutig. Coverscan (Hansa) Bild in Detailansicht öffnen
Nicht nur ganz Deutschland, sondern die ganze Welt sang und pfiff 1988 „Don’t worry, be happy“. Der simple, in lockere Karibik-Rhythmen verpackte Song von Bobby McFerrin war der Ohrwurm schlechthin. Die Nummer war eine „One Man Show“, denn alles, was auf der Platte zu hören war, egal, ob es sich um Percussion, Basstupfer oder Bläsersoli handelte, entstammte seinem Mund, seinen Stimmbändern. Coverscan (Electrola) Bild in Detailansicht öffnen
Es war der Sommerhit des Jahres 1989 und löste eine ganze Tanzwelle aus, welche die Tanzschulen kaum bewältigen konnten. Alle wollten die erotisch-lasziven Schritte des „Lambada“ erlernen. Die international besetzte Gruppe „Kaoma“ konnte damit in zahlreichen Ländern die Hitparaden stürmen. In Deutschland stand die Nummer zehn Wochen auf Platz 1. Wie das Plattencover verrät, liegt der Ursprung dieses Tanzfiebers in Frankreich. „Lambada“ wurde in Paris im Rahmen eines Musikfestivals vorgestellt. Coverscan (CBS) Bild in Detailansicht öffnen
Aus alt mach‘ neu: schon 1978 drehte sich „Looking for freedom“ gesungen von Marc Seaberg auf den Plattentellern und Tony Marshall brachte mit „Auf der Straße nach Süden“ eine deutsche Cover-Version davon heraus. Rund zehn Jahre später erschien eine Neuaufnahme mit David Hasselhoff. Diese kam genau zur rechten Zeit, denn im Zusammenhang mit dem Fall der Berliner Mauer galt sie als eine Art Freiheitshymne. Die Platte war 1989 die meistverkaufte Single in Deutschland und in der Schweiz. Coverscan (White Records) Bild in Detailansicht öffnen

Schimmi und „Tutti Frutti“


„Wetten, dass…?“ feierte im Fernsehen Premiere, ebenso wie „Schimanski“. Deutschland befand sich im Serienfieber: „Dallas“, „Denver“, „Magnum“ oder „Miami Vice“ aus Amerika fesselten die Zuschauer. Wer’s gemütlicher mochte, schaute „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Lindenstraße“ aus einheimischer Produktion. ARD und ZDF bekamen ab 1984 Konkurrenz durch das Privatfernsehen. Damit gingen völlig neue Sendeformate einher. „Glücksrad“ und „Tutti Frutti“ waren in aller Munde.

Der Schlager wird politisch

Aus dem Radio klangen nur noch selten die fröhlichen Mitklatsch-Schlager des vergangenen Jahrzehnts. Jetzt hörte man Madonna und Michael Jackson. Wer national Anfang der 1980er Jahre Erfolg haben wollte, konnte am ehesten noch mit balladesken Liedern punkten. Das hatte auch mit der Stimmung der Bevölkerung zu tun, denn die angespannte weltpolitische Lage (NATO-Doppelbeschluss, Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan, Krieg zwischen Iran und Irak) bereitete Sorgen.

Schrill, grell, bunt: NDW

Ein Kontrapunkt zu diesem nachdenklich-melancholischen Musikstil war die „Neue Deutsche Welle". Sie kam zu Beginn der 1980er Jahre auf und hatte ihren Ursprung in der britischen Punk- und New Wave-Bewegung. Die „NDW“ kam schrill, grell und bunt daher, präsentierte neue Klänge und neue Namen. Für die einen war es einfach nur schräg und abgefahren, für andere der Aufbruch zu neuen Ufern.

Die 80er Jahre (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Willy Schöttner)
Nena war ein Shooting-Star der 80er Jahre, die auch international Beachtung fand picture alliance / Willy Schöttner

„Leicht rockorientiert“


„Bärchen und die Milchbubis“, „Mittagspause“ oder „Die Atlantikschwimmer“ - viele dieser teils lustigen Namen aus jener Zeit sind längst Schall und Rauch. Andere hingegen haben diese Mode überlebt und sind bis heute erfolgreich. Dazu zählen beispielsweise Nena und Markus, aber auch die Münchener Freiheit. Deren erste Alben waren noch stark vom Einfluss der „Neuen Deutschen Welle“ geprägt: „Weder Fisch noch Fleisch, Schlagertexte zu seichter, leicht rockorientierter Musik“, so urteilte die Presse damals.


Doch bereits 1984 hatte sich die Band weiterentwickelt und landete mit „Oh Baby“ den ersten Hitparadenerfolg. Zwei Jahre später dann kam mit „Ohne Dich schlaf‘ ich heut‘ Nacht nicht ein“ und rund 600.000 verkauften Singles der Durchbruch. Die „Neue Deutsche Welle“ wirkte nach: Sie hatte das Publikum gegenüber der Rock- und Popmusik offener werden lassen. Immer mehr Mainstream-Hörer interessierten sich für poppige und eingängige Melodien mit anspruchsvollen Texten.

Udo Lindenberg wird 1983 in der DDR vor dem Palast der Republik von Fans umringt (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa -)
Fans umringen Udo Lindenberg 1983 bei seiner Ankunft vor dem Palast der Republik. Sein erstes und einziges Konzert in der DDR wird von der FDJ unter dem Motto "Für den Frieden der Welt - Weg mit dem NATO-Doppelbeschluss" organisiert. picture-alliance / dpa -

Mut zu nachdenklichen Tönen

Ob Politik oder Umwelt, die Inhalte waren ernsthafter geworden. Vicky Leandros, die in den 70er Jahren noch der Langeweile auf dem Land entfliehen und mit ihrem Theo nach Lodz wollte, sorgte sich nun um Gift auf den Feldern und um Betonwüsten statt Flora und Fauna. Zurück ins „Verlorene Paradies“ traf damit den Nerv der Zeit. Mit Udo Jürgens und Peter Maffay stimmten weiter namhafte Künstler in diese nachdenklichen Töne ein. Beim einen war es „Fünf Minuten vor zwölf“, der andere sang von der „Eiszeit“.

Akio Morita - Sony-Chef mit einem Walkman - 1982 (Foto: SWR)
Akito Morita, der Sony-Firmenchef mit einem Walkman - 1982

Singen für Spenden

Peter Maffay zeigte weiteres gesellschaftspolitisches Engagement. Er war bei einem Projekt dabei, das 1985 Spendengelder für Afrika sammelte. Die „Band für Afrika“, entstanden nach dem britischen Vorbild „Band Aid“, nahm die Single „Nackt im Wind“ auf und von jeder verkauften Platte wurden 2 Mark als Spende abgeführt. Die Liste der Mitwirkenden war lang und reichte von Juliane Werding, Gitte, Herbert Grönemeyer bis zu Udo Lindenberg, Klaus Lage, Trio und Wolf Maahn.

Dauer

Mit Musik gegen Atomkraft

Rockmusiker Wolf Maahn führte dann gleich ein Jahr später viele Künstler aus ebenfalls aktuellem Anlass zusammen. In der Folge der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl entbrannte bundesweit die Diskussionen über das Ausmaß der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln und die Anzahl der Kernkraftgegner stieg deutlich an. Musiker wie u. a. Anne Haigis oder Wolfgang Niedecken leisteten einen Beitrag zum gewaltfreien Widerstand gegen Atomkraft und mahnten mit der Platte „Tschernobyl - das letzte Signal“.  

Die 80er Jahre (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Northcliffe Collection)
Helden und Gehetzte der 80er Jahre - die königliche Familie um den Prinzen von Wales und Prinzessin Diana, Prinz Harry und William beim Urlauben in Venedig picture alliance / Northcliffe Collection

Romantik ohne Herz-Schmerz

Optimismus und Lebensfreude waren in dieser politisch und soziologisch brisanten Zeit verständliche Wünsche. Auch hierzu gab es die passende musikalische Untermalung, denn nach dem Abflauen der „Neuen Deutschen Welle“ kehrte in die deutsche Musik auch wieder die Romantik ein. Doch mit „Herz-Schmerz“ vergangener Jahre hatte dies nichts mehr zu tun. Die Grenzen zwischen deutschem Schlager und der Popmusik hatten sich zwischenzeitlich fast vollständig aufgelöst. Deutsche Produktionen waren moderner geworden. In dieser Zeit entstanden viele Klassiker, etwa von Howard Carpendale oder Roland Kaiser. Deutschpop“ war „in“, war massen- und kassentauglich.

Zum Ende des Jahrzehnts präsentierte sich auch die Volksmusik in einem zeitgemäßen Gewand und konnte so neues Publikum gewinnen. Karrieren von Anita & Alexandra Hofmann, damals noch als Geschwister Hofmann unterwegs, oder von Patrick Lindner fanden in diesem Zusammenhang ihren Anfang. Unterstrichen wurde dieser Boom von Wettbewerben wie dem 1986 ins Leben gerufenen „Grand Prix der Volksmusik“.

Sehnsucht nach „ein bisschen Frieden“

Apropos Grand Prix: Zu einem ganz besonderen Highlight der 1980er Jahre zählt bis heute der 24. April 1982. An jenem Abend wurde in Harrogate der jährliche Eurovisionswettbewerb ausgetragen. Als letzte Teilnehmerin ging die junge Saarländerin Nicole für Deutschland ins Rennen. Die langen, blonden Haare engelhaft gebürstet, ein schwarzes Kleid und eine weiße Gitarre, so saß sie auf einem Hocker und gab dem Wunsch nach „Ein bisschen Frieden“ Ausdruck. Die Botschaft war in der ganzen Welt angekommen und wurde mit insgesamt 161 Punkten belohnt. Deutschland hatte damit erstmals den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson gewonnen.

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