Bitte warten...

Weltreise zu den Hundertjährigen Wie wird man steinalt?

In Sardinien, Japan und Kalifornien leben auffallend viele gesunde Greise. Also ist der Ernährungswissenschaftler Marcus Lauk dorthin gereist. Was diese Menschen verbindet: Regelmäßige Bewegung, häufige Fastentage - und Nüsse!

Der Kölner Gesundheitsforscher Marcus Lauk hat sich auf die Reise begeben, zu den Hundertjährigen dieser Welt, und aus seinen Erfahrungen dort ein Buch geschrieben: "Steinalt und Kerngesund" heißt es. Ist es einfach nur die gesunde Ernährung und viel Bewegung? Oder gibt es noch andere Indikatoren für ein langes, zufriedenes Leben? Kristina Hortenbach hat sich mit Marcus Lauk unterhalten, über die Weisheit und Lebensart der 100-jährigen.

Gemäßigtes Klima ist gesund

Gemäßigtes Klima ist gesund

Steinalt und kerngesund - Hundertjährige, auf die das zutrifft, hat Marcus Lauk in Japan, Griechenland, auf Sardinien und in einem kleinen Ort in Kalifornien gefunden: Wenn man sich die Reiseroute anschaut, dann ist es tatsächlich so, dass die alle auf einem ähnlichen Breitengrad liegen. Also es ist nicht zu weit nördlich und nicht zu weit südlich – das fällt schon auf.


Lebensstil wichtiger als Gene

Und: ob wir alt werden, bestimmt nur zu einem Viertel die Genetik, sagt die Wissenschaft.

Steinalt und kerngesund

Der Autor hinter einem Strauß Gemüse

Wichtiger ist der Lebensstil und der ist in den vier Orten der Hundertjährigen recht einfach, hat Marcus Lauk auf seiner Reise erfahren. Erster Punkt: die Ernährung. Obst und Gemüse essen alle besuchten Hundertjährigen in großen Mengen, aber keineswegs leben sie vegetarisch oder vegan. Lauk: Die Menschen auf Okinawa, gerade die alten Menschen, essen täglich Schweinefleisch, immer in kleinen Mengen, meist sind es so 30 bis 70 Gramm, die dort aber regelmäßig gegessen werden.

Nüsse sind gut fürs Herz

Außerdem lieben die Japaner auf Okinawa Süßkartoffeln, Fisch, Tofu und Tee. Auf Sardinien sind Ziegenkäse und Wildschweinfleisch angesagt. Einen Tipp für uns bringt Marcus Lauk von dort und aus Kalifornien mit:

Korb mit diversen Nüssen und einem Nussknacker

4 bis 5 Mal die Woche Nüsse essen, ..

Menschen, die vier- bis fünfmal pro Woche Nüsse essen und zwar in Mengen von jeweils 30 bis 70 Gramm , haben ein um 37 Prozent vermindertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutschen essen im Durchschnitt 3,5 Gramm Nüsse pro Tag. Die wirksame Dosis sind aber 30 bis 70 Gramm, da gibt es einiges aufzuholen. Nüsse haben den Vorteil, dass zum Beispiel 20 Prozent der Fettkalorien, die da drin sind, vom Körper erst gar nicht aufgenommen werden. Das heißt, die Kalorien machen uns zwar satt, aber die gehen nicht auf unser Kalorienkonto.

Espresso und Schokolade statt Obst?

Espresso wird zubereitet

In Espresso und Schokolade stecken ..

Nüsse haben Kalorien und Fett, aber Menschen, die regelmäßig Nüsse essen, sind schlanker als Menschen, die keine essen, erzählt der Ernährungsexperte Marcus Lauk. Nach Jahren als Vegetarier isst er heute alles, aber in Maßen, genau wie die Hundertjährigen in der Welt: Da ist es auch üblich, dass die Menschen auch mal einen Kaffee trinken, eine Espresso beispielsweise. Und da stecken zum Beispiel auch viele Antioxydantien drin – mehr als beispielsweise in Obst. Wenn ich jetzt einen Espresso getrunken und ein Stück Schokolade dazu gegessen habe, hätte ich, um jetzt die gleiche Menge an Antioxydantien in Form von Obst zu mir zu nehmen, einen ganzen Obstkorb essen müssen. Und daher ist das sicher auch mal für unterwegs eine gute Strategie.

Weniger ist oft mehr

Schön alt

Leute, die weniger essen, aber ..

Fast noch wichtiger ist die Frage: Was esse ich nicht? Die große Überraschung für Marcus Lauk auf seiner Weltreise zu den Hundertjährigen war, dass diese Menschen oft über 100 Fastentage pro Jahr haben. Knapp ein Drittel des Jahres essen die Hundertjährigen dieser Welt wenig bis gar nichts. Das sei, so Lauk in Bezug auf die Lebenserwartung das Einzige, was man wirklich wissenschaftlich belegen kann: Leute, die weniger essen, aber dafür qualitativ hochwertig essen, hätten gute Karten.

Aktiv in den Bergen

Der zweite Punkt: Bewegung. Die muss nicht in sportlichen Höchstleistungen ausarten. Auf Sardinien leben die über Hundertjährigen nicht am Strand, sondern oben in den Bergen und das hat seinen Grund:

Steinalt und kerngesund

Die Hundertjährigen findet man eher in den Bergen

Wenn man in einem Bergdorf lebt, und man geht jemanden besuchen, dann hat man eine ganz schöne Strecke zurückzulegen. Die Joggingschuhe können dann auch wegbleiben. Alles was man im Alltag macht, was Bewegung beinhaltet, das zählt. Fleißig gebügelt ist halb gejoggt. Und rein von der Wissenschaft her ist es so, dass man rund 2000 bis 3000 Kalorien pro Woche über körperliche Aktivität – es muss kein Sport sein - verbrennen sollte, damit man den größtmöglichen Gesundheitsnutzen rausziehen kann.

Sportexperte Lauk hat rausgefunden: Eine Woche Sport pro Jahr reicht völlig, rein zeitlich betrachtet. Natürlich verteilt übers Jahr. Hauptsache, man hat Spaß an der Bewegung, auch als über Hundertjähriger. So hat Marcus Lauk bei seiner Reise Leute getroffen, die mit 102 Jahren noch Wasserski fahren, und sich nicht einfach nur draufgestellt haben nach dem Motto "Ich schaue mal, dass ich es überlebe", sondern mit einem Lächeln im Gesicht – so dass man ihn gar nicht mehr von den Skiern herunterbekommen habe.

Steinalt und kerngesund

Gemeinschaft ist ein weiter wichtiger Punkt

Punkt drei, um 100 zu werden: Gemeinschaftsleben. In Loma Linda in Kalifornien gibt es eine starke Glaubensgemeinschaft mit Ritualen wie Nature Walks, das sind gemeinsame Wanderungen durch die Natur. Wenn auf Sardinien alte Menschen über die Berge wandern, dann deshalb, um ihre lebenslangen Freunde zu besuchen. So führen sie im doppelten Sinne ein bewegtes Leben.

So hat Marcus Lauk einmal den Geburtstag gefeiert mit jemandem, der 108 Jahre alt wurde. Interessanterweise waren die Kinder des alten Mannes nicht mehr da, gesundheitsbedingt, weil sie einen ganz anderen Lebensstil geführt haben. Der führte dazu, dass sie die gleichen Zivilisationskrankheiten hatten wie wir, sprich Übergewicht und dann die ganzen Folgeerscheinungen. Und daran starben sie dann eben auch früher.

Ein Drittel der über Hundertjährigen auf Okinawa wird gepflegt, ein weiteres Drittel lebt bei der Familie, aber ein Drittel geht noch immer arbeiten. Wichtig ist das Ziel im Leben, warum stehe ich morgens auf? Ikegai nennen das die Japaner. Dort ist auch die Selbstmordrate ab 65 viel geringer als im restlichen Japan.

Der vierte Punkt: Die Psyche ist wichtig. Dazu gehört auch der Umgang mit Stress. Auf Ikaria in Griechenland und auf Sardinien wird Mittagsschlaf gehalten, im kalifornischen Dorf hält man Sabbat.

Steinalt und kerngesund

"Steinalt und Kerngesund" von Marcus Lauk, erschienen im Draksal Fachverlag

Alle diese Lebensweisen aus Griechenland, Sardinien, Okinawa und Loma Linda in Kalifornien können wir in Deutschland vielleicht gar nicht alle übernehmen, wir sollten sie jedoch an unser Umfeld anpassen, empfiehlt Marcus Lauk: Das besondere an allen, die ich getroffen habe, war, dass das eigenständige Persönlichkeiten waren, die einfach ihr Leben gelebt haben – und das fand ich bei allen beeindruckend.

Weitere Themen in SWR2