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Wenn Zootiere sterben Wie kommt die Giraffe in den Sarg?

Was passiert mit einem toten Zootiere - mit Tigern, Elefanten und Kängurus? Werden sie an andere Tiere verfüttert, ausgestopft oder landen sie womöglich auf einem Friedhof? Nail Al Saidi hat die Zootiere auf ihrer letzten Reise begleitet.

Giraffe im Sarg

Giraffe im Sarg


Der Große Weiße hat er geheißen. Das war in der Wilhelma eine Persönlichkeit. Als er gestorben ist, haben die Leute sogar Rosen niedergelegt. Als er gestorben ist, war es ein Donnerstag morgen. Das werde ich nie vergessen, das war schon hart.

Weißes Krokodil

Das weiße Krokodil aus der Wilhelma

Tierpfleger Harry Aberle wirkt immer noch traurig, wenn er von dem weißen Leistenkrokodil erzählt. Jahrzehntelang hatte er es im Stuttgarter Wilhelma-Zoo betreut. Eigentlich hat er geglaubt, dass der Teilalbino ihn überleben würde. In Menschenhaltung können Leistenkrokodile 80 bis 100 Jahre alt werden. Doch der Große Weiße starb schon nach knapp 40 Jahren.

Zootiere: Tödliche Glücksbringer

Das weiße Krokodil ist am 17.2.2000 gestorben. Es hatte eine Schwermetallvergiftung wegen zu vieler Münzen im Magen und irgendwann ist es dann gestorben. erklärt Aberle.

Was mal als Spende für den Zoo gedacht war oder als Glücksbringer im Tierbecken, hat schon so manchen Exoten verenden lassen. Zoo-Tierarzt Tobias Witzens zeigt mir 140 Münzen – angerostet, halb zersetzt und rasiermesserscharf. Gefunden hat man sie im Magen eines Seehundes.

münzen

Todesursache - Glückspenny

Und dann hat man ihn operiert und der ganze Magen war nur noch ein Fleischklumpen. Matsche. Und dann konnte man nur noch das machen, was man in dem Fall machen kann und ihn erlösen. Also einschläfern.

Vergiftungen durch Münzen werden zum Glück immer seltener im Zooalltag. Die meisten Tiere sterben an Altersschwäche oder einem heftigen Witterungsumschwung. Manchmal fangen sie sich auch einen Erreger ein oder essen Pflanzen, die für sie giftig sind.

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Letzte Reise der Zootiere

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Ausgestopfter Eisbär Knut im Naturkundemuseum Berlin. Der einstige Publikumsliebling des Berliner Zoos, der im März 2011 gestorben war, wurde präpariert.

Ausgestopfter Eisbär Knut im Naturkundemuseum Berlin. Der einstige Publikumsliebling des Berliner Zoos, der im März 2011 gestorben war, wurde präpariert.

Tiger, nicht im Tank, sondern präpariert für das Staatliche Museum für Naturkunde, Stuttgart.

Eine Giraffe braucht auch präpariert viel Platz - den findet sie im Staatlichen Museum für Naturkunde, Stuttgart.

Dieser Bonobo im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart hängt wohl noch für Ewigkeiten im Baum.

Das Elefantenbaby Jamuna Toni (hier noch zu Lebzeiten) aus dem Tierpark Hellabrunn litt an einer rätselhaften Knochenerkrankung und wurde im Alter von einem halben Jahr eingeschläfert.

Das weiße Krokodil aus der Wilhelma wurde für die Nachwelt präpariert. Der Riese hatte fünf Meter Körperlänge und allein seine Haut wog 100 Kilo.

Giraffe Tamu kippte im Dortmunder Zoo um und starb - im Alter von vier Jahren.

Auf dem "Friedhof der Kuscheltiere" wie hier in Bremen landen die wenigsten Zootiere. Die Tiere, die nicht präpariert werden, landen in so genannten "Tierkörperbeseitungs- oder - verwertungsanstalten".

Tierkörperbeseitigungsanstalt in Schwalmtal-Hopfgarten im Vogelsbergkreis (Hessen)

Das in der Tierkörperbeseitigungsanlage erzeugte Tiermehl wird später verbrannt

Viele Zootieren werden zu Biodiesel verarbeitet: So fahren die Autos möglicherweise mit Kamel-, Giraffen oder Elefantenkraft ...



Tierleichen in der Tiefkühltruhe

Was tot ist, lagert der Zoo hinter einer Eisentür im Keller. Im Kadaverraum liegen in einer Abfalltonne Knochen von der letzten Tigermahlzeit. Im Raum davor reihen sich Tiefkühltruhen. Zootierarzt Witzens öffnet eine Truhe und kramt durch den Inhalt: Fische und Reptilien in blauer Plastikfolie.

Das ist ein Knochenhecht. Das ist was ganz tolles. Da werden sich manche Museen die Finger nach lecken. Da haben wir hier drüben einen Amolch. Das sind alles ehemalige Besucher der Wilhelma. Und wenn wir oben ins Rosenstein-Museum gehen, dann sehen wir viele alte Bekannte. Die wohnen da, die sind da ausgestellt.

Todesursache unbekannt

Tierpathologe

Tierpathologen untersuchen Todesursache von Zootieren

Bevor das Stuttgarter Naturkundemuseum ein Zootier präparieren darf, muss es noch über den Seziertisch von Ingo Schwabe. Der Tierpathologe arbeitet im Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. Mit seinem Team untersucht er jedes Zootier auf Krankheiten - vom kleinen Giftpfeilfrosch bis zur Elefantenkuh. Und dabei ist egal, ob das Tier später ins Museum geht oder entsorgt werden muss. Ingo Schwabes letzter Fall: eine tote Schildkröte:

Die Schlangenhalskröte hatte eine Panzerverletzung – am Bauchpanzer – und da sind Bakterien eingedrungen. Die Bakterien haben sich über die Blutbahn in der Niere niedergesetzt und haben zu einer Entzündung der Niere geführt.

Eine Woche kann vergehen, bis der Tiermediziner einen Fall abgeschlossen hat. Dazwischen liegen Arbeiten wie Aufschneiden, Präparate herstellen und die Spurensuche am Mikroskop. Findet Tierarzt Ingo Schwabe die Todesursache, kann der Zoo damit die Haltungsbedingungen der noch lebenden Artgenossen verbessern.

Man muss sich überlegen, wo hat sie diese Panzerprobleme her. Ist der Boden zu rauh? Ist das Wasser zu dreckig? Ist der Panzer zu weich, weil sie nicht optimal ernährt wird? Solche Sachen. Das muss jetzt vor Ort in der Haltung versucht werden, dass man es abstellen kann.

Entsorgen und verwerten

Gepard und andere präparierte Zootiere

Präpariert für die Nachwelt: Geopard & Co

Findet die Schildkröte keinen Platz im Museum wie einst das große weiße Krokodil, muss sie entsorgt werden, genauso wie das, was an Resten von einer Tierpräparation übrig bleibt. Dafür zuständig sind sogenannte Tierkörperbeseitigungsanlagen. Drei davon existieren in Baden-Württemberg. Ich besuche die Anlage in Warthausen bei Biberach (in Oberschwaben). Neben Schlachtabfällen kommen hier hauptsächlich verendete Nutztiere an wie Schweine und Kühe, aber auch Kamele, Elefanten und Schlangen aus den Wanderzirkussen der Region. Der Betrieb liegt abseits aller Häuser in einem Waldstück. Als ich Halle betrete, weiß ich auch warum: es mieft wie in einer ranzigen Pommesbude.

Hier riecht es nach Fett. Das ganze Material kommt ja auch direkt vom Kochen und ist heiß. Deswegen riecht es so nach Fett.

Uwe Miehle arbeitet als Fuhrparkleiter in der Tierkörperbeseitigungsanlage, die eigentlich Verwertungsanlage heißen müsste, denn am Ende entstehen neue Rohstoffe.
Gerade wurde einer Reihe von Kälbern das Fell abgezogen, das nun an Gerbereien geliefert wird. Bei toten Zootieren wäre das nicht nur wegen des Artenschutzes tabu. Tigerfell und Elfenbein zählen zum Risikomaterial und werden wie Rindergehirne behandelt, die seit dem BSE-Skandal gesondert verarbeitet werden müssen.

Über unseren Köpfen hängt eine Kuh und wird zum Startpunkt der Anlage befördert, dem sogenannten Brecher - einem riesengroßen Schredder.

Geschreddert in den Schnellkochtopf

Tiermehl

Tiermehl

Vollautomatisch fällt die Kuh auf die Öffnung der Maschine, die auch einen Elefanten kleinhacken kann. Die danach nur noch fünf Zentimeter großen Stücke gelangen in ein abgeschlossenes System aus Kesseln, Rohren und Silos. Im nächsten Schritt werden mögliche Krankheitserreger vernichtet, das macht der Sterilisator - eine Art Schnellkochtopf.Danach entzieht die Anlage dem Fleischbrei das Wasser. Übrig bleiben 12 Prozent Fett und 25 Prozent Tiermehl, das voneinander getrennt und in unterschiedlichen Silos gelagert wird.

Tiger im Tank

Das Mehl geht in die thermische Verwertung also z.B. in die Zementindustrie, als Sekundärbrennstoff. Das Fett geht jetzt zu 100 Prozent in die Biodieselproduktion, da haben wir Abnehmer aus Holland, die nehmen die Fette zu sich und da wird es verarbeitet zu Biodiesel.

Biodiesel

Biodiesel - möglicherweise mit Giraffen- oder Kamelanteil

Letzten Endes werden tote Zootiere doch noch verbrannt. Im Zementwerk erreicht das Tiermehl Brennwerte wie Braunkohle. Und das, was mal Kamel, Zebra oder Wildkatze war, landet als Kraftstoff im Tank. Auch wenn es befremdlich erscheint, dass die letzte Reise von Zootieren im Auspuff endet - in der Werbewelt kennt man das schon seit Jahrzehnten.

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