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Die Fastenzeit ist für Christen die Vorbereitungszeit auf Ostern. Bewusst soll diese Zeit erlebt werden, damit am Ende die Freude des Osterfestes umso größer wird. Fasten bedeutet in erster Linie auf etwas zu verzichten. Aber Fasten kann noch mehr sein, z.B. achtsam sein mit sich und anderen. Achtsamkeit ist gerade ein richtiger Trend und es lohnt sich, da mal genauer hinzusehen.

Ein Mann sitzt am Ufer eines großen Sees am Horizont eine Bergwelt (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Wir leben in einer schrillen, hektischen Welt. Wir sind ständig online, um zu wissen, was gerade passiert. Wir haben ein Handy, um immer erreichbar zu sein. Wir bringen Arbeit, Familie und Freizeit unter einen Hut. "Wo bleibe ich," fragen sich deshalb immer mehr Menschen und beginnen, sich zu besinnen.

Wann wird es kritisch?

"Es gibt Alarmzeichen für Überforderung", sagt Peter Glanzmann, Psychologie-Professor in Mainz. "In dem Moment, wo jemand das Gefühl hat, Probleme nicht lösen zu können, oder wenn man merkt, dass man bei anderen ständig aneckt, dann ist es höchste Zeit, die Außenwelt eine Zeit lang zu vergessen! Man kann mal eine Woche im Kloster verbringen und sich mit sich selbst beschäftigen. Oder man setzt sich einfach mal hin und versucht den Atem zu spüren, ohne das jemand dabei ist.

"Achtsamkeit nennt man das heutzutage, und Achtsamkeit ist im Trend. Es gibt darüber zig Bücher, Seminare, sogar eine Handy-App, die uns daran erinnert, wenn es Zeit ist, sich an uns zu erinnern!

Achtsamkeit - worum geht es?

Achtsamkeit zielt darauf ab, im Hier und Jetzt zu leben. Es ist die bewusste Wahrnehmung des Augenblicks, ohne ihn zu bewerten. Es geht darum, die Welt auch im Kleinen wahrzunehmen und so den Alltagsstress zu senken. Professor Peter Glanzmann: "Das Ziel ist, dass man sich so, wie man gerade ist, annimmt und dass man es so hinnimmt als Teil von sich selbst und das Positive genießt. Sind meine Füße warm oder kalt? Spielt keine Rolle, denn Achtsamkeit heißt, dass man sich gehen lässt und sich einfach freut, dass man am Leben ist. Nicht bewerten. Nur in sich gehen und wahrnehmen, was ist."

Woher kommt die Idee der Achtsamkeit?

Wie so vieles, das wahr und wichtig ist, ist Achtsamkeit keine Erfindung unserer Zeit. Ihre Wurzeln reichen 2500 Jahre zurück. Der Begriff der Achtsamkeit kommt aus dem Buddhismus. Zusammen mit der Meditation wird Achtsamkeit als ein Schritt zu Erleuchtung gesehen. In den 1970er Jahren entwickelte dann der Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn das medizinische Achtsamkeitstraining MBSR. Das bedeutet Stressbewältigung durch Achtsamkeit und kommt ganz ohne philosophisch-religiösen Überbau aus, obwohl Kabat-Zinn ein überzeugter Schüler des Zen-Buddhismus war.

Was bringt es, achtsam zu sein?

Wenn Sie achtsam sind, können Sie in jedem Augenblick das Schöne im Leben erkennen und empfinden. Sie werden glücklicher und zufriedener sein. Achtsamkeit hilft bei der Stressbewältigung. Und wenn Sie nicht mehr, wie das sprichwörtliche "HB-Männchen", bei jeder Kleinigkeit in die Luft gehen wollen, dann verhilft Ihnen das Achtsamkeitstraining zu mehr Gelassenheit. Die Wirkung von Achtsamkeitstraining ist wissenschaftlich belegt.

Manche können nur mit Volldampf

"Allerdings ist nicht jeder ein Typ für Achtsamkeit", sagt der Psychologe Peter Glanzmann. "Für viele ist Achtsamkeit so eine Art Innenschau, die Kraft für das Leben gibt. Andere sind so voller Hormone, dass sie diese Ruhepause selten oder gar nicht brauchen. Es gibt dieses Beispiel von Napoleon, der angeblich nur eine Stunde pro Tag geschlafen hat. Er war so beschäftigt mit seinen Kriegen - mehr Ruhe hätte er wohl gar nicht verkraftet. Eindeutig kein Typ für Achtsamkeit! Andere, wenn sie heiß gelaufen sind, müssen immer wieder abschalten können. Man kann das nicht verallgemeinern."

Was kann ich tun?

Achtsamkeitsübungen lassen sich ganz leicht mit in den Alltag aufnehmen. Sie sind dann wie kleine Auszeiten. Es geht darum, die Routine zu unterbrechen, mal kurz aus dem Hamsterrad auszusteigen und sich dem Augenblick zuzuwenden.

Ein Mensch am Steuer eines Autos, der gleichzeitig sein Smartphone bedient und Kaffee trinkt (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Achtsamkeitsübungen für den Alltag

Hier kommen ein paar kleine Tipps, wie Achtsamkeit im Alltag trainiert werden kann. Bei allen Übungen geht es nur um das Wahrnehmen des Hier und Jetzt. Es geht nie um Bewertung, um gut oder schlecht, um richtig oder falsch. Es geht nur ums Hinsehen und Hinfühlen.

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