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99,2 Dezibel! So laut kann ein Geschlechtsorgan sein, und zwar das der männlichen Ruderwanze. Dabei ist sie gerade mal 2 Millimeter groß. Das ist kleiner als ein Reiskorn. Und die 99,2 Dezibel sind etwa so laut wie ein vorbeidonnernder Güterzug.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:05 Uhr
Sender
SWR2

Wie ist das möglich? Und wie kann man überhaupt mit seinem Geschlecht so einen Krach machen?

Penis-Musik imponiert den Ruderwanzen-Damen

Um ihn uns vorzustellen, geben wir dem kleinen Ruderwanzen-Kerl doch erstmal einen Namen. „Micronecta scholtzi“ heißt er unter interessierten Biologen.

Scholtzi also lebt als Wasser-Insekt recht beständig am Grund von Teichen und Tümpeln. Wenn er Lust hat, also wenn er in Balzstimmung ist, reibt er einfach sein geripptes Geschlechtsteil an einer Kante seines Bauchs. Aus Erfahrung weiß er, dass das eine ziemlich eindringliche „Musik“ macht – vom Prinzip her wie die mit einem Waschbrett. Den anwesenden Damen unter den Ruderwanzen scheint das zu imponieren. Sie haben zugegebenermaßen aber auch keine andere Wahl.

Wasser dämpft ohrenbetäubenden Balzgesang von Micronecta scholtzi

Rastet man als Spaziergänger gemütlich an Scholtzis Teich, muss man sich aber nicht die Ohren zuhalten. Das Wasser dämpft die Lautstärke des ohrenbetäubenden Balzgesangs glücklicherweise auf ein Dezibel ab. Und so klingt der kleine Kraftprotz doch fast ein bisschen romantisch.

Wasserzikade: lautestes Tier der Welt – im Verhältnis zur Körpergröße

Wegen dieser Klänge wird unser „Micronecta Scholtzi“ übrigens auch Wasserzikade genannt und gilt durch seinen „Gesang“ als das – im Verhältnis zu seiner Körpergröße – lauteste Tier der Welt. Ja, darauf kann sich das kleine Ruderwanzen-Mannsbild wirklich was einbilden.

Und sie? Fräulein Ruderwanze? Sie ist eher eine stille Natur: darf einfach nur schön und faul sein und Scholtzis „Musik“ lauschen. Bei der menschlichen Spezies wird DAS in Zeiten des Feminismus nicht mehr akzeptiert.

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