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Lückenfüller für die Zähne Brücke oder Implantat?

Wer hat noch alle eigenen Zähne im Mund? Genau, da klafft so manche Lücke. Eine Zahnlücke sollte geschlossen werden, aber womit? Heute sind ja Implantate in aller Munde. Und wir haben uns gefragt: Was ist mit der guten alten Brücke – ist die völlig aus der Mode gekommen? Keineswegs, wie Sigrun Damas bei einem Besuch in der Zahnklinik erfahren hat.

Zahn-Implantat

Zahn-Implantat

Wenn ein Zahn fehlt, sollte die Lücke möglichst geschlossen werden - damit der Biss stimmt und die Nachbarzähne nicht auf Wanderschaft gehen. Früher kam dafür nur eine Brücke infrage. Dabei werden der Zahn vor und nach der Lücke als Pfeiler genutzt und mit einem künstlichen Brückenglied verbunden. Seit einigen Jahren gibt es aber eine Alternative: Implantate, künstliche Zahnwurzeln. Sie werden in den Kiefer geschraubt und dann mit einer Krone versehen. Diese Prozedur kommt aber für einige Patienten nicht in Frage. Immer wieder berichten Behandelte, dass sie mit ihren Implantaten nicht zufrieden seien und Schwierigkeiten beim Kauen oder Entzündungen am Zahnfleisch hätten.


Implantate teurer als Brücken

Gebissabdruck mit Kostenaufstellung

Teurer Zahnersatz?

Brücke statt Implantat – vor dieser Entscheidung stehen viele Patienten. Das bestätigt Hendrik Repges, Zahnarzt am Uniklinikum Münster: Ja klar. Es gibt ganz viele Patienten, die sagen: eine OP, da habe ich Angst vor, da wird der Knochen aufgeschnitten. Und viele Leute haben Bekannte, bei denen ist es daneben gegangen.

Patienten haben bei Implantaten aber noch andere Bedenken: Dass man viel Geld für die Implantate ausgibt und das dann nicht hält, weil man beispielsweise wenig Knochenmasse hat oder auch wenig Zahnfleisch.

Implantate nicht für alle geeignet

Eine durchaus berechtigte Sorge, sagt Professor Ludger Figgener, Leiter der Abteilung für Prothetik und Wertstoffkunde in Münster. Einige Patienten seien mit Implantaten nicht gut beraten: Es gibt bestimmte Grunderkrankungen eines Menschen, wenn ein Patient eine starke Osteoporose hat – wird ein Implantat nicht so gut halten im Knochen.

Zahnarzt

Implantate müssen richtig sitzen

Zwar besteht manchmal die Möglichkeit, Kieferknochen wieder aufzubauen. Aber das ist mühselig. Der Zahnarzt fräst zunächst ein kleines Fenster in den Knochen und füllt den Freiraum dann mit Knochenersatzmaterialien. Die nächste Hürde stellt die Durchblutung im Mund dar. Denn wenn sie gestört ist, wächst auch das Implantat nicht so gut ein. Ludger Figgener: Wenn jemand zuckerkrank ist, und diese diabetische Stoffwechsellage lässt sich nicht so gut einstellen, dann wird man auch da vorsichtig sein, weil wir wissen, dass das Einheilen nicht so gut vonstatten geht. Oder aber auch wenn gar nicht mehr genügend Knochen vorhanden ist.

Brücke optisch vergleichbar

Wer deswegen die Brücke wählt, hat zumindest statistisch gesehen genauso lange Freude daran wie am Implantate. Beides sollte 10 Jahre überdauern. Und auch optisch, meint Ludger Figgener, ist beides vergleichbar: Im Normalfall sieht man von einer Brücke genauso wenig, wie davon, dass in der Lücke ein Implantate mit Krone sich befindet.


Auch Brücken haben Nachteile

Trotzdem: die Brücke ist nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Denn damit sie hält, müssen beide Nachbarzähne, die so genannten Brückenpfeiler, beschliffen werden. Ein erheblicher Eingriff, so Ludger Figgener: In Fällen, wo die Nachbarzähne kariesfrei sind, da werde ich mich natürlich schwerer tun, diese Zähne zu beschleifen. Da würde ich eher zum Implantat raten, weil man dann die natürlichen Zähne in ihrer Form belassen kann.

Der Zahnarzt Hendrik Repges meint: Das ist ein sehr großer Vorteil. Denn bei jedem Beschleifen kann wieder was passieren. Da kann der Nerv sich entzünden. Daraus folgt wieder eine Wurzelkanalbehandlung. Und der Zahn kann irgendwann verloren gehen. - Jeden Zahn so in Ruhe zu lassen, wie es geht, ist das Beste, was man machen kann.

Modell weiße Backenzähne

Ein Traum in Weiß

Und Brücken haben noch andere Nachteile, sagt Ludger Figgener: Bei der Brücke wird die Lücke überbrückt, aber im Bereich der Lücke wird der Knochen nicht belastet. Und das kann dann dazu führen, dass der Knochen dann in diesem Bereich sich schneller zurück bildet.

Denn wenn der Kaudruck fehlt, bekommt der Körper das Signal, dass der Kieferknochen nicht mehr gebraucht wird – und baut ihn ab. Also doch lieber ein Implantat? Das muss man sich erst einmal leisten können. Ludger Figgener: Implantate sind wesentlich teurer als eine Brückenversorgung. Und der Patient muss sich fragen, ob er sich das leisten kann oder will. Das kann schon bis zum Doppelten und Dreifachen gehen.

Entscheidung bleibt beim Patienten

Zahnarztbesteck

Letztlich entscheidet der Patient/die Patientin

Brücke oder Implantat. Letztlich muss jeder Patient selbst abwägen, was für ihn infrage kommt. Und egal, wofür man sich entscheidet: in beiden Fällen sind etwa drei Sitzungen sind nötig, bis alles hält. Ein Vergnügen ist das für niemanden, das weiß auch Professor Ludger Figgner: Eugen Roth hat mal gesagt: Nicht immer sind bequeme Stühle ein Ruheplatz für die Gefühle. - Und das wird wohl so sein, nach wie vor. Auch wenn die Zahnmedizin weitgehend schmerzfrei geworden ist, wird es nicht dazu führen, dass die Patienten sich gerne in unser Stühle setzen.