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Der Rock’n’Roll geriet ins Abseits, Fernweh und andere Sehnsüchte hatten es schwer im Schlager. Twist und Beat bestimmten den Takt der Zeit. Die Zeichen standen auf Veränderungen.

Elvis Presley schnürte seinen Seesack und trat die Heimreise an, Marlene Dietrich hingegen kehrte erstmals wieder in die Heimat zurück und schaute nach ihrem Koffer in Berlin. Rund 45 Millionen Schallplatten wurden im Jahr 1960 allein in den USA verkauft und mit Lolita hatte ganz überraschend eine deutsche Interpretin mit einem deutschen Lied wesentlichen Anteil daran.

So waren die 60er Jahre

Plattencover der 60er Jahre (Foto: SWR, Ariola (Coverscan))
Die Brüder Jan & Kjeld aus Dänemark waren mit ihren Banjos eine Ausnahmeerscheinung auf dem Musikmarkt. Mit ihrem Markenzeichen "Banjo Boy" nahmen sie 1960 die Spitze der Hitparade ein. Insgesamt war die Platte 40 Wochen lang in den Bestsellerlisten notiert. Über eine Million Exemplare der Single gingen über die Ladentische, was die Auszeichnung mit einer "Goldenen Schallplatte" nach sich zog. Ebenfalls so lang hielt sich... Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
...Lolita mit "Seemann, Deine Heimat ist das Meer" in den Charts und erreichte den 2. Platz. Der Erfolg war Motor für die Entscheidung, den Titel in Übersee für die deutschsprachigen Minderheiten in Amerika zu veröffentlichen. Dort gelang ihr ebenfalls ein sensationeller Hit und arbeitete sich bis auf Platz 5 in den Billboard Charts vor. Seit 1945 war sie die einzige deutschsprachige Sängerin, der eine solch grandiose Platzierung gelang. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Werbeplakat einer Zigarettenmarke namens "Marina" inspirierte Rocco Granata für diesen Welthit. Bald nach Erscheinen der Platte sangen Klein und Groß das Lied, das sich weltweit millionenfach verkaufte. Das Fachblatt "Musikmarkt" schrieb: "Der größte Erfolg des Jahres 1960. Die Electrola meldet allein für die Originalfassung 1.050.264 verkaufte Platten. Haus-Kollege Will Brandes verkaufte mit der deutschen Version weitere 500.000 Exemplare." Columbia (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Da klingt eine Stimme aus Griechenland zu uns herüber, die ungewöhnlich ist: ein wenig traurig, verhalten in der Leidenschaft, ein dunkelgetönter Traum - und doch so lebensverliebt, wie sich eine junge Frau aus dem klassischen Athen nur geben kann" stand auf der Cover-Rückseite ihrer deutschen Debüt-Single "Weiße Rosen aus Athen" zu lesen. Zehn Wochen lang stand Nana Mouskouri 1961 damit auf Platz 1 der Hitparade. Fontana (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit einem alten Filmschlager aus dem Jahr 1928 landeten die Brüder Rudy und Riem de Wolff, besser bekannt als "Blue Diamonds", 42 Jahre später einen internationalen Hit. Zuerst stürmte "Ramona" in Holland die Hitparaden, dann folgte Deutschland. Im November 1960 stand die Platte bei uns auf Platz 1 - elf Wochen lang in Folge. Die englische Version stand in den USA in den Billboard Charts und die spanische Fassung war in Südamerika ein Renner. Fontana (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Yeah Yeah Yeah" - die "Beatles" brachten die komplette Musiklandschaft durcheinander und beanspruchten weltweit die vordersten Plätze der Hitparaden. Die erste Single der vier Pilzköpfe aus Liverpool stand 1962 in den Geschäften. Während "Love me do" hierzulande noch wenig Beachtung fand, sah es wenige Monate schon ganz anders aus. Mit "Twist and shout" erreichte die Band 1963 den 4. Platz und im Januar 1964 gelang mit "I want to hold your hand" in Deutschland der erste Spitzenreiter. Parlophone (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
In Italien gehörte Mina seit 1960 zur Elite der Unterhaltungsstars. Der Produzent Gerhard Mendelson holte die erfolgreiche Sängerin nach Deutschland und nahm mit ihr einige Titel auf. Am 12. März 1962 war sie in der Fernseh-Show "Herzlichst, Ihr Peter Kraus" mit dem Lied "Heißer Sand" zu Gast. Auf Anhieb hatte sie das Publikum für sich erobert und innerhalb von nur vier Monaten waren 500.000 Exemplare der Platte verkauft. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Oktober 1962 stand Freddy Quinn erstmals in einem Musical auf der Bühne: "Heimweh nach St. Pauli" wurde ganz auf ihn zugeschnitten. Für die Filmfassung konnte die amerikanische Schauspielerin Jayne Mansfield gewonnen werden. Die Filmplakat-Werbung sprach von einem großen Farbfilm internationalen Formats: "Abenteuer in New York und auf der Reeperbahn, farbenprächtige Revuen, eine zu Herzen gehende Geschichte und beliebte Melodien mit Freddys neuem Millionenschlager „Junge, komm‘ bald wieder“. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Gitte und Rex Gildo - stimmlich und optisch passten die beiden perfekt zusammen. Sie galten als das "Schlager-Traumpaar der 60er Jahre". Im Sommer 1963 gelang mit "Vom Stadtpark die Laternen" ein grandioser Treffer, der sich rund 25 Wochen in den Bestsellerlisten hielt. Columbia (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der "Bravo-Plattentipp" schrieb über "Rote Lippen soll man küssen": "Cliff serviert diesen Song mit einem Charme, der diverse Mädchenherzen beträchtlich beschleunigen dürfte." Die Einschätzung traf zu: Cliff Richard stürmte hierzulande die Hitlisten und stand Ende 1963 auf Platz 1. Das Original "Lucky Lips" hatte bereits 1957 mit der amerikanischen Rhythm ’n’ Blues-Sängerin Ruth Brown Premiere. Für Cliff Richard erhielt der Song ein neues Arrangement und einen leicht abgewandelten Text. Columbia (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Connie Francis zählte in den 60er Jahren zu den Verkaufsgaranten in der Branche. Gleich nach ihrer Fernseh-Premiere in Deutschland im Jahr 1960 landete sie mit "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" einen Volltreffer. 1961 war es der "schöne fremde Mann", 1962 sang sie vom "Paradiso" und 1963 erklang die "Barcarole in der Nacht" - allesamt Nr. 1-Erfolge. In der "Musikmarkt"-Auswertung der beliebtesten Sängerinnen rangierte sie 1963 an vorderster Stelle, gefolgt von Gitte und Manuela. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Das kannst Du mir nicht verbieten" machte Bernd Spier über Nacht zum gefragten Star. Sein Plattendebüt war 1964 der Knaller des Jahres. Er ging mit seinem Hit auch in Italien an den Start und sang "I miei baci non puoi scordare", was ihm prompt eine Einladung zum renommierten San Remo Festival im Folgejahr einbrachte. Genau bei diesem Wettbewerb siegte... CBS (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
...1964 Gigliola Cinquetti mit dem Lied "Non ho l’eta" und vertrat darüber hinaus damit Italien beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson. Am 21. März 1964 trat die 16-jährige Sängerin aus Verona damit in Kopenhagen vor einem Millionenpublikum auf ging auch hier als klare Siegerin hervor. In Deutschland verfolgten 36% aller Haushalte die Veranstaltung vor dem Bildschirm. "Infratest" ermittelte zufriedene Zuschauer: "Die kleine Italienerin hat uns gut gefallen...". Italia (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Musik zu den Karl May-Verfilmungen war der Höhepunkt der Kinolaufbahn von Martin Böttcher. Zu insgesamt zehn Streifen komponierte er den Soundtrack und drückte damit den Filmen seinen unverwechselbaren Stempel auf. Gleich nach dem ersten Film "Der Schatz im Silbersee" urteilte die Filmbewertungsstelle in Wiesbaden: "Die Musik ist geradezu entwaffnend mit ihrer schwellenden Fülle". Die "Old Shatterhand-" oder "Winnetou-Melodie" gehören unbedingt zum Klangbild der 1960er Jahre. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Quasi über Nacht wurde 1963 eine 19jährige Berlinerin aus dem Nichts zum Teenagerstar. Schuld daran war der Bossa Nova, der dem Arbeiterkind Doris Wegener alias Manuela einen kometenhaften Aufstieg bescherte. In kurzen Abständen lieferte sie Hit auf Hit und wurde mit allen möglichen Auszeichnungen förmlich überschüttet. 1965 waren es die "Küsse unterm Regenbogen", die sich einer Top Ten Präsenz erfreuten. Ihre immense Popularität war ausschlaggebend dafür, dass die Jugendzeitschrift... Telefunken (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
..."Bravo" eine Single-Platte heraus brachte, welche die beiden Gewinner des "Goldenen Bravo-Indianers" musikalisch zusammenführte: Drafi Deutscher und Manuela. Im Duett sangen sie "Die goldene Zeit" und "Take it easy". Allerdings waren diese Titel nicht so erfolgsträchtig, wie sie es von ihren Solo-Platten gewohnt waren. Drafi Deutscher zählte zu den Überfliegern des Jahres 1965 und räumte mit "Marmor, Stein und Eisen bricht" auf ganzer Linie ab. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der Song "Downtown" von Petula Clark wurde im Herbst 1964 veröffentlicht und platzierte sich im Laufe des folgenden Jahres in zahlreichen Ländern an der Spitze der Hitparaden. In Deutschland stand sie gleich zum Jahresanfang 1965 auf Platz 1. In Amerika erhielt sie für das Lied einen Grammy in der Kategorie "Beste Rock’n’Roll-Platte des Jahres". Vogue (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Es waren weiße Chrysanthemen" sang Udo Jürgens auf seinem Plattendebüt im Jahr 1956. Niemand ahnte, dass es von diesem Zeitpunkt an noch fast zehn Jahre dauern sollte, bis er seinen Namen unter den Bestplatzierten finden konnte. Erst mit selbst geschriebenen Liedern kam der Erfolg. 1965 erreichte er mit "Siebzehn Jahr, blondes Haar" den 4. Platz. Ein Jahr später öffnete ihm der Sieg beim Grand Prix mit "Merci Chérie" endgültig das Tor zur Weltkarriere. Vogue (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Unmut bei Frank Sinatra - seiner Tochter war mit "These boots are made for walkin‘" das gelungen, was ihm fehlte: ein Millionenhit und eine goldene Schallplatte. Er erteilte seinem Produzenten Jimmy Bowen den Auftrag, Material zu beschaffen, mit dem sich schnell ein hoher Absatz erzielen lassen könnte. Bei der Suche fiel ihm "Strangers in the night" von Bert Kaempfert in die Hände. Sinatra nahm den Titel auf und seine beiden Wünsche gingen 1966 prompt in Erfüllung. Aber nicht überall wurden... Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
...Träume Wirklichkeit. Roy Black wurde statt einem Beat- ein Sweet-Sänger. Dies in einer Perfektion, die seinesgleichen sucht. Er zählte unangefochten zu den beliebtesten Schlagerstars in Deutschland und reihte einen Spitzenreiter an den nächsten. Mit "Ganz in Weiß" knackte er 1966 erstmals die Millionengrenze. Am 25. Januar 1968, seinem 25. Geburtstag, erhielt er hierfür seine erste "Goldene Schallplatte", später sogar "Platin". Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Es liegt nahe, für große Anlässe festliche Kleidung zu tragen. Sandie Shaw setzte diese Regel 1967 außer Kraft und trat beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson mit "Puppet on a string" barfuß auf. Die Missachtung der Etikette geriet ihr allerdings nicht zum Nachteil - sie siegte haushoch. Die Künstlerin machte nie einen Hehl daraus, dass sie das Lied überhaupt nicht mochte: "Vom allerersten Humpta bis zum letzten Schlag auf die große Basstrommel habe ich es gehasst." Pye (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Peggy March siegte 1965 mit dem Lied "Mit 17 hat man noch Träume" bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden. Von diesem Moment an zählte sie zu den erfolgreichsten Interpretinnen in Deutschland. Ihre Karriere lief wie am Schnürchen und die Hits kullerten munter auf den Plattenteller: "Memories of Heidelberg", "Romeo und Julia", "Telegramm aus Tennessee" oder "Canale Grande Number One" zählten zu ihren größten Erfolgen der Jahre 1967/68. RCA (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Branche jubelte: Innerhalb eines Jahres wurden allein in Deutschland und dem damaligen West-Berlin 5,4 Millionen Heintje-Schallplatten verkauft. Der Goldjunge aus Holland konnte 1968 gleich drei Nummer 1-Singles verbuchen: "Mama", "Du sollst nicht weinen" und "Heidschi Bumbeidschi". Neben den Plattenerfolgen gelang es ihm, auf der Kinoleinwand ein Kassenschlager zu werden. In diesen Filmen war ... Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
...Peter Alexander mehrfach mit von der Partie, ebenso traten sie gemeinsam im Fernsehen auf. Peter der Große erlebte in den Jahren 1967 bis 1969 einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Er landete in kurzer Abfolge vier Nummer 1-Hits: "Verbotene Träume", "Delilah", "Liebesleid" und "Der letzte Walzer", der unsere Bildergalerie mit den größten Hits der 1960er Jahre abrundet. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Der erfolgreiche Seemann

Weil "Seemann, Deine Heimat ist das Meer" hierzulande ein absoluter Kassenschlager war, fiel die Entscheidung, den Titel in Amerika für die deutschsprachigen Minderheiten zu veröffentlichen. Im August 1960 kam die Single dort auf den Markt und konnte sich zur Überraschung aller bis auf Platz 5 in den Billboard Charts vorarbeiten.

Schwieriger Notentransfer

Weniger reibungslos funktionierte der Notentransfer in der Gegenrichtung. Es war absolut in und durchaus erfolgversprechend, ausländische Stars in deutscher Sprache singen zu lassen. Etwa Connie Francis, die nach den USA auch in Deutschland zum Superstar avancieren sollte. Dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig war und demzufolge auch Schwierigkeiten mit der Aussprache hatte, das war zunächst zweitrangig.

Connie Francis (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Sängerin Connie Francis Picture Alliance

Gepatzt beim Debüt

Doch genau deshalb drohte ihrem Plattendebüt "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" schon vor der Veröffentlichung das Aus. Francis’ deutscher Gesang war größtenteils unverständlich und eine Wiederholung der Aufnahme unmöglich, da sich die Sängerin bereits auf dem Rückflug in die Staaten befand. Zurück blieb ein nicht verwendbares Aufnahmeband.

Der Produzent Bobby Schmidt rettete, was zu retten war. "Ich ging ins Studio und synchronisierte Francis nach", erzählt er später. Vor allem bei den "S-Lauten" sei dies nötig gewesen. "Dann haben wir diese S-Spur zum Rest gemischt." Das Ergebnis konnte sich hören lassen und landete bei uns auf Platz 1 der Hitparaden. Die erste Strophe des Liedes war allerdings nicht zu restaurieren und fiel rigoros der Schere zum Opfer.

"Pilzköpfe" stellen alles auf den Kopf

Andere Scheren hatten weniger zu tun, denn nach der Schmalztolle trug Mann jetzt die Haare lang. Grund für diesen Trendwechsel waren "The Beatles" aus Liverpool, die sich auf der Hamburger Reeperbahn erstmals dem Publikum präsentierten. Ab 1962 stellten die vier Musiker, wegen ihres Haarschnitts auch "Pilzköpfe" genannt, das Showbusiness völlig auf den Kopf.

So tanzten die 1960er

Kopf standen auch die Tanzbegeisterten. Der Twist trat seinen Siegeszug rund um den Globus an. Das Motto "Let’s twist again" galt jedoch nicht lange. In rascher Abfolge kamen Madison, Slop, Shake, Swim, Surf, Hully Gully, Letkiss und viele andere, heute meist vergessene, Tänze auf‘s Parkett.

Traumpaare ohne Happy End

Weitaus langlebiger waren die Runden, die Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler auf dem Eis drehten. Sie wurden zu Idolen von Millionen. Ihr erstes gemeinsames WM-Gold gewannen die deutschen Eiskunstläufer 1963 in Cortina d'Ampezzo, ein Jahr später wiederholten sie den Triumph. "Die große Kür" konnten sie auf der Kinoleinwand zeigen, dazu zogen ihre Stimmen sogar auf dem Plattenteller Kreise.

Den richtigen Dreh fanden auch Gitte und Rex Gildo. Sie avancierten zum Traumpaar des deutschen Schlagers. Wie bei Kilius und Bäumler träumten Presse und Fans auch bei der Dänin und dem Bayern von der "Endstation Standesamt." Doch auch dieses Paar ging privat getrennte Wege.

Gitte und Rex Gildo (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Gitte und Rex Gildo Picture Alliance

Das etwas andere Kino

Zur Paarfindung eignete sich eine Erfindung aus Amerika, die 1960 bei uns Premiere hatte: In der Nähe von Frankfurt eröffnete das erste Autokino. Auf dem Spielplan standen unter anderem "Psycho" von Alfred Hitchcock, "La Dolce Vita" von Frederico Fellini und Agent 007 nahm im "Geheimdienst seiner Majestät" seine Tätigkeit auf. James Bond jagte "Dr. No", brachte "Goldfinger" zur Strecke und sandte "Liebesgrüße aus Moskau."

Mörderische Straßenfeger

Mord- und Totschlag gab’s aber auch im Pantoffelkino. "Stahlnetz" zeigte wahre Kriminalfälle und die Francis Durbridge-Mehrteiler "Das Halstuch", "Das Messer" oder "Melissa" fesselten das Publikum vor dem Fernseher. Bei den jüngeren Zuschauern waren "Lassie" und "Flipper" die Stars. Wer’s robuster mochte, der schaltete "Bonanza" und "Rauchende Colts" ein. Das Cowboy-Indianer-Spiel fand seine Vollendung in den Karl May-Verfilmungen mit Pierre Brice ("Winnetou") und Lex Barker ("Old Shatterhand") in den Hauptrollen. Martin Böttcher schrieb dazu unvergängliche Melodien.

Winnetou und Old Shatterhand (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Winnetou und Old Shatterhand Picture Alliance

Affäre knickt Karriere

"Der goldene Schuss" stand samstags auf dem Programm. Die Spielshow machte den Niederländer Lou van Burg zum Star aller Generationen. Der Ausruf seiner Assistentin "Der Kandidat hat 99 Punkte" wurde zum geflügelten Wort und sein begeistertes "Wunnebar" trug ihm seinen Beinamen ein.

Doch dann stolperte der Showmaster über ein Verhältnis mit seiner Assistentin. Beide waren verheiratet, aber nicht miteinander. Deshalb sah das ZDF "seine Visitenkarte beschmutzt", wie es der damalige Intendant ausdrückte. "Onkel Lou" musste trotz hervorragender Quoten gehen. Vico Torriani setzte die Erfolgsgeschichte der Show nahtlos fort und schrieb gleich bei seinem Debüt Fernsehgeschichte. Seine Sendung, übrigens die 25. Ausgabe der Show, war nämlich die erste, die in Farbe ausgestrahlt wurde.

Das Fernsehen wird bunt

Im Rahmen der Internationalen Funkausstellung in Berlin war 1967 das Farbfernsehen eingeführt worden. Das geschah per Knopfdruck des damaligen Außenministers Willy Brandt. Dieser historische Moment war allerdings keine durchweg runde Sache, denn schon Millisekunden vor Betätigung des Knopfes zeigte sich der Bildschirm bunt. Ein Techniker hatte zu früh den Schalter umgelegt, aber das nahm in der Aufregung und Freude über die Neuerung kaum jemand wahr.

Willy Brandt Farbfernsehen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Willy Brandt schaltete durch einen symbolischen Knopfdruck das Farbfernsehen an. Picture Alliance

Für Frieden und Liebe

Bunt trieb es auch die Jugend. Mitte der 1960er Jahre nahm die Hippie-Bewegung ihren Anfang - "Make love, not war", so deren Parole. Die freie Liebe wurde propagiert, Männer wie Frauen trugen Batikblusen, möglichst lange Haare und schmückten sich zum Zeichen für Frieden und Liebe mit Blumen. "San Francisco" von Scott McKenzie war die Hymne der Hippie-Kultur und hierzulande sang Wencke Myhre vom "Flower Power Kleid."

Eine Pressekonferenz im Bett

In New York feierte 1967 das Musical "Hair" seine umjubelte Premiere, bereits ein Jahr später war die deutsche Fassung in München zu sehen. Aufsehen erregte eine Pressekonferenz, die John Lennon und Ehefrau Yoko Ono im Bett sitzend gaben. Das frisch vermählte Paar demonstrierte 1969 mit diesem sogenannten "Bed-In" für Frieden und gegen Krieg, vor allem den in Vietnam. Wenig später schrieb Lennon "Give peace a chance" und schuf damit die Hymne der Friedensbewegung.

John Lennon und Yoko Ono geben ein Interview im Bett (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
John Lennon und Yoko Ono geben eine Pressekonferenz im Bett. Picture Alliance

Roy und der Goldjunge

Versöhnung machte sich auch bei der reifen Jugend breit: Ein junger Mann hatte erkennen müssen, dass Beat nicht alles ist. Stattdessen machte Gerd Höllerich als Roy Black mit Romantik, viel Gefühl und vor allem kurzen Haaren ordentlich Kasse. Er war in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts der große Hoffnungsträger des deutschen Schlagers und als schließlich noch der Goldjunge "Heintje" aus Holland "Mama" schmetterte, war die heile Schlagerwelt endgültig wieder in Ordnung.

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