Hurra! Ich bin Mitglied Wie ticken Smartphone-Gesellschaften?

Gespräch mit Isabell Otto

Ich bekomme eine Whatsapp-Nachricht und antworte prompt, um am Ball zu bleiben. Ich verteile Likes, bewerte meine Freunde und mich selbst. Was hält diese digitalen Gemeinschaften zusammen, wie funktionieren sie? Das erforscht die Medienwissenschaftlerin Isabell Otto an der Universität Konstanz. 

Dauer

Forschung ohne Kulturpessimismus
Isabell Otto will die neuen digitalen Medien und die dazugehörigen neuen Gemeinschaftsformen weder dämonisieren noch einseitig euphorisch bewerten. Sie analysiert mit sachlichem Blick, ohne dabei vom Untergang des Abendlandes oder von einem neuen gefährlichen digitalen Kapitalismus zu sprechen.   

junge Frau steht auf der Straße und schaut auf ihr Smartphone (Foto: swr -)
"Generation Kopf unten" swr -

Die neue Flüchtigkeit 
Ob Whatsapp, Snapchat, Tinder oder Runtastic - es lockt ein großes Versprechen, so Otto: Mitglied einer zukünftigen grenzenlosen Kommunikations-Gemeinschaft zu sein. Andererseits lauern aber auch Zumutungen: Schnell auf jede Nachricht antworten, eben noch mal ein Like posten, rasch das neueste Foto einstellen, alles nur, um "in" zu bleiben.

Beide Elemente - Zumutung und Versprechen - bestimmen diese Gemeinschaften. Zugleich sind sie aber auch flüchtig, denn nur solche Plattformen haben Bestand, auf denen ständig Neues gepostet werde und die Vernetzung ständig fortschreitet, sagt Otto. Es gehe dabei letztlich um neue spielerische Elemente, die in den Alltag hineinsickerten.

Neue Herausforderungen 
Es gibt mittlerweile keine Trennung mehr zwischen dem Online- und dem Offline-Bereich, weil jeder Mensch sein Smartphone und die virtuelle Realität quasi mit sich "herumträgt". Und da die digitalen Gemeinschaften nicht greifbar seien und sich ständig wandelten, könne man – warnt Isabell Otto - solche negativen Phänomene wie Shitstorm oder Hatespeech letztlich nur schwer kontrollieren. Man habe es mit Empörungsgemeinschaften zu tun, die so flüchtig seien, dass sie auch kein Gewissen mehr aufbauen würden. Das sei eine Gefahr und eine Herausforderung zugleich.

Isabell Otto, Professorin für Medienwissenschaft, Universität Konstanz (Foto: SWR, Universität Konstanz -)
Isabell Otto, Professorin für Medienwissenschaft, Universität Konstanz Universität Konstanz -

Isabell Otto studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Freiburg, Köln und in Paris. Seit 2015 ist sie Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Konstanz mit Schwerpunkt mediale Teilhabe in digitalen Kulturen. Ihre Forschungsinteressen sind: Diskursgeschichte der Medien, Medien in der Wissenschaftsgeschichte, Film- und Fernsehästhetik, Digitale Medien und Zeitlichkeit, Soziale Medien, Medien der kollektiven Intelligenz. 

Bücher:
- In Vorbereitung: Die Zeit der Vernetzung. Zeitordnungen unter der Bedingung digitaler Medien
- Aggressive Medien: Zur Geschichte des Wissens über Mediengewalt. transcript-Verlag, 2008

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