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Kluge Menschen haben es ausgerechnet: 1970 gingen genau 2.158.679 Minuten Musik über die deutschen Sender. Das war der Auftakt zu einem musikalischen Jahrzehnt, in dem der Schlager sozialkritisch wurde, der „Jesus Pop“ Kultstatus erreichte und ein Quartett aus Schweden zu Weltruhm kam.

Die Beatles lösten sich auf, Daliah Lavi, Peter Maffay und die Gruppe Queen waren die neuen Namen im Musikgeschäft. Nach dem Abflauen der Beat-Welle und den Hippie-Songs hatte „Jesus Pop“ weltweite Erfolge. George Harrison sang „My sweet Lord“, die Les Humphries-Singers klatschten zu „Rock my soul“ und in Deutschland gelang Bruce Low mit der Geschichte von „Noah“ ein Comeback.

Angesagte Musik der 70er Jahre

Plattencover der 70er Jahre (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
Bereits im Juli 1969 fand die Uraufführung des Films „Unser Doktor ist der Beste“ statt, über den „Der Spiegel“ urteilte: „Klinik-Klamotte, in dem Roy Black auch singen darf“. „Dein schönstes Geschenk“ war im doppelten Sinn der Schlager des Films, denn die Single belegte 1970 insgesamt 9 Wochen den 1. Platz in den Hitparaden. Ganze sechs Wochen länger… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…hielt sich dort die Adaption der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Der Spanier Miguel Rios bekam 1970 das Angebot, zum 200. Geburtstag des Komponisten eine verpoppte Version davon zu singen. Der argentinische Orchesterchef Waldo de los Rios arrangierte „Freude, schöner Götterfunken“ im Stil von James Last neu und mit dieser aufgefrischten Fassung gelang ein Welthit. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Als der Mann mit der Gitarre und dem Schlapphut 1971 in Deutschland debütierte, war er in seiner Heimat längst etabliert. Danyel Gérard hatte in Frankreich schon seit Ende der 1950er Jahre Platten veröffentlicht. Der größte Erfolg gelang ihm mit „Butterfly“. In vielen Ländern eroberte die Platte die Top Ten der Hitlisten. Allein in Deutschland rangierte der Song 15 Wochen lang auf Platz 1. Den deutschen Text schrieb übrigens ein gewisser Ben Juris, besser bekannt als Jean Frankfurter. CBS (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das holländische Duo „Mouth & McNeal“ hatte 1972 mit „How do you do“ einen Riesenhit. Ehe sie eine deutsche Version davon aufnehmen konnten, hatte eine deutsche Plattenfirma rasch ein eigenes Duo zusammengestellt. Hinter „The Windows“ verbargen sich Jeannie McKinnley und Peter Petrel, der hier die ersten Schritte im Business unternahm. Damit es ordentlich in der Kasse klingelte, nahmen die beiden auch gleich eine englische Version auf. 8 Wochen standen „The Windows“ auf Platz 1 der Hitparade. Golden 12 (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Cindy & Bert“ waren das erfolgsreichste Schlager-Duo der 1970er Jahre. Viele ihre Lieder besitzen Evergreen-Status. „Immer wieder sonntags“ war einer der großen Hits des Jahres 1973. Die beiden Saarländer legten nach: „Aber am Abend, da spielt der Zigeuner“, „Spaniens Gitarren“ oder „Wenn die Rosen erblühen in Malaga“. 1974 vertraten sie Deutschland beim Grand Prix d’Eurovision mit der „Sommermelodie“ - glücklos. Abba siegte und „Cindy & Bert“ waren das Schlusslicht. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Bevor er 1970 seine erste Schallplatte auf den Markt brachte, hatte Jürgen Marcus schon als Hauptdarsteller im Musical „Hair“ erste Erfolge gefeiert. Bis zum Durchbruch als Plattenstar zogen jedoch noch zwei Jahre ins Land. Das gelang 1972 mit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ aus der Feder von Jack White. Hits folgten wie am Fließband, darunter „Ein Festival der Liebe“ oder „Schmetterlinge können nicht weinen“. Telefunken (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Er war die Entdeckung des SWF-Talentschuppens bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin im Jahr 1971. Zwei Jahre später landete Bernd Clüver mit „Der Junge mit der Mundharmonika“ einen Millionenhit und war 1973 auf allen deutschen Hitparaden auf Platz 1. Er nahm den Titel in mehreren Sprachen auf. Es existiert eine französische Version und seine englischsprachige Fassung erschien sogar auf dem japanischen und afrikanischen Markt. Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S.“ war der Titel der 63. Folge der Krimiserie „Der Kommissar“, die im September 1973 im Fernsehen gezeigt wurde. Darin war im Hintergrund mehrmals das Lied „I’d love you to want me“ zu hören. Am Tag nach der Ausstrahlung begann ein Ansturm auf die Geschäfte, alle wollten die Platte kaufen. Lobo, Komponist und Interpret in Personalunion, konnte sich freuen - es war der Hit des Jahres 1973 und stand 13 Wochen auf dem 1. Platz der Hitparaden. Philips (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der Produzent Ralph Siegel brachte frischen Wind in die Karriere von Chris Roberts. Ihr erstes gemeinsames Produkt ging sofort durch die Decke: „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ wurde für Chris Roberts das Lied seines Lebens. Die Nummer stand Anfang 1974 zwölf Wochen hoch in den Hitlisten. Im Herbst folgte der nächste große Wurf mit „Ich mach‘ ein glückliches Mädchen aus Dir“. Glücklich war gewiss auch… Jupiter Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…Gitte, die sich 1974 im Fernsehen erstmals in einer Personality-Show präsentieren konnte. In der Sendung „Begegnung mit Gitte“ waren als Gäste u. a. Rex Gildo und Hugo Strasser mit dabei. Außerdem erreichte sie nach genau zehn Jahren mit „Ich hab‘ die Liebe verspielt in Monte Carlo“ erstmals wieder die Top Ten. Radio Luxemburg zeichnete sie dafür mit dem „Goldenen Löwen“ und der Saarländische Rundfunk mit der „Goldenen Europa“ aus. EMI Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die George Baker Selection erreichte mit „Paloma Blanca“ 1975 den 1. Platz der Charts in Deutschland und Holland. Der Ohrwurm zog durch die ganze Welt. Inzwischen sollen rund 300 Cover-Versionen existieren. „Das Lied handelt von einem armen, südamerikanischen Bauern, der den ganzen Tag hart arbeitet und dann an einem Baum sitzt und davon träumt, ein weißer Vogel in Freiheit zu sein“ erklärte George Baker. Die gleichnamige Langspielplatte erschien im aufwändig gestalteten, aufklappbaren Cover. Warner (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit „Griechischer Wein“ gelang Udo Jürgens 1974 der Hit des Jahres, der im Ausland ebenso erfolgreich war. In Griechenland wurde es unter dem Titel „Kerna Krassi“ zu einem Art Volkslied. Auf Einladung seiner Regierung empfing Griechenlands Ministerpräsident Karamanlis Udo Jürgens, dessen Manager Hans R. Beierlein und den Texter Michael Kunze in Athen, um ihnen für die emotionale Ausdrucksweise der Empfindungen griechischer Gastarbeiter zu danken. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
In England sah es aus, als ob es sich bei „Abba“ um ein One Hit Wonder handelte. Nach „Waterloo“ vergingen dort rund 18 Monate, bis „S.O.S.“ die Gruppe 1975 wieder in die Top Ten zurückbrachte. Bei uns belegte der musikalische Notruf sieben Wochen lang Platz 1. Bei einer Begegnung in New York machte Pete Townshend („The Who“) Björn ein Kompliment: „S.O.S. ist einer der besten Popsongs, die jemals geschrieben worden sind.“ Frida hingegen bezeichnete den Song später als „ziemlich uninteressant“. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die holländische Gruppe „Pussycat“ bestand aus den Schwestern Betty, Marianne und Toni Kowalczyk und vier Begleitmusikern. Mit ihrem Debüt "Mississippi", das ihr Freund Walter Theunissen der Gruppe eigens auf den Leib geschrieben hatte, gelang innerhalb kurzer Zeit ein Nummer 1-Hit in den Benelux-Ländern. Nach einem Auftritt im „Musikladen“ war auch das deutsche Publikum begeistert. „Mississippi“ wurde 1976 zu einem weltweiten Hit, der sogar in Brasilien und Israel hoch in den Charts stand. EMI Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Das ist die Nummer, auf die ich immer gewartet habe“, sagte Jürgen Drews zu dem Hit „Let your love flow“ der Bellamy Brothers. Sprachs und ging mit seinem Produzenten Werner Schüler ins Studio, nachdem Michael Kunze die Textzeile „Ein Bett im Kornfeld“ eingefallen war. Der Song wurde zum Sommerhit des Jahres 1976, der u. a. zweieinhalb Monate lang die Spitze der Hitparade von Radio Luxemburg belegte. Warner (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der Textilkaufmann und Modedesigner Peter Knigge hat 1974 unter seinem bürgerlichen Namen seine erste Single herausgebracht. „Gewonnen“, so der Titel der Platte, hat er allerdings erst unter dem Künstlernamen Tony Holiday. 1977 gelang ihm mit „Tanze Samba mit mir“ der Durchbruch. Die von ihm getextete deutsche Version des Raffaella Carra-Hits „A far l'amore comincia tu“ ist heute ein Evergreen. Nicht Samba sondern Flamenco tanzten… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…Maria Mendiola und Mayte Mateos auf Fuerteventura für Touristen und sangen dazu Folklore. Der Geschäftsführer einer großen Plattenfirma wurde auf sie aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. Das Duo „Baccara“, wie sie sich nun nannten, stand 1977 in zahlreichen Ländern mit „Yes Sir, I can Boogie“ auf Platz 1 der Hitparaden. Die Nummer gilt als einer der größten Disco-Songs und als eine der meist verkauften Singles aller Zeiten. Rund 18 Millionen Exemplare gingen über die Ladentische. RCA (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der Holländer Pierre Kartner schrieb Lieder wie „Die kleine Kneipe“ oder „Kleine Fische werden groß“. Groß raus kam er allerdings als Vader Abraham mit seinen Schlümpfen. 1978 sangen Jung und Alt „‘T Smurfenlied“, wie es im Original heißt. Schlumpf-Alarm war auch in Berlin bei der „ZDF-Hitparade“ angesagt. Beim Auftritt klauten die blauen Racker Dieter Thomas Heck die Brille, zerzausten sein Haar und stellten einen Rekord auf: Insgesamt sechsmal hintereinander stand die Nummer dort auf Platz 1. Philips (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Lied „Rivers of Babylon“, dem ein Bibeltext des Alten Testaments zugrunde liegt, erschien erstmals 1970. Das Original der jamaikanischen Gruppe „The Melodians“ erlangte lediglich auf Jamaika und in Großbritannien größere Popularität. 1978 griff Frank Farian den Titel auf, ließ Boney M. den Psalm über das Schicksal der Kinder Israels singen und ein weltweiter Hit gelang. In Deutschland stand die Single sagenhafte 17 Wochen lang auf dem 1. Platz der Hitparade. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit seiner Sangespartnerin Uschi (Peysang) landete Hans Blum alias Henry Valentino einen Dauerbrenner: „Im Wagen vor mir“ fiel ihm auf einer Autofahrt von Bremen nach Köln ein. Ideen-Lieferant war eine junge Dame, die mit ihrer „Ente“ bis Münster vor ihm herfuhr. Insgesamt acht Monate konnte sich der Titel 1978 in den Top 50 behaupten. Chrystal (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1979 veröffentlichte Peter Maffay sein richtungsweisendes Album „Steppenwolf“, mit dem er seinen endgültigen Durchbruch als Rockmusiker schaffte. Dr. Bernd Meinunger und Volker Lechtenbrink steuerten die Texte bei und sowohl das Album als auch die Single-Auskopplung „So bist Du“ standen auf Platz 1 der Hitparaden. Dafür regnete es einmal mehr Gold und Platin. Außerdem erhielt die Produktion den „Deutschen Schallplattenpreis“. Teldec (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die 1970er Jahre brachten Michael Holm riesige Erfolge im In- und Ausland, ob zusammen mit Giorgio Moroder als „Spinach“, als New Age-Formation „Cusco“ oder als Produzent von Peggy March und Mary Roos, um nur wenige zu nennen. Viele seiner eigenen Platten erreichten Kultstatus, wie z. B. „Tränen lügen nicht“, „Wart‘ auf mich“ oder „Musst Du jetzt grade gehen, Lucille“. Das Jahrzehnt fand mit der deutschen Version des Boney M.-Hits „El Lute“ einen würdigen Abschluss. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Kritische Töne

Der Schlager zeigte sich nun sozialkritisch und umweltbewusst. Damit diese Themen beim breiten Publikum Gehör fanden, stimmten auch namhafte Showgrößen mit ein. Udo Jürgens sang für die ARD-Fernsehlotterie „Zeig‘ mir den Platz an der Sonne“, Peter Alexander wies auf einen Menschen hin, den man nicht fortschicken soll und Katja Ebstein beklagte rauchende Schlote und ölverdreckte Strände in „Diese Welt“.

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Klaus Rose)
Angst vor dem Abstieg - in den 1970er Jahre machten die Gewerkschaften mobil. 1975 gab es erstmals wieder über eine Millionen Arbeitssuchende in Deutschland picture alliance / Klaus Rose

Beim Grand Prix vorne dabei

Mit ihrem Umweltsong erreichte Ebstein 1971 beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson für Deutschland sogar den 3. Platz. Dieses Ergebnis war der Interpretin bereits ein Jahr zuvor mit „Wunder gibt es immer wieder“ gelungen. Somit hatte sie es geschafft, dass Deutschland erstmals nennenswerte Meriten bei diesem Wettbewerb verdienen konnte.

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / United Archives / IFTN)
Das Filmmusical "Hair" von Milos Forman griff Themen wie sexuelle Freizügigkeit und Anti-Vietnamkrieg-Proteste auf... picture alliance / United Archives / IFTN

Erfolgreiches Waterloo

Von gleicher Showbühne aus trat 1974 die schwedische Popgruppe Abba ihren weltweiten Siegeszug an. War „Waterloo“ für Napoleon der Niedergang, für die vier Schweden war es der Aufstieg in den Musikolymp. Mit aufwendig produzierter Musik und einer perfekten Bühnenshow prägte das Quartett fortan die Popmusik, auch weit über dieses Jahrzehnt hinaus.

So bunt wie die Auftritte von Abba zeigte sich die Mode der 1970er Jahre. Schrille Farben und krasse Muster waren en vogue, Schlaghosen und Plateauschuhe der letzte Schrei. Die Damen trugen Hotpants und lange Wimpern, die Herren breite Krawatten, Koteletten und Schnauzer. Der absolute Schuh-Kult waren Clogs, die Unisex-Pantoffeln mit klackerndem Holzabsatz.

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Klaus Heiner)
Die Ölkrise 1973 führte zu autofreien Sonntagen und zu der Erkenntnis, dass die "Grenzen des Wachstums" möglicherweise erreicht seien. Das Leitthema der endlichen Ressourcen begann in diesem Jahrzehnt. picture alliance / Klaus Heiner

Ölkrise im Schlager

Ganz geräuschlos ging es im November 1973 hierzulande auf den Straßen zu. Im Zuge der Ölkrise musste das Auto an vier Sonntagen in der Garage bleiben, was man prompt zum Thema im Schlager machte. „Es ist kein Benzin mehr da, kein Führerschein ist in Gefahr“ sang der Saarländer Eddy März, dem damit aber kein nachhaltiger Erfolg gelang.

Ein Ehepaar als Erfolgsduo

Viel besser lief es hingegen für seine Landsleute Cindy & Bert. Das Ehepaar aus Völklingen avancierte zum populärsten Schlagerduo der 1970er Jahre. Mit Hits wie „Immer wieder sonntags“, „Spaniens Gitarren“ oder „Wenn die Rosen erblühen in Malaga“ war das Paar Dauergast im Fernsehen. Hier gehörte neben der ZDF-Hitparade ab 1971 auch die Sendung „Disco“ zum samstäglichen Familienprogramm der Musikfans.

Dauer

Skandalträchtige Show

Nicht immer familientauglich war die von Vivi Bach und Dietmar Schönherr moderierte Eurovisions-Spielshow „Wünsch‘ Dir was“, die für manchen Skandal sorgte und die Fernseh-Nation spaltete. Beispielsweise, wenn es die Kandidaten fast nicht schafften, sich aus einem unter Wasser versenkten Auto zu befreien oder eine 17jährige Schülerin in durchsichtiger Bluse vor die Kamera trat.

Der sich die Miezekatze wünschte

Ohne Skandale kamen das Schnelldenkerspiel „Dalli Dalli“ mit Hans Rosenthal und „Der große Preis“ von Wim Thoelke aus. Für dieses Ratespiel zugunsten der Aktion Sorgenkind hatte Loriot mit dem „Blauen Klaus“, dem Elefanten „Wendelin“ und dem Hund „Wum“ drei publikumswirksame Maskottchen erfunden. Letzterer ging sogar unter die Plattenstars und wünschte sich „eine kleine Miezekatze.“

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa / Goebel)
Krimiboom - die TV-Serie "Derrick" (mit Horst Tappert und Fritz Wepper) begann 1974 und fand erst 1997 ein Ende. picture alliance / dpa / Goebel

Im Fernsehen ermittelte jetzt nicht mehr nur Erik Ode. Konkurrenz bekam „der Kommissar“ von „Colombo“ oder Telly Savalas alias „Kojak.“ Mit „Polizeiruf 110“ in der damaligen DDR und dem „Tatort“ auf dem westdeutschen Bildschirm starteten zwei Krimiserien, die bis heute im Programm sind.

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Gerhard Rauchwetter)
Der Wohlstandsspeck der Deutschen muss wieder weg: Schlagersänger Chris Roberts (r) beim Trimmen in einem Schwimmbad in München 1972 - stark ist auch der fliederfarbene Trainingsanzug picture alliance / Gerhard Rauchwetter

Trimmen und tanzen

Wer der Glotze überdrüssig wurde, konnte sich der „Trimm Dich“-Bewegung des Deutschen Sportbunds anschließen. Rudi Carrell war ganz am Puls der Zeit und sang „Trimm‘ Dich und halte Dich fit“, womit ihm allerdings kein nennenswerter Hit gelang. Seine Show „Am laufenden Band“ hingegen gehörte in den 70ern zu den absoluten Straßenfegern. Für die Fitness im Alltag machte sich auch Max Greger stark: 1973 brachte er „die gesündeste Platte des Jahres“ unter dem Motto „Trimm‘ und tanz‘ Dich fit“ auf den Markt. Das Konzept schlug ein, so dass es nicht bei dieser einen Gymnastikplatte blieb.

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / UPI)
Stilwechsel im Fußball: Paul Breitner (links), politisch engagierter Star und der extravaganter Günter Netzer stehen für einen neuen selbstbewussten Typ Fußballer in den 1970er Jahren. picture alliance / UPI

Singen als Mannschaftssport

Auch Orchesterleiter Kurt Edelhagen verknüpfte damals Sport und Musik sehr erfolgreich. Im Auftrag des Nationalen Olympischen Komitees gestaltete er die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München mit neu und poppig arrangierten Weisen aus aller Welt. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 fieberten dann Freddy Quinn und die Fischer-Chöre dem „großen Spiel“ musikalisch entgegen. Die Mannschaft um Bundestrainer Helmut Schön schmetterte vereint „Fußball ist unser Leben“, was nach dem erfolgreichen Endspiel durchweg zutraf.

Blütezeit des Disco-Sounds

Zwischen 1976 und 1979 ging dann gar nichts ohne Disco-Musik. Hier war Giorgio Moroder mit seinem Munich-Sound tonangebend. Den Erfolg hatte auch Frank Farian gepachtet, der die Gruppe „Boney M.“ aus der Taufe hob. Das Quartett räumte weltweit mit „Daddy Cool“, „Belfast“ oder „Rivers of Babylon“ ab. Mit dem Tanzfilm „Saturday Night Fever“ kam 1977 die Disco-Musik auch auf die Leinwand und der Soundtrack verhalf den Bee Gees zu einem grandiosen Comeback.

Die 1970er Jahre  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Klaus Rose)
Gut gelaunte Genossen - die beiden SPD-Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt prägten die 1970er Jahre picture alliance / Klaus Rose

Wie die Gruppe, so der Hit

Ein Comeback erlebte auch der Mongolenherrscher Dschinghis Khan. Anlässlich des Grand Prix 1979 schrieb Ralph Siegel über ihn einen fetzigen Hit und stellte eine gleichnamige bunte Truppe zusammen, die in passender Kostümierung über die Bühne wirbelte. Damit sprach er Popliebhaber, Discogänger und Schlagerfreunde gleichermaßen an. Dies gelang rund um den Globus, was der 4. Platz beim internationalen Wettbewerb belegte.

Der Schlager „blödelt“

An der Schwelle zum neuen Jahrzehnt standen im deutschen Schlager unter anderem Howard Carpendale, Roland Kaiser oder Bernhard Brink hoch im Kurs. Dazu verzeichnete der Plattenmarkt eine bis dahin nicht gekannte Flut an „Blödelsongs“ mit Mike Krüger, Gottlieb Wendehals und Didi Hallervorden als bekannteste Interpreten. Somit war schon in Ansätzen herauszuhören, was dann in den 80er Jahren als „Neue Deutsche Welle“ über den Musikmarkt hereinschwappen sollte.

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