Kurpfälzer Köpfe

Josef Kaiser

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Am 14. September 1921 wird Josef Kaiser als Kind eines schwarzen französischen Besatzungssoldaten und einer deutschen Mutter geboren.

Der kleine Josef ist in Speyer in Baracken für Wohlfahrtsempfänger aufgewachsen. Dort leben etwa 400 Kinder aus Beziehungen von deutschen Frauen mit schwarzen Soldaten während der französischen Besatzungszeit links des Rheins nach dem 1. Weltkrieg. Josefs Vater war ein französischer Offizier aus Madagaskar. Er hat ihn nie kennengelernt.

Zirkus als Ausweg

Anfang der 30er Jahre haben einige dieser Kinder, die sogenannten "Rheinland-Bastarde", die Möglichkeit, im Zirkus aufgenommen zu werden und somit dem Barackenleben zu entkommen. Auch Josef bekommt als Zehnjähriger die Chance, ist Artist im Zirkus Krone. Doch er fällt vor den Augen seiner Mutter vom Hochseil und muss zurück nach Speyer.

Josef Kaiser 1940 (Foto: SWR)

Keine Chance auf Arbeit

Josef Kaiser beendet seine Schulzeit in Speyer, bekommt aber als 16-Jähriger aufgrund seines Aussehens keine Lehrstelle. Dafür interessiert sich plötzlich die "Gestapo" für ihn. 1937 läuft auf Führerbefehl eine Aktion zur Zwangssterilisation der "Rheinland-Bastarde" an. Es trifft auch Josef Kaiser. Der Autor Michael Lauter entdeckt durch Zufall im Landesarchiv eine Akte, in der ein Arzt genaue Anweisungen erteilt, wie der "Mulatte Josef Kaiser festzusetzen" sei.

Keine Strafe für die Verantwortlichen

Die für die Zwangssterilisation Verantwortlichen kommen nach dem 2. Weltkrieg ungestraft davon. Josef Kaiser ist ein gebrochener Mensch, der später unter Depressionen leidet. Halt findet er bei seiner Frau Hertha, die ihn durch sein weiteres Leben begleitet wohl wissend, dass sie nie Kinder haben würden. 1991 stirbt Josef Kaiser. Im Buch "Der schwarze Kaiser" schildert Autor Michael Lauter mit großem Einfühlungsvermögen, wie sich Josef Kaiser durch ein Leben voller Hass, Armut und Verfolgung hat kämpfen müssen.

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