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Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan.

Geld bestimmt Forschung WHO in der Krise

Die wachsende Abhängigkeit von freiwilligen und zweckbestimmten Spenden, insbesondere der Gates-Stiftung, führt dazu, dass sich die Weltgesundheitsorganisation WHO primär dem Kampf gegen Infektionskrankheiten widmet. Soziale Faktoren werden vernachlässigt.

Am 14. März 2017 meldet der US-Fernsehsender CNN, die US-Regierung wolle ihre Zuwendungen an die UNO und insbesondere die Weltgesundheitsorganisation WHO um fast die Hälfte reduzieren. Damit wird die WHO noch abhängiger von Geldgebern mit ganz eigenen Interessen. Thomas Gebauer, Geschäftsführer der deutschen Gesundheitsorganisation medico international bedauert das: " Wenn Bill Gates morgen sagt, „ich habe kein Interesse mehr an Gesundheit; ich investiere mein ganzes Geld in Erziehungsfragen, zum Beispiel“, dann wäre die WHO am Ende.

Arzt hält eine Spritze in der Hand / Geldscheine

WHO ist abhängig von privaten Spendern und Stiftungen

Mitgliedsländer bluten die WHO aus

Bis 1993 finanzierte sich die WHO überwiegend von Pflichtbeiträgen der Mitgliedstaaten – bemessen nach Bevölkerung und Sozialprodukt. Dann setzten die USA durch, dass die Pflichtbeiträge eingefroren wurden. Heute liegt der Anteil der Mitgliedsbeiträge am WHO-Budget nur noch bei 20 Prozent. 80 Prozent finanzieren zweckgebundene Spenden wohlhabender Regierungen, Pharma-Unternehmen und Stiftungen.

Spenden und Stiftungen schließen die Finanzlücke

Größter Geldgeber nach den USA ist die Bill- und Melinda Gates Stiftung mit einem Kapital von 43 Milliarden Dollar. Sie stiftet der WHO für 2016 und 2017 insgesamt 630 Millionen Dollar. Das sind über 14 Prozent des WHO-Gesamt-Budgets. Dafür legt die Stiftung fest, wofür das Geld verwendet werden soll. Chris Elias, Präsident des „Programms für globale Entwicklung“ der Gates Stiftung betont, dass es den Gates in erster Linie darum geht, die Gesundheit von Kindern und ihren Müttern zu verbessern. Finanziert werden auch die Suche nach Malaria-Impfstoffen und der Kampf gegen Mangelernährung. Allein um die Kinderlähmung auszurotten, hat die Gates Stiftung bisher 1,6 Milliarden Dollar investiert. Mit Erfolg : 2016 gab es weltweit nur noch 37 Polio-Fälle. Die Stiftung hat Millionen Menschen das Leben gerettet.

Wer bezahlt bestellt

Doch Bill Gates übt auch Macht aus, er setzt sein Konzept von Gesundheit durch. Experten kritisieren, dass die Gates-Stiftung vor allem auf Maßnahmen setzt, die rasche Erfolge versprechen und andere Geber motivieren, ihre Gelder ebenfalls in diese Projekte zu investieren. Auf der Strecke bleiben dabei jedoch WHO-Aufgaben wie der Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme in armen Ländern. Das räumt WHO-Direktor Gaudenz Silberschmidt ein. Auch der Kampf gegen soziale Ursachen von Krankheit wird vernachlässigt- obwohl die WHO sich den seit 1980 ganz oben auf die Fahnen geschrieben hat. So verhungern zwar weltweit weniger Menschen als früher, zugleich jedoch wächst die soziale Ungleichheit.


In Indiens Slums ist Tuberkulose auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen vegetieren in bedrückender Armut dahin – zum Beispiel in Tansanias Hauptstadt Daressalam. Dort lebt die Familie Maneno in einem Slum. In einer fensterlosen Kammer teilen sich Mutter Rama, Tochter Ashazi und zwei Enkel ein Bett. Die dreißigjährige Ashazi ist zum Skelett abgemagert; sie kann kaum mehr trinken. „Tuberkulose Endstadium“ sagt der Arzt Blasdus Njako. Den Erreger der Krankheit, das Mycobakterium tuberculosis, trägt fast jeder dritte Mensch in sich; zum Ausbruch kommt die Krankheit aber nur bei nachhaltig geschwächtem Immunsystem – infolge von HIV/Aids oder von chronischer Armut.


Arme haben kaum Chancen auf Gesundheit

Die Patienten des Arztes Njako leben in elenden Hütten – mit kleinsten Fenstern, fast ohne Belüftung. In einem Raum schlafen bis zu 15 Personen. Dieses Leben Hunderttausender Menschen auf engstem Raum fördert die Ausbreitung der Tuberkulose. Arzt Njako kann kaum etwas dagegen tun. Weltweit sterben Jahr für Jahr rund zwei Millionen Menschen an Tuberkulose. Diese Zahl wird erst sinken, wenn der Krankheit der Nährboden entzogen wird – und das ist die bittere Armut.

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