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Gefühlsblind Wenn Männer in Frauenaugen schauen

"Ich schau dir in die Augen, Kleines." Allerdings dürfte Bogart in den Augen von Ingrid Bergmann wenig entdeckt haben. Denn Psychologen der Universität Bochum haben in einer Studie herausgefunden, dass Männer kaum in der Lage sind, die Gemütslage von Frauen an deren Augen-Ausdruck richtig zu erkennen.

Sänger und Sängerin schauen sich beim Singen in die Augen

Können Männer die Gefühle von Frauen in deren Augen erkennen? Die Wissenschaft sagt: Nein !

Ein bestimmter Teil des männlichen Gehirns kann mit weiblichen Augensignalen ausgesprochen wenig anfangen, sagt Professor Boris Schiffer von der Universität Bochum. Wenn Männer Frauen oder Geschlechtsgenossen in die Augen blicken, reagiert die Amygdala unterschiedlich. Bei Hirnmessungen per Magnetresonanztomographie hat der Experte für forensische Psychiatrie bei den männlichen Betrachtern festgestellt, dass beim Erkennen weiblicher Emotionen keine Areale des Emotionsverarbeitungssystems aktiviert waren, sondern eher Areale, die mit kognitivem Schlussfolgern zu tun haben.

Männer verstehen tatsächlich nur Bahnhof

Und das lässt den Schluss zu, dass männliche Augen bei Männern stärkere Emotionen auslösen und deswegen auch diese emotionale Empathie stärker genutzt werden kann, um den anderen zu verstehen, als das beim Betrachten von weiblichen Augen der Fall ist. Hier muss man viel stärker kognitive Ressourcen aktivieren, Erinnerungen aktivieren, um tatsächlich nur aus den Augen ein Bild darüber zu bekommen, wie diese Frau gerade tickt.

Frauenquote

Frauenaugen sagen Männern weniger als Männeraugen

Zu diesem Ergebnis gelangte Prof. Boris Schiffer mehr oder weniger nebenbei. Eigentlich ging es ihm um die Analyse des Verhaltens von Gewalttätern. Ausgangssituation war die, dass die Forscher untersuchen wollten, ob Gewaltstraftäter sich von normalen Männern darin unterscheiden, wie gut sie Emotionen in den Augen anderer Menschen lesen können.

Kommst Du mit in Höhle?

Die Fähigkeit, Emotionen bei anderen Menschen zu lesen, ist ein wichtiger Bestandteil dafür, in sozialen Situationen angemessen reagieren zu können. Darum konfrontierte der forensische Psychiater neben der Gruppe der Gewalttäter auch einer gesunden Kontrollgruppe im Alter zwischen 21 und 52 Jahren mit Bildern von männlichen und weiblichen Augenpaaren.

Unterscheiden sollten sie nicht nur die Geschlechter, sondern auch ob die Augen einen sarkastischen Ausdruck tragen oder ob sie arrogant oder freundlich wirken. Was das ursprüngliche Untersuchungsziel betraf, so kam heraus, dass Gewalttäter auch neutrale Augenausdrücke sowohl von Frauen als auch von Männern als bedrohlich empfanden und damit ihre Verhaltensweisen bestätigten.

Als Kind schon auf Mann geeicht

Aus dem Rahmen fiel hingegen die gesunde männliche Kontrollgruppe beim Betrachten weiblicher Augenpaare. Beim Gefühl des weiblichen Ausdrucks lagen die Männer doppelt so oft daneben wie beim männlichen Ausdruck.

Rückansicht eines Mannes und einer Frau, die vor zwei Aufzügen stehen.

Der Mann ist der Feind des Mannes?

Für das tägliche Miteinander der Geschlechter bedeutet das: Männer sind nicht in der Lage, anhand des Augenausdrucks die Gefühlslage von Frauen richtig zu begreifen und darauf einzugehen. Im Unterschied zu den Signalen, die männliche Augen aussenden. Männliches Verhalten, sagt Prof. Boris Schiffer nach der Auswertung der Messergebnisse, ist in dessen Gehirn offenbar auf den ihm seit Urzeiten bekannten Feind Nummer eins geeicht. Nämlich auf den Mann.

Der verkannte Feind

Im Zuge der Gleichberechtigung der Geschlechter haben Männer augenscheinlich die schlechteren Karten. Oder mit anderen Worten: sie haben bei der sozialen Evolution nicht Schritt halten können. Nach dieser Untersuchung erkennen Männer nur Männer als potenzielle Feinde. Nicht aber selbstbewusste feminine Pendants von heute. Das macht es ihnen so schwer, Frauen – jedenfalls was deren Augenausdruck anlangt – zu verstehen, resümiert Boris Schiffer. Denn Frauen begreifen sich längst nicht mehr als willfährige Opfer.

Zwei Mal hinschauen

Frauenquote

Wie würden Frauen bei so einer Studie abschneiden?

Eine Studie über Frauen und ihre Möglichkeiten, an männlichen oder weiblichen Augenpaaren zu erkennen, gibt es bisher noch nicht. Das wäre womöglich ein weiterer Schritt, um das Verhältnis der Geschlechter zueinander zu verbessern. So aber muss so mancher Mann bei der Diskussion über eine Frauenquote in Führungspositionen oder auch über die Führungsrolle in privaten Beziehungen über seine ihm nachgewiesene Unzulänglichkeit noch länger erfolglos sinnieren, bis er versteht, worum es geht.

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