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Die Andromeda-Galaxie

High-Tech-Kleidung für den Weltraumeinsatz Alles für den All-Tag

SWR2 Impuls. Von Anneke Meyer

Leben im Weltraum, das geht bisher auf der ISS und im Science Fiction Roman. Forscher und Ingenieure sind der Zeit aber immer gerne einen Schritt voraus und entwickeln heute schon die Möglichkeiten, die bei einer Besiedlung von Raumstationen und fremden Planeten in der Zukunft zum Einsatz kommen könnten. Auf der internationalen Messe für technische Textilien, Techtextil werden solche Materialen zum Bauen, Wohnen und Leben im All vorgestellt.

Der Mars gehört zu den Welten, die noch nie ein Mensch gesehen hat. Die Weltraummission findet nur in der virtuellen Realität statt. Die Wirklichkeit spielt auf der Messe für Technische Textilien, Techtextil in Frankfurt. In Kooperation mit der Europäischen Raumfahrtagentur, ESA, werden hier Stoffe vorgestellt, mit denen der Traum vom Leben im All Wirklichkeit werden soll.

Reinhold Ewald ist Professor für Astronautik an der Uni Stuttgart und war 1997 mit der Sojus 25 Mission selber im All: „Wir haben bei der Weltraumfahrerei das Problem, dass wir alle Materialien, die wir benutzen in den Weltraum bringen müssen. Das ist sehr aufwendig. Da spielen Textilien natürlich eine Rolle, weil die am meisten formbar und am leichtesten sind.“

Auf der internationalen Messe für technische Textilien, Techtextil, werden Gewebe für die Zukunft der Raumfahrt vorgestellt

Auf der internationalen Messe für technische Textilien, Techtextil, werden Gewebe für die Zukunft der Raumfahrt vorgestellt

Textilien sind im All vielfältig einsetzbar

Gewebe braucht man in der Raumfahrt deshalb nicht nur um Kleidung herzustellen. Für die außerirdische Zukunft sehen Wissenschaftler, Ingenieure und Designer noch viele andere Einsatzmöglichkeiten für Textilen. Zum Beispiel, wenn es darum geht sich häuslich nieder zu lassen: Das Space-Habitat ist eine Art Weltraumzelt, das zukünftig auf dem Mond umgesetzt werden soll.

Der Rohstoff aus dem der Hersteller MDT-Tex das Funktionsgewebe fertigt, ist schon länger fester Bestandteil des Weltall-Tags: PTFE, besser bekannt als Teflon, hält Temperaturschwankungen über mehrere hundert Grad aus, ist Flüssigkeits- und Schmutzabweisend. Durch eine spezielle Webtechnik wird das Material flexibel und extrem reißfest.

Auf der internationalen Messe für technische Textilien, Techtextil, stellt Reinhold Ewald den "SkinSuit" vor

Reinhold Ewald stellt den Trainingsanzug für Astronauten "SkinSuit" vor

Ähnliche Stoffe werden bei Weltraumanzügen für den Außeneinsatz verwendet. Für das tägliche Leben im Inneren der Raumstation muss Kleidung aber noch ganz andere Dinge können, weiß Astronaut Reinhold Ewald aus eigener Erfahrung: „Der SkinSuit ist ein Trainingsanzug für die Muskeln und die Knochen, die unter Schwerelosigkeitsbedingungen permanent abgebaut werden. Die brauchen die Last des Körpers nicht zu tragen, also gehen sie in Stand-by Modus und verlieren an Muskel und Knochenmasse.“

Der SkinSuit unterstützt die Gesundheit der Astronauten

Eine der vielen Nebenwirkungen: Die Wirbelsäule der Astronauten streckt sich, wird gerade und weniger stabil. Nach sechs Monaten im All wieder auf der Erde gelandet, haben etwa die Hälfte aller Weltraumpiloten Rückenbeschwerden. Ein dreijähriger Flug zum Mars würde bei der Ankunft im Gravitationsfeld des roten Planeten mindestens einen Bandscheibenvorfall nach sich ziehen. Das Training mit dem "SkinSuit" könnte dem vorbeugen.

Studenten der Berliner Modeschule ESMOD haben futuristische Weltraum-Kleidung entworfen

Studenten der Berliner Modeschule ESMOD haben futuristische Weltraum-Kleidung entworfen

Der "SkinSuit" wurde von der ESA schon im Weltraum getestet. Funktional ist er, modisch eher weniger. Ganz im Gegensatz zu den futuristischen Kleidern, die Studenten der Berliner Modeschule ESMOD für die Abteilung für Technologietransfer der ESA entworfen haben. Hinter den Stoffen dieser Kollektion für zukünftige Marsianer und Erdenbürger steckt eine gut Dosis Fiction. Ob die Entwürfe mit Umhängen und Pailletten für das All wirklich geeignet sind, bleibt offen.

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