SWR2 Wissen | Energie effizient nutzen (1/3)

Wie wir im Haushalt Strom und Gas sparen

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Dirk Asendorpf
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Die Abhängigkeit von russischem Gas hat die Energie-Diskussion in Deutschland mächtig angetrieben. Wirtschaftsminister Robert Habeck ruft die Menschen zum Energiesparen auf. Welche Maßnahmen schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch das Klima?

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Energieeffizienz – Schlüssel zur Energiewende

Die Energiesparlampe hat es vorgemacht: Für die gleiche Lichtstärke benötigt sie nur ein Zehntel des Stroms, den eine klassische Glühbirne verbraucht. Eine enorme Verbesserung der Energieeffizienz.

Wie im Kleinen, so auch im Großen: Bis 2050 sollen wir unseren Energieverbrauch in Deutschland mit besserer Technik und verändertem Verhalten halbieren.

Energieeffizienz ist der entscheidende Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende. Doch die Umsetzung ist mühsam. Nicht immer hält neue Technik, was sie verspricht, es mangelt an fähigen Ingenieur*innen und Handwerker*innen, der Abschied von lieb gewonnenen Gewohnheiten fällt schwer. Und ein Teil des Effizienzgewinns wird vom sogenannten Rebound-Effekt sofort wieder vernichtet: Weil das Licht aus Energiesparlampen so billig ist, wird heute viel mehr und heller beleuchtet als zu Zeiten der Glühbirne.

Effizienzsteigerung in Privathaushalten, Industrie und Verkehr

In drei Folgen beschäftigt sich SWR2 Wissen mit der Frage, wie wir Energie effizient nutzen könnten und warum wir das noch immer zu selten tun. Dabei blicken wir auf die drei großen Sektoren der Energiewirtschaft: private Haushalte, Industrie und Verkehr. Jeder von ihnen steht für rund ein Drittel unseres Energieverbrauchs.

Und wir besuchen Vorreiter, die auf dem Weg zu einer energieeffizienten Gesellschaft schon weiter sind als der Durchschnitt – im Inland und in unseren Nachbarländern Dänemark, Österreich und den Niederlanden.

Wie wir im Haushalt Strom und Gas sparen

Das Ökoprogramm bei Wasch- und Spülmaschine anstellen, Fegen statt Staubsaugen, Steckdosenleisten nachts abschalten – solche Ratschläge sind leicht befolgt, beruhigen aber nur das eigene Gewissen. Ihr Beitrag zum Klimaschutz ist minimal.

Wer im Haushalt wirklich Energie sparen will, muss sich um die großen Themen kümmern: Heizung, Warmwasser, sparsame Elektrogeräte. Und er muss den Rebound-Effekt im Blick behalten. Das Geld, das wir bei den Energiekosten einsparen, dürfen wir nicht für klimaschädliches Shoppen oder Fliegen wieder ausgeben.

Heizungsanlage im Keller: In einem durchschnittlichen deutschen Haushalt entfallen rund 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Heizung und Warmwasserbereitung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / blickwinkel/fotototo | fotototo)
In einem durchschnittlichen deutschen Haushalt entfallen rund 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Heizung und Warmwasserbereitung picture alliance / blickwinkel/fotototo | fotototo

Zentralheizung ist wichtigster Einzelposten beim Energiesparen

Wenn es ums Energiesparen geht, ist die Zentralheizung der mit Abstand wichtigste Einzelposten. In einem durchschnittlichen deutschen Haushalt entfallen rund 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Heizung und Warmwasserbereitung. Und fast drei Viertel aller Heizungsanlagen werden noch immer mit Erdgas oder Öl betrieben.

Regelmäßig verfehlt der Gebäudebereich die Klimaziele der Bundesregierung. Um das Ziel für 2030 zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß beim Heizen halbiert werden. Technisch wäre das mit elektrischen Wärmepumpen, Fernwärmeausbau und energetischer Gebäudesanierung durchaus möglich. Doch die Umstellung ist aufwendig und teuer. Und auch im Handwerk müssen Kapazitäten und Knowhow erst noch geschaffen werden.

Beginn der Sondenbohrungen für die Wärmeversorgung in einem Neubaugebiet im Allgäu: Wenn sowieso umfangreiche Erdarbeiten anstehen, ist der zusätzliche Aufwand für Tiefbohrungen oder das Verlegen von Kollektorflächen vergleichsweise gering.  (Foto: IMAGO, IMAGO / MiS)
Beginn der Sondenbohrungen für die Wärmeversorgung in einem Neubaugebiet im Allgäu: Wenn sowieso umfangreiche Erdarbeiten anstehen, ist der zusätzliche Aufwand für Tiefbohrungen oder das Verlegen von Kollektorflächen vergleichsweise gering. IMAGO / MiS

Im Neubau werden Wärmepumpen bereits am häufigsten eingesetzt

Im Neubau sind Wärmepumpen inzwischen die am häufigsten installierte Heizungstechnik. Sie nutzen eine Wärmequelle in der näheren Umgebung. Das können Erdkollektoren sein oder bis zu hundert Meter tiefe Bohrlöcher. Die meisten Wärmepumpen werden aber einfach mit Umgebungswärme aus der Luft gespeist. Das funktioniert bis zu minus 20 Grad Außentemperatur, ist allerdings deutlich weniger effizient als ein Rohrnetz im Boden.

Wenn sowieso umfangreiche Erdarbeiten anstehen, ist der zusätzliche Aufwand für Tiefbohrungen oder das Verlegen von Kollektorflächen vergleichsweise gering.

Einen Altbau nachzurüsten ist knifflig – und nicht billig

Ganz anders ist die Lage in bestehenden Wohngebieten. Dort ist oft wenig Freifläche vorhanden und der Bau eines Nahwärmenetzes lohnt nur, wenn sich mindestens die Hälfte der Haushalte anschließen lassen. Ohne Zwang ist das schwer zu erreichen. Doch wenn die Wärmewende erfolgreich sein soll, muss sie vor allem im Altbau greifen. Denn jedes Jahr wird noch nicht einmal ein Prozent des deutschen Wohnungsbestands erneuert.

Die Geschwindigkeit bei der Umstellung alter Öl- und Gasheizungen auf umweltfreundliche Wärmepumpen muss sich also mehr als verzwölffachen.

"Wir gehen davon aus, dass wir bis 2030 fünf bis sechs Millionen Wärmepumpen brauchen."

Der Branchenvertreter hat sich diese Zahl nicht einfach ausgedacht. Sie ergibt sich aus den Klimazielen der Bundesregierung. Und wie läuft so eine Umstellung des Heizungssystems im Altbau ganz praktisch?

Ein Beispiel: Paul Barth hat mit seiner Familie einen Bungalow gekaut, Baujahr 1956; die Ölheizung 30 Jahre alt. Was tun?

Eine neue Ölheizung hätte rund 8.000 Euro gekostet. Bei einer Umstellung auf Gas wären weitere 2.000 Euro für die Leitung dazu gekommen – und ein hoher laufender Energiepreis. Paul Barth hat sich am Ende für eine Wärmepumpe entschieden, Gesamtkosten rund 30.000 Euro. Weil zusätzlich auch noch eine Solaranlage aufs Dach kommt, hat er den höchsten Fördersatz von 45 Prozent bekommen. Am Ende war die Umstellung auf Wärmepumpe rund 7.000 Euro teurer als ein einfacher Austausch der alten Ölheizung. Doch damit war es noch nicht getan.

Robin Twietmeyer, der Heizungsinstallateur der Familie Barth, riet, auch eine Fußbodenheizung nachzurüsten. Der Fachmann hat die Wärmepumpe in den Bungalow von Familie Barth eingebaut. Die kann das Wasser im Heizungskreislauf auf maximal 50 Grad erwärmen. Für eine Fußbodenheizung ist das mehr als genug, Räume mit klassischen Rippenheizkörpern werden an kalten Wintertagen aber nur mit einer höheren Vorlauftemperatur richtig warm. Auch dafür gibt es spezielle Wärmepumpen, sie verbrauchen dann allerdings deutlich mehr Strom. Doch vor der Nachrüstung einer Fußbodenheizung schrecken viele Altbaubesitzer zurück, denn der Umbau ist nicht nur teuer, sondern verwandelt die Wohnräume auch in eine wochenlange Großbaustelle.

Für eine unterirdische Kollektorfläche fehlte auf dem Grundstück der Platz. Deshalb hat der Installateur zu einer Luft-Wasser-Wärmepumpe geraten. Dafür wird an der Außenseite des Hauses Luft angesaugt und nach dem Weg durch die Wärmepumpe ein paar Grad kälter wieder abgeblasen. Wegen des kalten Luftstroms und der Ventilatorgeräusche sollte das schuhschrankgroße Außengerät mindestens drei Meter Abstand von Balkonen, Terrasse und dem Nachbargrundstück haben.

Fachleute sind gefragt

Welche Wärmequelle kommt in Frage? Welche Wärmepumpenbauart soll es sein? Welche Leistung ist nötig, damit die Wohnung auch an den kältesten Tagen ohne exorbitante Zusatzkosten warm wird? All das sind Fragen, die nur ein qualifizierter Heizungsinstallateur beantworten kann.

Einsparpotenzial im Haushalt liegt bei 15 bis 20 Prozent

Studien zeigen: Durch bewusstes und sparsames Verhalten kann ein durchschnittlicher Haushalt seinen Gas- oder Ölverbrauch um 15 Prozent und den Stromverbrauch um 20 Prozent senken. Für den großen Schritt Richtung Klimaneutralität sind aber große Investitionen nötig. Der Staat hat das erkannt. Ab 2024 soll jede neu installierte Heizungsanlage zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden, der Ersatz einfacher Öl- und Gasheizungen wird verboten. Und Altbauviertel, in denen es keinen Platz gibt für Wärmepumpen oder Solarthermie, sollen mit Fern- oder kalter Nahwärme versorgt werden. Doch die Umsetzung dieser sogenannten "kommunalen Wärmeplanung" wird dauern.

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