Klimawandel

Weltklimarat: 1,5 Grad Erderwärmung droht schon ab dem Jahr 2030

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IPCC: über 14.000 Studien ausgewertet

Der Weltklimarat IPCC hat den ersten Teil seines neuen Sachstandsberichts vorgelegt. Mehr als 14.000 Studien zum Klimawandel wurden ausgewertet. Fazit: Schon ab dem Jahr 2030 könnte die Erwärmung bei 1,5 Grad liegen.

Erderwärmung durch vom Menschen verursachte Treibhausgas-Emissionen

Schon ganz am Anfang wird der Report sehr deutlich: Der Mensch und die von ihm verursachten Treibhausgas-Emissionen stecken hinter der Erderwärmung. Letzte Zweifel daran sind aus Sicht der Wissenschaftler ausgeräumt. Die steigenden Temperaturen wiederum, auch das ist unstrittig, verursachen:

  • Hitzewellen
  • Dürren
  • Stürme
  • Starkregen
  • Anstieg und Versauerung der Meere
  • Abschmelzen von Pol-Eis und Gletschern

Keine Region der Welt bleibt ausgespart, sagt der Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe eins, Panmao Zhai:

"Der Klimawandel betrifft bereits jede Weltregion in vielfacher Weise."

Auch Deutschland und Mitteleuropa bleiben von schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels nicht verschont, so Sonia Seneviratne von der ETH Zürich, Mitautorin des Berichts: "Wie sehen aus Beobachtungen ganz klar, dass Hitzewellen intensiver geworden sind und häufiger auftreten. Wir sehen auch, dass es eine Zunahme von Starkniederschlägen gibt, was konsistent mit dem Ereignis vor ein paar Wochen ist. Und in Projektionen sehen wir eine Zunahme von Dürren, vor allem Dürren, die für die Landwirtschaft und Ökosysteme relevant sind. Das heißt, wir sehen ganz klar, dass Deutschland und Zentraleuropa auch sehr stark vom Klimawandel betroffen sind."

Vorhersagen und Modelle werden immer präziser

Wo mit welcher Wahrscheinlichkeit welche Probleme auftreten werden, das können die Forscherinnen und Forscher inzwischen mit nie dagewesener Genauigkeit sagen. Die Wissenschaft hat große Fortschritte gemacht, sodass die Modelle inzwischen sehr viel präziser sind, sagt Klimaforscher Douglas Maraun von der Uni Graz, auch er Mitautor des Reports:

"Da kommen wir mittlerweile auf die Kilometer-Skala und können da dann einzelne Gewitter darstellen oder den Einfluss der Topografie viel, viel besser darstellen."

Ideal bis Horror: 5 Emissions-Szenarien

Fünf Emissions-Szenarien haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgearbeitet. Von einem, in dem die Kohlendioxid-Emissionen schnell und drastisch verringert werden und bis 2050 bei Netto Null liegen. Bis hin zu einem Szenario, in dem sich die Emissionen bis 2050 verdoppeln und bis 2100 sogar verdreifachen. Also sozusagen Ideal- bis Horrorszenario. Die Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe eins, Valérie Masson-Delmotte: "Wenn wir schnell die Treibhausgas-Emissionen reduzieren, wenn wir bis 2050 Netto Null CO2-Emissionen erreichen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 Grad begrenzen."

Schreitet allerdings die Erwärmung so voran wie derzeit, liegen wir schon 2050 mehr als 2 Grad über dem vorindustriellen Zeitalter. Die Pariser Klimaziele sind also noch erreichbar, allerdings nur im extrem optimistischen Ideal-Szenario, und auch nur dann, wenn 2050 zudem damit begonnen wird, der Atmosphäre überschüssiges Kohlendioxid wieder zu entziehen. Und selbst dann wird es knapp, sagt Sonia Seneviratne:

"Ich glaube, die Dringlichkeit ist ein wichtiger Punkt. Wenn die Politiker es ernst meinen mit dem Pariser Abkommen, dann ist jetzt der letzte Punkt zu handeln."

Geduld ist erforderlich: Das Klima reagiert träge

Was die Sache zusätzlich erschwert: Das Klima reagiert träge. Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, auch er Mitverfasser des heute vorgelegten Berichts: "Stellen wir uns eine Welt vor, in der die Emission schnell heruntergefahren wird. Wann sehen wir das denn eigentlich? Und die Antwort ist: In CO2-Konzentrationen sehen wir das in 5 bis 10 Jahren. Aber in den Veränderungen der bodennahen Lufttemperatur wird es ungefähr 20 Jahre dauern, bis wir das sehen. Das heißt also, wir brauchen viel Geduld. Es gibt keine schnelle Belohnung."

Der Anstieg des Meeresspiegels beispielsweise oder die Versauerung der Ozeane würden sogar im besten der fünf Szenarien noch Jahrhunderte oder Jahrtausende weitergehen. Nur eben unterschiedlich dramatisch….

Es ist ein sehr detailliertes, fundiertes und in Summe ziemlich beklemmendes Bild, das dieser erste Teil des neuen Sachstandsberichts zeichnet. Und doch sieht Valérie Masson-Delmotte auch Grund zur Hoffnung:

"The climate we experience in de future depends on our decissions – now."

Will heißen: Wir haben es – noch – selbst in der Hand.

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