90 Jahre Penicillin Zufallsentdeckungen in der Medizin

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Durch eine Unachtsamkeit entdeckte Alexander Fleming vor 90 Jahren das Penicillin. Tatsächlich verdankt die Medizin viele Entdeckungen dem Zufall - bis heute. Viagra gehört dazu, aber auch die Wirkung von Methadon auf Krebstumore war eine Zufallsfund. Dabei glaubte man lange, die Zeit der absichtslosen Entdeckungen sei vorbei. Doch wirkliche Innovationen lassen sich offenbar nicht planen.

Dauer

Prominente Beispiele für medizinische Zufallsfunde:

Zu den jüngsten unerwarteten Entdeckungen gehört die Erkenntnis, dass Methadon - eigentlich ein Schmerzmittel und Heroinersatzstoff - Krebszellen zerstören kann. Aber die Geschichte hat noch viel mehr Beispiele zu bieten:

Alles nur Zufall? Wichtige Entdeckungen der Medizin

Den schottische Bakteriologe Alexander Fleming (Foto: dpa/picture-alliance -)
Pilze gegen Bakterien1928 untersuchte der schottische Bakteriologe Alexander Fleming in seinem Londoner Labor Staphylokokken-, Krankheitserreger, die zum Beispiel Lungenentzündungen hervorrufen. Eine von mehreren Proben war mit Pilzsporen verunreinigt. Als Fleming sie schon wegwerfen wollte, fiel ihm auf, dass überall dort, wo sich der Pilz ausgebreitet hatte, keine Bakterien zu finden waren. Er züchtete den Pilz in Kultur und fand heraus, dass er ein Gift produzierte, das eine Vielzahl von Krankheitserregern tötete: Streptokokken, Meningokokken und das Diphtheriebakterium. Fleming nannte die Substanz Penicillin, nach dem Pilz Penicillium notatum, von dem sie stammte. Das erste Antibiotikum war in der Welt. dpa/picture-alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Illegaler MenschenversuchEnde des 18. Jahrhunderts fiel dem britischen Arzt Edward Jenner auf, dass Melkerinnen zwar häufig an Kuhpocken erkrankten, jedoch nicht an den viel gefährlicheren Menschenpocken. Bestand da ein Zusammenhang? 1796 wagte Jenner ein Experiment, das nach heutigen Maßstäben ein unzulässiger Menschenversuch war. Er infizierte den achtjährigen Sohn seines Gärtners mit dem Erreger der Kuhpocken, indem er seine Haut ritzte und die Wunde mit dem Sekret einer erkrankten Melkerin bestrich. Tatsächlich erkrankte der Junge an der harmlosen Infektion. Als er genesen war, folgte der riskantere Teil des Experiments: Jenner infizierte den Jungen auf die gleiche Weise mit Menschenpocken. Doch das Kind blieb verschont, sein Körper hatte offensichtlich eine Abwehr gegen das Virus aufgebaut. Die Pockenschutzimpfung war erfunden. dpa/picture-alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Urin und MeerschweinchenWenn Depressive medikamentös behandelt werden, bekommen sie in der Regel Präparate, die ihren Antrieb steigern sollen. Lithium, das Salz eines Alkalimetalls, gilt vielen Experten bis heute als die beste Therapie, wenn Patienten bipolar sind, also depressive und manische Phasen bei ihnen abwechseln. Es war der australische Psychiater John Cade, der Lithium in den Vierzigerjahren entdeckte. Cade ging von einer irrigen Annahme aus: Er glaubte, die bipolare Störung beruhe auf einer Vergiftung durch körpereigene Stoffe. Im Verdacht hatte er Harnstoff und Harnsäure. Als er nun die Giftigkeit dieser Kombination an Meerschweinchen testen wollte, stand er vor dem Problem, dass Harnsäure schwer löslich ist. Der Zufall wollte es, dass sich Lithiumurat als das bestlösliche Salz der Harnsäure erwies. Cade spritzte es seinen Meerschweinchen, doch zu seiner Überraschung war die Injektion weit weniger giftig als erwartet. Alle behandelten Tiere überlebten und als er den Meersc… dpa/picture-alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Steile KarriereSildenafil wird in mehr als 120 Ländern weltweit vermarktet und gehört zu den meistverordneten Medikamenten überhaupt. Es bescherte seinem ersten Hersteller, dem US-Pharmariesen Pfizer, zeitweise mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Sildenafil wurde ursprünglich als ein Mittel gegen die koronare Herzerkrankung entwickelt. Die Forscher hofften, der Wirkstoff könne die Gefäße im Herzen entspannen und so die Beschwerden der Angina Pectoris lindern. Doch die Studien verliefen enttäuschend. Manch männlicher Proband war trotzdem entzückt, weil ihm Sildenafil vermehrt zu Erektionen verhalf. Viele Männer wollten die restlichen Medikamente deshalb nach Studienende gar nicht mehr herausgeben. Unbekannte brachen sogar in ein Sildenafil-Labor ein, um sich den magischen Stoff zu beschaffen. Pfizer testete daraufhin Sildenafil gegen Erektionsstörungen. Noch in der Erprobungsphase erhielt man Hunderte von Dankesbriefen beglückter Probanden. 1998 erhielt das neue Medikament … dpa/picture-alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Betablocker gegen BlutschwämmeBlutschwämme sind gutartige Tumore. Sie können bei der Neubildung von Blutgefäßen entstehen und tauchen deshalb auch bei Neugeborenen auf. In Bordeaux wurde ein Säugling behandelt, der einen Blutschwamm auf der Nase hatte. Weil das sogenannte Hämangiom weiter wuchs, drohte es die Nasenstrukturen zu verdrängen. Weil etwas getan werden musste, verabreichten die französischen Ärzte dem Kind Kortison. Dadurch ging zwar der Blutschwamm etwas zurück, aber dafür litt das Kind an den Nebenwirkungen und entwickelte einen Herzdefekt. Weil dieses Problem deutlich schwerwiegender war, als der Blutschwamm, mussten die Ärzte schnell handeln. Sie entschieden sich für eine Medikation mit Betablockern. Bereits nach einem Tag konnte man beobachten, wie das Hämangiom zurückging. Gewissermaßen vor den Augen der Ärzte schmolz der Blutschwamm dahin; nach sechs Monaten war er fast völlig verschwunden. Die Mediziner erprobten die Behandlungsmethode bei zehn weiteren Kindern und … dpa/picture-alliance - Foto: ZVM/dpa Bild in Detailansicht öffnen
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